IFA 2015: Wo sind all die Innovationen hin?

Heute geht in Berlin die 55. Auflage der Elektronikmesse IFA zu Ende. In den letzten Tagen haben die zahlreichen Hersteller ihre neuen Produkte gezeigt und vorgestellt. Auf 150.000 Quadratmetern tummeln sich von Jahr zu Jahr mehr Hersteller. Doch eines hat mir persönlich dann doch gefehlt: die bahnbrechenden Innovationen – vor allem im Mobilbereich.

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Die Internationale Funkausstellung auf dem Berliner Messegelände zählt seit mehr als 50 Jahren zu den größten Elektronikmessen weltweit. Hersteller aus aller Herren Länder zeigen ihr aktuelles Portfolio und nutzen die Gunst der Stunde um Neuheiten zu präsentieren. Ganz vorn dabei ist in den letzten Jahren auch die Mobilfunkindustrie, die neue Produktgenerationen vorstellt. Doch wie innovativ sind die Geräte wirklich?

Besonders im Android-Bereich werden die Entwicklungsschritte von Jahr zu Jahr kleiner. So stellte Sony mit dem Z5 Premium das erste Smartphone mit einem 5,5 Zoll großem 4K-Display vor. Wirklich sichtbar ist der Unterschied zu einem vergleichbaren FullHD-Screen allerdings nicht. Wenigstens verzichten die Hersteller indessen auf das Pixelwettrüsten der Kameramodule. OEMs wie ASUS haben mit ihren Geräten ZenPhone Zoom und ZenPhone Selfie erkannt, dass die Pixelzahl nicht alles ist und unter anderem einen optischen Zoom und schnellen Laserfokus integriert. Doch „richtige“ Neuerungen sind das nicht. Auch der Fingerabdruck-Scanner, der in immer mehr Smartphones wie dem Huawei Mate S oder Sonys Z-Serie zum Einsatz kommt, ist mittlerweile ein alter Hut und nicht wirklich revolutionär.

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Schaut man sich im Bereich der Tablets um, sieht es nicht viel besser aus. Außer den üblichen Leistungsoptimierungen wie bei ASUS‘ ZenPad, Acers Iconia-Tablets oder LGs G Pad 2 sah man auf der Messe wenig Neues. Schneller, schmaler, leichter ist eben nicht alles. Und ein extravagantes 8 Zoll Predator Gaming-Tablet mit vier Lautsprechern und nur 2 GB Arbeitsspeicher? Come on Acer, was ist verkehrt mit euch? Einzig LGs Rolly Keyboard, einer rollbaren Bluetooth-Tastatur, stach etwas aus der Masse heraus. Auch wenn der Tastenabstand sowie der Druckpunkt hätten deutlich besser gestaltet werden können. Wirklich innovativ fand ich allein eine Peripherie von Bamboo – dem Spark-Notizblock. Mittels Sensoren, die unter einem herkömmlichen Schreibblock liegen, kann das Geschriebene direkt in das Tablet übertragen und bearbeitet werden.

In Sachen Smartwatch gibt es ebenfalls keine großen Leistungssprünge zu vermelden. Hersteller wie ASUS, Huawei oder Samsung zeigten in gewissem Maße Evolutionen ihrer bisherigen Geräte, die mit besserer Usability daherkommen. Sorgenkind bei den smarten Alltagsbegelitern ist und bleibt die Akkulaufzeit, die weiterhin nur 1-2 Tage beträgt. Beeindruckend war die große Bandbreite an Fitnesstrackern, die den Markt regelrecht überschwemmen – hier seien exemplarisch die neuen Modelle von Fitbit und Runtastic genannt. Im Stile herkömmlicher Armbanduhren tragen sie nicht allzu stark auf und bieten trotzdem sportliche Features.

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Erfreulich ist außerdem zu sehen, dass sich kleinere Hersteller wie ZTE oder auch ARCHOS langsam aber sicher auf dem Markt etablieren. Erstere haben mit dem Axon Blade ein Flaggschiff-Gerät mit Snapdragon 810- Prozessor zu einem Kurs von 449 Euro vorgestellt. Auch wenn die Verarbeitung sowie Materialanmutung nicht ganz auf dem Niveau der Konkurrenz ist, dürfte das Telefon für Normalanwender mehr als ausreichend sein. ARCHOS zeigte mit der Diamond-Serie attraktive Mittelklasse-Geräte mit MediaTek-SoC und ansprechendem Design. Auch hier dürfen wir auf die Zukunft sicher gespannt sein und vielleicht bald erste High-End-Geräte erwarten.


Image „IFA“ by Philipp Zahn (CC BY 2.0) via Flickr


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.