Withings Go im Test: Vielseitiger Fitness-Tracker für Anspruchslose

Selbstkontrolle und Selbstoptimierung ist nicht zuletzt durch Fitness-Tracker zu einem wichtigen Thema geworden. Einer der Vorreiter aus dem Nachbarland Frankreich ist der Hersteller Withings, der seit einigen Wochen mit dem Withings Go ein vielseitiges und zugleich preisgünstiges Einsteiger-Modell mit E-Ink-Display anbietet. Doch wie schlägt sich das Gadget im Alltag? Wir haben es in den letzten Wochen versucht heraus zu finden.

Viele Elektronikhersteller haben das Fitness-Segment für sich entdeckt und versuchen Käufer für das eigene System anzuwerben. So auch Withings, der sich 2014 mit den Activité-Modellen auf die Fahne geschrieben hatte, analoge Armbanduhren mit smarten Zusatzfunktionen auszustatten. Mit dem neuen Withings Go setzt das Unternehmen auf ein monochromes E-Ink-Display sowie Variabilität. Im Inneren der schlichten Verpackung befindet sich nämlich keine komplett anlegbare Uhr, sondern ein Funktionskern, der wahlweise mit einem klassischen Armband oder einen Clip ausgestattet werden kann. Außerdem liegt neben der Schnellstartanleitung eine Knopfzellen-Batterie (CR2032) sowie ein Installationswerkzeug bei.

In Sachen Materialwahl merkt man die deutlichen Abstriche gegenüber den Schwestergeräten: Die Funktionseinheit sowie der Clip bestehen aus billig wirkendem Kunststoff, das Armband aus Silikon. Auch die Verarbeitungsqualität könnte besser sein. Besonders bei sommerlichen Temperaturen ist das Tragen am Handgelenk mit unangenehmen Schwitzen verbunden. Nutzer mit empfindlicher Haut kämpfen dadurch mit Rötungen und Hautirritationen. Dafür ist der Withings Go angenehm leicht und stört beim Tragen kaum. Das kontraststarke, monochrome Display lässt sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung sehr gut ablesen. Bei Bedarf kann der Kontrast nachträglich eingestellt werden.

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Billige Hardware, leistungsstarke Software

Das erste Verbinden mit dem Smartphone über Bluetooth geht schnell von der Hand. Für die Datenerfassung muss die Withings-eigene App Health Mate auf das Android-Telefon geladen werden, die ihre Daten auch mit der Google-App Fit zu teilen vermag. Anschließend kann das Neugerät konfiguriert werden. Der Nutzer muss dann auswählen, ob der Tracker per Armband am Handgelenk oder per Clip an der Hose getragen werden soll. Trifft letzteres zu, kann allerdings systembedingt keine Erfassung der Schlafphasen erfolgen. Womit wir beim nächsten Punkt wären, dem Funktionsumfang.

Wie auch die Schwester-Serie Activité zeichnet der Go neben der eigentlichen Schrittzahl auch deren Intensität sowie Schlafphasen und Schwimmaktivitäten auf. Die Rundanzeige stellt dabei den Tagesfortschritt dar – Standard ist ein Tagesziel von 10.000 Schritten. Drückt man auf das Display zeigt der Withings Go die Uhrzeit analog an. Für all diese Funktionen muss keine permanente Verbindung zum Smartphone hergestellt sein. Dank kleiner Datenmengen können bis zu 5 Tage ohne Synchronisation mit dem Withings-Account auf dem Gerät aufgezeichnet werden. Reizt man den Speicher voll aus, dauert jedoch das Synchronisieren entsprechend lang. Trotz der großen Reichweite des Bluetooth-Standards 4.1 sollte der Tracker dann nicht mehr als 1 m vom Smartphone entfernt sein. Ansonsten droht der Verbindungsabbruch und nerviges Neuverbinden.

Clevere Trage-Modi mit Kompromissen

Im Test-Alltag funktionierte der Withings Go ohne Probleme. Allerdings gibt es bei der Funktionsfähigkeit einige Nachteile aufgrund des Messens per Gyrosensoren. Nutzt man das Gadget am Handgelenk, erkennt das Geräte Schritte nur mit bewegendem Arm zuverlässig. Trägt man hin und wieder Kartons, schiebt Einkaufs- und Kinderwagen oder fährt einfach nur Fahrrad zeichnet der Go nur einen kleinen Bruchteil der getätigten Schritte auf. Zuverlässiger funktioniert das im Clip-Modus für Gürtel oder Hosentasche, da Bewegungen im Beckenbereich stetiger und damit besser protokollierbar vonstatten gehen. Dafür könnt ihr dann keinerlei Schwimmaktivitäten und wie bereits beschrieben keine Schlafphasen aufzeichnen.

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Gut funktioniert das Zusammenspiel mit der App „Health Mate“, die als Schaltzentrale gilt und alle Aktivitäts-Informationen bündelt. Schritte werden je nach Intensität in Gelb, Orange oder Rot angezeigt, Tief-Schlafphasen in dunkelblau, Phasen des flachen Schlafs in Hellblau. Inwieweit das nun mit der Realität übereinstimmt, können wir leider nicht final überprüfen. Nutzt man weitere Withings-Produkte wie die intelligente Body-Cardio-Waage oder den Pulsmesser Pulse Ox können zusätzliche Daten wie Gewicht oder Pulsfrequenzen in der Anwendung hinterlegt werden. All das mündet in einem motivierendem Achievement-System sowie einer eigenen Social-Plattform, auf der man sich mit Freunden und Bekannten in Sachen Aktivität und Fitness duellieren kann.

Bravourös zeigt sich der Withings Go auch in Sachen Batterielaufzeit. Anders als die meisten Mitbewerber setzen die Franzosen nämlich nicht auf einen wiederaufladbaren Lithium-Akku, sondern eine handelsübliche CR2032 Knopfbatterie, die das Gadget bis zu 8 Monate mit Strom versorgen soll. Über diesen Zeitraum konnten wir das Gadget selbstverständlich nicht testen. Allerdings liefert das analoge Pendant der Withings Activité Pop (Test auf Netzpiloten) mit rund 6 Monaten ganz beachtliche Werte, die ähnlich übertragbar sein dürften.

Fazit Withings Go: Günstiger Fitness-Tracker mit Design-Abstrichen

Mit der Activité und der Activité Pop hat Withings Activity-Tracker mit der Optik analoger Armbanduhren auf den Markt gebracht. Damit hat der Anbieter für einen Paukenschlag gesorgt. Nun springt das französische Unternehmen auf den Zug der monochromen, kontrastreichen E-Ink-Displays auf. Mit dem Go bringt es ein günstigeres Schwestermodell. Auch wenn das Gadget vor allem jüngere Zielgruppen ansprechen soll, wirkt die Ausführung billig – vor allem wenn man das Modell präsent am Handgelenk trägt. Schade, denn unter der Haube befindet sich die ausgereifte und gut harmonierende Technik der teueren Geräte Activité und Activité Pop gepaart mit zusätzlicher Variabilität.

Im Testzeitraum zeigte das Gadget keinerlei Ausfälle – ausgenommen der angesprochenen Ungenauigkeiten. Abgesehen davon bringt die alltägliche Nutzung des Go richtig Spaß und spornt dank Achievement-System zum verstärkten Bewegen an. Die Batterielaufzeit ist durch das ressourcenschonende E-Ink-Display mit 8 Monaten besser als bei den meisten Mitbewerbern von Xiaomi und Co. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 69,95 Euro bietet Withings alles in allem preiswerte, motivierende Tracking-Technik, die allerdings ein hochwertigeres Äußeres verdient hätte.

About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.