Google Daydream View: Highend-Brille für mobile Virtual Reality für 69 Euro

Daydream View ist nicht von Pappe. Das erste Modell des neuen Referenzdesigns für Virtual Reality von Google (hier zum Test) ist hochwertiger produziert, bietet mehr Sensoren und sogar einen eigenen Controller mit Gestensteuerung. Dafür kostet das gestern in Berlin auf der Keynote #MadebyGoogle vorgestellte Gerät auch 69 Euro. Headsets nach der Cardboard-Machart liegen bei rund 20 Euro.

Wenn Daydream View im November im Handel erscheint, funktioniert es Stand jetzt nur mit den beiden neuen Google-eigenen Smartphones Pixel und Pixel XL. Für sie werden wenigstens 759 Euro bzw. 899 Euro fällig. Damit kostet die Kombination ungefähr genau so viel wie ein gebrauchsfertiges Gear-VR-System von Samsung. Da aber bald viel mehr Daydream-taugliche Smartphones erscheinen sollen, könnte Googles neue Plattform hochwertiger mobiler Virtual Reality eine veritable Breitenwirkung verschaffen.

VR-Brille mit Style

Wie bei mobiler VR üblich, ist Daydream View ein Gestell, aus dem ein funktionsfähiges VR-System wird, wenn man ein Smartphone in die Fronthalterung montiert. Augennahe Lupenlinsen vergrößern das Display des Smartphones, das als Bildschirm- und Recheneinheit dient.

Daydream View ist aber deutlich schicker als viele andere Headsets. Das Gehäuse ist mit atmungsaktivem Stoff überzogen, der der VR-Brille die Anmutung eines Kleidungsstücks verschaffen soll. Drei Farbvarianten wird es geben: Dunkelgrau, Hellgrau und Weinrot. Brillenträger sollen das Gerät problemlos über ihrer Sehhilfe tragen können.

Anders als Cardboard-Headsets verfügt die neue Plattform nun über einen Controller. Wie bei der Wii-Konsole kann man mit ihm wie mit einem Schläger ausholen oder wie mit einem Stift zeichnen. Vermutlich dient er auch für Auswahl, Start und Stopp der VR-Inhalte selbst. Das wäre ein großer Mehrwert. Bisher musste bei Cardboard stets das Display bedient werden, während zum Beispiel Samsungs Gear VR eigene Tasten am Gehäuse hat. Praktisch: Wir der Controller nicht benötigt, lässt er sich im Headset verstauen.

Vorerst passen nur zwei Smartphones, bald mehr

Die neue Plattform ist für alle gängigen Smartphone-Größen ausgelegt, aber nicht für alle Smartphones. Anders als beim Cardboard-Prinzip kann nicht einfach ein beliebiges Android-Gerät oder iPhone montiert werden. Die Mobilgeräte müssen Daydream-fähig sein und bestimmten Spezifikationen von Google entsprechen. In die Halterung eingelegt, werden die Daydream-Smartphones dann als solche automatisch erkannt und schalten in den VR-Modus um.

In seiner Keynote stellte Google zwei Daydream-kompatible Smartphones aus eigenem Hause vor: das 5 Zoll große Pixel und das 5,5 Zoll in der Displaydiagonale messende Pixel XL. Beide sind hochgerüstete und entsprechend teure Spitzengeräte. Nichts, was das Daydream-Konzept in die breite Masse tragen dürfte. Allerdings kündigte Google an, dass verschiedene Hardware-Partner bereits Daydream-taugliche Geräte in der Pipeline haben. Sollte die Kompatibilität auch nur annähernd so breit aufgestellt sein wie beim Cardboard-Prinzip, könnte hochwertige mobile VR endlich für einen großen Nutzerkreis zugänglich werden und Samsung mit seiner exklusiven Gear-VR-Strategie Feuer unterm Hintern bereiten. Die Gear VR kostet 99 Euro. Das günstigste, passende Smartphone ist das Galaxy S7 mit 32 GB für 699 Euro.

VR-Inhalte für Daydream View

Selbstredend bereitet Google seine hauseigenen Dienste für Daydream auf. Google Fotos,f Google Streetview und YouTube werden kompatibel sein. Neben speziellen VR-Videos können auf der Videoplattform auch regulär produzierte Clips auf einer virtuellen Großleinwand betrachtet werden.

Große Medienhäuser wie die New York Times oder das Wall Street Journal werden interaktive Geschichten Daydream-tauglich präsentieren. Zudem dürften diverse Kurzvideos, auch VR-Experiences genannt, zur Verfügung stehen. In seiner Keynote zeigte Google eine Demo des Harry-Potter-Spinoffs „Phantastische Tierwesen“.

Der Controller wird seine Funktion in Spielen beweisen können. Zu den Highlights wird Gunjack 2 gehören, ein Weltraum-Shooter, der bisher für die Gear VR erhältlich ist. Zudem stellte Google Lego als App-Partner vor. Auf der Übersichtsseite zu Daydream sind ferner Icons bekannter Franchises wie Need for Speed: No Limits und Hungry Shark World zu sehen.

Daydream View: Die bessere und billigere Gear VR?

Ich freue mich schon sehr auf Daydream View und all die Apps, die es dafür geben wird. Dank des Controllers könnte das Headset die bessere Gear VR werden und somit Samsung Paroli bieten. Und auch die billigere, wenn noch mehr Smartphones rauskommen, die man mit Daydream View kombinieren kann. Im mobilen Bereich macht nichts mehr Spaß als Gear VR. Da kann keine Cardboard-Brille mithalten. Aber die Auswahl kompatibler Samsung-Smartphones ist viel zu klein. Das App-Angebot wächst aber ist dennoch überschaubar. Hingegen Googles riesiger Play Store ist für Entwickler als Plattform attraktiv. Schon jetzt ist das dortige Angebot an Apps groß (obgleich es an Qualität mangelt). Mit Daydream könnte Google Masse und Klasse zusammenbringen.

Die neue Hardware kann im Google Store vorbestellt werden: Hier geht es zur VR-Brille, hier zum Smartphone Pixel.

About Berti Kolbow-Lehradt
Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.