Angetestet: das Virtual-Reality-Headset Daydream von Google

Ob sich nun als Technologie-Trend Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR) durchsetzt, ist noch offen. Wahrscheinlich ist, dass beide digital ergänzte Realitäten parallel existieren. Google zumindest schreitet in beide Richtungen mit großen Schritten voran und dies wird beiden Technologien in der Entwicklung guttun. Das US-Techblog Engadget bezieht sich auf Aussagen von Google-Mitarbeitern, wenn es schreibt, dass das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View an einer eigenständigen AR-Brille arbeitet, die im Gegensatz zu Googles VR-Gadgets Cardboard und Daydream, ohne das neueste Android-Smartphone Pixel (das dem Hype nicht gerecht wird) funktioniert.

Diesen Herbst dreht sich bei Google aber alles um Virtual Reality. Mit dem Headset namens Daydream versucht Google die Kunden seines neuesten Smartphone davon gleich noch etwas mehr zu überzeugen. Das im Vergleich mit den VR-Headsets der Konkurrenz sehr leichte Gerät ist besteht nur aus etwas Plastik und viel grauen Stoff. Angetrieben wird es von dem Google Pixel mit Android N, das es seit wenigen Wochen zu kaufen gibt. Ab dem 10. November bietet Google die VR-Brille für preiswerte 69 Euro im offiziellen Google-Store und Geschäften der Deutschen Telekom an. Der Verkaufsstart erfolgt parallel in den USA, Kanada, Australien, Großbritannien und Deutschland.

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Wer unverschämte 759 Euro für das Google Pixel mit 32 GB bzw. 869 Euro für das Google Pixel mit 128 GB bezahlt hat, den stören 69 Euro auch nicht mehr. Den Preis ist das VR-Headset Daydream allemal wert. Laut Huawei soll bereits das das Mate 9 ebenfalls kompatibel mit Daydream sein und könnte als Computer für die Stoffbrille dienen. Auch ZTE wirbt damit, dass das Axon 7 ebenfalls dafür geeignet ist, schreibt Smartdroid.de. Fest steht, dass es auch andere Smartphones in Zukunft geben könnte, die man für das Daydream als Computer nutzen kann. Voraussetzung sind ein Multi-Core-Prozessor, die Unterstützung für OpenGL ES 3.2 und eine überraschend niedrige Auflösung von nur 1080p.

Nach ein paar Tagen mit dem VR-Headset Daydream und dem Google Pixel, muss ich zugeben, dass ich trotz des noch überschaubaren VR-Contents, das Daydream als sehr unterhaltsames Gadget erlebt habe. Dass man Google Streetview auf dem Daydream nutzen kann, halte ich für belanglos, denn die visuelle Qualität der Aufnahmen ist mehr als gering. Sich YouTube-Videos damit anzuschauen, war schon wesentlich lustiger. Selbst nicht VR-optimierte Videos werden von dem YouTube-Player in der Daydream-App gut designt dargestellt. Ein für VR-Video einer US-amerikanischen YouTube-Kochsendung zeigte mir die Stärke von VR-Videos, vor allem Tutorials, in naher Zukunft.

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Besonders gefallen haben mir die VR-Apps des Wall Street Journal und von CNN. Mit der WSJ-App steht man in einem New Yorker Dachapartment, die Skyline vor dem Fenster zu seiner Rechten. CNN platziert einen mitten ins Washingtoner Jefferson Memorial. Beide Apps zeigen viel nicht für VR optimierten Content an, wie normale Videos und Artikel, dies aber sehr gut. Höhepunkt der WSJ-App ist die grafische Darstellung von Aktienkursen. CNN lässt einem die Siegesrede von Donald Trump im Saal miterleben, so als würde man wirklich neben dem Kameramann stehen, der sich während der Rede im Schritt kratzt. Ein rund 6.400km entfernt stattfindender historischer Moment fühlte sich so schrecklich real an.

Test-Fazit Google Daydream: Anfang von etwas Großem

Virtual Reality wird Teil der Zukunft sein, wie wir Medien konsumieren werden. Dies zeigt auch schon Googles Daydream heutzutage. Dass die gesamte Entwicklung erst am Anfang steht, zeigt Googles doch überschaubares Investment in die Daydream, die an sich nur ein Cardboard-Gadget mit Stoff und einem Gummiband ist. Für 69 Euro trotzdem gut angelegtes Geld, denn mit der Zeit wird es auch mehr Inhalte gegen, ähnlich wie die Trump-Rede in der VR-App von CNN, die einem emotional mit VR-Content verbindet und Nähe zu Ereignissen spüren lässt. So stark unter Umständen, dass Virtual Reality nicht unbedingt wie eine Revolution wahrgenommen wird, sondern wie eine ganz normale Darstellungsform.


All Images by Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY-SA 4.0, except Screenshots


About Tobias Kremkau
Tobias Kremkau ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er das Blog und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit."