Preiswerte iPad-Alternative? Asus ZenPad 3S 10 im Test

Es rumort in Apple-Landen. Neben dem iPhone erhält auch das iPad zunehmend Konkurrenz aus der Android-Welt. Einer der treibenden Hersteller ist Asus, dessen ZenPad S 8.0 bereits im letzten Jahr bravourös abschnitt. Auf der diesjährigen IFA in Berlin haben die Taiwaner mit dem ZenPad 3S 10 einen leistungsstarken 10-Zöller vorgestellt, der nun im Handel verfügbar ist. Wir haben das preiswerte Premium-Tablet einem Test unterzogen.

„Luxury for everyone“, so beschreibt Erik Hermannson (Asus, Head of Mobile Marketing) im Gespräch auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die Ambitionen des taiwanischen Elektronikherstellers Asus. Mit den neuen Modellen, zu denen auch die ZenPads zählen, wollen die Asiaten „hochwertiges Design mit guter Hardware“ bieten. Doch wie schlägt sich das neue Tablet-Flaggschiff ZenPad 3S 10 im Alltag und wo liegen die Stärken und Schwächen? Wir haben es herausgefunden.

Verpackung und Lieferumfang

Kamen die Vorjahresmodelle noch in einer schnöden Pappverpackung daher, spendiert Asus bei den aktuellen Geräten eine deutlich hochwertiger anmutende, mattblaue Schachtel mit goldenem Schriftzug. Beim Öffnen begrüßt einem zu allererst das Tablet selbst. Darunter befindet sich ein 2A starkes Netzteil sowie ein passendes USB Typ C Kabel, das mit 80 cm recht kurz ausfällt. Aber das scheint ja aktuell so der Trend zu sein. Für den Schnellstart gibt es eine kleines „Benutzerhandbuch“ sowie eine Garantiekarte. Als nettes Gimmick legt Asus zudem einen Pappständer bei, auf dem das Gerät im Landscape-Modus wackelfrei steht. Im Portraitmodus neigt das ZenPad allerdings schnell zum Kippen. Das Problem lässt sich jedoch mit ein paar Gewichten beheben.

Design und Verarbeitung

Nicht zu viel versprochen haben die Asus-Verantwortlichen in Sachen Design. Das 7,1 mm dünne Unibody-Gehäuse besteht aus hochwertigem Metall, die Kanten sind mit Diamanten geschliffen. Mit Abmaßen von 241 x 164 mm ist es für ein 9,7-Zoll-Gerät sehr kompakt, 78 Prozent der Frontseite nimmt das Display ein (vgl. iPad Air 2: 71,65%). Mit 430 g ist es zudem sehr leicht. Fast schon zu leicht, denn gemeinsam mit der geringen Dicke und dem glatten Aluminiumgehäuse rutscht das ZenPad 3S 10 mit Schwung auch mal gern aus den Händen. Unschön anzusehen sind auf dem Gehäuse auch schnell entstehende Kratzer, die bereits Kollegen auf dem Tablet hinterlassen haben. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Das ZenPad 3S 10 ist lediglich 7,1 mm dick und mit 430 g sehr leicht.
Das ZenPad 3S 10 ist lediglich 7,1 mm dick und mit 430 g sehr leicht.

Auf der Frontseite befinden sich unter dem Display drei Buttons. Der mittlere physische Home-Button beherbergt zudem einen Fingerabdrucksensor, über den das Gerät schnell entsperrt werden kann. Links davon befindet sich der ‚Zurück‘-Softkey, rechts der Multitasking-Button. Oberhalb des Displays integriert Asus die Frontkamera. Auf der linken Seite befindet sich der microSD-Kartenslot. Die Unterseite des ZenPad 3S 10 beherbergt neben dem USB Typ C Anschluss die Stereo-Speaker. Auf der rechten Seite finden sich die Lautstärke-Wippe sowie der Power-Button. Beide sind leicht geriffelt und besitzen einen angenehmen Druckpunkt. Wer Musik über ein eigenes Headset hören will, kann dieses über einen 3,5 mm Anschluss auf der Oberseite einstecken. Die Rückseite des 10-Zöllers ziert neben dem Asus-Logo die Hauptkamera. Nichts zu meckern gibt’s im Bereich der Verarbeitung. Aufgrund des Metall-Unibodys knarzt nichts und die Buttons wackeln keinen Millimeter.

Display

Eine deutliche Weiterentwicklung zum Vorgängermodell hat das ZenPad 3S 10 in Sachen Display erfahren. Das 9,7 Zoll messende IPS-Panel löst nunmehr mit QXGA also 1.536 x 2.048 Pixel auf und erreicht damit eine Pixeldichte von 265 ppi. Asus setzt auf seine VisualMaster-Displaytechnologie und erreicht damit ein farbenfrohes, kontrastreiches Bild. Anders als bei AMOLED-Displays verfälscht die Anzeige die Farben kaum. Mit 426 nits liegt die maximale Bildschirmhelligkeit im Durchschnitt. Bemerkenswert ist jedoch die Blickwinkelstabilität des Panels: Selbst aus flachem Winkel werden die Farben kaum verändert. Das liegt unter anderem an der dünnen Folie zwischen Glas und Display selbst, die nur wenig Helligkeit schluckt.

Dank das mitgelieferten Pappständers mit Gummilippe kann das Tablet praktisch abgestellt werden.
Dank das mitgelieferten Pappständers mit Gummilippe kann das Tablet praktisch abgestellt werden.

Für das Betrachten langer Texte integrieren die Taiwaner einen Blaulichtfilter, der für Entlastung der Augen sorgen und Kopfschmerzen verhindern soll. In der Praxis verringerte das die Augenermüdung deutlich, Webseiten und Dokumente ließen sich über einen längeren Zeitraum ohne Probleme konsumieren. Dank des 4:3-Formates eignet sich das Tablet besonders für produktives Arbeiten in Schule, Uni und Co. Ein optional erhältlicher Stylus, den wir beim Test nicht zur Verfügung hatten, sollt beim schnellen Verfassen von Anmerkungen und Notizen helfen.

Performance und Speicher

Mit der aktuellen Modellreihe verabschiedet sich Asus von Intels Atom-Prozessoren und setzt stattdessen auf Exemplare des chinesischen Konkurrenten Mediatek. Unter der Haube werkelt der MT8176 Hexa-Core-SoC, der mit zwei Kernen à 2.1 GHz sowie vier Kernen à 1,7 GHz arbeitet und die PowerVR Rogue GX6250 GPU besitzt. Zur Seite stehen zudem flotte 4 GB Arbeitsspeicher. Das Gesamtpaket sorgt so für ein „cooles“ Nutzungserlebnis, denn selbst beim Spielen oder Filmschauen über einen längeren Zeitraum wird das Gerät nicht unangenehm warm. Alles in allem ist das System auch bei grafisch aufwändigen Spielen sehr performant und braucht sich auch in Sachen Multitasking nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken.

Unter der edlen Alu-Haube arbeitet ein potenter Mediatek-Prozessor.
Unter der edlen Alu-Haube arbeitet ein potenter Mediatek-Prozessor.

Etwas anders sieht das allerdings im harten Benchmark aus: Im AnTuTu-Test erreichte das ZenPad 3S 10 75.983 Punkte und liegt damit im Bereich von Apple iPhone 6 und Google Nexus 6. Etwas besser sieht das Ganze im Geekbench aus, dort erreichte das Asus-Tablet im Multi-Core-Benchmark 3722 Punkte und liegt damit auf Augenhöhe mit Samsung Galaxy S7 und Co. Mit 64 GB ist der interne Speicher ordentlich bemessen. Zusätzlich gibt es von Asus für ein Jahr 16 GB kostenlosen Webstorage, 5 GB davon sind lebenslang nutzbar. Wem das nicht reicht (oder zu unsicher ist), der kann via microSDXC-Karte das Speichervolumen um bis zu 128 GB vergrößern.

Kamera

Auch im Tabletbereich wird die Qualität des Kameramoduls immer wichtiger. Asus verbaut im ZenPad 3S 10 ein 8 Megapixel auflösendes Hauptmodul, das sich allerdings bestenfalls für Schnappschüsse und das Digitalisieren von analog verfassten Notizen eignet. Die Aufnahmen sind blass und bieten nur eine geringe Schärfe. Auch der HDR-Modus ist nicht wirklich zu gebrauchen. Ein LED-Blitz für schlechte Lichtbedingungen fehlt leider. Für Selfies und Skype-Anrufe steht auf der Frontseite ein 5 Megapixel auflösendes Kameramodul zur Verfügung. Das Linsensystem ist etwas besser als bei der Konkurrenz von Samsung und Apple, allerdings sollten auch hier keine Wunder erwartet werden. Beide Module zeichnen Bewegtbilder in FullHD, also 1.920 x 1.080 Pixel und 30 Bildern pro Sekunde auf.

Die Hauptkamera löst mit 8 Megapixel auf, kann aber in Sachen Qualität nicht überzeugen.
Die Hauptkamera löst mit 8 Megapixel auf, kann aber in Sachen Qualität nicht überzeugen.

Sound

Bei einem Multimedia-Tablet wie dem ZenPad 3S 10 sollte neben dem Display auch der Ton stimmen. Aufgrund des guten Abschneidens der Frontlautsprecher beim ZenPad S 8.0 aus dem letzten Jahr galt es besonders hohe Erwartungen zu erfüllen. Den ersten Dämpfer gab es direkt bei der Anordnung. Die „Stereo-Lautsprecher“ sind beide auf der Unterseite des Geräts untergebracht. Im für Filme und Videos üblichen Querformat befinden sich also die Speaker wahlweise links oder rechts – so richtig Stereo ist das nicht. Hinzu kommt, dass die Finger allzu schnell die Audioquellen abdecken. Auch in Sachen Klangqualität lässt sich eher ein Rückschritt beobachten. Zwar integriert Asus die sogenannte Sonic Master Technology mit Equalizer für Filme, Musik oder Sprache sowie DTS HD Premium Sound, allerdings klingen die Lautsprecher in jeder Einstellung dünn und blechern; Tiefen sind quasi nicht vorhanden. Ein schwacher Trost ist da die hohe Lautstärke, die mit den Speakern erreicht werden können. Für Audio-Fans empfehlen sich extra Kopfhörer, die den Hörgenuss deutlich verbessern.

Die Klangqualität der Stereo-Speaker lässt zu Wünschen übrig. Für Kopfhörer steht ein 3,5 mm Klinkenanschluss bereit.
Die Klangqualität der Stereo-Speaker lässt zu Wünschen übrig. Für Kopfhörer steht ein 3,5 mm Klinkenanschluss bereit.

Funk und Konnektivität

Ein wichtiger Faktor für aktuelle Elektronik ist die Anbindung an das World Wide Web. Allen voran ist hier das WLAN-Modul zu nennen, das in den Standards a/b/g/n/ac sowohl im 2,4 GHz als auch 5 GHz Frequenzband funkt. Damit lassen sich via Miracast auch komplette Bildschirminhalte auf externe Geräte spiegeln. Die Reichweite des WLAN-Empfängers ist aufgrund des abschirmend wirkenden Metallgehäuses nur durchschnittlich. Für unterwegs fehlt zudem ein (optionales) LTE-Modul, was die Mobilität gewissermaßen einschränkt. Wer kabellose Geräte ansteuern will, kann auf die Bluetooth 4.2-Schnittstelle zurückgreifen. Das Tablet gab sich hier keine Blöße und überzeugte durch eine stabile Verbindung. Zur Positionsbestimmung sind weiterhin GPS und GLONASS an Bord.

Für das schnelle Entsperren steht ein physischer Button inklusive Fingerabdrucksensor zur Verfügung. Er befindet sich wie bereits beschrieben unterhalb des Displays und wird erst durch Drücken des Buttons aktiviert. Leider arbeitete er nicht immer zuverlässig. So sollten die genutzten Finger sowohl für den Portrait- als auch Landscape-Modus abgespeichert werden. Möglicherweise lagen die auftretenden Fehlerkennungen auch an der stark zerkratzten Oberfläche des Sensors.

Der Fingerabdrucksensor des ZenPad 3S 10 arbeitet nicht immer fehlerfrei.
Der Fingerabdrucksensor des ZenPad 3S 10 arbeitet nicht immer fehlerfrei.

Akku

Eine gute Figur macht das Tablet im Bereich Akkulaufzeit. Das 5.900 mAh (22 Wh) starke Modul versorgt laut Hersteller das ZenPad 3S 10 rund 10 Stunden mit Strom. Im stark beanspruchenden PC Mark Akkutest erreicht das Gerät einen Wert von 7:59 h bei 50 % Displayhelligkeit. Ein Arbeitstag sollte also kein Problem sein. Bei moderater Nutzung sind auch zwei Tage durchaus drin. Aufgeladen wird das Akkumodul über das 2 A starke Netzteil und den USB Typ C Anschluss. Trotz Schnellladefunktion gehen für das vollständige Aufladen gut und gerne 3 Stunden ins Land. Das können QuickCharge und Co. besser.

Software

In Sachen Software kommt auf dem ZenPad 3S 10 Google Android 6.0 zum Einsatz. Schon auf dem ersten Blick erkennt man Unterschiede zu Stock-Android. Asus spendiert dem Ganzen nämlich eine eigene Oberfläche namens Zen UI und verspricht umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten sowie etliche zusätzliche Features. Eines davon ist beispielsweise die Anordnung von nachträglich installierten Anwendungen in zugehörigen Ordnern. So finden sich Apps zur Kommunikation, Produktivität oder auch Musik & Audio an einem Platz. Unübersichtliche App-Drawer gehören damit der Vergangenheit an.

Zum Software-Lieferumfang zählen auch etliche vorinstallierte Anwendungen, die zum Großteil sehr nützlich sind. Dazu zählen beispielsweise die Backup-Anwendung, der Dateimanager, MiniMovie, ein Kindermodus oder auch SuperNote. Auch der DU Cleaner (Optimierung) oder Game Genie (Bildschirmaufzeichnung) sind brauchbare Tools. Sinnlose Bloatware, wie sie noch auf dem ZenPad S 8.0 aus dem letzten Modelljahr vorhanden war, findet sich kaum. Selbst das damals bemängelte ShareLink zum Teilen von Inhalten mit in der Umgebung befindlichen Windows- oder Android-Geräten ist ein nettes, funktionierendes Gimmick geworden. Wünschenswert für die Zukunft wäre allerdings eine deutlichere Anpassung des tabletoiden Zen UI auf die großformatigen Geräte. Dazu zählt unter anderem die Möglichkeit alle vorinstallierten Apps im Querformat nutzen zu können und Schrift- sowie Icongröße entsprechend anzupassen.

Der App-Drawer ist übersichtlich und dank intelligenter Ordnerstruktur schnell aufgeräumt.
Der App-Drawer ist übersichtlich und dank intelligenter Ordnerstruktur schnell aufgeräumt.

Fazit

Asus setzt die Erfolgsgeschichte seiner ZenPad-Serie fort. Bereits im letzten Jahr waren wir vom Konzept begeistert, heute lässt sich in den meisten Bereichen ein deutlicher Fortschritt erkennen. Negativ sind lediglich Audio- und Kameraqualität, der behäbige Fingerabdrucksensor sowie die Akkuladezeit zu erwähnen. Einen großen Sprung haben die Taiwaner im Bereich Design, Display, Performance und Akkulaufzeit hingelegt. Der Abstand zum Branchenprimus Apple iPad Air 2 ist nur noch marginal. Hinzu kommt das fast schon phänomenale Preis-Leistungsverhältnis. Bei den großen Elektronikmärkten ist das ZenPad 3S 10 bereits ab 369 Euro zu haben. All jene, die noch etwas Weihnachtsgeld über haben und auf der Suche nach einem potenten, preiswerten Android-Tablet für Uni, Arbeit oder die Couch sind, können getrost zugreifen.


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About Jonas Haller
Jonas Haller studiert zurzeit Leichtbau an der Technischen Universität in Chemnitz. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen.