Memento Smart Frame: Bilderrahmen auf Android-Basis fürs Smart Home im Test

Etwa um das Jahr 2006 waren digitale Bilderrahmen der letzte Technologie-Schrei, sind dann aber recht schnell zum Ramschprodukt verkommen. Smartphones und Tablets haben die Produktkategorie für lange Zeit verdrängt. Dennoch hat jetzt die kanadische Firma Memento das Konzept wieder aufgegriffen und aufs nächste Level gehievt. Der Memento Smart Frame ist ein digitaler Bilderrahmen, der sich perfekt in ein modernes Smart Home integriert. Er ist größer und besser als seine Vorgänger in jeglicher Hinsicht. Außerdem ist er auf Basis einer angepassten Android-Version mit „Smart Controls“ ausgestattet. Ich hatte die Gelegenheit, den Memento Smart Frame einige Wochen zu testen.

Auf dem Stand der Technik

Zuerst einmal beeindruckt die Größe des Rahmens. Den Momento gibt es in Versionen mit 25 oder 35 Zoll großem Display, allerdings vergrößern sich die Dimensionen durch den Holzrahmen und das Passepartout nicht unerheblich. Das größere Modell, das mir Memento zur Verfügung gestellt hatte, hat eine Gesamtgröße von 39 x 27 Zoll und wiegt über zwölf Kilogramm. Die Verarbeitungsqualität ist exzellent. Der Rahmen ist in fünf verschiedenen Farben erhältlich.

Von hinten ähnelt der Memento Smart Frame einem normalen Monitor
Von hinten ähnelt der Memento Smart Frame einem normalen Monitor

Außer in der Bildschirmgröße unterscheiden sich die beiden erhältlichen Modelle ansonsten nicht. In beiden Versionen kommt ein 4K LCD-TFT Display zum Einsatz. Durch das für eine klassische DSLR-Kamera typische Foto-Seitenverhältnis von 3:2 ergibt sich eine Auflösung von 3.240 x 2.160 Bildpunkten. Dank MVA-Technologie (multi-domain Vertical Alignment) sind die Betrachtungswinkel sehr groß und unterscheiden sich in der Praxis nicht von einem gedruckten Foto.

Aufgrund des 16 Gigabyte fassenden, eingebauten Speichers können bis zu 3.000 Bilder abgelegt werden. Upload und andere Funktionen werden über eine WLAN-Verbindung und App gesteuert. Letztere gibt es für iOS– und Android-Geräte sowie Windows- und Mac-Computer.

Problemlose Einrichtung

Auf dem Momento läuft eine dem Gebrauchszweck angepasste Android-Version. Deren Ersteinrichtung verlief absolut problemlos. Für Nutzer mit eher beschränkten Handwerker-Fähigkeiten dürfte die Anbringung der Wandhalterung die größte Herausforderung darstellen.

Ist der Rahmen aufgestellt und eingeschaltet, ist es an der Zeit, die Memento-App auf einem Smartphone oder Computer zu installieren. Für die Ersteinrichtung generiert der Rahmen einen WLAN-Hotspot, mit dem das Gerät, auf dem die App läuft, verbunden werden muss. In der App kann man dann die Zeitzone einstellen und die Parameter des lokalen WLANs eingeben, mit dem sich der Memento zur weiteren Nutzung verbindet. Außerdem kann dem Rahmen ein Name zugewiesen werden, um besser zwischen verschiedenen Mementos im gleichen Haushalt unterscheiden zu können.

Sämtliche Funktionen des Momento Smart Frame werden über die App gesteuert
Sämtliche Funktionen des Momento Smart Frame werden über die App gesteuert

Einfache Bedienung mit Verbesserungspotenzial

Nach der Einrichtung werden sämtliche Funktionen über die App gesteuert. Dabei sind die Anzeigeoptionen sehr simpel. Bilder werden vom verbundenen Smartphone oder Computer auf den Rahmen geladen und können dann in Playlists sortiert werden. Außerdem kann eine zufällige Anzeigereihenfolge aktiviert und der Zeitabstand zwischen den Bildwechseln festgelegt werden. Wie lange dieser Prozess dauert, hängt vor allem von der Geschwindigkeit der WLAN-Verbindung und der Anzahl der zu transferierenden Bilder ab. Ein Abwesenheitsplan kann definiert werden, sodass der Bildschirm ausbleibt und Energie gespart wird, wenn niemand zuhause ist. Zum Beispiel während der normalen Arbeitszeit ist das praktisch. Zudem gibt es einen Energiesparmodus, in dem sich die App weiterhin bedienen lässt, während das Display aus ist. Wie die meisten digitalen Bilderrahmen bezieht der Memento Smart Frame über ein Stromkabel.

Eine Schwachstelle des Memento ist die abwechselnde Darstellung von Bildern in horizontaler und vertikaler Ausrichtung. Bei der Ersteinrichtung muss man sich auf ein Format festlegen. Ränder, die bei Darstellung von Bildern im Vertikalformat auf dem horizontal orientierten Rahmen entstehen, werden – ähnlich wie bei Smartphone-Videos – mit einer verschwommenen Version des Bildes aufgefüllt. Dies ist wohl dem Betriebssystem geschuldet, ein weißer Rand wäre hier die eindeutig bessere Option. Eine Änderung der Bildausrichtung ist leider auch komplizierter als man denken würde. Sie erfordert einen Neustart und das Löschen sämtlicher auf dem Rahmen gespeicherter Bilder.

Ein Bild wie gedruckt

Während die Bedienung an manchen Stellen noch Verbesserungspotenzial offenbart, ist die Bilddarstellung das absolute Highlight des Memento-Rahmens und hat mit einem normalen Computermonitor oder günstigeren digitalen Bilderrahmen nicht viel gemein. Die MVA-Technologie ermöglicht extrem weite Betrachtungswinkel und die matte Oberfäche reduziert Reflektionen auf ein Minimum. Auch die Detailabbildung ist, bei entsprechender Fotoqualität, dank der hohen Displayauflösung exzellent.

Der Memento Smart Frame macht eine gute Figur an der Wand.
Der Memento Smart Frame macht eine gute Figur an der Wand.

Farben und Kontrast können reguliert werden, sind aber ab Werk neutral eingestellt. Ein Sensor misst das Umgebungslicht und passt die Hintergrundbeleuchtung des Displays an, sodass die Bildhelligkeit immer mehr der eines Druckes ähnelt als einem normalen Monitor, selbst in schwummrigen Lichtverhältnissen. Sinkt die Umgebungshelligkeit unterhalb einer definierbaren Grenze, schaltet sich das Display komplett ab. Alles in Allem kommt die Bildqualität einem hochqualitativen Farbdruck so nahe wie momentan keine andere Displaytechnologie.

Fazit

Der Memento Smart Frame ist zweifelsohne ein Nischenprodukt. Mit 899 US-Dollar (599 US-Dollar für die 25-Zoll Version) und eventuellen Zollgebühren auch nicht ganz billig. Bislang kann das Gerät nur von aus Nordamerika importiert werden. Für den Versand nach Deutschland berechnet der Hersteller 113 US-Dollar via FedEx.

Hochwertige Fotodrucke können allerdings auch ein Loch im Geldbeutel hinterlassen. Wenn man die großformatigen Drucke im Bilderrahmen gerne öfter wechselt oder im Heim oder Büro einfach gerne Abwechslung an der Wand hat, kann der Memento daher durchaus eine sinnvolle Investition darstellen. Die Qualität der Bilddarstellung ist auch vom Feinsten und lässt einen gerne über kleinere Unausgereiftheiten in der Bedienung hinwegsehen.


Images by Memento; Lars Rehm


 

About Lars Rehm
Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.