Asus ZenWatch 3: Schicker Assistent für’s Handgelenk im Test

Spätestens seit der Apple Watch sind tragbare Erweiterungen des Smartphones, sogenannte Wearables, in aller Munde. Auch Google stellt mit Android Wear ein passendes Betriebssystem zur Erweiterung von Smartphone, Tablet und Co. bereit. Eines der aktuell wohl schönsten Geräte bietet der taiwanische Hersteller Asus mit der dritten Generation seiner ZenWatch. Doch wie ist es um Leistungsfähigkeit und Alltagstauglichkeit bestellt? Wir haben das Gadget in den vergangenen Wochen auf Herz und Nieren getestet.

Design und Verarbeitung: Viel Bling-Bling

Anders als die beiden Vorgänger-Uhren kommt die ZenWatch 3 mit einem runden Display und damit auch runden Gehäuse daher. Es bietet einen Durchmesser von 45 mm und ist mit rund 10 mm ordentlich dick – wobei die Uhr an sich nicht allzu sehr aufträgt. An der rechten Seiten befinden sich drei Buttons, die einen vorzüglichen Druckpunkt besitzen. Der mittlere dient als Power-Button zum manuellen Aktivieren und Deaktivieren der Smartwatch. Darüber sowie darunter befinden sich zwei Schnellstart-Buttons, die frei belegt werden können. Zudem sitzt unterhalb des oberen Knopfes ein Mikrofon, das Sprachbefehle aufnimmt. Aber dazu später mehr. Auf der Geräterückseite befinden sich der Konnektor zum Aufladen sowie ein Lautsprecher zur Audiowiedergabe. Ein Sensor zur Pulsmessung fehlt leider.

Den Premiumanspruch machen die Taiwaner auch an der Materialwahl deutlich. In allen verfügbaren Varianten besteht das Gehäuse aus 316L Edelstahl. Das lässt die Uhr sehr hochwertig erscheinen. Auch deshalb, weil ein farblich abgesetzter Ring um das Display die Uhr aufwertet. Je nach Modell kann zwischen einem Silikon- oder Lederarmband gewählt werden. Dank Schnellverschluss sind diese im Nachhinein schnell wechselbar – wenn auch nur mit herstellereigenen Exemplaren. Die Verarbeitungsqualität ist Asus-typisch auf einem sehr hohen Niveau. Die Zenwatch kann sich hier problemlos mit einem Chronographen messen. Auch der Tragekomfort ist dank der geringen Masse von 80 g grandios. Dank IP67-Zertifizierung kann die Uhr auch unter der Dusche getragen werden.

Auf der Rückseite der Zenwatch 3 befinden sich Ladekonnektoren sowie ein Lautsprecher.
Auf der Rückseite der ZenWatch 3 befinden sich Ladekonnektoren sowie ein Lautsprecher. Image by Jonas Haller

Display: Scharfe, aber fummelige Angelegenheit

Die ZenWatch 3 kommt mit einem 1,39 Zoll großen AMOLED-Display daher und bietet eine scharfe Auflösung von 400 x 400 Pixel. Es ist von 2,5D Curved Corning Gorilla Glass geschützt. Die Farben sind AMOLED-typisch sehr intensiv. Die Helligkeit geht vollkommen in Ordnung, ein spezieller Modus „Helligkeit erhöhen“ ermöglicht auch bei Sonneneinstrahlung ein einigermaßen gutes Ablesen. Leider fehlt es dem Panel an Blickwinkelstabilität. Beim seitlichen Schauen auf die Anzeige stellt sich ein unschöner Blaustich ein. Hinzu kommt, dass das Panel bei Eingaben etwas träge erscheint. Das dürfte allerdings neben der verbauten Hardware auch am Android-Wear-Betriebssystem liegen. Zudem ist die Bedienung des Touchpanels aufgrund der kompakten Maße ziemlich fummelig.

Neben der Aktivierung per Handbewegung oder Knopfdruck bietet die ZenWatch auch einen Instant-Modus. Dabei ist das Display permanent aktiviert, wechselt nach wenigen Sekunden aber in eine energiesparende Anzeige mit invertierten Farben. Der Impuls zum Aktivieren der Uhr in den Normalmodus ist dabei für meinen Geschmack zu lasch konfiguriert. Schon bei kleinen Armbewegungen wird das Gadget aktiv und verbraucht so wertvolle Energie, die ungenutzt bleibt.

Performance und Akku: Stromsparender Qualcomm-Chip

Als Asus die neue ZenWatch auf der vergangenen IFA in Berlin vorstellte, gehörte sie zu den ersten Android-Uhren mit dem neuen Snapdragon Wear 2100 Prozessor von Qualcomm. Er wurde speziell für die smarten Helferlein konstruiert und bringt eine um 25 Prozent höhere Effizienz als sein Vorgänger, der Snapdragon 400. Leider ist die Performance im Vergleich zur Huawei Watch, die wir vor einem Jahr testen durften, nicht spürbar besser. Vor allem wenn man zwischen verschiedenen App-Erweiterungen hin und her schaltet zeigen sich deutliche Multitasking-Defizite. Das könnte auch am knapp bemessenen Arbeitsspeicher von nur 512 MB liegen. Intern können immerhin 4 GB an Daten und Apps installiert werden. Der Festspeicher bietet dabei allerdings nur eine nicht ganz zeitgemäße eMMC Flash-Geschwindigkeit.

Die Performance-Nachteile werden allerdings durch die gegenüber der androiden Konkurrenz gute Akkulaufzeit kompensiert. Im Inneren ist zwar lediglich ein 340 mAh leistendes Modul verbaut, allerdings ermöglicht die ressourcenschonende Hardware bei forciert deaktiviertem Display ohne Probleme zwei Tage Laufzeit. Ist die Anzeige permanent aktiviert, so schrumpft die Laufzeit allerdings spürbar – realistisch sind dann nur noch 16 Stunden. Nicht zu verachten ist der Akku-Mehrverbrauch beim Smartphone aufgrund Bluetooth-Aktivierung und permanenter Verbindung zur Smartwatch. Die Laufzeit des HTC 10 brach um etwa 40 Prozent ein.

Für das Laden steht eine magnetische Ladestation zur Verfügung, auf der die ZenWatch 3 gelegt wird. Ein starker Magnet sorgt dafür, dass sich die Uhr nicht von der Basisstation trennt. Dank Quick Charge ist der Energiespeicher innerhalb 15 Minuten mit 60 Prozent Leistung versorgt. Für die letzten 40 Prozent geht dann allerdings deutlich mehr Zeit ins Land: 45 bis 60 Minuten Gesamtladezeit sollten eingeplant werden. Wer unterwegs nicht immer eine Steckdose zur Verfügung hat, kann auch auf einen optional verfügbaren, externen Akkupack zurückgreifen, der die Akkulaufzeit um 40 Prozent verlängert.

Per Dock kann die Zenwatch 3 wieder aufgeladen werden, ein optionaler externer Akku verlängert die Laufzeit um 40%.
Per Dock kann die ZenWatch 3 wieder aufgeladen werden, ein optionaler externer Akku verlängert die Laufzeit um 40 Prozent. Image by Jonas Haller

Software und Bedienung: Googles androider Komfort

Verbunden mit dem Smartphone und eingerichtet wird die Asus ZenWatch 3 über Bluetooth 4.1. Dazu muss die entsprechende App aus dem Play Store geladen werden. Während das Verbinden schnell von der Hand geht, nimmt die Konfiguration sowie Abstimmung von Android Wear mehrere Stunden in Anspruch. Dabei gleicht das System auf dem Smartphone installierte, unterstützte Anwendungen ab und installiert das passende Pendant via integriertem WLAN auf der Smartwatch. Im Test dauerte das schon mal den ganzen Abend – verbesserungswürdig.

Im Anschluss kann man sich mit den zahlreichen Features von Android Wear vertraut machen. Die Oberfläche des Systems erinnert an Google Now und besteht aus sogenannten Karten. In einem Tutorial wird zunächst die Steuerung erläutert. Die kann nämlich neben Wischbewegungen auf dem Display auch über Armbewegungen realisiert werden. Eine Drehung des Handgelenks nach oben oder unten lässt zwischen den einzelnen Karten springen. Eine Armbewegung nach unten signalisiert das Öffnen der Karte, nach oben das Zurückgehen.

Über einen Wisch auf dem Display nach unten können die Schnellstarts wie „Nicht stören“, Ton, Kinomodus (Anzeige und Benachrichtigungen aus) und Einstellungen geöffnet werden. Ein Wisch nach links gewährt ein Blick in die auf der Uhr verfügbaren Anwendungen, ein weiterer Wisch zeigt die letzt genutzten Kontakte. Die können dann angerufen oder angeschrieben werden, der Test wird einfach diktiert.

Apropos diktiert: Natürlich kann man auch über die Zauberworte „Ok Google“ mit der Smartwatch interagieren. Allerdings funktionierte das im Test nicht immer auf Anhieb – obwohl ich in feinstem Hochdeutsch mit dem Gadget kommunizierte.

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Mit Asus ZenFit hat man absolvierte Schritte immer im Blick. Image by Jonas Haller

Seine Stärke spielt die Uhr unterwegs aus, wenn man nicht andauernd sein Smartphone hervor holen will. Neben Notifications über Nachrichten aller Art und direkter Antwortmöglichkeit, kann dank eingebautem Mikrofon und Lautsprecher über die ZenWatch auch telefoniert werden. Das funktioniert ganz ordentlich und ohne Verbindungsabbrüche.

Auch Features wie Google Maps und der damit verbundenen Navigationsmöglichkeit, der Anzeige und Steuerung des aktuellen Musiktitels sowie der Lautstärke oder der schnellen Terminübersicht sind tolle Alltags-Helferlein. Per DB Navigator können unkompliziert Bahnhöfe in der Umgebung lokalisiert und per MyTaxi ein Chauffeur gerufen werden. Wer möchte kann via Google Play Music auf der Fahrt sogar zuvor gespeicherte Melodien über den integrierten Lautsprecher erklingen lassen. Hier profitiert Asus vom umfangreichen App-Angebot des Unternehmens aus Mountain View.

Einen Pluspunkt zu seinen Mitbewerbern kann die ZenWatch 3 bei der Personalisierung und der Smartphone-Anbindung verbuchen. Asus spendiert nämlich einen eigenen ZenWatch-Manager sowie FaceDesigner. Letzterer ermöglicht neben dem Installieren von herstellereigenen Watchfaces die Erstellung von Eigenkreationen. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt, auch Widgets können nach Belieben hinzugefügt werden. Doch nicht nur in Sachen Design zeigen sich die Taiwaner spendabel.

Im ZenWatch-Manager kann auf die Daten und Einstellungen der Uhr zugegriffen werden. Besondere Gimmicks sind dabei unter anderem der FoneHelper, der etwa vor Vergessen des Smartphones warnt oder eine externe Anrufsteuerung ermöglicht, oder die SOS-Funktion, über die an eine vorgewählte Notrufnummer eine Hilfe-SMS abgesetzt wird. Auch Apps wie Flashlight (Taschenlampe), ZenFit (Google Fit-Pendant) oder Remote Camera (Kamera-Fernsteuerung) und Remote Link (PC-Fernsteuerung) können nachträglich von Asus bezogen und installiert werden. Über Sinn und Unsinn lässt sich sicherlich streiten, da Google beispielsweise mit Fit eine eigene Fitnesslösung bereitstellt.

Über den Asus FaceDesigner kann das Erscheinungsbild der ZenWatch 3 angepasst werden.
Über den Asus FaceDesigner kann das Erscheinungsbild der ZenWatch 3 individuell angepasst werden. Screenshots by Jonas Haller

Test-Fazit ZenWatch 3: Preiswerte Smartwatch im Edelstahl-Kleid

Mit der ZenWatch 3 setzt Asus seine Smartwatch-Strategie „Luxury for everyone“ konsequent fort. In Sachen Design und Verarbeitung haben die Taiwaner im Vergleich zum Vorgänger zugelegt und das neue runde Display ist eine echte Wonne. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 229 Euro (Silikonarmband) bzw. 249 Euro (Lederarmband) bleibt das Gadget auch weiterhin erschwinglich. Das liegt unter anderem daran, dass der Hersteller einige Features wie den Pulssensor oder ein Barometer weglässt, den teurere Konkurrenten wie die Samsung Gear S3 bieten. Auch in Sachen Performance und Multitasking gibt es Verbesserungspotential.

Alles in allem ist die Asus ZenWatch 3 aber ein schicker wie auch praktischer Alltagsbegleiter, der die Funktion des Smartphones sinnvoll ergänzt und im Alltag ein Plus an Komfort bietet. Die zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten erlauben dem Nutzer der Uhr einen persönlichen Touch zu verleihen. Wer auf die umfangreichen Fitnessfunktionen der Mitbewerber verzichten kann, ist mit dem Modell der Taiwaner also gut bedient.

Die beiden Leder-Varianten der ZenWatch 3 hinterlassen einen sehr hochwertigen Eindruck.
Die beiden Leder-Varianten der ZenWatch 3 hinterlassen einen sehr hochwertigen Eindruck. Image by Jonas Haller

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About Jonas Haller
Jonas Haller studiert zurzeit Leichtbau an der Technischen Universität in Chemnitz. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen.