Mittelklasse-Smartphone im Test: Alcatel Idol 4 glänzt mit Sound und Design

Alcatel weckt Erinnerungen an früheste Handy-Erlebnisse. Von dieser Marke hatten viele Menschen bereits ein Gerät in der Hosentasche, als man noch nicht Smartphone dazu sagte. Inzwischen hat die ehemals französische Marke unter dem Dach des chinesischen Herstellers TCL eine Bleibe gefunden. Wie eh und je will Alcatel im Einsteiger- und Mittelklasse-Bereichen punkten. Auch das Alcatel Idol 4 zielt mit dem vergleichsweise niedrigen Straßenpreis von rund 250 Euro auf den breiten Bauch des Massenmarktes. In meinem Praxistest überraschte das Alcatel-Smartphone mit Features, die man eigentlich in einem Oberklasse-Gerät erwartet.

Look & Feel: Auf Hochglanz getrimmt

Das Alcatel Idol 4 liegt sehr gut in der Hand und rutscht nicht – trotz hochglänzender Glas-Oberfläche. Leider zieht die glänzende Beschichtung Fingerabdrücke und Staub magisch an. Trotz kontinuierlicher Präparierung mit einem Mikrofasertuch kann ich das Gerät für meine Produktfotos praktisch nicht staubfrei halten.

Alcatel Idol 4 - Julia Froolyks
Image by Julia Froolyks

Die Rückseite leuchtet je nach Lichteinfall anders. Entweder blau oder silber. Mittig bricht sich das Licht zu einem kreisrunden Schimmer. Das sieht sehr hübsch aus. Über und unter dem Display sind jeweils vorne und hinten Lautsprecher eingelassen, die sich optisch sehr unauffällig verhalten. Der seitliche Rahmen ist aus Aluminium gefertigt und mit silberglänzenden Fräskanten versehen. Insgesamt sieht das Idol 4 sehr hochwertig aus und ist an jeder Ecke und Kante sehr gut verarbeitet. Trotz hochwertiger Materialien ist das Smartphone mit 135 Gramm ein echtes Leichtgewicht.

Damit das stylische Äußere nicht von Kratzern getrübt wird, kommt das Alcatel Idol 4 gleich mit einer transparenten Schutzhülle sowie einer Display-Folie im Lieferumfang. Die transparente Hülle passt wie angegossen um das Idol 4 und schützt die staub- und schmutzanfällige Rückseite ideal. Der schöne glänzende Effekt der Rückseite bleibt erhalten. Leider wird der seitliche Rahmen nicht ungeschützt. Die Schutzfolie ist recht dünn und flexibel, und passt genau auf das Display.

Alcatel Idol 4 - Julia Froolyks
Image by Julia Froolyks

Und es hat Boom gemacht: Eine Taste für besondere Aufgaben

Das Smartphone hat insgesamt drei Tasten an den Seiten: Die Lautstärkeregler, den Button zum Wecken des Displays und den sogenannten Boom-Button. Letzterer stellt beim Idol 4 eine Besonderheit dar. Er löst je nach Situation unterschiedliche Funktionen aus. So erstellt sie bei ausgeschaltetem Display Sofortaufnahmen für schnelle Schnappschüsse, stellt beim Musikhören in einen Surround-Sound oder stellt das Display heller. Die Aktionen für die Boom-Taste können in den Einstellungen auch beliebig individualisiert werden. So habe ich mich dazu entscheiden die Boom-Taste lieber als Ein- und Ausschalter für das Display zu nutzen, anstatt für blinde Schnappschüsse.

Die Kamera überzeugt – auch im Vergleich mit dem iPhone 7 Plus

Alcatel Idol 4 - Julia Froolyks
Image by Julia Froolyks

Ein sehr wichtiger Faktor bei der Smartphone-Wahl ist für mich die Leistung der Kamera. Ehrlicherweise habe ich da beim Alcatel Idol 4 nicht viel erwartet. Doch allein die technische Ausstattung der komplett im Gehäuse eingelassenen Kamera klingt auf dem Papier beeindruckend: So beherrscht die 13-Megapixel-Hauptkamera interaktive 360-Grad-Aufnahmen, Auto-HDR und Videos in 1.080p bei 30 Bildern pro Sekunde. Auf beiden Seiten ist ein Blitz vorhanden, der Dual-Tone-Blitz der Hauptkamera soll für eine natürlichere Farbwiedergabe sorgen. Eine softwareseitige Gesichtskorrektur für Selfie-Fotos ist auch an Bord.

In der Praxis kann die Kamera des Alcatel Idol 4 wirklich überzeugen. Sie liefert detailreiche und farbenfrohe Aufnahmen. Die 8-Megapixel-Selfie-Kamera zeichnet das Gesicht zwar sehr weich, diese Funktion lässt sich allerdings stufenlos regulieren. Das gefällt mir sehr gut. Besonders überraschend ist der manuelle Modus der Kamera-App. Hier können Belichtungszeit, Blende und Co. nach eigenem Wunsch (und Können) eingestellt werden. So lassen sich Bilder noch kreativer festhalten.

Das Idol 4 kann bei idealen Lichtverhältnissen locker mit dem rund 700 Euro teureren iPhone 7 Plus mithalten. Teilweise werden die Farben aus meiner Sicht sogar noch realistischer wiedergegeben, als vom High-End-Smartphone. Allerdings wirken die Bilder der iPhone-Kamera viel schärfer.

Bloatware und Betriebssystem nehmen viel Speicherplatz weg

Das Alcatel Idol 4 wird von Android 6.0.1 und ohne große Veränderungen an der Oberfläche angetrieben. Negativ fällt auf, dass zahlreiche Apps vorinstalliert sind. Zwar auch Apps wie WhatsApp oder Facebook, leider aber auch Werbe-Apps und Alcatel-Apps, die niemand je braucht. Von 16 GB Speicher bleiben letztendlich 10 GB Speicher übrig. Das ist nicht mehr sehr viel, aber zum Glück lässt sich das Alcatel Idol 4 mit einer Micro-SD-Karte bestücken.

Kurzatmig und heiß: Performance mit Schwächen

Für eine sehr zurückhaltende Nutzung reicht die Rechenleistung aus. Darüber hinaus wird es schon schwierig. Obwohl der Arbeitsspeicher mit 3 GB RAM recht großzügig ausgestattet ist, ruckelt es leider an einigen Stellen in der Performance. Sind mehrere Apps geöffnet und läuft ein Download, kann es zu leichten aber spürbaren Verzögerungen in der Visualisierung kommen.

Offensichtlich treibt schon die typische Alltagsnutzung das Idol 4 an seine Leistungsgrenzen. Im Betrieb entwickelt es viel zu schnell unangenehm große Hitze! Als ich das Idol 4 einrichte, während es sich am Ladekabel befindet, wird der Alu-Rahmen so heiß, dass ich das Gerät nicht mehr in der Hand halten kann. Dabei bin ich als leidenschaftliche Köchin und Bäckerin Hitze an den Händen gewohnt. Ein Einzelfall ist das nicht. So fällt die Hitzeentwicklung beim verwandten Modell Idol 4S im Test der Zeitschrift ComputerBild beunruhigend negativ auf.

Alcatel Idol 4 - Julia Froolyks
Image by Julia Froolyks

Das Display zieht einen ins Geschehen

Das 5,2 Zoll große Display ist hingegen eine Wohltat. An ihm ist nichts auszusetzen. Es löst mit 1.080 x 1.920 Pixeln in Full-HD so detailreich auf, dass einzelne Pixel nicht zu erkennen sind. Die Darstellung ist scharf und klar, die Farben wirken brillant. Der Blickwinkel des IPS-Displays ist sehr stabil, die Farben werden nicht matt, wenn ich von der Seite drauf blicke. Die minimale Wölbung des Deckglases im 2D-Design sorgt für ein besonders plastische Darstellung. Es vermittelt das Sehgefühl, als finde das Geschehen auf dem Display und nicht innen drin statt.

Musik und Videos machen Spaß

Musik hören und Videos ansehen macht richtig Spaß mit dem Idol 4 – sowohl mit den im Lieferumfang enthaltenden Kopfhörern von JBL als auch mit den Speakern. Dank der Dual-Lautsprecher, die sich jeweils oben und unten sowie vorn und hinten am Gerät befinden, hört der Sound sich ausgewogen und klar an. Verantwortlich dafür soll die Waves-Maxx-Audio-Technologie sein, die automatisch das Audio-Level anpasst.

Die Hi-Fi-Surround-Sound-Kopfhörer von JBL liefern richtig gute Klangqualität mit ausgewogenen Bässen und Höhen. Ein Druck auf die Boom-Taste kann den Sound sogar noch mal deutlich räumlicher darstellen. Eine echte Freude.

Praktisch für 360-Grad-Videos: Zum Standard-Lieferumfang des Alcatel Idol 4 gehört auch eine VR-Brille. Leider war sie bei meinem Presse-Sample nicht dabei.

Sehnsucht nach dem Ladekabel

Der Akku ist mit 2.610 mAh durchschnittlich bemessen. Für eine volle Aufladung benötigt er 2,5 Stunden. Für ein Mittelklasse-Gerät ist das okay. Allerdings dürfte das Idol 4 mit seiner Energie ruhig etwas besser haushalten. In meinem Praxistest entlädt sich der Akku relativ schnell. Bei intensiver Nutzung in Form von Musikhören, Facebook checken, E-Mails abrufen und Videos ansehen hält er nicht mal einen ganzen Tag durch. Schon abends muss das Gerät bereits dringend wieder ans Ladekabel.

Test-Fazit Alcatel Idol 4

Das Alcatel Idol 4 ist in meinen Augen ein gutes Gerät für Android-Einsteiger. Es liefert richtig gute Fotos und ordentlichen Sound auf Oberklasse-Niveau. Werden nicht zu viele Anwendungen gleichzeitig bedient, läuft das nicht mehr ganz aktuelle Android Marshmallow flüssig und zuverlässig. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist solide, wenn man den Straßenpreis von 250 Euro heranzieht. Die Preisempfehlung des Herstellers von rund 300 Euro ist inzwischen zu hoch angesetzt. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Zum Beispiel mit dem kürzlich veröffentlichtem Honor 6X erhalten Käufer für unter 250 Euro ein 5,5-Zoll-Gerät mit Unibody-Metallgehäuse, besserer Rechenleistung und einem Fingerabdrucksensor (hier zum Test des Honor 6X).


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About Julia Froolyks
Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.