Withings Steel HR: Klassischer Fitnesstracker mit Pulssensor im Test

Self Measurement und persönliche Optimierung ist zurzeit schwer im Trend. Zur Dokumentation des Alltags und der persönlichen Fortschritte nutzen dafür immer mehr Menschen sogenannte Fitnesstracker – im Jahr 2016 stieg laut Handelsdaten der Absatz in Deutschland um 30,6 Prozent auf 1,33 Millionen verkaufte Exemplare an. Mit Withings buhlt seit einigen Jahren ein französisches Unternehmen um die Gunst der Kunden, die neben dem Funktionsumfang Wert auf ein unauffälliges, klassisches Design legen. 2014 stellte die Nokia-Tochter deshalb mit der Activité eine Analoguhr mit Schrittzähler vor. Auf der jüngsten IFA in Berlin zeigte das Unternehmen nun den edlen Nachfolger Steel HR mit smartem Benachrichtigungsdisplay und Pulssensor. Zum deutschen Marktstart haben wir uns das Gadget genauer angeschaut und im Alltag getestet. Update: Die ist nicht ganz dicht.

Design & Verarbeitung: Edler Klassiker

Mit der Steel HR setzt Withings seine minimalistische Designstrategie fort und offeriert ein rundes, kompaktes Gehäuse aus hochwertigen Materialien wie Edelstahl und Chrom. Das Armband besteht weiterhin aus wasserresistentem Silikon. Damit ist das Gadget bis 50 m wasserdicht. Unser vorliegendes Testprodukt besitzt einen Gehäusedurchmesser von 40 mm mit 20 mm breitem, wechselbarem Armband. Für zierliche Arme steht auch eine Variante mit 36 mm Durchmesser und 18 mm breitem Armband zur Verfügung. An der massivsten Stelle sind beide Modelle 12,5 mm dick.

Wie bereits die Vorgängermodelle verfügt die Steel HR über zwei Ziffernblätter. Das Hauptziffernblatt, welches sich wie bei Analoguhren üblich über die komplette Front erstreckt, zeigt dabei die aktuelle Uhrzeit an. Bei ungünstigem Lichteinfall muss man aufgrund der verchromten Zeiger leider oft zweimal hinschauen, um die genaue Uhrzeit ablesen zu können. Unterhalb befindet sich das zweite Ziffernblatt mit der Fortschrittsanzeige des Schrittzählers.

Neu ist das oberhalb integrierte, dynamische Display, das aktuelle Werte und Benachrichtigungen anzeigt. Aber dazu später mehr. Auf der rechten Gehäuseseite befindet sich ein Button über den durch die Anzeige geswitcht und durch längeres Drücken der Trainingsmodus und damit die permanente Herzfrequenzmessung aktiviert werden kann. Der entsprechende Sensor befindet sich auf der Geräteunterseite und arbeitet optisch. Zudem finden sich dort die Konnektoren zum Aufladen des integrierten Akkus.

Per photoplethysmographischen Verfahren wird in einem bestimmten Intervall die Herzfrequenz gemessen. Image by Jonas Haller

Dank der geringen Masse von 49 Gramm (bei der 36-Millimeter-Variante sind es 39 Gramm) und einem fein einstellbaren Armband ist der Tragekomfort sehr hoch. Die Verarbeitungsqualität ist auf höchstem Niveau und braucht sich vor handelsüblichen Marken-Analoguhren nicht zu verstecken. Ich persönlich würde sogar soweit gehen zu sagen, die Steel HR ist die derzeit schönste klassische Uhr mit den größten Funktionsumfang am Markt.

Activity-Features: Kleiner Health Mate

Mit der Withings Steel HR und der passenden App Health Mate kann so ziemlich jede Aktivität des Tages protokolliert werden. Die Verbindung mit dem Smartphone ist in wenigen Sekunden per Bluetooth 4.1 Low Energy hergestellt. Anschließend nimmt das Gadget jede Informationen des Trägers auf – einzustellen gibt es dafür kaum etwas. Für die permanente Verbindung zum Telefon muss lediglich die Akku-Optimierung für die App Health Mate deaktiviert werden.

Tagsüber nimmt die Steel HR unter anderem die absolvierten Schritte auf. Hierfür kann in der Companion-App ein Tagesziel gesetzt werden. Standardmäßig sind 10.000 Schritte hinterlegt, die eine gute Empfehlung darstellen. Da die analoge Fortschrittsanzeige im Tracker prozentual arbeitet, kann dann die Anzahl auf 100 Schritte genau abgelesen werden. Neben Lauf- und Schwimmaktivitäten soll die Steel HR weitere Sportarten erlernen können. Innerhalb von ein bis drei Sessions können Aktivitäten wie Tennis, Gewichtheben, Basketball, Fußball, Volleyball, Tanzen oder Boxen erkannt werden.

Das wohl spannendste Feature und die größte Neuerung ist die Aufzeichnung der Herzfrequenz. Ein Algorithmus entscheidet je nach Aktivität wann der Puls sinnvollerweise gemessen werden sollte. In der App sind dann im Halbstunden-Takt Minimum, Maximum sowie der Durchschnittswert gespeichert. Für die aktuelle Herzfrequenz kann auch das Digital-Display der Uhr genutzt werden. Ein spezieller Trainingsmodus, der durch längeres Drücken des seitlichen Buttons aktiviert wird, ermöglicht die permanente Messung des Pulsschlages zur detaillierten Aufzeichnung. Nochmaliges Drücken beendet den Modus.

In der Companion-App Health Mate werden alle Fitness-Daten gebündelt. Screenshots by Jonas Haller

Nachts zeichnet die Steel HR durch Detektierung der Bewegungsintensität und des Pulsschlages die aktuellen Schlafphasen auf. Durch den integrierten, sanft agierenden Vibrationsmotor kann der Träger morgens zu einer im Vorhinein definierten Zeit geweckt werden. Im Test funktionierte die Aufzeichnung der einzelnen Aktivitäten sehr genau und ohne Aussetzer. Auch die sanfte Weckoption ist eine echte Wonne. Daumen hoch!

Digital-Display: Daten im Blick

Wer seinen aktuellen Tagesfortschritt sehen will, muss nicht zwingend zur Smartphone-App greifen. Dafür bietet die Steel HR ein smartes Display. Es wird über den seitlichen Button aktiviert und stellt die wichtigsten Informationen dar. Darunter zählen neben der Datumsanzeige die Schrittanzahl, die gelaufene Distanz, die verbrannten Kalorien, der Akkustand, die Weckzeit sowie die aktuelle Herzfrequenz. Innerhalb der App kann die Reihenfolge nach Belieben angepasst werden.

Doch nicht nur das. Ist die Uhr permanent mit dem Mobiltelefon verbunden, werden auch Benachrichtigungen bei eingegangenen SMS, Anrufen oder bevorstehenden Terminen angezeigt und über sanftes Vibrieren dem Nutzer übermittelt. Das funktionierte soweit ohne Probleme. Leider werden Messenger wie WhatsApp derzeit nicht unterstützt. Withings äußert sich nicht dazu, ob und wann die Steel HR auch Drittanbieter-Nachrichtendienste unterstützen wird. Wer auf die Echtzeit-Benachrichtigungen verzichten kann, muss den Tracker dank integriertem Datenspeicher nicht permanent mit dem Smartphone verbinden. Zwei Tage können problem- und lückenlos intern dokumentiert werden. Das schont sowohl den Smartphone- als auch Gadget-Akku.

Einen Vorteil hat die Abstinenz der populären Messenger auf jeden Fall: Die Akkulaufzeit ist dadurch extrem lang. Anders als bei den Activité-Modellen kommt keine Knopfzelle, sondern ein fest integrierter Akku zum Einsatz. Die Laufzeit gibt Withings mit 25 Tagen an. Im Normalbetrieb erreichen wir eine Laufzeit von immer noch phänomenalen 16-20 Tagen. Anschließend aktiviert sich ein Energiesparmodus, der lediglich Schritte zählen, die Uhrzeit anzeigen und so die Laufzeit um weitere 20 Tage verlängern soll.

Per Ladestation wird der interne Akku der Withings Steel HR aufgeladen. Image by Jonas Haller

Für die Aufladung des Akkus legt Withings eine Ladestation samt USB-Kabel bei. Ein Netzteil fehlt leider. Ist der Energiespender leer, kann das Gadget auf die Station aufgelegt werden. Das gestaltet sich etwas fummelig, da der Magnet, der für die nötige Ausrichtung sorgen soll, etwas schwach dimensioniert ist und die Steel HR so gern verrutscht. Ist die richtige Position gefunden, so ist der Akku mithilfe eines 1 A starken Netzteils innerhalb einer Stunde wieder vollständig aufgeladen.

Fazit: Stilvoller Fitness-Tracker mit Zusatzfunktionen

Seit der ersten Stunde bin ich Fan der schicken, klassisch gehaltenen Aktivitätstracker des Hersteller Withings. Bei der Steel HR haben die Franzosen an den richtigen technischen Stellschrauben gedreht und den Funktionsumfang durch Pulssensor und kleiner Digitalanzeige mit Benachrichtigungsoption erweitert. Dabei bleibt das Design weiter unauffällig und edel. Top! Vor allem der Herzfrequenzsensor erlaubt einen erweiterten Einblick in die eigene Gesundheit und Fitness und Defizite lassen sich schnell feststellen.

Durch das kleine Digitaldisplay können Daten auf einen Blick eingesehen werden – ohne gleich das Telefon aus der Tasche holen zu müssen. Dank Benachrichtigungsfunktion verpasst man auch bei stummgeschaltenem Smartphone keine Anrufe. Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Unterstützung von weit verbreiteten Messengern wie WhatsApp oder Telegram. Alles in allem gibt’s für 189,95 Euro (36 Millimeter Gehäuse) bzw. 199,95 Euro (40 Millimeter Gehäuse) einen schicken, leistungsstarken Aktivitätstracker mit großem Funktionsumfang und langer, alltagstauglicher Akkulaufzeit. Deshalb gibt es eine klare Kaufempfehlung.

Nachtrag: Die ist nicht ganz dicht

Nach mehr als zwei Monaten Alltagseinsatz der Withings Steel HR hat sich nun der überaus positive Eindruck der ersten Wochen gewandelt. Ich habe den Fitnesstracker regelmäßig beim Schwimmen angelegt und nun scheint doch etwas Wasser in das Gehäuse gelangt zu sein. Jedenfalls beschlägt das Uhrenglas des Testexemplars bei starken Klimaschwankungen deutlich. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern verschlechtert auch die Ablesbarkeit. Schaut man sich in den Kommentarleisten der Onlineshops wie Amazon um, scheint das Problem großflächig aufzutreten. Deshalb ist Nutzern, die öfters in Kontakt mit Wasser kommen, der Kauf aktuell wohl dringend abzuraten.

Bei starken Klimaschwankungen beschlägt die Withings Steel HR. Image by Jonas Haller

Images & Screenshots by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas Haller studiert zurzeit Leichtbau an der Technischen Universität in Chemnitz. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen.