Optimierungs-Apps im Check: So wird dein Android-Smartphone wieder schneller

So toll die Anpassbarkeit und die schier grenzenlosen Möglichkeiten des Open-Source-Betriebssystems Android auch sind, nach Monaten der Nutzung ist vor allem bei Mittelklasse-Geräten eine deutliche Verlangsamung des Systems spürbar. Grund dafür ist neben der Fragmentierung die Anhäufung von Cache-Daten, um Apps vermeintlich schnell laden zu können. Dabei fällt allerdings auch eine Menge Müll an. Abhilfe sollen Optimierungs-Apps schaffen, die das System von unnötigem Ballast befreien und es dadurch beschleunigen. Ich habe die spannendsten Anwendungen für den digitalen Frühjahrsputz unter die Lupe genommen.

CCleaner: Die Mutter aller Bereinigungs-Apps

Optimierungs-Apps: CCleaner Screenshots
CCleaner reinigt tiefgehend und hält sich mit Werbung zurück. Screenshots by Jonas Haller

Die wohl bekannteste unter den Optimierungs-Apps kommt vom Hersteller Piriform und besitzt den Namen CCleaner. Der Titel rührt von seiner Windows-Herkunft her, wo der Systempartition standardmäßig der Laufwerksbuchstabe C: zugeteilt ist. Wie auch beim Pendant für den Desktop-PC besitzt das Tool tiefgreifende Reinigungsfunktionen. Der Cleaner stellt den Hauptbestandteil der Anwendung dar. Im Kopfbereich wird die aktuelle Nutzung des Haupt- sowie Arbeitsspeichers angezeigt. Ein Fingertipp auf „Analysieren“ zeigt nach kurzer Zeit alle nicht mehr benötigten Daten an. Diese reichen von App-Cache über Vorschaubilder oder Werbung bis hin zu versandten Bild- und Videodateien – etwa aus WhatsApp. In der Praxis funktionierte das fehlerfrei und ohne Abstürze. Das Android-System war nach dem Cleanup deutlich performanter.

Ein weiteres Schmankerl des CCleaner ist die App-Verwaltung. Sie listet ähnlich der Standard-Telefoneinstellungen alle installierten Anwendungen auf. Zusätzlich zeigt die Engine App-Eigenschaften wie „Auto-Startup“ oder „Hintergrunddienst“ an. Damit lassen sich unkompliziert Ressourcen-Fresser ausmachen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Die Speicher-Analyse erlaubt einen schnellen Überblick über im Speicher gelagerte Daten. Durch eine Auflistung nach Dateigröße können voluminöse Inhalte gesichtet und gelöscht werden.

Unter System-Info zeigt CCleaner Geräte-Informationen wie MAC- und IP-Adresse sowie Batterie-Daten an. Diese Informationen sind allerdings auch in den Einstellungen des Mobiltelefons einsehbar und stellen keinen echten Mehrwert zu den Standardfunktionen dar. Im Play Store kann die Basis-Version des CCleaner kostenlos geladen werden. Die Pro-Version, in der unter anderem Reinigungen geplant werden können, schlägt mit fairen 1,95 Euro zu Buche.

Clean Master: Funktionsriese mit optionalem Virenscanner

Optimierungs-Apps: Clean Master Screenshots
Clean Master bietet den größten Funktionsumfang, aber auch die nervigste Werbung. Screenshots by Jonas Haller

Ein weiterer beliebter Vertreter unter den Optimierungs-Apps bei Android-Nutzern ist Clean Master von Cheetah Mobile. Was im ersten Moment dubios und nach Malware klingt, ist in der Praxis eine praktische Anwendung, die dein Android-Phone deutlich beschleunigt. Nicht umsonst ist die funktionsreiche Software auf Telefonen wie dem Huawei Nova leicht abgewandelt ab Werk vorinstalliert. Zuerst ist natürlich die Bereinigungsfunktion zu nennen, die ähnlich dem CCleaner Cache-Müll sowie Werbeleichen ausfindig macht. Innerhalb weniger Sekunden sind unnützen Dateien vom Gerät entfernt. Das Telefon legt in der Performance im Vergleich zum CCleaner subjektiv gesehen nochmal zu. Unter der Option Telefonbeschleunigung untersucht Clean Master den Arbeitsspeicher und listet laufende Anwendungen auf. Ein Fingertipp auf „Beschleunige“ gibt nicht benötigten RAM-Speicher frei. Außerdem bietet dieser Menüpunkt einen sogenannten „Prozessor-Kühler“. Klingt erstmal nicht verkehrt, hatte im Test aber keine spürbare Auswirkung auf die Performance.

Eines der praktischen Extra-Features im Vergleich zum CCleaner ist der „Energiesparer“. Er listet im Hintergrund aktive Apps auf und bietet an diese in den Ruhezustand zu versetzen. Dabei zeigt Clean Master die gewonnene Akku-Energie in Form der gewonnenen Laufzeit an. Der „Benachrichtigungs-Bereiniger“ verhindert nervige Notifications und reduziert so weiteren Energieverbrauch. Zudem versprechen die Entwickler dank „Charge Master“ ein schonendes Aufladen des Energiespenders. Dafür werden Verbraucher automatisch beendet sowie eine mögliche Überladung verhindert. Die Software soll zudem Ladeprobleme erkennen und anzeigen.

Clean Master: Alles Werbung oder was?

Auf dem ersten Blick bringt die Reinigungs-Software von Cheetah Mobile zudem einen Anti-Viren-Scanner mit – zumindest suggeriert das die Startseite. Doch ein Blick in die Option verrät, dass mit „CM Security Antivirus Applock“ eine zusätzliche App aus dem Play Store geladen werden muss. Sie ist jedoch kostenlos. Neben Bedrohungen durch Viren listet die Anwendung Apps auf, die fragwürdige Aktivitäten in Sachen Datenschutz erkennen lassen. Allzu private Apps wie WhatsApp, Facebook Messenger oder Dropbox schützt Clean Master mit einem zusätzlichen Passwort.

Außerdem listet die Reinigungs-Software unter Werkzeuge neben nützlichen Tools wie einem Foto- oder WhatsApp-Reiniger weitere Apps der Entwickler auf, die direkt im Play Store geladen werden können. Und da zeigt sich das Problem der ansonsten guten Software: An allen Ecken und Enden blendet Cheetah Mobile nervige Werbung ein, die das positive Gesamtbild trübt und die Anwendung unübersichtlich macht. Der Sinn einer Nachrichten-Rubrik erschließt sich mir bis jetzt nicht. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann Clean Master kostenlos aus dem Play Store laden.

All-In-One Toolbox: Das Schweizer App-Taschenmesser

Optimierungs-Apps: All-in-One Toolbox
All-In-One Toolbox greift tief in das System ein. Screenshots by Jonas Haller

Die Anwendung All-In-One Toolbox gehört zu den weniger bekannten Optimierungs-Apps. Im Fokus steht auch hier die Bereinigung des App-Caches. Anders als die Konkurrenzprodukte greift All-in-One Toolbox tief in das Android-OS ein und optimiert auch Systemprozesse. Das funktionierte im Test einwandfrei, der Systemeingriff ist dabei ja nicht ganz ungefährlich. Die Android-App besitzt des Weiteren einen Boost-Mode, der den Arbeitsspeicher frei räumt und so für zusätzliche Performance sorgt. Als einziger Anbieter integrieren die Entwickler von AIO Software Technology Co. Ltd eine Bootbeschleunigung, über die einzelne Programme für den Autostart deaktiviert werden können. Aber Achtung: System-Apps sind für den Otto Normalverbaucher tabu!

Wie auch bei Clean Master ist ein „CPU Kühler“ verfügbar, der zum Abkühlen des Prozessors ungenutzte Anwendungen schließt. Da sich die Apps nach kurzer Zeit von selbst reaktivieren, ist diese Option nicht wirklich effektiv. Doch was wäre All-In-One Toolbox nicht ohne entsprechenden ‚Werkzeugkasten‘? Unter „Tools“ lassen sich weitere Miniprogramme wie „Backup & Wiederherstellung“, „App2SD“ oder ein Dateimanager finden. Wem das nicht reicht, der kann aus einer Bibliothek weitere App-Tools downloaden. Darunter zählen etwa ein „QR- und Barcode-Scanner“, „App Lock“ oder ein „Game Booster“. Ganz ohne Werbung kommt auch dieses Stück Software nicht aus und verweist auf Spiele, ‚die Nutzer ebenfalls mögen‘. Will man die App schließen, so erscheint ein Pop-Up, das quittiert werden will.

All-In-One Toolbox ist in der Basis-Version kostenlos im Play Store verfügbar. Wem die Inhalte nicht genügen oder wer auf die Werbung verzichten möchte, kann für 3,49 Euro einen Lizenzschlüssel für die Pro-Version erwerben. Angesichts des großen Funktionsumfangs ein faires Angebot.

Fazit: Optimierungs-Apps sind ein Must-Have für Android-Nutzer

Auch wenn das Google-OS in den letzten Jahren deutlich schlanker und performanter geworden ist, so sammelt es im Laufe der Zeit eine Menge Datenmüll an. Flaggschiff-Telefone verrichten wegen ihrer großen Leistungsreserven oftmals unbeeindruckt vom Datenbalast ihren Dienst. Huawei behauptet gar, sein Top-Smartphone Mate 9 dank Künstlicher Intelligenz dauerhaft sauber und schnell halten zu können. In der Mittelklasse hingegen sind die Rechenkapazitäten schlanker kalkuliert. Daher werden günstige Smartphones schnell spürbar langsamer. Mithilfe von Optimierungs-Apps könnt ihr dem System wieder einen Performance-Schub verschaffen.

Welche Anwendung dabei zum Einsatz kommt, ist eine Philosophiefrage: Wem einfache Säuberungsfunktionen reichen, der ist mit dem CCleaner sehr gut bedient. Er läuft schnell, stabil und löscht zuverlässig. Wer zusätzlich einen Assistenten zum schonenden Akkuladen und einen (optional ladbaren) Virenscanner verwenden möchte, der ist beim stark werbegeprägten Clean Master an der richtigen Adresse. Die All-In-One Toolbox, das Schweizer Taschenmesser unter den Optimierungs-Apps, liefert weitere nette Werkzeuge, die die Funktionsfähigkeit des Android-Smartphones zusätzlich aufbohren.


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About Jonas Haller
Jonas Haller studiert zurzeit Leichtbau an der Technischen Universität in Chemnitz. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen.