Google I/O 2017: Ohne Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität geht nichts mehr

Bei Google rücken seit ein paar Jahren immer mehr Virtuelle Realität und Künstliche Intelligenz in den Fokus. Auch bei der Hausmesse Google I/O 2017 nahmen beide Themen viel Raum ein. Das Android-Betriebssystem und das Hardware-Ökosystem von Google werden künftig noch mehr KI- und VR-Features aufweisen. Darauf könnt ihr euch demnächst auf eurem Android-Gerät freuen.

Android O: Notification Dots,“Bild in Bild“ und Performance-Sprünge

Nahm die Vorstellung der neuen Features der kommenden Android-Distribution in den Jahren zuvor den Großteil der Open Air Keynote ein, so genügten dafür bei der Google I/O 2017 wenige Minuten. Das liegt wohl auch daran, dass Android O nur mit wenigen System-Neuerungen daher kommen wird. Zuerst zu nennen ist „Notification Dots“. Das neue Feature dreht sich um die App-Icons: Aktivitäten innerhalb einer Anwendung werden durch einen langen Fingerdruck detailliert angezeigt. Apple iOS lässt grüßen.

Bei „Bild in Bild“ handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Multiscreen-Features. Anwendbar ist diese Funktion unter anderem mit der Youtube-App. So ist es möglich gleichzeitig ein minimiertes, frei verschiebbares Video zu schauen und sich daraus Notizen zu nehmen. Des Weiteren beschleunigt ein neues Autofill-Feature die Anmeldung in neuinstallierten Apps wie Twitter. Die Android-Anwendung holt sich dafür benötigte Daten wie Nutzername und Passwort direkt von Google Chrome. Ob das nun positiv oder ein datenschutzrechtlicher Rückschritt ist, bleibt offen.

Mit Android O wird Bild-in-Bild-Darstellung möglich. Screenshot by Google

Der Großteil der Entwicklung spielt sich unter der Haube ab. Die Verantwortlichen versprachen auf der Google I/O 2017 gesteigerte Gerätesicherheit und hinzugewonnene Performance. Letztere lässt sich besonders an der verbesserten Boot-Geschwindigkeit erkennen. Aber mal ehrlich: Wer schaltet sein Telefon außerhalb von Geräte-Updates im Alltag aus und später wieder ein? Deutlich praktischer ist die Reduzierung der Energieaufnahme von Apps, die im Hintergrund laufen. Zusätzlich spart die Weiterentwicklung wertvollen Arbeitsspeicher.

Android Go: Abgespecktes Betriebssystem

Für Hersteller von Geräten im Low-end-Bereich hält Google in Zukunft mit Android Go eine abgespeckte Variante seines mobilen Betriebssystems bereit. Die Distribution soll mit weniger als 1 GB Arbeitsspeicher auskommen. Zudem spendiert Google speziell angepasste „Go“-Apps, die auch mit weniger Leistung flüssig laufen. Die Anwendungen sind akku- und datenoptimiert. Der standardmäßig aktivierte Data Saver sorgt in Chrome für flüssiges Surfen.

Der Chrome Data Saver ist bei Android Go standardmäßig aktiviert. Screenshot by Google

Der Fokus des Unternehmens aus Mountain View liegt besonders auf den Entwicklungsländern, in denen die Alphabetisierung nicht so weit fortgeschritten ist. Die Tastatur-App Gboard wird deshalb auch phonetische Eingaben unterstützen. Die Integrierung des Dienstes Google Translate ermöglicht die direkte Übersetzung in die Sprache des Gegenübers. Erste Geräte kommen voraussichtlich im nächsten Jahr auf den Markt.

Google Lens: Informationen dank Kameraeinsatz

Eine der wichtigsten Neuerungen auf der Google I/O 2017 war Google Lens. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der eigenen Künstlichen Intelligenz Google Assistant. In Zukunft wird es möglich sein ähnlich dem Samsung-Assistenten Bixby Dinge per Kamera zu erkennen und weiterführende Informationen anzuzeigen. Besonders interessant ist die Option, den Barcode eines Routers einscannen und sich automatisch einloggen zu können. Auch Live-Übersetzungen von Schildern oder Tafeln, bei denen der Text direkt überblendet wird, zählen zu den praktischen Neuerungen.

Die Bilderkennung spielt auch in der Entwicklung von Google Fotos eine wichtige Rolle. Personen erfasst die Software automatisch und bietet an, die Schnappschüsse mit den betreffenden Menschen zu teilen. Gemeinsam mit Lens lassen sich Fotos mit zusätzlichen Informationen vertaggen. Dazu zählen unter anderem Orte und Gebäudenamen. Für Fans analoger Bildsammlungen bringt Google Photo Books auf den Markt. Vorerst wird der Service allerdings nur in den USA zur Verfügung stehen.

In Google Fotos lassen sich bestimmte Bilder mit den dargestellten Personen teilen. Screenshot by Google

Virtuelle Realität: Standalone-VR-Headsets im Anflug

Mit Cardboard hat Google vor einigen Jahren erst so richtig für Schwung in der Welt der virtuellen Realität gesorgt. Mit Daydream VR folgte im letzten Jahr ein hochwertiges Headset für etliche Smartphones. 2017 will das Unternehmen nun das erste Headset anbieten, das komplett ohne Mobiltelefon auskommen soll. All-in-One-Headsets geistern als Idee seit der IFA 2016 durch die Technik-Welt. Noch sind reale Produkte rar.

Google verspricht beim Standalone-Headset eine revolutionäre Verbesserung des Trackings im Raum. Hardwarepartner sind Lenovo sowie HTC, die ihre Erfahrungen mit dem Vive-System perfekt einbringen können. Bis zum Ende des Jahres sollen die Geräte verfügbar sein.

Ende des Jahres veröffentlicht Google das erste Standalone-VR-Headset. Screenshot by Google

Google Home: Zusatzinformationen und Telefonfunktion

Auch wenn der kleine Assistent Google Home noch nicht in Deutschland verfügbar ist, so ist die rasante Entwicklung durchaus spannend. Unter anderem spendieren die Entwickler einen proaktiven Assistenten, der im Hintergrund Termine und die Verkehrslage scannt und zum passenden Zeitpunkt darauf hinweist demnächst aufzubrechen. Die Benachrichtigung wird neben der Sprachausgabe durch das Aufleuchten der LEDs visuell angezeigt. Doch das ist nicht alles, denn auch mit Smart-TV kann Google Home korrespondieren. Kalendereinträge werden so übersichtlich auf dem Bildschirm angezeigt.

Google Home unterstützt bald sprachgesteuerte Telefongespräche. Screenshot by Jonas Haller

Mit dem neuesten Softwareupdate kann der Nutzer zudem über den Assistenten telefonieren. Dafür erhält das Gadget eine eigene Telefonnummer, auch die Nutzung der bestehenden Nummer wird möglich sein. Außerdem kann Google Home ab sofort auch Bluetooth. Das heißt: jegliche Audioinformationen landen vom Android- oder iOS-Gerät kabellos auf dem kompakten Speaker. Auch Musikdienste wie Spotify, Soundcloud, Deezer oder Google Play Music unterstützt Google Home.

Google I/O 2017: Alles nochmal in Ruhe anschauen

Ihr habt den Livestream zur Keynote verpasst? Die komplette Google Keynote könnt ihr euch nochmal im Web ansehen – natürlich auf Googles Videodienst Youtube.


Google I/O 2017 Livestream Screenshots by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.