Asus Zenfone 3 Deluxe im Test: Rosiges Debüt im Premiumsegment?

Noch vor wenigen Jahren kannte man den taiwanischen Hersteller Asus vor allem wegen seiner potenten PC-Hardware. Mittlerweile ist das Unternehmen auch im Smartphone-Bereich konkurrenzfähig und hat seit Anfang des Jahres mit dem Zenfone 3 Deluxe einen echten Flaggschiff-Killer im Angebot. Doch wie schlägt sich das 5,7 Zoll große Gerät im Alltag und ist es den Kaufpreis von 799 Euro auch wert? Ich habe den Boliden in den letzten Wochen getestet.

Flache Flunder mit hoher Verarbeitungsqualität

Nachdem die ersten Zenfone-Modelle im Jahr 2013 als billige Plastikbomber verschrien wurden, haben sich die Taiwaner in Sachen Design und Verarbeitungsqualität deutlich verbessert. Das Zenfone 3 Deluxe kommt in einem edlen Aluminium-Unibody ohne sichtbare Antenne daher. Dadurch wirkt das Gehäuse wie aus einem Guss. Trotz seiner großformatigen Abmaße von 156,4 x 77,4 mm liegt es aufgrund der Dicke von lediglich 4 mm und 170 g Masse gut in der Hand. Allerdings ist eine Ein-Hand-Bedienung kaum mehr möglich.

Auf der linken Geräteseite befindet sich ein Mikrofon sowie der SIM- bzw. Speicherkartenslot. Unten ist der USB-C-Anschluss sowie der Lautsprecher untergebracht. Die Wippe zur Lautstärkeregulierung als auch der Powerbutton finden sich auf der rechten Geräteseite. Beide sind zwar sehr schmal, bieten aber einen sehr guten Druckpunkt. Auf der Oberseite können über den 3,5-mm-Klinkeneingang Kopfhörer angeschlossen werden. Schleierhaft bleibt, warum Asus den Anschluss nicht in der Mitte platziert – ein Graus für jeden Symmetrie-Fan. Die Rückseite ziert neben der leicht heraus stehenden Kamera der recht schmal gehaltene Fingerabdrucksensor.

Asus Zenfone 3 Deluxe By Side
Das Asus Zenfone 3 Deluxe zeichnet sich besonders durch sein flaches Gehäuse aus. Image by Jonas Haller

Kaum zu vergleichen mit älteren Modellen ist die Verarbeitungsqualität des Zenfone 3 Deluxe. Das Alu-Gehäuse besitzt eine gefräste Kante, die fast schon rund wirkt. Frontseite inklusive Display sind perfekt eingepasst, sodass keine scharfen Kanten entstehen. Bei Krafteinwirkung knarzt nichts und gibt nichts nach. Einzig die LEDs hinter den Soft-Keys könnten gleichmäßiger ausleuchten.

Leuchtstarkes AMOLED-Display mit FullHD-Auflösung

Auf der Front verbaut Asus ein 5,7 Zoll großes AMOLED-Display, das leuchtstarke Farben bietet. Die Helligkeit ist mit rund 600 nits sehr ordentlich. Selbst bei Sonneneinstrahlung sind Inhalte bei maximaler Leuchtkraft noch lesbar. Natürlich erschweren auch beim Zenfone 3 Deluxe Spiegelungen die Nutzung. Die Auflösung des Panels beträgt lediglich 1920 x 1080 Pixel, also FullHD. Die Pixeldichte liegt damit bei 401 ppi.

Damit liegt das Asus-Flaggschiff zwar hinter der Konkurrenz von etwa Samsung oder LG zurück, befindet sich allerdings auf einem Niveau mit dem Huawei Mate 9 und lässt sich in der Praxis sehr gut ablesen. Pixel sind selbst beim näheren Betrachten nur schwierig auszumachen. Ähnlich wie etwa Mitbewerber aus Südkorea besitzt das Display eine Always-On-Funktion. Im deaktivierten Zustand zeigt es also sowohl Uhrzeit als auch eingegangene Nachrichten oder den Akkustand an. Ein nettes Feature, das dank AMOLED-Technik kaum Energie benötigt.

Kraftvoller Qualcomm-Prozessor und unübliche 128 GB Speicher

Asus stellte das Zenfone 3 Deluxe bereits Mitte des letzten Jahres vor. Deshalb setzen die Taiwaner auf den nicht ganz taufrischen Snapdragon 821 Vier-Kern-Prozessor mit einer Taktleistung von 2.4 GHz. Gemeinsam mit 6 GB Arbeitsspeicher machte er im Test allerdings eine sehr gute Figur. Das System arbeitet butterweich und es kommt zu keinen Hängern. Auch rechenintensive Games wie Asphalt Xtreme laufen flüssig. Besonders erfreulich ist die geringe Wärmeentwicklung beim längeren Zocken.

Bestätigt wird das subjektive Empfinden von den guten Benchmark-Werten: Im AnTuTu Leistungstest erreicht das Zenfone 3 Deluxe rund 152.000 Punkte und liegt damit im Bereich von OnePlus 3(T), allerdings deutlich vor dem Huawei Mate 9 oder auch dem Google Pixel XL. Im GeekBench stehen 4218 Punkte im Multi-Core- und 1814 Punkte im Single-Core-Bench auf dem Ergebnisblatt. Das Telefon reiht sich damit zwar hinter den Samsung-Geräten mit Exynos-Chip ein, liegt aber im vorderen Feld.

Die Benchmark-Ergebnisse können sich sehen lassen. Screenshots by Jonas Haller

Für den Alltag mehr als ausreichend ist auch der integrierte Speicher. Asus spendiert dem Flaggschiff einen 128 GB großen, schnellen UFS-2.0-Riegel, der per microSDXC-Kart um weitere 128 GB erweitert werden kann. Zudem legt Google 100 GB Cloud-Speicher für zwei Jahre obendrauf.

Sony-Knipse liefert gute Bilder

Positiv überrascht das verbaute Kameramodul. Es kommt vom Linsenexperten Sony und ist aus dessen Premium-Geräten wie dem Xperia XZs bekannt. Die Auflösung beträgt 23 Megapixel, die Blende ist mit maximal f/2.0 lichtstark. Videos landen in 4K-Auflösung auf dem Speicher. Dank optischen Bildstabilisator, dreifach ausgeführten Autofokus (Laser, Dual-Pixel, Phasenerkennung) und Dual-LED-Blitz liefert die Hauptkamera gute Ergebnisse. Die Aufnahmen sind scharf und ermöglichen vor allem bei guten Lichtbedingungen dynamische Schnappschüsse. Sobald es dunkler wird fällt das Qualitätsniveau allerdings deutlich ab.

Auf der Frontseite integrieren die Taiwaner eine 8 Megapixel auflösende Frontkamera, die sich perfekt für Selfies oder Videotelefonate eignet. Natürlich ist auch ein Beauty-Modus an Bord, der das Gesicht weich zeichnet und Falten retuschiert. Neben verschiedenen Szenen-Modi bietet die Kamera-App auch umfangreiche Profieinstellungen: Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert lassen sich so variieren, eine Wasserwaage erleichtert die perfekte Ausrichtung.

Die Sony-Kamera des Asus Zenfone 3 Deluxe überzeugt. Image by Jonas Haller

Kopfhörer hui, Lautsprecher pfui

Etwas enttäuschend war die Sound-Qualität der integrierten Lautsprechers. Anders als etwa die Konkurrenz von HTC integriert Asus lediglich einen Medienlautsprecher, der sich auf der Unterseite befindet. Aufgrund des dünnen Gehäuses fehlt ein rückwärtiger Resonanzkörper, sodass die wiedergegebenen Audiodateien blechern klingen. Die hohen Frequenz sind also sehr präsent. So richtiger Klanggenuss will nicht aufkommen. Da kann auch der integrierte Dolby-Audio-Assistent nichts ausrichten.

Etwas besser klingt das Zenfone 3 Deluxe mit den mitgelieferten In-Ear-Kopfhörern. Sie kommen in einer schicken Kunststoffbox daher und können so sicher transportiert werden. Der Klang des Headsets ist sehr ausgewogen und drängt sich in keinem Frequenzbereich unangenehm auf. Das lässt auch darüber hinwegsehen, dass beim ein oder anderen Einstecken der In-Ears der Sound auf der rechten Seite lauter als auf der linken war.

Die mitgelieferten Kopfhörer klingen ganz ordentlich. Image by Jonas Haller

Fingerabdrucksensor mit Schwächen

Wie der Großteil der Mitbewerber spendiert auch Asus seinem Premium-Smartphone einen Fingerabdrucksensor. Er befindet sich auf der Rückseite und funktioniert traditionell per Fingerauflegen. Zumindest in der Theorie. Im Test wollte das Modul das Telefon nicht immer auf Anhieb entsperren. Die Konkurrenz kann das besser und auch schneller. Hoffen wir, dass Asus beim Nachfolger einen potenteren Sensor integriert.

Akku hält lange durch

Für ordentlich Power sorgt der 3.000 mAh starke Akku. Er befeuert das Zenfone 3 Deluxe den kompletten Tag mit Energie, bei geringerer Nutzung sind auch zwei Tage drin. Im PC-Mark Akkutest erreichte das Premium-Gerät mit 50% Helligkeit eine Laufzeit von 7 Stunden und 18 Minuten. Das ist ein ordentlicher Wert, liegt damit aber damit hinter dem großen Konkurrenten Huawei Mate 9. Aufgeladen wird das Modul per USB-C-Anschluss und schnellem 2A-Netzteil. Innerhalb 90 Minuten ist der Energiespeicher wieder vollständig aufgeladen.

Verspielte ZenUI-Oberfläche mit praktischen Funktionen

Das Asus-Gerät läuft mit der aktuellen Android-Version 7.0 Nougat inklusive der eigenen Nutzeroberfläche ZenUI. Das verspielte Design ist dabei nicht jedermanns Sache. Mir persönlich ist die Oberfläche zu verspielt. Das Design der vorinstallierten Asus-Apps ist zudem unübersichtlich. Ferner deckt Google mit seinen Anwendungen den Großteil der Anliegen der Asus-Programme ab. Wenigstens lässt sich der Großteil der Asus-Applikationen deinstallieren.

Die Nutzeroberfläche ZenUI dürfte nicht jedermanns sache sein. Screenshots by Jonas Haller

Durchaus praktisch sind allerdings einige Funktionen, die für zusätzlichen Nutzungskomfort sorgen. Darunter zählen Berührungs- und Bewegungsgesten (ZenMotion), der App-Start-Beschleuniger OptiFlex und der Optimierer Mobile Manager oder der frei konfigurierbare Cover-Bildschirm, der permanent aktiviert ist. Ein Blaulichtfilter sorgt für augenfreundliches Arbeiten bei wenig Licht. Gamer freuen sich über den Game Genie, der das Mitschneiden der Sessions ermöglicht.

Fazit: Asus noch nicht in allen Bereichen erstklassig

Mit dem Zenfone 3 Deluxe will Asus den High-End-Bereich erschließen. In einigen Bereichen wie Design & Verarbeitung, Performance, Kamera und Akku gelingt das dem taiwanischen Hersteller schon ganz gut. Für einen Platz an der Sonne reicht das allerdings aufgrund plärrigem Lautsprecher, dem behäbigen Fingerabdrucksensor und der verspielten Nutzeroberfläche nicht. Der Abstand zu den etablierten Marken wird jedoch immer geringer.

Besonders deutlich zeigt sich das am Preis: Saftige 799 Euro ruft Asus zum Deutschlandstart des Telefons auf. Das ist hinsichtlich der gebotenen Leistung zu viel. Für Interessenten lohnt deshalb einen Blick auf das preiswertere chinesische Pendant Huawei Mate 9, das wir im November getestet haben.

Das Gehäuse des Zenfone 3 Deluxe wirkt wie aus einem Guss. Image by Jonas Haller

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About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.