So weit das Auge reicht: LG G6 begeistert im Test mit breitem Display und Weitwinkel-Linse

Mit dem G5 hatte LG hoch gepokert. Das modulare Konzept des letztjährige Flaggschiff-Smartphones war zwar innovativ aber auch etwas umständlich in der Handhabung. Das sah jedenfalls ein Grossteil der potenziellen Kundschaft so. Deshalb blieben die Verkaufszahlen des G5 blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Mit dem LG G6 will der koreanische Hersteller nun zurück in die Erfolgsspur. Die Modul-Strategie wurde verworfen und das neue Gerät in fast allen Bereichen verbessert. Nach meinem kurzen Hands-on am MWC-Stand hatte ich nun die Gelegenheit das G6 über mehrere Wochen hinweg auf Herz und Nieren zu testen. Hier sind meine Eindrücke.

Gute Fingerabdrücke, schlechte Fingerabdrücke

Mit dem Abschied vom Modul-Design konnte LG endlich auch ein wasser- und staubdichtes Gehäuse fürs G6 konstruieren. Zwar ist dieses mit rund acht Millimetern in der Tiefe etwas dicker als manche Konkurrenten. Aber dank des eleganten Metallrahmens und der abgerundeten Kanten liegt es nicht nur angenehm in der Hand an, sondern sieht auch durchaus ansprechend aus.

Allerdings fühlten sich Fingerabdrücke vom hochglänzenden, schwarzen Rückteil meines Testgeräts wie magisch angezogen. Glücklicherweise ist das G6 auch als silberfarbene Version zu haben, bei der Tapser weniger auffallen dürften. Hingegen sehr erwünscht ist die Erkennung meines Fingerabdrucks beim dafür vorgesehenen Scanner. Er erweist sich im Text als ausgesprochen reaktionsschnell. Dank ergonomisch sinnvoller Platzierung auf der Rückseite ist er auch bei einhändiger Nutzung gut zu erreichen.

Im Gegensatz zu manch anderen High-End-Modellen wie dem iPhone 7 Plus bietet das G6 auch immer noch einen Kopfhöreranschluss mit 3,5 Millimetern Durchmesser. Ein microSD-Slot zur Speichererweiterung ist auch mit an Bord.

LG G6
Image by Lars Rehm

Display im 18:9-Format: So weit, so gut!

Die größte Neuigkeit am LG G6 ist auf der Frontseite zu finden. Das von LG „FullVision“ getaufte 5,7 Zoll große Display mit QHD-Auflösung hat ein Seitenverhältnis von 18:9 (oder 2:1). Dies hat es den Ingenieuren ermöglicht, einen Bildschirm im Phablet-Format in einem Gehäuse mit Standardabmessungen unterzubringen. Das ungewöhliche Format macht die Anzeige zweier Apps gleichzeitig mittels Multi-Window-Modus komfortabler.

Außerdem ist es eine neuartige Erfahrung, auf dem Display Filme zu schauen, vorausgesetzt ihr habt Zugriff auf Inhalte im 18:9-Format. Da müsst ihr zurzeit nämlich noch Abstriche machen. Immerhin haben Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon Prime Video schon versprochen, das Angebot demnächst auszubauen.

Zudem ist das sehr scharfe Display HDR-fähig. Es unterstützt als bisher einziges Mobilgerät den HDR-Standard Dolby Vision, den auch Netflix nutzen will. Allerdings standen zum Testzeitpunkt noch keine entsprechend codierten Inhalte zur Verfügung.

Top-Alltagsleistung trotz „alten“ Prozessors

Die meisten dieses Jahr vorgestellten High-End-Smartphones kommen mit Qualcomms neuestem Snapdragon 835 Chipset. Das G6 wurde dafür aber wohl einige Wochen zu früh vorgestellt, sodass die Nutzer des LG-Geräts noch mit dem Vorjahresmodell Snapdragon 821 Vorlieb nehmen müssen. Jedoch in der Kombination mit 4 GB Arbeitsspeicher läuft das G6 in allen Situationen flüssig und reagiert sehr schnell auf jegliche Art von Eingaben. Apps starten ohne Verzögerung und auch rechenleistung-intensivere Tasks, wie die Bildbearbeitung gehen flott vonstatten. Die meisten Nutzer werden den Verzicht auf die neueste Prozessorgeneration also verschmerzen können.

Der Akku ist im Gegensatz zum G5 nicht mehr austauschbar, was dem wasserdichten Gehäuse geschuldet ist. Positiv zu vermerken ist aber die auf 3300 mAh erhöhte Kapazität, die es ermöglicht auch bei intensiver Nutzung einen ganzen Tag ohne Nachladen auszukommen.

Dual-Kamera: Superweitwinkel statt Tele

Neben dem Display ist die Dual-Kamera das Alleinstellungsmerkmal des G6. Dual-Kameras werden zwar immer mehr zur Norm, ein Superweitwinkel-Objektik gib es bisher aber nur bei LG. G6-Fotografen müssen zwar auf einen Porträt-Modus wie beim iPhone 7 Plus, der den Hintergrund verschwimmen lässt, verzichten, das zusätzliche Weitwinkel mit seinem 125 Grad Bildwinkel bietet aber eine Menge Flexibilität was die Bildkomposition angeht. Außerdem kommen die Objektive, im Gegensatz zu den Tele-Linsen im iPhone oder dem Xiaomi Mi6, auch bei sehr dunkleren Lichtverhältnissen noch gut klar.

LG G6
Image by Lars Rehm
LG G6
Image by Lars Rehm

Zusätzlich bietet die Kamera-App eine unerreichte Vielzahl an manuellen Einstellungsmöglichkeiten und Optionen, die vor allem bei ambitionierteren Fotografen sehr willkommen sein dürften. Vor allem im Videomodus bietet das G6 weitaus mehr Einstellmöglichkeiten als die meisten Rivalen. Für diejenigen, die ihr Bildmaterial gerne in der Nachbearbeitung perfektionieren, ist auch das DNG-Raw-Dateiformat mit an Bord.

Die Bildqualität lässt insgesamt nicht viel zu wünschen übrig. Die Bilder und Videos sind gut belichtet, bieten eine ansprechende Bilddynamik und schöne Farben. Perfektionisten dürften sich aber etwas an überschärften Kanten und sichtbarem Bildrauschen selbst in gutem Licht stören. Auch ist das Superweitwinkel zu den Rändern hin etwas unscharf. Bei dunkleren Lichtverhältnissen kann das G6 aber mit den allerbesten Smartphone-Kameras mithalten. Auch die Videoclips können sich dank butterweicher Bildstabilisierung sehen lassen. Der Autofokus arbeitet rundum zuverläsig und die Kamera-App kann mit einem sinnvoll strukturierten und intuitiven User Interface überzeugen.

Test-Fazit LG G6

Das aktuelle Flaggschiff von LG ist im Vergleich zum Vorgängermodell G5 ein echter Schritt nach vorne. Zwar wurde das Modulsystem des G5 zu den Akten gelegt, die meisten Nutzer werden dies aber problemlos verschmerzen können. Im Gegenzug hat das G6 ein wasserdichtes Gehäuse und einen größeren Akku zu bieten. Das sind Merkmale, die einen deutlich höheren Alltagsnutzen zu bieten haben als die eher verspielten Zusatzmodule des G5.

LG G6
Image by Lars Rehm

Die Bedienung ist trotz des nicht mehr ganz aktuellen Prozessor Snapdragon 821 flüssig. Das LG G6 kann sich vor allem dank des ungewöhnlichen Bildschirmformats und des Superweitwinkel-Objektives in der Dual-Kamera positiv von der Konkurrenz absetzen. Zudem kann die Kamera mit vielen manuellen Optionen und generell guter Bildqualität überzeugen. In der Summe macht dies das LG G6 zu einem sehr attraktiven Gesamtpaket. Vor allem Nutzer, die viel mit dem Smartphone fotografieren, dürften daran ihre Freude haben und LGs G-Serie wieder den Weg zurück in the Erfolgsspur ebnen.


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About Lars Rehm
Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.