HTC U11 im Test: Glänzendes Comeback?

Kaufenswerte Flaggschiff-Geräte gibt es im Smartphone-Bereich mittlerweile viele. Doch nur wenige haben mich beim ersten Hands-On so in ihrem Gesamtpaket überzeugt wie das neue HTC U11. Potente Rechentechnik, leistungsstarke Kamera, clevere Features und nicht zuletzt hochwertiges Zubehör machen das High-End-Telefon interessant. Ich habe in den vergangenen drei Wochen das Gerät im Alltag getestet und verrate meine Eindrücke.

Arbeiten mit dem HTC U11

In der Hauptzeit habe ich das taiwanische Vorzeigegerät zum Arbeiten verwendet. Das heißt in meinem Fall: als mobiles digitales Helferlein während des Schreibens der studentischen Abschlussarbeit sowie beim hilfswissenschaftlichen Uni-Job. Dafür hat das U11 die Daten von drei Mail-Accounts gefüttert bekommen, die sich in der Hauptzeit intelligent synchronisiert haben. Außerdem habe ich Apps und Funktionen wie Kalender, Office, Notizen und natürlich der Google Suche sowie den Chrome-Browser frequentiert genutzt.

Das Navigieren klappte nach meinem subjektiven Eindruck dank Snapdragon 835 Acht-Kern-Prozessor mit einer noch nie da gewesenen Performance. Das Multitasking und Wechseln zwischen den Apps war durch 4 GB Arbeitsspeicher sehr flüssig. Der frontseitige Fingerabdrucksensor entsperrt das U11 flink und kann auch beim Liegen auf dem Schreibtisch genutzt werden.

Mit dem HTC U11 lässt sich unterwegs gut arbeiten. Image by Jonas Haller

Besonders bereichernd fand ich auf dem gestochen scharfen 5,5 Zoll großen Quad-HD-Display das Multi-Window-Feature, bei dem zwei Apps gleichzeitig angezeigt werden können. Das Arbeiten mit dem Mobiltelefon gestaltet sich dadurch produktiver. Dabei hilft auch die neue Shortcut-Funktion, über die ich spezielle App-Menüs direkt aus dem App-Drawer öffne.

Negativ aufgestoßen ist mir die vorinstallierte Tastatur TouchPal. Die Nutzung ist schwerfällig und es kommen öfters Fehltipper zustande. Selbst nach mehreren Tagen habe ich mich nicht an die Anordnung der Satz- und Sonderzeichen gewöhnt. Die Folge war die Installation der Google-Tastatur GBoard, die zusätzlich praktische Features wie eine Suche bietet.

Mit dem ein oder anderen Abschweifen in die sozialen Netzwerke konnte ich meinen Tag mit rund 30% Akkuleistung beenden. Durch das starke Netzteil mit QuickCharge 3.0 kann der Akku vor dem Schlafengehen innerhalb einer Stunde vollständig aufgeladen werden. Auf eine Ladung in der Nacht solltet ihr zum Wohle des Akkus verzichten.

Unterwegs in Bus und Bahn mit dem HTC U11

Auch für Pendler ist das HTC-Flaggschiff ein toller Begleiter. Zu allererst ist hierbei die außergewöhnlich gute Empfangsqualität der verbauten LTE-Cat16-Antennen zu nennen. In meinem Fall nutzte ich das Vodafone-D2-Netz und war zumindest im Raum Chemnitz, Leipzig, Berlin zum Großteil gut versorgt. Das ist vor allem beim Verwendenden des DB Navigator bei wetterbedingten Verspätungen und Ausfällen von Vorteil.

Das Streamen von Videodateien ist auf dem SLCD3-Display eine echte Wonne. Die Inhalte werden farbenfroh wiedergegeben. Ein Wermutstropfen war allerdings die automatische Helligkeitsregelung, die teilweise unverständlich das Display abdunkelte. Das Panel ist bei maximaler Helligkeit sogar bei direkter Sonneneinstrahlung noch einigermaßen ablesbar, wenngleich Reflektionen stören.

HTC U11 Kopfhörer
Die beigelegten In-Ear-Kopfhörer bieten Premium-Sound. Image by Jonas Haller

So richtig beeindruckt bin ich allerdings von der Audioqualität des U11. Zwar verzichtet HTC nach Apple-Vorbild auf einen 3,5-mm-Klinkenanschluss, dafür gibt’s ein hochwertiges USB-C-Headset mit Active Noise Cancelling gratis dazu. Mittels USonic misst die Software im Telefon die Beschaffenheit des Ohres aus. Das geschieht über Ultraschallwellen, die reflektiert und ausgewertet werden.

Die Klangqualität ist dadurch außergewöhnlich gut und ausgewogen. Die Geräuschunterdrückung arbeitet zuverlässig. Damit machen mehrstündige Zugfahrten Spaß! Leider hat die Klangqualität auch ihren Preis: Der Akku-Verbrauch ist rein subjektiv höher als bei herkömmlichen Klinken-Kopfhörern. Gleichzeitiges Laden und Musikhören ist nicht möglich, was vor allem bei längeren Arbeitstagen nervt.

Mit dem HTC U11 auf dem Kosmonaut Festival

Innerhalb des Testzeitraums stand auch das lokale Kosmonaut Festival an, zu dem ich das U11 natürlich mitnahm. Dabei stand in erster Linie der Test der 12 Megapixel auflösenden Ultrapixelkamera an. Seine Stärken spielte das Modul vor allem bei guten Lichtbedingungen aus. Die Aufnahmen zeichnen sich durch einen guten Kontrast, Farbtreue und Schärfe aus. Der Raw-Modus lässt das Herz eines jeden Hobbyfotografen aufgehen, nachträglich sind dadurch umfangreiche Bearbeitungen möglich. Dank des druckempfindlichen Rahmens „Edge Sense“ ist die Kamera verblüffend schnell einsatzbereit, Schnappschüsse landen schnellstmöglich auf dem Speicher.

Ebenfalls eine gute Figur machte der Videomodus. Mit bis zu 4K-Auflösung landen die eindrücklichen Aufnahmen auf dem Telefon. Mit 3D-Audio bietet HTC dafür ein ganz besonderes Feature: Die vier Mikrofone erkennen die Audio-Quelle und schwächen bestimmte Störgeräusche. Das klappte vor allem bei der Aufzeichnung von einzelnen Stücken der Lieblingsbands hervorragend. In der Nacht hatte die Kamera allerdings Probleme bei der Fokussierung und der Belichtung. Aber das haben ja selbst semi-professionelle DSLR-Kameras.

Überrascht war ich auch hier von der Akkulaufzeit. Selbst mit einem knappen Dutzend Video-Shots für Instagram-Stories und dem zugehörigen Upload, etlichen Fotos zeigte die Akkuanzeige um 2 Uhr nachts nach rund 14 Stunden Nutzung etwas mehr als 20 Prozenz an. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die mobile Internetverbindung vor Ort knapp vor dem Kollaps war und Daten nur tröpfchenweise übertragen wurden.

Beim Bierchen mit Freunden und dem U11

Nicht zuletzt macht das HTC U11 auch beim abendlichen Zusammensitzen mit Freunden eine gute Figur. Da ist zum einen das extravagante Design zu nennen, das durch seine spiegelnde Glasrückseite sofort auffällt. Genau das richtige für extrovertierte Type. Menschen, die das unauffällige bevorzugen, sind beim U11 an der falschen Adresse.

Mal schnell das ein oder andere Foto zeigen, ein Youtube-Video aufrufen oder die aktuelle Lieblingsband vorspielen. Das funktioniert mit dem U11 dank großem, scharfen Display und richtig guten Stereolautsprechern einwandfrei. Letztere zeichnen sich durch eine hohe Lautstärke aus. Auf der maximalen Stufe konnte ich kleine Räume mit 15 Quadratmetern ordentlich beschallen. Auch wenn dann die Höhen deutlich präsenter sind und die Tiefen verschlucken.

Smarte Tools für den Alltag

Der vorinstallierte Sense Companion gibt mir unterwegs Informationen zur Wettervorhersage oder auch dem aktuellen Ladezustand. Dazu scannt der Assistent die aktuelle Position und persönliche Daten wie den Kalender. Auch Schritte zählt das Mobiltelefon unbemerkt im Hintergrund und präsentiert wöchentlich eine informative Auswertung. Voraussetzung dabei ist allerdings, dass ich das U11 immer bei mir trage. Sobald das Gerät ungewöhnlich träge wird, meldet sich die Optimierungs-App Boost+ und empfiehlt mir eine Reinigung des Speichers.

Der HTC-Assistent Sense Companion arbeitet im Hintergrund und liefert Alltagsinformationen. Screenshot by Jonas Haller

Fazit: HTC U11 glänzt mit einem tollen Gesamtpaket

Mit dem U11 ist HTC in diesem Jahr ein echter Coup gelungen. In den vergangenen Testwochen wuchs mir der gläserne Bolide zunehmend ans Herz. Dafür ist in erster Linie das ausgereifte Gesamtpaket verantwortlich. Dank mitgelieferter, transparenter Kunststoffhülle gehören nervige Fingerabdrücke der Vergangenheit an. So schaut man das gläserne Gehäuse des Boliden gerne an.

Die inneren Komponenten sind in ihrer jeweiligen Disziplin spitze. Da ist zu allererst die scharfe, lichtstarke Ultrapixel-Kamera zu nennen, die nicht nur auf dem Papier grandiose Ergebnisse liefert. Die beiden Speaker bieten einen klaren, lautstarken Klang. Mit den USonic Kopfhörern liefert HTC ein Headset mit Ausmessung der Ohrmuschel und Active Noise Cancelling. Geschätzter Wert: 150 Euro. Bei lauten Umgebungen wirken die In-Ears wahre Wunder.

Die Rückseite des U11 lässt sich problemlos als Spiegel verwenden. Image by Jonas Haller

Die Performance unter der Haube bieten aktuell nur wenige Smartphones. Prozessor, Arbeits- und Datenspeicher harmonieren perfekt und sorgen für einen flüssigen Workflow. Selbst anspruchsvolle Rennspiele laufen butterweich und mit hoher Auflösung. Dank schlanker Android 7.1 Software und HTC Sense kam ich mit dem 3.000 mAh starken Akku gut über den Tag.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die neue „Edge Sense“ Funktion. Den Drückreflex am Smartphone musste ich mir erst aneignen, auch wenn HTC gegenteiliges verspricht. Einhändig lässt sich das U11 dann allerdings sehr flink bedienen – sei es zum Fotografieren, Aktivieren der Taschenlampe oder Öffnen einer App.

HTC lässt sich das Gesamtpaket allerdings auch fürstlich bezahlen: 749 Euro ruft der Smartphone-Pionier auf, aktuell gibt es das Gerät bereits einige Euro günstiger. Ich persönlich bleibe jedenfalls beim Vorgänger HTC 10. Einen solchen Betrag sind mir die Innovationen dann doch nicht wert.


Images & Screenshots by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.