Galaxy S8 im Test: Display-Revolution statt Akku-Revolte

Als Samsung das Galaxy S8 im April dieses Jahres der Welt präsentierte, schaute die Smartphone-Branche gespannt auf das als „Revolution“ angepriesene Flaggschiff. Dabei musste Samsung nach dem Desaster rund um das Galaxy Note 7 wieder einen Blockbuster hinlegen, bei dem die Qualität durch die Decke geht und nicht der Akku. Ob Samsung das gelungen ist, und wie sich der im April halb fertige Sprachassistent Bixby bisher entwickelt hat, zeige ich euch in meinem Galaxy-S8-Test.

Überfällige Display-Revolution

Äußerlich überzeugt das Samsung Galaxy S8 mit einem neuartigen, ansehnlichen Design, das sich auch noch richtig gut anfühlt. Tasten und Anschlüsse sind exzellent verarbeitet, Antennenlinien am unteren und oberen Rand des Smartphones fallen nicht negativ ins Auge. Beim schwarzen Modell sieht man sie überhaupt nicht.

Auf den Ersten Blick fällt sofort das 5,8-Zoll große „Infinity Display“ ins Auge. Das neuartige 18,5:9-Format des hochauflösenden WQHD+-Bildschirms macht das Top-Smartphone zu einem langen, schlanken Hingucker. Mit dieser Idee ist Samsung nicht allein, wie etwa das LG G6 und das LG Q6 zeigen. Fullscreen-Displays liegen dieses Jahr im Trend. Wer das S8 zum ersten Mal in die Hand nimmt, wundert sich, wieso diese „Revolution“ nicht schon viel früher angestoßen wurde. Das Format schmeichelt den Händen.

Im täglichen Gebrauch macht sich dieser Eindruck vor allem beim Surfen und Spielen bemerkbar. Hier ruckelt gar nichts. Dabei ist die Display-Auflösung von 1.960 x 2.560 Pixeln besonders bei anspruchsvollen Spielen wie Asphalt 8 so scharf, dass mir nicht selten zu Beginn meines Rendezvous mit dem S8 die Luft wegblieb – so begeistert war ich. Die Inhalte stehen sehr dicht unter der Gorilla-Glas-5-Schutzplatte von Corning. Dies erzeugt einen klareren, kontrastreicheren Seheindruck. Während des Scrollens auf Webseiten und schnellen Wechseln zwischen unterschiedlichen Tabs, beweist das S8 eine hervorragende Leistung.

Galaxy S8 Test
Image by Julia Froolyks

Dennoch verbergen sich im 18,5:9-Format nicht nur ästhetische Vorteile. Den oberen Rand des Galaxy S8 kann ich mit meinen Daumen nicht erreichen. Immerhin liegt das geschmeidige Glas-Aluminium-Gehäuse sicher in der Hand. Das Flaggschiff schmiegt sich sehr schön an. Leider kommt es auf der Rückseite schnell zu unschönen Fingerabdrücken und Schlieren. Die Glasrückseite des S8 ist hier sehr empfindlich. Wer das Smartphone nicht mit einer Schutzhülle verschandeln will, sollte stets ein Mikrofaser-Tuch im Gepäck haben.

Fehlplatzierter Fingerabdrucksensor, zuverlässige Gesichtserkennung

Ein zweites Design-Problem des Galaxy S8 ist wohl der rückseitig verbraute Fingerabdrucksensor. Dieser befindet sich direkt neben der 12,2-Megapixel-Kamera. Die Folge dieser Anordnung ist eine immer verschmierte Kamera-Linse, wenn der Fingerabdrucksensor als Entsperrmethode genutzt wird. Schnell bin ich während meines Tests auf die Gesichtserkennung umgestiegen, die einwandfrei und sehr schnell funktioniert. Das Galaxy S8 öffnet selbst dann die Pforten, wenn ich morgens völlig ungeschminkt und zerzaust zum Entsperren das Display anstarre. Das Galaxy S8 ist in dieser Hinsicht ein echter Gentleman, der keine Fragen stellt. Dass die Funktion im S8 ebenso gut funktioniert wie im LG Q6, zeigt, dass die Gesichtserkennung als Entsperrmethode reif für den Mainstream ist.

Am Akku gespart

Am unteren Rand des S8 liefert Samsung eine Klinkenbuchse sowie einen USB-Typ-C-Anschluss, der das Smartphone mit Quick-Charge-Technologie besonders schnell aufladen soll. In meinem Praxis-Test klappt das schnelle Laden gut – innerhalb von einer Stunde saugt sich der 3.000-mAh-Akku des Galaxy S8 mit knapp 70 Prozent seiner Strom-Kapazität voll.

Die Quick-Charge-Technologie tröstet allerdings nicht darüber hinweg, dass der Akku des Galaxy S8 sich generell eher schwach präsentiert. Zwar soll sich der High-End-Prozessor von Samsung, Exynos 8895, dank 10nm-Fertigung positiv auf das Speichermanagement des Flaggschiffs auswirken. Im Alltag zeigt sich jedoch, dass hier Luft nach oben ist. Besonders das hochauflösende Infinity Display zerrt merklich an der Akku-Ladung.

Eine intensive Nutzung von morgens bis abends verlangt dem Galaxy S8 mehr als die Hälfte seiner Stromversorgung ab. Freilich schimpfen sich hier andere Smartphones als Top-Flaggschiff, die am Ende des Tages deutlich schlechtere Werte hervorbringen. Wer mit dem Samsung-Smartphone viele Inhalte konsumiert, zockt und nebenbei noch chattet und Mails beantwortet, muss das Galaxy S8 wohl täglich an die Steckdose hängen.

Induktive Ladeschale eher für die Optik

Ein wirklich schickes Auflade-Zubehör liefert Samsung übrigens für knapp 80 Euro nach. Die Fast-Charge-Ladeschale für induktives Aufladen konnte ich während meines Tests ebenfalls begutachten. Vor allem optisch macht sie in Kombination mit dem filigranen Galaxy S8 einiges her. Wieso „Fast Charge“ in goldenen Lettern auf das Ladekissen aufgedruckt ist, ist mir leider schleierhaft geblieben. Um das Galaxy S8 von 20 Prozent auf 100 Prozent Akku-Ladung zu bringen, muss das Flaggschiff satte zweieinhalb Stunden auf dem Kissen liegen oder stehen. Das direkte Aufladen per USB-Typ-C-Kabel läuft hier deutlich schneller ab. Somit ist die Ladeschale eher für den Schreibtisch gedacht, als fürs schnelle Aufladen am Morgen.

Ihr könnt selbst entscheiden, ob die Ladeschale liegen oder stehen soll, durch ein robustes Design und einen schweren Standfuß, hält das Galaxy S8 sehr sicher auf der Ladestation. Für 80 Euro würde ich das Zubehör nicht kaufen. Ihr könnt die Ladestation allerdings bereits für 50 Euro bei Amazon erwerben.

Induktives Aufladen beim Galaxy S8
Image by Julia Froolyks

Gut abgestimmte Performance

Die inneren Werte des Galaxy S8 sprechen ihre eigene Sprache. Der Exynos 8895 taktet auf acht Kernen mit einer maximalen Frequenz von 2,3 GHz. Zur Seite stehen ihm wenig revolutionäre 4 GB Arbeitsspeicher, 64 GB interner Speicher und die leistungsstarke Mali-G71 Grafikeinheit. Das Samsung Galaxy S8 profitiert tatsächlich von einer brillanten Kombination aus Prozessor, GPU und RAM. Kein Bauteil steht hier für sich, der Gesamteindruck des Leistungspakets ist durchweg positiv.

Das Samsung Galaxy S8 kommt selbstverständlich mit aktuellem Android 7 daher. Auf den ersten Blick ist das allerdings nicht direkt klar: Die nagelneue Benutzeroberfläche, die Samsung Experience UI getauft hat, hat recht wenig mit purem Android zu tun. Allerdings ist es Samsung hier gelungen, das Google-Betriebssystem so zu interpretieren, dass eine Symbiose aus Hard- und Software entsteht.

Galaxy S8 Test
Image by Julia Froolyks

Rein visuell überzeugt Experience UI 8.1 durch eine klare und sehr geradlinige Darstellung. Farben und Akzente sind in hellen Pastell-Tönen gehalten, alles scheint irgendwie miteinander zu verschmelzen und bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt zu sein. Die App-Icons hat Samsung ebenso auf das Nötigste reduziert, und die Standard-Apps mit einfachen Linien-Symbolen bestückt.

Nützliche App-Pakete

Apropos Apps: Samsung liefert mit dem Galaxy S8 eine Reihe nützlicher Apps ab Werk mit. So ist beispielsweise ein Microsoft-Office-Paket vorinstalliert. Die typischen Android-Apps, wie Maps, Google Drive oder Fotos befinden sich ebenfalls an Bord des Flaggschiffes. Auf lästige Bloatware wie TripAdvisor und Co. verzichtet Samsung zum Glück. Eine sehr praktische Funktion ist außerdem die neue App-Anzeige, mit der häufig genutzte Apps auf dem Seitenbildschirm angezeigt werden. Über einen Display-Swipe von rechts nach links erscheinen die gewünschten Apps auf dem Edge-Display und lassen sich zügig öffnen.

Nutzloser Bixby-Button

Im Bereich Multimedia kündigte Samsung mit der Vorstellung des S8 außerdem den neuen Sprachassistenten Bixby an. Schnell war jedoch klar: Die KI-Software ist für den deutschen Markt noch nicht fertig. Vier Monate nach Vorstellung des Samsung Galaxy S8 und Bixby hat sich daran immer noch nichts geändert. Der Assistent ist zwar auf Englisch und Koreanisch verfügbar. In Deutschland kann ich damit allerdings eher wenig anfangen.

Besonders ärgerlich: Das Galaxy S8 verfügt am linken Rand über einen Bixby-Button, der sich (offiziell) nicht mit anderen Funktionen belegen lässt. Somit bleibt der Knopf ein nutzloses Bauteil, bis Samsung den Sprachassistenten für Deutschland freigibt. Voraussichtlich soll das zum Ende dieses Jahres passieren.

Galaxy S8 Test
Image by Julia Froolyks

Kamera: Never change a winning Team

Die leistungsstarke Performance des Galaxy S8 spiegelt sich auch in der verbauten Haupt-Kamera wider. Samsung wagte an dieser Stelle keine Experimente und griff auf altbewährte Technik zurück. Der Kamera-Sensor wurde in dieser Form bereits im Vorgängermodell, dem Galaxy S7, verbaut. Das heißt keinesfalls, dass die Kamera veraltet ist. Das Galaxy S7 zählte im vergangenen Jahr zu den besten Smartphones für mobile Fotografie.

Dazu tragen besonders die Dual-Pixel-Funktion und eine große f/1.7-Blende bei. Das Sensorpaket der S8-Kamera sorgt für scharfe und detailreiche Bilder, die teilweise sogar zu scharf wirken. Der 12-Megapixel-Sensor fängt das Motiv sehr vorteilhaft ein. Selbst bei nicht-idealen Lichtverhältnissen holt die Hauptkamera des Galaxy S8 das Beste aus sich heraus.

Die Front-Kamera des Galaxy S8 bietet eine Auflösung von 8 Megapixeln. Im Vorgänger-Modell mussten Selfie-Fans sich an dieser Stelle mit 5 Megapixeln zufriedengeben. Ein frontseitiger Autofokus gibt den Selbstportraits die nötige Portion Schärfe mit. Alles in allem ist das Kamera-Setup des Galaxy S8 zwar keine bahnbrechende neue Technologie. Dafür aber eine sehr bewährte High-End-Ausstattung.

Galaxy S8 Test
Image by Julia Froolyks

Die Kamera-App des S8 hebt sich insoweit von der Konkurrenz ab, als dass sie ebenfalls auf eine künstliche Intelligenz zurückgreifen kann. Bixby Vision will Objekte erkennen und im Internet nach Informationen suchen. So lassen sich beispielsweise Schuhe fotografieren und Bixby sagt mir, von welcher Marke sie sind und wo ich sie kaufen kann. Soweit zur Theorie – Bixby Vision steckt noch in den Kinderschuhen und lässt sich in der Praxis nicht wirklich gut nutzen. Hier muss Samsung noch nachliefern.

Preissturz nach vier Monaten

Samsung hat das Galaxy S8 im April zu einem stolzen Einführungspreis von 799 Euro präsentiert. Mittlerweile ist der Preis für das Galaxy S8 drastisch gesunken, sodass einige Händler das Top-Flaggschiff für unter 600 Euro anbieten. Damit ist das Galaxy S8 in weniger als vier Monaten um mehr als 200 Euro im Preis gefallen. So bekommt ihr das Samsung Galaxy S8 momentan bei Amazon für 590 Euro. Für dieses Geld erhaltet ihr ein absolutes High-End-Gerät mit neuartigem Infinity Display und jeder Menge Multimedia-Spielereien. Der gute Eindruck des Hands-on des größeren Geschwistermodells Galaxy S8 Plus hat sich im ausführlichen Test des S8 bestätigt.

Fazit: Hier kann man nichts falsch machen

Das Samsung Galaxy S8 macht optisch wie auch technisch einfach nur Spaß. Sehr schnell habe ich mich während meines Test an das hochauflösende Infinity Display gewöhnt. Die Farbtiefe und eine flüssige Performance auf einem neuartigen 18,5:9-Display machen das Galaxy S8 zu einem konkurrenzlosen Smartphone. Der leistungsstarke Exynos-8895-Prozessor ermöglicht nicht nur ruckelfreie Spiele oder Filme, er sorgt zeitgleich für ein ausgeglichenes Energiemanagement.

Der Akku des S8 könnte zwar größer sein. Aber das würde das Gewicht des Geräts nach oben treiben. So ist es trotz seiner großen 5,8 Zoll Bildschirmdiagonale ein echtes Fliegengewicht. Die Quick-Charge-Technologie sorgt zumindest dafür, dass der verbrauchte Storm schnell wieder den Weg ins Flaggschiff findet. Für einen aktuellen Preis von knapp 600 Euro könnt ihr mit dem Galaxy S8 wirklich nichts falsch machen.

Die technischen Daten des Galaxy S8 in der Übersicht

  • Betriebssystem: Android 7.0 Nougat
  • Benutzeroberfläche: Experience UI 8.1
  • Prozessor: Samsung Exynos 8895 (Octacore)
  • Speicher: 64 GB intern / 4 GB RAM
  • Display: WQHD+-Infinity-Display im 18,5:9-Format (1.960 x 2.560 Pixel)
  • Zertifizierung: staub- und wasserdicht nach IP68
  • Besonderheiten: Bixby-Assistent, Iris-Scanner

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About Julia Froolyks
Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehung zu Datenschutz und Cyber Security.