Alcatel A3 XL im Test: Großes Smartphone für kleine Geldbeutel

Alcatel will den deutschen Markt für mittelpreisige Mobilgeräte jetzt im „großen“ Stil aufmischen. Denn nach Modellen mit der gängigen Displaygröße von 5,2 Zoll wie beim Idol 4 oder A5 LED soll die Smartphone-Marke des chinesischen Herstellers TCL nun auch das Herz von Phablet-Fans höher schlagen lassen. So bietet das Alcatel A3 XL eine imposante Displaydiagonale von 6 Zoll. Zu einem Preis von 179 Euro ist es eines der günstigsten Smartphones mit einem so großen LCD-Screen. Aber wenn der Preis so niedrig ist – können dann trotzdem die Qualität und Leistung stimmen?

Praktischer Splitscreen-Modus, unscharfes Display

Zum Einstieg dieses Tests gibt es erst einmal ein großes Lob an Alcatel: Auf dem A3 XL ist die aktuellste Android-Version vorinstalliert. Das ist in diesem Preissegment nicht selbstverständlich. Dadurch profitieren Nutzer des A3 XL nicht nur durch die neusten Sicherheitsupdates, sondern auch durch ein richtig praktisches Alltags-Feature.

Denn Android 7, auch als Android Nougat bekannt, bietet erstmals die Möglichkeit, zwei Apps dank Splitscreen-Modus gleichzeitig nutzen zu können. Das ist für ein Phablet natürlich ideal. Tatsächlich wurde diese Option von mir beim A3 XL ausgiebig genutzt; etwa um ein YouTube-Video zu schauen und parallel das Mail-Postfach zu sortieren.

Alcatel A3 XL
Wegen der geringen Helligkeit ist beim Außeneinsatz nicht viel mit dem Display anzufangen. Image by Mika Baumeister

Allerdings ist das Display in jeglicher Hinsicht keine Augenweide. Die Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln überzeugt nicht. Einzelne Pixel sind zwar nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Aber Schrift erscheint zum Teil unscharf. Auch in Spielen erkenne ich den Unterschied zu hochauflösenden Displays sofort. Full-HD wäre statt HD angesichts dieser Displaydiagonale durchaus angemessen gewesen.

Die Leuchtstärke fällt ebenfalls negativ auf. Die Outdoor-Nutzung ist an sonnigen Tagen für alle Displays ein Problem. Doch angesichts der geringen Helligkeit des A3 XL fällt es besonders schwer, alles problemlos ablesen zu können.

Auch beim Look und Feel des Designs schwächelt das Display. So sammelt das Frontglas schnell Schlieren und Fingerabdrücke. Es ist nicht so pflegeleicht wie hochwertiger beschichtetes Glas. Zudem hat das 6 Zoll große Display sowohl an den Seiten als auch oben und unten einen recht breiten Rahmen. Damit ist das das Verhältnis vom Screen zur Oberfläche nicht überragend.

Generell ist das A3 XL nicht kompakt. Es ist 165 Millimeter hoch, 82 Millimeter breit und am Kameraglas 92 Millimeter tief. Immerhin ist die Rückseite des A3 XL gut gelungen. Fingerabdrücke sind dort nicht zu sehen.

Unter der Haube: Im Alltag schnell genug, Akku lädt lange

Der verbaute Quadcore-Prozessor mit 1,1 Gigahertz Taktrate kann zusammen mit zwei Gigabyte RAM an seiner Seite nicht wirklich viel ausrichten. WhatsApp, Facebook, Twitter? Absolut kein Problem. Aber sobald du ein Spiel starten möchtest, sind Kompromisse nötig. Flüssig laufen nur simple 2D-Titel, etwa Hill Climb Racing oder Logikspiele wie Aqueducts. Hingegen Multitasking ist nur begrenzt möglich, läuft eine anfordernde Anwendung, sind die anderen im Hintergrund geöffneten Apps beendet. Erwartungsgemäß sind auch die Benchmark-Werte für ein Einsteiger-Gerät typisch niedrig.

  • AnTuTu Benchmark: 24850 Punkte (CPU: 9033, 3D: 1962)
  • FutureMark 3D / Sling Shot Extreme: 67
  • GeekBench 4 CPU: 478 Single-Core / 1319 Multi-Core

Die relative geringe Rechenleistung des Alcatel A3 XL birgt aber auch einen Vorteil. Es hat die Gehäusetemperatur gut im Griff. Selbst bei langen Spielesessions kommt das Gerät nicht über Handwärme hinaus.

Alcatel A3 XL
Für Alltagsapps ist die Rechenleistung ok, für aufwendige Spiele nicht. Image by Mika Baumeister

Unter der Haube sitzt neben Prozessor und RAM ein 3.000 Milliamperestunden starker Akku. Der schwache Rechenchip zieht glücklicherweise nicht besonders viel Strom aus dem Akku, dafür das Display umso mehr. Sechs Zoll wollen beleuchtet werden und das benötigt eine Menge Energie. Die Laufzeit des Telefons ist also stark davon abhängig, wie lange und wie hell der LCD-Screen eingeschaltet ist. Das Laden des Akkus dauert etwas länger, da Alcatel auf Technologien wie Quick Charge verzichtete. Das gelieferte USB-Netzteil liefert nur rund fünf Watt, womit der Ladevorgang rund vier bis fünf Stunden dauert.

Flexibel aufrüsten dank microSD-Slot und Dual-SIM

Der interne Speicher ist mit 16 Gigabyte für ein Einsteiger-Gerät angemessen aber nicht großzügig bemessen. Jedoch gibt es einen MicroSD-Slot, mit dem du das Gerät mit bis zu 32 Gigabyte aufstocken kannst. Auch hier heißt es wieder: Gut, dass Alcatel auf Android 7.0 setzt. Nur neue Android-Versionen erlauben das Verschmelzen von internem und externen Speicher, sodass die 48 GByte wirklich vollumfänglich genutzt werden dürfen.

Das Alcatel A3 XL ist in zwei Versionen erhältlich, wahlweise mit einem oder zwei Slots für SIM-Karten. Technisch gibt es hier keinen Unterschied, Vorteil der Dual-SIM-Variante ist aber, dass du als Nutzer auf günstigere Flatrates zurückgreifen kannst. Eine getrennte Telefon- und Internetflatrate ist günstiger, als beides auf einer Karte vereint zu haben.

Alcatel A3 XL
Dank zwei Slots für SIM-Karten kannst du verschiedene Flatrates kombinieren. Image by Mika Baumeister

Hauptkamera okay, Frontkamera mit Fokus-Problem

Die Hauptkamera löst mit 8 Megapixeln auf und erzeugt auf den ersten Blick akzeptable Ergebnisse. Beim Ranzoomen offenbaren sich aber gleich mehrere Probleme. Zum einen ist der Dynamik-Umfang nicht besonders gut. Schattige Flächen werden schnell zum Einheitsschwarz. Zum anderen offenbaren sich sehr schnell Artefakte. So zeigen sich auf Schotterflächen seltsame Muster. Generell solltest du nicht zu viel in die Fotos hineinzoomen. Denn schon minimale Vergrößerungen offenbaren die eher am unteren Ende angesiedelte Kameraqualität. Für Schnappschüsse nah am Objekt genügt die Qualität aber.

Leider ragt die Hauptkamera ein Stück über das restliche Gerät hinaus, was es das Gehäuse im Liegen wackeln lässt und das Glas vor der Linse für Kratzer prädestiniert. Neben dem Objektiv findet ein einfacher LED-Blitz Platz. Seine Leistung reicht für die Beleuchtung von Objekten mit einer Maximaldistanz von einem Meter völlig aus. Einen LED-Blitz gibt es auch auf der Display-Front: Für Selfies baut Alcatel hier eine etwas schwächere Beleuchtungsquelle ein. Für Party-Selfies sollte diese LED aber ausreichen.

Nur gibt es ein kleines Problem bei der Frontkamera: Der Fokuspunkt liegt nicht 70 Zentimeter von der Kamera entfernt, sondern im Unendlichen. So kommt es in meinem Praxistest vor, dass Gesichter unscharf sind und die eigentlich unwichtige Kulisse gut erkennbar ist. So hat aber immerhin der Beauty-Modus weniger zu arbeiten, der die sehr verwaschen erscheinenden Gesichter nur noch ein wenig mehr weichzeichnen muss.

Prima Fingerabdrucksensor

Dass Alcatel in dieser Preisklasse einen Fingerabdrucksensor integriert, ist nicht üblich und daher sehr löblich. Er befindet sich unter der Hauptkamera und funktioniert trotz des geringen Preises des Alcatel A3 XL überraschend gut. Zwar muss der Finger ab und zu ein zweites Mal auf dem kleinen Pad platziert werden. Aber diese Lösung entsperrt das Gerät insgesamt immer noch schneller als eine Passworteingabe.

Alcatel A3 XL
Ein Fingerabdrucksensor ist in dieser Preisklasse nicht üblich. Er funktioniert relativ gut. Image by Mika Baumeister

Etwas ärgerlich ist es, dass sich das Smartphone in der Hosentasche teils selbst aktiviert und dann leider falsche Eingaben tätigt – bis hin zum Notruf-Tastenfeld. Schade, dass Alcatel nicht mit dem Näherungssensor einen Schutz hinzugefügt hat, wie es andere Hersteller schaffen.

Lautsprecher reicht fürs freie Sprechen, nicht für Musik

Der eingebaute Lautsprecher wird von Alcatel als laut beschrieben, er soll eine herausragende Tonqualität bieten. Leider ist das Gegenteil der Fall: Bass oder auch nur bassähnliche Töne sind nie zu hören. Besonders laut ist der Mono-Lautsprecher auch nicht. Für ein kurzes Freisprech-Gespräch reicht die Audioqualität aber aus. 

Fazit: Das Alcatel A3 XL ist eher nichts für junge Hüpfer

Unter dem Strich glänzt das Alcatel A3 XL in Mittelmäßigkeit. Aber das ist nicht schlimm.Den aktuellen Straßenpreis von derzeit rund 150 Euro ist das Alcatel A3 XL auf jeden Fall wert. Nur bei der anvisierten Zielgruppe sehe ich die Lage anders als Alcatel. Entgegen der Vorstellung des A3 XL von Alcatel würde ich dieses Telefon nicht unbedingt jüngeren Leuten empfehlen, sondern vielmehr Nutzern im Alter 45 und aufwärts.

Denn, sind wir mal ganz ehrlich: Die meisten Personen in dieser Altersklasse sind keine sogenannten Poweruser, die 15 Apps nebeneinander nutzen, gleichzeitig noch telefonieren und am liebsten mit 200 Mbit/s LTE durch das Web surfen. Vielmehr reicht eine Whatsapp- und Facebook-fähige Allround-Maschine, die vielleicht auch noch Titel wie Candy Crush Saga meistert und den einen oder anderen Schnappschuss anfertigen kann. Genau das schafft das Alcatel A3 XL auch. Und dank des großen Displays lässt sich die Schriftgröße so anpassen, dass selbst Personen mit schlechter gewordenen Augen noch problemlos alle Nachrichten ablesen können.

Das soll jetzt nicht heißen, dass das A3 XL ein „Seniorentelefon“ ist. Aber mit Sicherheit wäre eine Vermarktung in diese Richtung nicht verkehrt.

Die Technik im Überblick

  • Prozessor: Mediatek MT8735B, 4 x 1,1 GHz
  • Arbeitsspeicher: 2 GB
  • Display: 6 Zoll, 1.280 x 720 Pixel, IPS
  • Akku: 3.000 mAh
  • Kamera: Rückseite 8 MP, Front 5 MP
  • Nutzerdatenspeicher: 16 GByte, per MicroSD um 32 GByte erweiterbar
  • Konnektivität: Bluetooth 4.2, WLAN, LTE, GPS, Dual-SIM
  • Software: Android 7.0

Images by Mika Baumeister


About Mika Baumeister
Mika studiert Technikjournalismus in Bonn und schreibt schon seit einiger Zeit über allerlei technischen Krimskrams: Seien es nun Smartphones, Gadgets, Drohnen, VR-Brillen oder Anwendungen aller Art. Prinzipiell macht er mit jedem Artikel sein Hobby einen Tacken mehr zum Beruf.