Warum Google+ in den USA das meistgeliebte Netzwerk ist

Soziale Netzwerke bestimmen unseren Alltag. Facebook ist hierzulande die meist genutzte Plattform, Twitter und Google+ sind nur für Geeks gelungene Alternativen. Auch in den Vereinigten Staaten lässt sich ein ähnliches Bild erkennen. Doch die Anzahl der Nutzer muss kein Indiz für dessen Qualität sein. In einer Kundenzufriedenheitsstudie, dem American Satisfaction Index, belegte das Nischennetzwerk Google+ den ersten Platz. Doch warum ist das so? Ich habe mich auf Spurensuche begeben.

Google+ punktet durch Übersichtlichkeit

Trotz des kleinen Kundenstamms zeigen sich die Nutzer engagiert und sehr zufrieden. Grund dafür ist das etwas andere Konzept als beim Primus Facebook. Zwar gibt es auch eine Art Freundesfeed, allerdings steht der mit seinen romantischen Pärchen- und fernwehauslösenden Urlaubsfotos nicht im Vordergrund. Zentrales Bestandteil des Netzwerkes sind vielmehr sogenannte Circles und themenspezifische Communities. Durch letztere ist ein unkomplizierter Austausch mit Gleichgesinnten möglich. Jeder Nutzer kann Communities erstellen und Kontakte einladen. Wer allzu private Dinge besprechen will, kann die Gruppen privat setzen. Andererseits ist als Nutzer das Beitreten in öffentlichen Communities ohne Probleme möglich.

Die Android-App von Google+ gibt sich schlicht und aufgeräumt. Screenshots by Jonas Haller

Für jeden Themenbereich existieren diese Gruppen. Besonders hoch im Kurs sind selbstverständlich Technologie-Themen und natürlich Android. Aber auch für Foto-Fans finden sich qualitativ hochwertige Gruppen. Ich persönlich kann im Smartphone-Bereich die Communities „Android“ (englischsprachig) und „Android Geräte“ (deutschsprachig) empfehlen. Der wohl größte Pluspunkt gegenüber den einschlägigen Facebook-Gruppen: Die Communities sind (nahezu) frei von Spam-Beiträgen und ungewollter Werbung. Je nach Interessen werden zudem passende Gruppen vorgeschlagen und angezeigt.

Ein relativ neues Feature sind die „Sammlungen“. Damit können Nutzer themenspezifische Inhalte verbreiten. Man muss also nicht einer Person folgen. Vielmehr genügt es, der angelegten Sammlung zu folgen. Dank der nahtlosen Verbindung mit anderen Google-Diensten stieg die Bewertung des Netzwerks von 73 auf 81 von 100 möglichen Punkten.

Pinterest und Instagram folgen, Facebook und Twitter abgeschlagen

Auch der zweite Platz der US-amerikanischen Kundenzufriedenheitsstudie überrascht. Das kreative Netzwerk Pinterest erreicht eine Bewertung von 78 Punkten und kann aufgrund verbesserter Servertechnik und damit einhergehender Performance und verbesserter Suchfunktionen überzeugen. Dahinter folgt der Foto-Dienst Instagram, der einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr zulegen konnte und nunmehr eine Bewertung von 75 Punkten erreicht. Grund dafür sind Funktionserweiterungen wie das von Snapchat bekannte Story-Feature. Nutzer loben zudem die hohe Interaktionsrate.

Mit Google+ und Pinterest befinden sich Nischennetzwerke an der Spitze der Kundenzufriedenheitsskala. Table by ACSI

Mit einer Steigerung um fünf Punkte ist Twitter ein weiterer Gewinner der Studie und zieht damit am Primus Facebook vorbei. Dafür sorgte nicht zuletzt der Twitter-Hype um Donald Trump, der Nutzer zum Kurznachrichtendienst zog. Anwender wollen zudem Echtzeitnachrichten und keine gefilterten Timelines wie bei Facebook, das bei lediglich 68 Punkten verharrt.

Fazit: Schwarmintelligenz liegt nicht immer richtig

Die sozialen Netzwerke leben von ihren Mitgliedern. Ohne Nutzer wird eine Plattform nicht populär – so gut sie auch sein mag. Das wird aktuell immer stärker deutlich. Das Google-Netzwerk überzeugt durch clevere Features und ein aufgeräumtes Design. Werbung sucht man vergebens. Und trotzdem hat es keine Chance gegen das mächtige Zuckerberg-Imperium Facebook, welches stetig Nutzer gewinnt. Schritte, um das Netzwerk profitabler zu machen und ein schlechtes Management gegen sogenannte Hatespeech quittieren die Anwender mit nur noch durchschnittlichen Bewertungen. Die Verantwortlichen sollten sich in diesen turbulenten Zeiten genau überlegen, welche Funktionen hohe Priorität genießen und welche Ressourcen für welchen Bereich eingesetzt werden sollten.


Teaser and Screenshots by Jonas Haller, Table by ACSI


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.