Alcatel U5 im Test: Warum selbst 100 Euro für das Einsteiger-Smartphone zu viel sind

Viele Smartphone-Hersteller versuchen Kunden schon im Kindes- und Teenageralter durch Einstiegsangebote langfristig an sich zu binden. Diese Strategie fährt auch der der chinesische Technikproduzent TCL, der hierzulande die Marke Alcatel nutzt. Mit dem Alcatel U5 hat er ein besonders preisgünstiges Gerät auf dem MWC 2017 vorgestellt und jetzt auf dem Markt gebracht. Nur 99 Euro lautet der vom Hersteller empfohlene Preis. Das klingt nach verlockend wenig Geld für das erste eigene Smartphone. Wer seinen Kindern das Gerät als Smartphone-Premiere kauft, tut sich und den Beschenkten aber keinen Gefallen, wie mein Test zeigt.

Sensibles Schwergewicht

Alcatel U5
Image by TCL

Für ein Smartphone mit 5 Zoll Displaydiagonale ist das Alcatel U5 ein Schwergewicht. Es bringt 167 Gramm auf die Waage und fühlt sich auch wuchtig in der Hand an. Mit einer Dicke von knapp 9 mm ist es auch nicht mehr schlank. Leider ist es das Gerät nicht so robust wie es aussieht. Bei Fallstürzen aus niedriger Höhe sind aus der feinen Kante, die den Übergang vom Display zum Rahmen bildet, kleine Stücke rausgebrochen, die unschöne Zacken hinterlassen. Auch der Rahmen und die in weiß, dunkelgrau oder blau erhältliche Rückseite sind sehr kratzeranfällig.

Akzeptable Fotos

Die Fotoqualität geht für ein Einsteiger-Smartphone in Ordnung. Aber Potenzial für Bildausschnitte ist angesichts der niedrigen Auflösung von 5 Megapixeln hinten und 2 Megapixeln vorn nicht drin. Freunde des Selbstporträts wird freuen, dass beliebte Gesichtsfilter direkt in die Kamera-App integriert sind. Dadurch müssen Nutzer nicht erst Netzwerken wie Snapchat beitreten. Das ist insbesondere dann ein Vorteil, wenn das Alcatel U5 von Kindern genutzt wird, die noch zu jung für soziale Netzwerke sind.

Im Praxistest stand unkomplizierten Selfies allerdings immer wieder ein Problem im Weg. Der Lichtsensor dunkelte das Display zum Teil so stark ab, dass eine Motivkontrolle nicht möglich war. Dann musste ich auf gut Glück den Auslöser drücken. Damit komme ich zum echten Schwachpunkt des Alcatel U5.

Alcatel U5
Image by TCL

Dunkles Display, spiegelt stark

Um optimal, ohne störende Reflexionen, auf dem Display sehen zu können, sollte man das Alcatel U5 am besten in einem abgedunkelten Raum nutzen. Die Leuchtkraft ist einfach sehr gering, dadurch sind die Spiegelungen der Umgebung zum Teil besser zu erkennen als der Displayinhalt. Ein Betrieb draußen, womöglich noch bei Sonnenschein, ist wegen der starken Reflexionen schwierig und im schlimmsten Fall nicht möglich. Auch die niedrige Auflösung von 854 x 480 Pixeln macht kaum Freude. Einzelne Bildpunkte lassen sich auf Anhieb unterscheiden. Für den schnellen Blick auf WhatsApp ist das okay. Längeres Surfen und Lesen von Texten strengt aber sehr an.

Das bietet das Innenleben des Alcatel U5

Beim Innenleben hat Alcatel dem Preis entsprechend zu leistungsschwachen Komponenten gegriffen. Die Rechenstärke des mit 1,1 GHz getakteten Prozessors mit vier Kernen reicht für das Nötigste. Ihm stehen akzeptable 1 GB Arbeitsspeicher zur Seite. Das genügt für einfache Allerweltsaufgaben.

Bewegungen laufen meist flüssig ab und der Bildschirm reagiert sofort. Allerdings kam es im Test gelegentlich vor, dass sich das System eine kleine Verschnaufpause gönnte und erst noch einigen Augenblicken wieder funktionierte. Das bin ich gewohnt – allerdings von meinem vier Jahre alten Samsung Galaxy S4 Mini. Die geringe „Motorleistung“ hat aber auch einen Vorteil. So hält die relativ niedrige Akku-Kapazität von 2.050 mAh trotzdem einen ganzen Tag lang durch.

Beim internen Speicher von 8 GB hat Alcatel jedoch am falschen Ende gespart. Diese Kapazität war bei mir schon nach wenigen Tagen erreicht, obwohl ich keine erheblichen Mengen an Musik und anderen Dateien auf dem Gerät gespeichert habe. Zudem erscheint dann in der Statusleiste ein aufdringliches Warnsymbol, das sich auch nicht entfernen lässt. Natürlich lässt sich der Speicher aber mithilfe einer microSD-Karte um 32 GB erweitern. Mit dieser Speichermenge lässt dann schon etwas anfangen.

Alcatel U5
Image by TCL

Positiv zu bewerten ist der doppelte SIM-Kartenslot. Dies ermöglicht zwei Karten mit verschiedenen Tarifen im Dual-SIM-Betrieb zu kombinieren. Auch die Internetgeschwindigkeit kann sich sehen lassen. Dank LTE-Modul ist schnelles Surfen im Internet ein Leichtes.

Als Betriebssystem kommt ein unverfälschtes Android in der nicht mehr aktuellen Version 6 zum Einsatz. Dadurch sind die neusten Sicherheitsmaßnahmen von Google nicht verfügbar. Immerhin sieht die Oberfläche hübsch aus. Denn ab Werk hat Alcatel den „Joy Launcher“ installiert. Wem dieser nicht zusagt, kann ihn einfach deinstallieren oder gegen einen anderen Launcher austauschen. Ein Umstellen auf den Google Now Launcher stellte im Test kein Problem dar.

Fazit: 100 Euro sind für ein Smartphone zu wenig

Das U5 von Alcatel ist zwar kein kompletter Schuss in den Ofen, kann aber dennoch nur bedingt empfohlen werden. So ist die Bedienung der Oberfläche schön intuitiv und einsteiger-freundlich gehalten. Auch die Rechenleistung ist bei sehr niedrigen Ansprüchen alltagstauglich. Doch das ist insgesamt zu wenig, um wirklich Freude zu bereiten. So ist etwa das sehr dunkle Display eine regelrechte Zumutung. Und das ist nun mal die Komponente, mit der Benutzer ständig interagieren. Da wäre es nur ein schwacher Trost, mit einem Preis von unter 100 Euro nur vergleichsweise wenig für ein Smartphone ausgegeben zu haben.

Wer ordentliche Leistung für wenig Geld sucht, sollte einen Blick auf das Gigaset GS160 für derzeit etwas über 100 Euro oder dessen Nachfolger Gigaset GS170 für 149 Euro anschauen. Trotz des geringen Aufpreises sind die Modelle besser ausgestattet und leisten sich keine krassen Schwächen.


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About Niklas Hamburg
Als Redakteur bei den Netzpiloten, Androidpiloten und Applepiloten beschäftigt sich Niklas Hamburg mit allem, was digital ist. Wenn er in seiner Freizeit Klavier spielt oder im Garten buddelt, weiß er aber auch das analoge Leben zu schätzen.