Samsung Galaxy Note 8: High-End im Hands-On

Auf der Gamescom habe ich nicht nur gespielt, sondern auch „rumgespielt“. Nämlich mit dem neuen Samsung Galaxy Note 8, das auch auf der Spielemesse präsentiert wurde. Recht unscheinbar zwischen den prominent platzierten Ultra-Wide-Monitoren und dem populären VR-Kino befanden sich zwei Exemplare des neuen High-End-Phablets. Praktisch: Neben dem Note 8 zeigte Samsung auch das seit ein paar Monaten erhältliche Galaxy S8+, das eigentliche Flaggschiff der Südkoreaner. Da sich die Hardware beider Geräte kaum unterscheidet, bin ich der Frage nachgegangen, ob sich der Aufpreis beim 999 Euro teuren Phablet lohnt.

Mehr Displayfläche, kantige Haptik

Im Vergleich zum S8 ist der Bildschirm des Note 8 um 0,5 Zoll, im Vergleich zum S8+ um 0,1 Zoll gewachsen. Die nominale Auflösung ist jedoch gleichgeblieben. Dies resultiert in einer minimal geringeren Pixeldichte von 521 statt 527 ppi gegenüber dem S8+. Das wirkt in der Praxis aber natürlich immer noch gestochen scharf. Kein einzelner Pixel ist auf dem von Samsung „Infinity Display“ genannten Bildschirm zu erkennen.

Samsung Galaxy Note 8
Das 6,3 Zoll große Display des Note 8 bietet viel Fläche zum Betrachten. Image by Mika Baumeister

Im Vergleich zum S8+ hat Samsung die Haptik beim Note 8 etwas überarbeitet. Die Ecken des Phablet sind etwas kantiger geformt und nicht mehr abgerundet. Ansonsten ist der Eindruck ähnlich und zwar auf sehr hohem Niveau. Das Galaxy Note 8 ist ein äußerst hochpreisiges Smartphone und so fühlt es sich auch an. Die Rückseite ist aus Glas und glänzt stark. Das sieht schick aus, ist aber gleichzeitig auch ein hervorragender Nährboden für Fingerabdrücke. Daher sieht das Note 8 nach wenigen Berührungen nicht mehr so schick aus.

Schwammiger Bokeh-Effekt

Besonderes Element der Kamera-App ist der sogenannte “Live-Fokus”, durch den man dank Dual-Kamera die Hintergrundunschärfe des Motivs beeinflussen kann. Das ist vor allem für Porträts geeignet, bei denen man das Gesicht vom unruhigen Hintergrund isolieren möchte.

Samsung Galaxy Note 8
Mit der Dual-Kamera lassen sich Bokeh-Effekte simulieren. Image by Mika Baumeister

Diese Software-Funktion muss mit den gleichen Beschränkungen leben wie das Pendant beim iPhone 7 Plus. Ein größerer Abstand ist nötig, sonst kann kein Bokeh errechnet werden. Das Note verlangt eine Mindestdistanz von 1,2 Metern. Außerdem fällt es der Software schwer ein Gesicht zu erkennen, wenn es von vielen anderen Menschen umgeben ist. Porträts am Samsung-Stand der Gamescom zu schießen, war also ortsbedingt eine Herausforderung.

Wenn die Algorithmen dann ein taugliches Porträtmotiv fanden, wirkte der Bokeh-Effekt auf mich nicht sehr überzeugend. Tatsächlich lag die Qualität in meinen Augen auf dem Niveau des schwammigen Tiltshift-Filters bei Instagram. Da dies aber auch auf das unvorteilhafte Licht am Stand zurückzuführen sein könnte, erfordert ein abschließendes Urteil einen Test unter besseren Bedingungen.

Ein anderes Kriterium für eine hochwertige Kameraeinheit ist eine schnelle automatische Scharfstellung. Der Autofokus der Note-8-Hauptkamera ist schnell, aber nicht überragend. Verglichen mit dem S8+ schnitt er beim Ausprobieren einen Hauch besser ab, das kann jedoch auch nur ein subjektiver Eindruck sein.

Pärchenbildung bei Apps: Willst du mit mir starten?

Eine Funktion, mit der Samsung Nutzern das riesige 6,3-Zoll-Display des Note 8 schmackhaft machen möchte, ist die „App-Paar“-Funktion. Hat man dann erstmal herausgefunden, dass man im Edge-Menü auf das Plus tippen muss, um ein App-Paar zu erstellen, funktioniert das problemlos. So lassen sich zwei Anwendungen miteinander verknüpfen, aus der Favoritenleiste heraus werden sie dann im Splitscreen gestartet. Das geht mit so ziemlich allen Apps – sogar Spiele werden unterstützt. In welchem Rahmen das jedoch sinnvoll ist, bleibt dir selbst überlassen.

Stift kann stiften gehen

Die Note-Serie heißt so, weil sie fürs Notizen machen optimiert ist. Wie die Vorgänger hat auch das Display des aktuellen Geräts einen Digitizer verbaut. Dadurch unterstützt es einen aktiven Stylus, von Samsung S Pen genannt. Seine Kernfunktion – das Schreiben – erfüllt der S Pen hervorragend. Fans von handschriftlich verfassten Notizen kommen hier auf ihre Kosten.

Samsung Galaxy Note 8
Galaxy Note 8 mit S Pen ausprobiert. Image by Mika Baumeister

Aus ergonomischer Sicht ist der Stift nicht perfekt. Er ist sehr leicht, so leicht, dass er mir im Alltag vermutlich schnell verloren gehen würde. Zum Glück lässt er sich bei Nichtgebrauch im Gehäuse versenken. Zudem stört mich der Knopf, der zwischen Mitte und unterem Ende angebracht ist. Mit meinen großen Fingern ist der schnell unbemerkt gedrückt. Dies ist uns auch schon beim Test des S Pen beim Galaxy Tab S3 aufgefallen.

Grundsätzlich ist es natürlich praktisch, eine weitere Interaktionsmöglichkeit mit dem Smartphone zu haben, mit der sich bestimmte Funktionen schnell aktivieren lassen. Eine ergonomischere Platzierung wäre aber wünschenswert. Das gilt übrigens auch für den der Bixby-Button am Smartphone-Rand. So mancher Nutzer dürfte ihn – je nach Gewöhnung – schnell mit dem Powerbutton verwechseln.

Hardcore-Gamer

Die Rechenhardware auf Herz und Nieren zu testen, war mir im Hands-on nicht erschöpfend möglich. Beim Anspielen von grafikintensiven Games wie Asphalt Xtreme ließ die Perfomance jedoch keine Wünsche offen. Dies ist angesichts des Top-Prozessors Exynos 8895 mit acht Kernen aber auch zu erwarten. Ihm stehen satte 6 GB RAM zur Seite, sodass das High-End-Phablet zum echten Hardcore-Gamer taugt.

Hands-on-Fazit Samsung Galaxy Note 8

Display und Performance des Note 8 machten in meinem Kurztest einen einwandfreien Eindruck. Das Design ist schick, aber so anfällig für Fingerabdrücke wie jedes Wald-und-Wiesen-Smartphone. Der S Pen ist ein prima Schreibgerät. Die Kamera bietet viel Potenzial, konnte es im Kurztest aber nicht voll abrufen. Angesichts dessen ist ein Kaufpreis von rund 1.000 Euro sehr hoch angesetzt. Meine preisliche Schmerzgrenze ist damit überschritten. Schließlich wächst die Konkurrenz in der Android-Oberklasse. Inwiefern sich das Note 8 im Alltag davon überzeugend absetzen kann, müssen längerfristige Tests zeigen.


Images by Mika Baumeister


About Jonathan Kemper
Jonathan Kemper studiert Technikjournalismus und schreibt News und Nonsens. Testet Telefone, greift Gitarrenhälse, praktiziert Pfadfindertum. Normalerweise nachtaktiv. Achtet auf Alliterationen.