LG V30: Das Video-Phone im ersten Hands-On

Das aktuelle Flaggschiff G6 sollte LG aus der Mobil-Krise verhelfen. Doch so richtig gut kam das Gerät beim Endkunden nicht an. Der Preis fiel. Nun versucht das koreanische Tech-Unternehmen mit dem LG V30 endlich wieder für Furore bei den Top-Smartphones zu sorgen. Im Rahmen der IFA in Berlin stellte LG den Hoffnungsträger vor. Ich habe mir den neuen Boliden bereits anschauen können und verrate meine ersten Eindrücke.

Neue Technik im alten Kleid

Von Außen erkennen nur Experten die Unterschiede zum wenige Monate alten LG G6. Die Dimensionen sind größer, das Gerät insgesamt schwerer (158 Gramm). Trotzdem ist es mit 7,3 Millimeter angenehm flach. Das Gehäuse besteht aus besonders strapazierfähigen Aluminium, das sogar Militärtests standhält. Natürlich ist das LG V30 nach IP68 staub- und wassergeschützt. Auch Fingerabdrücke soll das Unibody-Gehäuse fernhalten. Im ersten Hands-On zeigten sich dann aber doch einige Fettflecken.

Die Front ziert ein 6 Zoll großes 18:9-Display mit QHD+-Auflösung, also gestochenen scharfen 2.880 x 1.440 Pixel. Es lässt sich permanent aktivieren (Always-On), soll aber trotzdem nur wenig Energie verbrauchen. Weil das Display auf einem OLED-Panel basiert, sind die Farben schön knackig. Wie auch beim LG G6 wird HDR 10 unterstützt.

Unter der Haube gibt es High-End

Überraschenderweise platziert LG das V30 noch über dem MWC-Flaggschiff G6. Im Inneren werkelt der Snapdragon 835 von Qualcomm. Er wird von 4 GB Arbeitsspeicher unterstützt und bringt eine standesgemäße Performance. Im Test zeigten sich keine Ruckler und zwischen den Menüs wird rasch navigiert. Wer mehr braucht kann auf eine Plus-Version zurückgreifen, die mit 6 GB RAM und 128 GB Festspeicher daher kommt.

Kamera mit Kino-Qualitäten

Eine der großen Stärken von LG ist seit jeher die Kamera. Auch im V30 kommt ein Dual-Modul zum Einsatz. Die Hauptkamera löst mit 16 Megapixel auf und bietet eine Blende von noch nie dagewesenen f/1.6. Das heißt besonders bei schummrigen Lichtbedingungen gelingen sehr gute Fotos. Das zweite Modul bietet 13 Megapixel und einen 120 Grad Weitwinkel. Beide Kameras besitzen Linsen aus hochwertigen Glas statt Kunststoff.

Bereits nach wenigen Minuten mit dem Gerät lässt sich sagen, dass die Bildqualität ganz oben in der Smartphone-Liga mitspielt. Verschiedene verfügbare Modi steigern den Spaßfaktor. Besonders hervorzuheben sind Echtzeit-Videofilter, Cine-Effekt genannt, die einen cinematischen Look erzeugen lassen. Mithilfe des Point-To-Zoom-Feature werden flüssige Kamerafahrten möglich. Bewegtbilder können selbstverständlich in 4K-Auflösung aufgezeichnet werden. Einsteiger soll der Foto-Assistent „Graphy“ weiterhelfen, die richtigen Einstellungen vorzunehmen.

HiFi-Sound von Bang & Olufsen

Bereits im letzten Jahr hat LG eine umfassende Kooperation mit den dänischen Soundspezialisten von Bang & Olufsen verkündet. Beim V30 setzen die Koreaner nun auf einen dedizierten Audiochip mit HiFi-Power. Erstmals bietet er 32 Bit Audioauflösung. Vorgefertigte EQ-Presets verbessern die Klangkurve spür-, vor allem aber hörbar. Der Sound war bereits in lauter Umgebung sehr ordentlich und macht Lust auf den Praxistest.

Neue Entsperrmethoden mit Kinderkrankheiten

2017 ist auch das Jahr der digitalen Assistenten. Und so wundert es kaum, dass auch das LG V30 eine tiefe Integration bietet. So besitzt das LG V30 eine Voice Recognition, die das Gerät per Schlagworte wie „Wakey, Wakey“ oder einer Formulierung euer Wahl entsperren lässt. Im kurzen Test scheiterten wir bereits an der Einrichtung, weil die Software uns irgendwie nicht verstand. Dies mag aber auch daran liegen, dass noch nicht die endgültige Software installiert war. Für zusätzliche Sicherheit sorgen Entsperrmethoden wie ein Fingerabdrucksensor oder Face Recognition. Letztere ist bereits aus dem LG Q6 bekannt.

Apropos Sprache. Das LG V30 kommt ab Werk mit dem Google Assistant. Derzeit arbeitet LG daran, dass damit nicht nur das Smartphone an sich, sondern auch vernetzte Hausgeräte aus dem eigenen Sortiment gesteuert werden können. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Fazit: Das LG V30 ist das perfekte Video-Smartphone

LG ist nicht zu beneiden. Das sehr gute Vorzeige-Telefon G6 ist ein Ladenhüter und die Verantwortlichen müssen mit starken Rabatten um Käufer kämpfen. Dem LG V30 könnte ähnliches blühen. Die Spezifikationen stimmen, clevere Videofeatures wecken Kreativität. Das Design ist überzeugend. Und zum Beispiel die Auswahl an Entsperrmethoden sucht ihresgleichen. Und trotzdem fehlt das große Kaufargument, um sich von der Masse abzuheben. Wer die minimalen Verbesserungen im Vergleich zum G6 nicht braucht, kann auch einfach zu dem bereits erhältlichen Modell greifen. Das LG V30 soll im September erscheinen. Der Preis liegt bei durchaus happigen 899 Euro.


Images by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.