Nokia 8: Finnisches Flaggschiff im Hands-on

Neun Monate ist es her, dass Nokia seine Markenrechte für den Smartphone-Bereich an den Hersteller HMD verkauft hat. Seitdem hat das Unternehmen etliche Neugeräte auf den Markt gebracht. Das große Flaggschiff fehlte. Bis jetzt, denn bereits vor einigen Tagen wurde mit dem Nokia 8 ein High-End-Gerät mit 5,3 Zoll Displaydiagonale vorgestellt. Auf der IFA 2017 in Berlin hatte ich die Möglichkeit das Smartphone auszuprobieren.

Das Alu-Gehäuse entsteht innerhalb von 22 Stunden

Mit der finnischen Traditionsmarke Nokia hat sich das noch junge Unternehmen HMD nicht nur einen großen Namen gesichert. Auch eine große Verantwortung kommt mit dem Kauf daher. Der Hersteller geht damit bravurös um und beweist mit dem Nokia 8 Qualitäten.

Das Premium-Telefon kommt in einem schicken Unibody aus Aluminium daher, für den sich die Finnen extra viel Zeit lassen, um ihren Qualitätsanspruch zu unterstreichen. Das Gehäuse entsteht innerhalb von satten 22 Stunden in etlichen Fertigungsschritten. Besonders lang dauert das Eloxieren, das dem Gerät einen speziellen Glanz verleiht. Fingerabdrücke sind dabei deutlich weniger sichtbar als etwa beim LG V30. Mit 157 Gramm ist das Telefon zudem angenehm leicht.

Nokia 8
Die Fertigung des Aluminium-Gehäuses des Nokia 8 zieht sich über vier Schritte. Image by Jonas Haller

Abgerundete Kanten in Verbindung mit acht Millimetern Dicke erzeugen ein angenehmes Gefühl beim Halten. Die Verarbeitungsqualität ist auf höchsten Niveau. Hier steht das relativ junge Unternehmen den etablierten Smartphone-Herstellern in Nichts nach. Einziger Wermutstropfen: Das Nokia 8 ist nicht staub- und wasserdicht.

Top-Prozessor mit 2K-Display

Unter der Haube steckt mit dem Snapdragon 835 der aktuelle Top-Prozessor des Herstellers Qualcomm. Der Arbeitsspeicher liegt bei großzügigen 4 GB, intern passen 64 GB an Daten auf das Gerät. In der Praxis arbeitet das Gerät damit sehr flüssig und nervt nicht mit Rucklern. Das liegt auch am sauberen Stock-Android, das HMD Global einsetzt. Ausgeliefert wird das Gerät mit Android 7.1.1. Ein Update auf Android 8.0 Oreo hat uns HMD bestätigt.

Eine gute Leistung liefert das 5,3 Zoll große IPS-LCD-Display. Es bietet eine hohe Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel (554 ppi) und ist sehr scharf. Damit liegt HMD auf dem Niveau von Top-Geräten wie dem Galaxy S8 oder LG G6. Durchschnittlich ist die maximale Helligkeit des Panels. Hier würde ich mir etwas mehr Power wünschen.

Kamera mit Zeiss-Linsen und „Bothie“-Funktion

Seit Anfang der Nuller-Jahre kooperierte Nokia eng mit dem deutschen Optik-Unternehmen Zeiss. Auch unter chinesischer Flagge bleibt die Kooperation bestehen, sie wird sogar weiter ausgebaut. Das zeigt sich am Nokia 8. Erstmals kommt eine Dual-Kamera mit jeweils 13 Megapixel zum Einsatz. Ein Hauptmodul zeichnet das herkömmliche Farbbild auf, das zweite einen Monochrom-Abzug. Damit erreicht der Hersteller wie etwa auch Huawei zusätzliche Schärfe und einen optionalen Bokeh-Effekt.

Nokia 8
Die Kameramodule von Zeiss lösen mit 13 Megapixel auf. Image by Jonas Haller

Auf der Frontseite verbaut HMD Global ebenfalls eine scharfe 13 Megapixel-Kamera. Dank der leistungsstarken Qualcomm-Plattform lassen sich mit Haupt- und Frontmodul sogenannte Bothies aufnehmen. Das funktioniert sogar in 4K-Auflösung – und vor allem live. In der Kamera-Software ist eine praktische Streamingfunktion integriert, die ein broadcasten auf Facebook oder YouTube ermöglicht. Im ersten Test funktionierte das angenehm unkompliziert und flüssig. Man darf wohl sagen, dass sich diese Funktion besonders für Videoblogger eignet.

3D-Sound sorgt für höheren Immersionsgrad

Auch in Sachen Ton greift Nokia auf „eigene“ Kompetenzen zurück. Und zwar auf die der 360-Grad-Tochter Ozo. Aus drei Mikrofonen kreiert das Telefon einen beeindruckenden 3D-Sound. Mit dem richtigen Equipment entsteht ein höherer Grad der Immersion. Demo-Videos überzeugten durch einen hohen klanglichen Immersionsgrad.

Nokia 8
Die Kamera-App des Nokia 8 bietet unter anderem 3D-Soundoptionen. Image by Jonas Haller

Reizt man die Kamera-Optionen voll aus und streamt live auf Facebook oder YouTube soll der 3.090 mAh starke Akku rund 3 Stunden Energie liefern. Video-Playback soll 11 Stunden am Stück möglich sein. Ein echter Höchstwert. Bereits beim ersten Testen verbrauchte das Nokia 8 innerhalb einer Stunde nur wenige Akku-Prozente.

Fazit: Das Nokia 8 ist ein Spitzen-Schnäppchen

Ein High-End-Telefon für 579 Euro. Wo findet man das heute noch?! Das Nokia 8 ist eines der wenigen Modelle dieser Art in der Preisklasse bis 600 Euro. Der flotte Chipsatz sorgt für ein flüssiges Arbeiten und spezielle Kamera- und Soundfeatures fördern Kreativität, aber auch Produktivität. Entgegen ersten Befürchtungen ist die Verarbeitungsqualität bei den Geräten des jungen Unternehmens auf einem hohen Niveau und braucht sich vor den etablierten Marken nicht zu verstecken. Das Stock-Android garantiert zudem schnellste Software-Updates.

Beim ersten Test zeigte sich, dass HMD Global beim neuesten Flaggschiff unter der Marke Nokia nicht kleckert, sondern klotzt. Das Gesamtpaket stimmt und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgesprochen gut. Ähnliches findet man ansonsten nur bei Geräten wie dem OnePlus 5 oder dem Honor 8 Pro. Wer sich auf der Suche nach einem top ausgestatteten Multimedia-Smartphone für den schmalen Geldbeutel befindet, ist beim neuen Nokia 8 an der richtigen Adresse. Der Verkauf startet in den nächsten Tagen. Das Gerät lässt sich bereits vorbestellen.

Nokia 8
Das Nokia 8 erscheint in drei Farbvarianten. Image by Jonas Haller

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About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.