Alcatel Idol 4 Pro im Test – Von Android zu Windows 10 Mobile

Mit dem Alcatel Idol 4 Pro geht das Unternehmen TCL einen gewagten Schritt und liefert ein Gerät mit Windows 10 Mobile aus. Die verwandten Modelle Alcatel Idol 4 und Idol 4S sowie praktisch alle anderen Alcatel-Geräte kommen hingegen mit Googles Android-Betriebssystem. Wie sich Microsofts Betriebssystem auf dem Alcatel Idol 4 Pro schlägt, habe ich für euch herausgefunden.

Schickes Design, tolle Verarbeitung

Alcatel Idol 4 Pro im Test
Image by Alcatel / TCL

Das Design des Alcatel Idol 4 Pro macht eine gute Figur. Das Gerät ist hochwertig verarbeitet. Der Rahmen aus Metall ist in den Farben Gold und Dark Grey erhältlich. Die Rückseite ist zwar aus Kunststoff, hinterlässt aber einen schicken und robusten Eindruck.

Oben und unten ist der Rahmen etwa einen Millimeter länger als das Display. In diesem überstehenden Bereich sind die beiden sehr guten Front-Lautsprecher platziert. Auch auf der Rückseite befinden sich zwei hervorragend klingende Speaker. Ferner fällt auf der Rückseite die riesige Kamera auf, die deutlich aus dem Gehäuse hervorragt. Ihr zur Seite steht ein LED-Blitz. Darunter liegt ein Fingerabdruck-Sensor. Auf der rechten Seite beherbergt das Alcatel Idol 4 Pro eine Hardware-Taste namens Boom-Button. Sie bietet zwar einen praktischen Schnellzugriff auf die Kamera. Jedoch an den verwandten Android-Modellen Idol 4 und Idol 4 S verfügt die Taste noch über viele weitere Funktionen.

Performance-Probleme

Zu Beginn meines Tests hatte ich einige Startschwierigkeiten. Das Einlegen meiner Micro-SD-Karte hat dazu geführt, dass das Idol 4 Pro nicht hochfahren wollte. Stattdessen lief die Einschalt-Animation des Smartphones in Dauerschleife. Erst als ich durch Zufall die Karte rausnahm, konnte ich das Handy einschalten. Es empfiehlt sich also, eine komplett neue Micro-SD-Karte zu verwenden oder die alte vor Gebrauch zu formatieren. Ihr könnt übrigens Micro-SD-Karten bis 512 GB Speicher in das Smartphone einlegen.

Alcatel Idol 4 Pro im Test
Image by Niklas Hamburg

Angetrieben wird das Alcatel Idol 4 Pro von einem Qualcomm-Prozessor des Typs Snapdragon 820 MSM8996, der mit vier Kernen rechnet und auf 4 GB Arbeitsspeicher zugreifen kann. Platz für Daten bietet außerdem der mit 64 GB großzügig bemessene interne Speicher.

Obwohl Windows 10 Mobile eigentlich sparsam mit Ressourcen umgeht, und die Rechenhardware des Idol 4 Pro ausreichen sollte, lässt die Performance teilweise zu wünschen übrig. Ein Beispiel: Wenn ich WhatsApp öffne, die App verlasse, den Bildschirm sperre und dann einige Sekunden später WhatsApp wieder öffnen will, warte ich bestimmt fünf Sekunden, bis die App geladen ist. Das Öffnen von Apps, die im Hintergrund bereits laufen, dauert also teilweise so lange wie das Öffnen von komplett geschlossenen Apps.

Auch einige Features des Betriebssystems sind nicht optimal auf die Hardware abgestimmt. So passierte es mehrmals, dass das Gerät beim Versuch, es per Fingerabdruck zu entsperren, abstürzte. Abgesehen davon dürfte der Fingerabdrucksensor gern etwas präziser sein. Häufig benötigte ich mehrere Anläufe, um das Gerät zu entsperren. Mitunter gelang die Erkennung gar nicht.

Hingegen das 5,5 Zoll große AMOLED-Display ist eine Augenweide. Die Full-HD-Auflösung von 1.080 x 1.920 Pixeln visualisiert bei einer Pixeldichte von 401 ppi die Windows-10-Mobile-Inhalte klar und deutlich. Die Farben sehen toll aus, Schrift lässt sich ausgezeichnet lesen.

Geringe App-Auswahl nervt im Alltag

Für mich ist das Alcatel Idol 4 Pro eine Windows-Phone-Premiere. Leider bin ich nicht begeistert. Das liegt vor allem an der im Vergleich zu Android beschränkten App-Auswahl. Viele beliebte Anwendungen fehlen einfach im Windows Store. Von Google gibt es zum Beispiel nur eine Google-Suche-App. Weitere Anwendungen wie Maps oder YouTube fehlen. Auch die App des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) sucht man im App-Store des Alcatel Idol 4 Pro vergeblich. Dafür gibt es zumindest einige Standard-Apps wie WhatsApp, Facebook, Twitter, Instagram, den DB-Navigator und Amazon. Auch einige Klassiker unter den Spielen wie Doodle Jump und Candy Crush kann ich herunterladen.

Positiv betrachte ich den einhändigen Betrieb von Windows 10 Mobile. Durch Gedrückthalten der Windows-Taste wird er aktiviert. Dadurch rutscht der Bildschirminhalt auf halbe Höhe hinunter und ich kann den oberen Bereich bequem erreichen. Nach einigen Sekunden wird der einhändige Modus automatisch wieder deaktiviert.

Alcatel Idol 4 Pro im Test
Image by Niklas Hamburg

Fotoqualität kann sich sehen lassen

Ein besonderes Highlight der Hardware sind die beiden verbauten Kameras. Die Hauptkamera bietet eine Auflösung von satten 21 Megapixeln. Manuell einstellen lassen sich in der Kamera-App die Features Weißabgleich, Fokus, Sensitivität, Verschlusszeit und Helligkeit, was mich als Fotografie-Laien schon fast überfordert. Zudem kann der Modus für Bilder mit hohem Kontrastumfang (HDR) ein- und ausgeschaltet werden. Im Store kann ich Apps herunterladen, die als Objektive in die Kamera-App integriert werden. Die Frontkamera bietet mit einer Auflösung von 8 Megapixeln ebenfalls gute Schnappschüsse.

Alcatel Idol 4 Pro im Test
Image by Niklas Hamburg

Fazit Alcatel Idol 4 Pro: Ausflug ins Windows-Lager als Irrweg

Was hat sich Alcatel dabei bloß gedacht? Mit dem Ausflug ins Windows-Lager hat sich der Smartphone-Hersteller jedenfalls keinen Gefallen getan. Zu groß sind die Schwächen. So ist es Alcatel nicht gelungen, Rechenhardware und Betriebssystem gut aufeinander abzustimmen. Das Starten und Wechseln von Apps dauert unangenehm lange. Dazu addieren sich generelle Probleme der Plattform wie das geringe App-Angebot. Für Fans ebenfalls ärgerlich: Die Funktionsvielfalt der BOOM-Taste, eines der Highlights bei den Android-Versionen der Idol-4-Reihe, wurde mit dem Umzug zu Windows stark degradiert. Lediglich Gehäuseverarbeitung, Display und Kamera können überzeugen.

Der Erfolg des Idol 4 Pro scheint unter diesen Umständen auch nur sehr bescheiden auszufallen. Obwohl das Modell erst wenige Monate in Deutschland erhältlich ist, dreht Alcatel ihm schon wieder den Hahn zu. So gibt es eine offizielle Webpräsenz nur noch für die Android-Modelle Idol 4 und Idol 4S. Weder kann man die Windows-Variante Idol 4 Pro dort kaufen, noch erhalten Käufer dort Support dafür. Bei einigen Online-Händlern gibt es das Gerät zum vom Hersteller empfohlenen Preis von 599 Euro. Das ist ist aus unserer Sicht zu viel. Unter diesen Umständen kann man das Smartphone nicht zum Kauf empfehlen. (jf, bkl)


Teaser Image by Alcatel, Images by Niklas Hamburg


About Niklas Hamburg
Als Redakteur bei den Netzpiloten, Androidpiloten und Applepiloten beschäftigt sich Niklas Hamburg mit allem, was digital ist. Wenn er in seiner Freizeit Klavier spielt oder im Garten buddelt, weiß er aber auch das analoge Leben zu schätzen.