Asus ZenFone AR im Test: Beeindruckende Augmented Reality für jedermann

Nicht erst seit dem ARKit von Apple ist die Technologie der Augmented Reality eines der zukunftsweisenden Themen im Smartphone-Bereich. Mit Project Tango hat Google bereits im Jahre 2016 ein ausgereiftes Hardware-Programm für die neue Technologie eingeführt. Seit einigen Monaten ist mit dem Asus ZenFone AR das erste kompatible Modell auf dem Markt. Ich habe mir das Telefon im Hinblick auf die innovativen Funktionen genauer angeschaut und verrate euch, ob sich die Anschaffung lohnt.

Schlichtes Gehäuse mit geringer Masse

Auf dem ersten Blick wirkt das Asus ZenFone AR wie ein ganz normales Android-Smartphone. Mit 5,7 Zoll Formfaktor und Maßen von 159 x 77 Millimetern wirkt es zwar etwas größer als die Geräte der Mitbewerber, ist aber mit 170 Gramm überraschend leicht. An der dicksten Stelle ist das Asus Zenfone AR gerade einmal 9 Millimeter stark. Aufgrund der verbauten AR-Hardware ein echter Topwert.

Der Rahmen des schicken Androiden besteht aus Metall, die Rückseite aus Kunststoff in Kunstlederoptik. Dadurch ist das Telefon sehr griffig und rutscht nicht aus der Hand. Auch wenn dadurch die haptische Qualität leidet. Die Verarbeitung ist indessen auf einem guten Niveau. Wenngleich die Rückseite etwas passender im Rahmen sitzen könnte. Löblich: Asus legt dem Gerät eine Silikonhülle sowie ein Displayschutzglas bei.

Asus Zenfone AR von der Seite
Mit 9 Millimeter ist das Asus ZenFone AR angenehm schmal. Image by Jonas Haller

Super AMOLED Display stellt Inhalte scharf dar

Das verbaute Super AMOLED Panel ist 5,7 Zoll groß und bietet eine Auflösung von 1.440 x 2.560 Bildpunkten. Das ergibt eine sehr gute Pixeldichte von 515 ppi. Sie ist für die VR-Darstellung auch sehr nötig. Dazu später mehr. Die maximale Bildschirm-Helligkeit bewegt sich im Durchschnitt der aktuellen Smartphones. Farben werden selbst durch das Schutzglas intensiv dargestellt. Auch die Blickwinkelstabilität des Panels ist sehr gut. Das ist besonders für AR-Anwendungen ein wichtiger Punkt.

Prozessor nicht mehr taufrisch, aber trotzdem fix

Da das Asus ZenFone AR bereits seit über einem Jahr in der Entwicklung ist, kommt unter der Haube „nur“ der nicht top-aktuelle Snapdragon 821 Octa-Core-Prozessor von Qualcomm zum Einsatz. Auf den 835er, der zum Beispiel im LG V30 steckt, müssen wir wohl bis zur nächsten Modellversion warten. Der 821er weiß das Smartphone trotz allem ordentlich zu befeuern und sorgt für ein flüssiges Nutzungserlebnis. Selbst ressourcenlastige Aufgaben gehen schnell von der Hand. Mit 6 GB ist auch der Arbeitsspeicher üppig dimensioniert. Im Benchmark kann die Rechenhardware mit der aktuellen Konkurrenz allerdings nicht mehr mithalten. (AnTuTu: 120.000 Punkte, Geekbench Multi-Core: 3036 Punkte)

Gleiches lässt sich vom Festspeicher sagen. Mit 128 GB bietet das Asus ZenFone AR mehr als die meisten Mitbewerber. Aufgrund der großen Datenmengen der Augmented-Reality-Apps ist der Speicherplatz aber auch wichtig. Wer mehr braucht, kann per microSDXC um bis zu 2 TB aufrüsten. Hinzu kommen für zwei Jahre 100 GB Cloudspeicher bei Google Drive.

TriCamsorgt für beeindruckendes Erlebnis beim Asus ZenFone AR

Herzstück des ZenFone AR ist allerdings das AR-System, das Asus TriCam nennt. Dabei handelt es sich um eine herkömmliche Kamera, die mit 23 Megapixel auflöst und einen optischen Bildstabilisator besitzt. Das Kameramodul setzt den Fokus per Phasendetektierung, Pixelvergleich sowie Laser. Die Bildqualität des Sony-Sensors geht soweit in Ordnung, kommt allerdings nicht an die aktuelle Konkurrenz wie etwa dem HTC U11 oder Samsung Galaxy S8 heran.

Asus Zenfone AR Backcover
Dank TriCam-System kann das Asus ZenFone AR Gegenstände räumlich erkennen. Image by Jonas Haller

Für die räumliche Messung integriert der taiwanische Hersteller eine Tiefen- sowie Tracking-Kamera. Sie befindet sich unterhalb des Bildmoduls. Die Aufgabe dieser Komponente ist Entfernungen zu erkennen und Gegenstände kartografisch zu erfassen. Somit lassen sich etwa Gegenstände in Echtzeit im Raum platzieren. Und das im richtigen Maßstab. Google Measure, eine Mess-App im Beta-Status, ermöglicht zudem das Ausmessen von Gegenständen oder der eigenen vier Wände. Das funktionierte im Test allerdings nicht immer wie gewollt.

App-Angebot im AR-Bereich wächst stetig

Entgegen der Falschmeldung, wonach Google Project Tango einstampfen möchte, kommen wöchentliche neue Anwendungen im Play Store hinzu. Um die richtig guten Apps zu finden, muss man allerdings etwas Gespür entwickeln. Denn wie so oft im Android-Bereich befinden sich etliche schlecht programmierte Anwendungen in der Datenbank, die entweder beim oder kurz nach dem Start abstürzen.

Richtig überrascht bin ich allerdings von der hohen Qualität der Vorzeige-Apps, die problemlos und ohne zu ruckeln auf dem Asus ZenFone AR laufen. Besonders die hohe Genauigkeit bei minimalster Latenz hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Szenenzittern sucht man bei der Hardwarelösung – anders als etwa bei Apples ARKit – vergebens.

Asus Zenfone AR Dinos Among Us App
Die App „Dinos Among Us“ integriert Urzeittiere in die reale Szenerie. Image by Jonas Haller

Diese hochakkurate Darstellung hat natürlich auch ihren Preis. Schon nach wenigen Minuten wird das ZenFone AR spürbar warm und die Akkukapazität schrumpft schneller als die Augen schauen können. In Zahlen heißt das, dass der 3.300 mAh leistende Energiespender innerhalb von zwei Stunden leer gesaugt ist. Dank USB-C und Quick Charge 3.0 dauert das Laden erfreulicherweise nur rund 90 Minuten.

Daydream-Headset bringt optional VR-Erlebnisse

Neben der Tango-Zertifizierung besitzt das ZenFone AR auch Daydream-Kompatibilität. Das heißt es verwandelt sich mittels Google-eigener Brille in Handumdrehen in ein mobiles VR-Headset. Dafür muss das Telefon lediglich eingelegt und die Daydream-App gestartet werden. Ein kompakter Controller, der per Bluetooth verbunden wird, sorgt für eine intuitive Point-and-Click-Steuerung.

Die Immersion ist aufgrund der verbauten Sensoren auf einem sehr hohen Level, wenngleich das Smartphone in der grauen Stoffbrille nicht mit vollwertigen Headsets wie der HTC Vive konkurieren kann. Das 360-Grad-Erlebnis kann zumindest für eine kurze Zeit überzeugen. Denn nach etwa 15 Minuten beginnt das Telefon deutlich Wärme in Richtung der Stirn abzustrahlen. Das Gehirn läuft dadurch im Wortsinne noch stärker warm. Kopfschmerzen sind die Folge.

Asus Zenfone AR Google Daydream Headset
Das offizielle Google-Headset ist hochwertig und bietet einen guten Sitz. Image by Jonas Haller

Fazit: Tango hat Potential, besitzt aber aktuell nur Spielcharakter

Mit dem Asus ZenFone AR zeigt der Hersteller gemeinsam mit Google, was aktuell mit AR-Hardware im Smartphone-Format möglich ist. Das Ergebnis überrascht und verblüfft zugleich. Denn die Qualität des digitalen Overlays ist auf einem hohen Level, Bewegungen werden direkt und exakt umgesetzt. Der App-Umfang im Google Play Store ist gut, könnte aber noch etwas Qualität vertragen.

Die Performance geht für ein Android-Smartphone im Modelljahr 2017 voll in Ordnung – auch wenn der aktuelle Flaggschiff-Prozessor von Qualcomm fehlt. Dafür sorgt auch die schlanke Oberfläche. Denn Asus ZenUI ist deutlich performanter als bei Schwestermodellen. Das scharfe, leuchtstarke AMOLED-Display ist eine weitere Stärke des innovativen Mobilgeräts.

Verbesserungspotential gibt es vor allem in Sachen Audio und Akkulaufzeit. Die Lautsprecher bieten trotz Dolby-Unterstützung eine unterdurchschnittliche Klangqualität und plärren unangenehm. Kommt die AR-Technologie zum Einsatz, verliert der Akku aufgrund der benötigten Rechenpower schnell an Kapazität. In der Praxis ist das kaum tragbar.

Alles in allem ist das Asus ZenFone AR ein interessantes Pionierprodukt, dessen AR-Technologie für Wow-Effekte sorgt. Nicht mehr und nicht weniger. Im Alltag dürfte das Feature allerdings nur selten zum Einsatz kommen. Für 899 Euro bietet das Mobiltelefon eine Menge Innovation. Technik-Enthusiasten greifen zu, alle anderen kommen bei einem preisgünstigeren Smartphone besser auf ihre Kosten.


Images by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.