Xiaomi Mi Home im Test: günstig und gut zum Smart Home

Wer an Smart Home denkt, hat direkt HomeKit, Philips Hue, Nest, Amazon Alexa oder Ikea im Kopf. Alle dieser Anbieter bieten interessante Smart-Home-Produkte oder sind zumindest eine Plattform, über die clevere Geräte kommunizieren. Aber nicht nur diese populären Marken bieten Smart-Home-Produkte. Auch viele günstigere Lösungen fluten derzeit den Markt. Ob diese funktionieren, und wie sicher sie sind, ist häufig zweifelhaft. Einen günstigen und guten Mitbewerber gibt es aber definitiv – und dieser ist im Smartphone-Markt im fernen Osten einer der Marktführer. Die Rede ist von Xiaomi. Die Firma stellt Smartphones, Geräte für den alltäglichen Gebrauch und mit dem System namens Xiaomi Mi Home eben auch Smart-Home-Hardware her. Wie dieses System sich schlägt, möchte ich im Test klären.

Von Alarm bis Zimmerbeleuchtung: Alles smart

Xiaomi hat bereits ein sehr großes Produktportfolio für clevere Heimprodukte. Im Gegensatz zu einigen Herstellern muss hier also nicht noch auf zukünftige Produkte gewartet werden. Es kommen regelmäßig neue verbundene Geräte hinzu. Neben üblichen Komponenten wie einem Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsfühler gibt es auch Gadgets, die hierzulande eher unüblich sind. Zum Beispiel hat Xiaomi smarte Reiskocher im Programm, weil diese im Heimatmarkt China eben sehr gut laufen. Seit neuestem sind auch Sensoren für Blumentöpfe im Angebot, die den Smart-Home-Nutzer informieren, wenn die Pflanze mal wieder gegossen werden muss. Das ist quasi die abgespeckte Variante des Parrot Pot.

Um bei den mehrheitsfähigen Anwendungen zu bleiben: Die Grundausstattung fürs Smart Home ist relativ günstig. Die RGB-Glühlampe „Yeelight“ mit extra LEDs für Weiß kostet rund 15 Euro. Für Sparfüchse gibt es noch das reinweiße Yeelight. Dieses kostet zehn Euro. Die Lampen klinken sich per WLAN in das bereits vorhandene Heimnetzwerk ein und lassen sich wahlweise über den normalen Lichtschalter oder per App bedienen.

Xiaomi Mi Home Gateway so klein wie ein Puck

Möchtest du nicht nur Lampen benutzen, sondern auch Sensoren und Schalter einsetzen, musst du das sogenannte Xiaomi Gateway im Haus installieren. Hierbei handelt es sich um einen kleinen runden Puck, den ihr direkt mit der Steckdose verbindet. Ein kleines Hindernis: Der Puck wird nicht mit einem EU-Stecker ausgeliefert, sondern nutzt den Netzstecker Typ I. Ein Adapter zum deutschen Standard ist aber je nach Shop im Lieferumfang inklusive.

Das Gateway klinkt sich auch in das heimische WLAN ein. Es selbst hat einen kleinen Lautsprecher und LEDs verbaut. Mit dem Lautsprecher ist die Musikwiedergabe möglich, die jedoch großteils auf chinesische Radiosender beschränkt ist. Die Qualität des Lautsprechers ist ohnehin nicht berauschend. Die LEDs können etwa bei eingehenden Nachrichten aktiviert werden. Auch als Nachtlicht sind die mehrfarbigen Dioden des Gateways einsetzbar.

Xiaomi Mi Home hat ein großes eigenes Ökosystem

Am wichtigsten ist aber die nicht sichtbare Funktion: Das Gateway kommuniziert per Funk mit anderen Smart-Home-Geräten von Xiaomi. Diese sind nicht per normalem Bluetooth oder WLAN verbunden, sondern setzen auf einen proprietären Funkstandard. Mit dem Gateway sind etwa folgende Accessoires aus dem Smart-Home-Portfolio von Xiaomi nutzbar:

  • Smarte Schalter, die frei programmierbar sind
  • Würfel, der je nach Ausrichtung eine andere Funktion erfüllt
  • Bewegungsmelder
  • Temperaturfühler
  • Klimaanlage
  • Rauch- und CO2-Melder
  • Weitere Lichter
  • Türsensor
  • Luftbefeuchter
  • Reiskocher
  • Blumentopf-Sensor
  • Staubsaugerroboter
  • Steckdosenleisten
  • Zahnbürste
  • Kaffeemaschine
  • Webcam
  • Lüfter

Die Liste ist vielfältig und nicht jedes Produkt ist für jeden nötig. Doch zeigt Xiaomi ganz klar: Manchmal macht die Masse es doch. Mit Xiaomis Mi Home bin ich immerhin niemals darauf angewiesen, Hardware anderer Hersteller einzusetzen, weil ich jedes Produkt bereits im Ökosystem habe.

Die Qualität aller Produkte ist trotz der niedrigen Preise immer gut. Sie fühlen sich hochwertig an, die LEDs der smarten Lampen sind überzeugend, hell und flackern nicht. Die Batterie in den meisten Sensoren hält für mehr als ein Jahr. Xiaomi Mi Home setzt auf einen weit verbreiteten Batterietyp: Die CR2032-Zellen sind überall sehr günstig zu bekommen. Dadurch gestaltet sich die Wartung recht simpel und es muss kein spezieller Akku einer chinesischen Firma gekauft werden. Die Kommunikation der Geräte dauert zwischen Actio und Reactio meist nur ein Bruchteil einer Sekunde.

Einrichtung des Xiaomi Mi Home selbst für Laien machbar

Wer nur eine smarte Lampe von Xiaomi besitzt, sollte sich die App Yeelight herunterladen. Das ist Xiaomis Standalone-Anwendung für die LED-Lampen. Die App erlaubt die individuelle Steuerung der Birnen. Bei der Einrichtung musst du dich kurz mit dem von der Lampe erstellten WLAN anmelden und das Passwort für das Heimnetzwerk eingeben. Anschließend ist das Yeelight im Netzwerk registriert und du kannst theoretisch weltweit über das Internet auf das Licht deines Heims zugreifen.

Xiaomi Mi Home
Image by Mika Baumeister

Für Nutzer, die das Gateway verwenden und weitere Smart-Home-Geräte einsetzen, wird die Anwendung „Mi Home“ benötigt. Diese ist viel umfangreicher: Neben der Steuerung der Glühbirne kannst du auch das Gateway einstellen, sprich die LEDs regeln und den Lautsprecher bedienen. Interessant wird es mit den zusätzlichen Geräten, die im Heim platziert werden können. Knöpfe und weitere Sensoren lassen sich mit einem Knopfdruck mit dem Gateway verknüpfen. Das geht einfach von der Hand und dauert keine 30 Sekunden. Danach sind die Geräte einsatzbereit.

Im Tab „Automation“ kannst du anschließend genaue Funktionen festlegen: Soll etwa das Licht angehen, sobald der Bewegungssensor etwas erkennt, lässt sich das hier einrichten. Der Funktionsumfang ist riesig und ähnelt dem IFTTT-Prinzip: Wenn das und das passiert, mache das und das.

Dafür steht jeder der installierten Sensoren zur Verfügung, aber auch das eigene Smartphone kann als Informationsquelle dienen. Bei Anrufen oder Nachrichten können ebenfalls Befehle aller Art ausgeführt werden.

Kein offizieller Support in Deutschland

Ein kleines Manko gibt es bei der Verwendung des Xiaomi Mi Home allerdings: Unter Profile / Settings / Locale muss der Standort auf „Mainland China“ festgelegt werden. Erst dann funktioniert das gesamte System reibungslos.

Obwohl Xiaomi auch in Europa mittlerweile ein bekannter Hersteller ist, bietet das Unternehmen außerhalb von China, Hong Kong und Singapur keinen offiziellen Support für die Smart-Home-Produkte. Bei Problemen helfen die umfangreichen englischen Foreneinträge aber meist weiter.

Steuerung per App, Sensor oder Taster

Wie das Smart Home bedient wird, ist zum großen Teil recht offen. Xiaomi bietet neben der Unterstützung der eigenen App auch Support für Amazons Alexa und das IFTTT-Netzwerk. Du kannst also auch systemfremde Sensoren oder Programme nutzen, um die Lampen zu bedienen. Über den Befehl „Alexa, schalte das Licht an / aus“ werden die definierten Lampen direkt angesteuert. Auch in der Mi-Home-App ist eine Sprachsteuerung integriert. Sie hört bisher nur auf Englisch.

Du kannst bei RGB-Lampen genau den Farbton bestimmen sowie die Helligkeit regeln. Im Flow-Programm wechselt die Lampe automatisch die Farben. Eigene Szenen lassen sich durch Fotos realisieren. In der App wird die Farbe der fotografierten Elemente erfasst und recht exakt durch die LEDs nachgebildet. Ein paar vorgegebene Programme bietet Xiaomi selbst an. Etwa den Sunrise-Modus, in dem die Lampen 15 Minuten lang heller werden, um den Sonnenaufgang zu simulieren.

Die Bedienung per App ist zwar schön und gut. Aber es wäre noch viel praktischer, mit anderen Diensten und auf anderen Wege mit den Lampen und dem Smart Home zu kommunizieren. Deswegen hat das Xiaomi Mi Home Support für IFTTT mit an Bord. Über den größten Online-Automationsdienst der Welt lassen sich per Yeelight-Applet alle Lampen ansteuern – und zwar mit jedem der mehreren Tausend unterstützten Geräte und Software von IFTTT.

Am einfachsten ist aber natürlich die Bedienung per Schalter. Xiaomi bietet für etwa zehn Euro smarte Buttons an, die mit drei verschiedenen Aufgaben belegt werden können. Ein einfacher Klick, Doppelklick oder langer Klick lassen sich per App programmieren.

Programmierung: Kinderleicht

Mit einfachen Befehlen lassen sich Szenarien bauen, die dann im Alltag das Haus oder einzelne Zimmer smarter machen. Obwohl das zunächst kompliziert klingt, ist das ein Kinderspiel. Ein paar Beispiele aus meiner Wohnung: Der Lichtschalter am Bett aktiviert mit einem Klick ein gedimmtes, warmweißes Licht. Beim Doppelklick wird das Licht weiß und deutlich heller. Der lange Klick bringt die Lampen zum Erlöschen. Ein Bewegungsmelder im Bad aktiviert das dort installierte Yeelight. Erst durch einen Tastendruck schaltet sich das Licht dort wieder aus. Werde ich angerufen, leuchtet ein Yeelight auf und ich bemerke den Anruf, obwohl das Smartphone vielleicht stumm und umgedreht ist.

Theoretisch könntest du dich mit dem Yeelight aufwecken lassen, indem sich das Licht zu einer bestimmten Uhrzeit automatisch anschaltet. Sind Temperatur oder Luftfeuchtigkeit in Zimmern oder außen zu hoch respektive zu niedrig, lassen sich Benachrichtigungen erstellen. Und um Standby-Stromschlucker zu vermeiden, kannst du per Tastendruck eine smarte Steckdose einschalten – so ziehen Geräte nicht die ganze Nacht Energie.

Xiaomi Mi Home
Ein Thermostat misst Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Räumen / Image by Mika Baumeister

Zudem kannst du durch die Erstellung von Gruppen mehrere Lampen oder Geräte gleichzeitig ansteuern. Das ist sinnvoll, wenn in einem Raum mehrere Lampen installiert sind. Nach einer kurzen Einrichtung sind Xiaomi-Geräte zusammengefasst und können simultan angesteuert werden.

Fazit: Eine echte Konkurrenz zu bekannten Größen

Xiaomi bietet nicht nur eine eigene Plattform, sondern auch gleiche eine große Vielzahl von kompatibler Smart-Home-Hardware. Kein Hersteller hierzulande kann ein ähnliches Portfolio anbieten.

Zugegeben, zum Teil ist die Bedienung etwas komplizierter, da die Übersetzung ins Englische nicht an jeder Stelle perfekt ist. Der günstige Preis macht jedoch einiges wieder wett. Denn im Vergleich zu einem Hue-System mit drei Lampen und der Smart-Home-Zentrale, das hierzulande für 170 Euro zu haben ist, sparst du bei einer Lichtlösung von Xiaomi rund 100 Euro.

Während Apple, Amazon und Google zwar ebenfalls Steuer-Plattformen aber keine Smart-Home-Hardware anbieten, ähnelt am ehesten das Konzept der Telekom dem von Xiaomi. Neben Lampen gibt es smarte Steckdosen, Heizkörperthermostate und die direkte Verbindung mit dem Philips-Hue-System. Damit ist das Bonner Unternehmen sehr gut im Smart-Home-Markt aufgestellt. Allerdings hat das seinen Preis. Die Einrichtung eines ganzen Hauses verschlingt mit Sicherheit einen höheren dreistelligen Betrag.

Für wen ist das Xiaomi Mi Home also geeignet? Für alle, die nicht viel Geld in ihr System investieren wollen, kein Problem mit einer englischen App haben und auf ein paar nette Features verzichten können. Zudem solltet ihr Enthusiasten sein, die sich auch ohne technischen Kundendienst des Herstellers in Deutschland zu helfen wissen. Dabei ist das Xiaomi-System durch den großen Namen hinter der Hardware zukunftssicher und nicht davon bedroht, einfach irgendwann abgeschaltet zu werden.


Teaser Image by StockSnap / Pixabay (CC0 Lizenz), adapted by Julia Froolyks; Images by Mika Baumeister


About Mika Baumeister
Mika studiert Technikjournalismus in Bonn und schreibt schon seit einiger Zeit über allerlei technischen Krimskrams: Seien es nun Smartphones, Gadgets, Drohnen, VR-Brillen oder Anwendungen aller Art. Prinzipiell macht er mit jedem Artikel sein Hobby einen Tacken mehr zum Beruf.