Huawei Nova 2 im Test: Selfies auf höchstem Niveau

Huawei hat es sich zum Ziel erklärt, Samsung und Apple zu überholen und die Nummer 1 auf dem Smartphone-Markt zu werden. Dieses Ziel verfolgt der Hersteller nicht mehr nur mit Masse, sondern inzwischen auch mit Klasse. Nicht nur seine Spitzengeräte performen gut, auch die Modelle im mittleren Preissegment mischen vorne mit. Das gilt ebenfalls für die im vergangenen Jahr eingeführte Nova-Serie. Kürzlich hat der Smartphone-Aufsteiger mit dem Huawei Nova 2 den direkten Nachfolger präsentiert. Der Test zeigt, wie sich das Huawei Nova 2 von seinem Vorgänger unterscheidet und welche Spitzenklasse-Akzente Huawei seiner Mittelklasse verpasst hat.

Unboxing und Design: Das ist doch ein iPhone!

Das Huawei Nova 2 kommt in einer kompakten Einschub-Box, in der das Smartphone sowie zwei weitere Boxen mit Zubehör hochkant untergebracht sind. Im Lieferumfang des Nova 2 befindet sich neben den Standard-Beigaben wie das Netzteil, Aufladekabel und Kopfhörern auch eine durchsichtige Schutzhülle für das Handy. Obwohl auf der Verpackung des Smartphones ganz deutlich der Schriftzug „Huawei Design“ aufwartet, erinnert mich das Smartphone beim ersten Anfassen an einen ganz anderen Hersteller. Denn das Huawei Nova 2 könnte auch als Ebenbild des iPhone 6 durchgehen.

Vor allem die stark abgerundeten Kanten des Huawei Nova 2 sowie das Aluminiumgehäuse erinnern an die Konkurrenz aus Cupertino. Das Huawei Nova 2 begeistert mit edlem Design und einer einwandfreien Verarbeitung der Materialien. An der Front setzt Huawei auf leicht abgerundetes Glas, das den 5-Zoll-Bildschirm schützt und an der unteren Seite statt eines Home-Buttons den Herstellernamen beherbergt. Die schwarze Rückseite sowie die Ränder des Nova 2 weisen keine Unterbrechungen auf und sind im Unibody-Design gehalten. Außerdem wurden die Antennenlinien beim schwarzen Modell geschickt ins Design integriert und fallen nur bei näherer Betrachtung der Ränder ins Auge.

Huawei Nova 2: Minimalismus in reinster Form

Besonders gelungen ist die Verarbeitung des Aluminiums. So sieht die mattierte Metall-Rückseite des Huawei Nova 2 nicht nur sehr ansehnlich aus, sondern liegt auch sicher und griffig in der Hand. Auch der Rahmen ist trotz seiner glänzenden Oberfläche rutschfest, was zusätzlich für die nötige Sicherheit im Alltag sorgt.

Die Rückseite des 5-Zoll-Smartphones weist außerdem noch einige weitere interessante Design- und technische Ausstattungsmerkmale auf. Neben dem dezent integrierten Fingerabdruckscanner wäre da beispielsweise die neue Dual-Kamera. Auf diese hatte der Hersteller beim Vorgängermodell noch verzichtet und führt sie nun erstmals in seine Mittelklasse ein. Die beiden Linsen der Dual-Kamera fallen auf Anhieb ins Auge, denn sie stehen spürbar aus dem Gehäuse des Huawei Nova 2 heraus.

Neben den beiden Objektiven hat Huawei den einfarbigen Blitz in Form einer kleinen LED montiert. Sie ist zumindest am schwarzen Testgerät der einzige helle Akzent. Der Minimalismus in Sachen Design des Huawei Nova 2 wird außerdem beim Blick auf die untere Rückseite deutlich. Dort hat Huawei eine kaum zu erkennende Gravur eingearbeitet, die noch einmal den Herstellernamen sowie die nach EU-Recht vorgeschriebenen CE-Richtlinien zeigt.

Das Huawei Nova 2 kommt mit zwei Tastern an der rechten Seite aus. Hier lässt sich die Lautstärke einstellen sowie das Display ein- und ausschalten. Auf der linken Seite befindet sich der Einschub für zwei SIM-Karten (oder SIM plus MicroSD-Karte). Das kleine Loch, um den Mechanismus zu bedienen, sollte nicht mit dem identischen Mikrofon-Loch an der Oberseite des Huawei Nova 2 verwechselt werden. Den Einschub für die Karten habe ich trotz Brille nicht gut erkannt. Das spricht einmal mehr für die nahtlose Verarbeitung des Huawei Nova 2.

Leistung und Ausstattung

Das Huawei Nova 2 ist nicht nur schick designt, sondern auch mit leistungsstarker Rechenhardware ausgestattet. Die Displayinhalte werden von einer ARM-Mali-T830-MP2-Grafikeinheit visualisiert. Das 5-Zoll-Display selbst löst in Full-HD mit 1.080 x 1.920 Pixeln auf und bietet eine Pixeldichte von 441 ppi. Dies sorgt für eine brillante Bildqualität. Selbst wenn ihr das Android-7-Betriebssystem bei direkter Sonneneinstrahlung draußen bedient, könnt ihr das Display dank hoher Leuchtkraft noch gut ablesen. Das Display ist auf der höchsten Helligkeitsstufe in dunkleren Räumen sogar beinahe als Taschenlampe einsetzbar.

Für ausreichend Leistung sorgt im Inneren des Huawei Nova 2 der Kirin 659 von HiSilicon. Auf acht Kernen arbeitet er mit einer maximalen Taktfrequenz von 2,3 GHz und hat Zugriff auf 4 GB Arbeitsspeicher.

In der täglichen Verwendung des Nova 2 zeigt sich die Power des Setups deutlich. Die Hardware ist gut auf das Betriebssystem abgestimmt. Die EMUI-5.1-Oberfläche läuft in Kombination mit Android 7 sehr geschmeidig. Hier ruckelt oder hakt nichts. Das Surfen im Chrome-Browser macht richtig viel Spaß, da sich Internetseiten blitzschnell aufbauen. Auch beim Wechsel zwischen einzelnen Apps zeigt das Huawei Nova 2 keine Verzögerungen oder Ruckler. Selbst anspruchsvolle Games wie Asphalt 8 zwingen das Huawei Nova 2 nicht in die Knie.

Wie bei anderen Tests von Huawei-Geräten, überzeugt auch beim Huawei Nova 2 die Leistung des Fingerabdrucksensors auf der Rückseite. Er entsperrt das Gerät blitzschnell und hat während meines Tests immer funktioniert.

Fotokunst im Fokus

Am interessantesten dürfte wohl für viele die Dual-Kamera sein, die Huawei seinem neuen Mittelklasse-Smartphone verpasst hat. Die beiden Sensoren der Kamera lösen je mit 12 und 8 Megapixeln auf. Anders als etwa im Huawei Mate 9 oder Huawei P10, setzt Huawei in diesem Modell erstmals auf zwei Brennweiten, statt die Objektive in RGB- und Schwarz-Weiß zu splitten.

Die Dual-Kamera bietet bei günstiger Beleuchtung sowohl in Weitwinkel- als auch in Telestellung eine sehr gefällige Bildqualität mit kräftigen Farben und detailreicher Darstellung. Allerdings wirken die Farben teilweise etwas zu stark gesättigt und wirken daher nicht mehr natürlich, was mich persönlich stört.

Bokeh-Effekt der Dual-Kamera ist ausbaufähig

Huawei Nova 2 im Test
Der Bokeh-Effekt der Dual-Kamera ist in Ordnung, sieht aber künstlich aus. Image by Julia Froolyks

Die Dual-Kamera beherrscht dank der beiden Objektive den bei Fotografen beliebten Bokeh-Effekt. Neben vielen anderen Einstellungsmöglichkeiten in der gewohnt guten Kamera-Software von Huawei, ermöglicht die App, auch die Intensität des Bokeh-Effekts anzupassen. So kann ich einen Blendenwert von f/0,95 bis f/16 wählen. Je höher der Wert, desto weniger verschwommen wirkt der Hintergrund rund um das Hauptobjekt.

Die Qualität der Simulation ist durchwachsen. So kann die Software Hauptmotiv und Hintergrund nicht immer perfekt unterscheiden. Beim Fotografieren werden teilweise Details des Hauptmotivs ebenfalls verschwommen dargestellt. Außerdem wirkt der Übergang zwischen den Schärfeebenen künstlich. Diesbezüglich habe ich mit der Dual-Kamera des iPhone 7 Plus deutlich bessere und natürlichere Ergebnisse gesehen, die näher an die Porträt-Fotografie mit einer Spiegelreflex-Kamera kommen.

Selfie-Kamera überzeugt mit glasklaren Porträt-Bildern

Einen Schwerpunkt legt Huawei bei seinem Nova 2 auf die frontseitige Selfie-Kamera. Hier kommt eine satte Auflösung von 20 Megapixeln zum Einsatz. Eine Besonderheit: Auch die Frontkamera kommt mit einem Bokeh-Effekt daher, der nicht durch den Einsatz von zwei Linsen unterstützt wird, sondern komplett digital innerhalb der Software generiert wird. Mit eingeschaltetem Porträt-Modus verschwimmt der Hintergrund, sodass das fokussierte Gesicht isoliert wird. Erstaunlicherweise wirkt das Ergebnis überzeugender als bei der rückseitigen Dual-Kamera. Der Porträt-Modus an der Front gefällt mir sehr gut und wirkt nicht künstlich.

Die Auflösung der Selfie-Kamera ist mit 20 Megapixeln nicht nur theoretisch gigantisch, sondern auch in der Praxis fabelhaft. Beim Einsatz der zahlreichen Filter schwächelt die Auflösung allerdings ein wenig. Auch hier kommt es auf gutes Licht und eine helle Umgebung an.

Der Direktvergleich: Huawei Nova vs. Nova 2

Das Huawei Nova 2 und sein direkter Vorgänger unterscheiden sich vor allem in Sachen Design voneinander. So wirkt das neue Nova 2 schlichter ohne die mittlerweile aus der Mode gekommenen Fräskanten des Nova. Auf der Rückseite des Nova befindet sich die einfache Kamera auf einem schwarzen Balken, der die Antenne beherbergt. Huawei hat das beim Nova 2 deutlich eleganter gelöst. Beide Geräte liegen gleich gut und sicher in der Hand. Ungewöhnlich: Das Display des Nova scheint die Inhalte trotz identischer Auflösung schärfer zu visualisieren als sein Nachfolger. Wer das Nova besitzt, kann sich aber durchaus überlegen, ob er allein aufgrund der Dual-Kamera und der leistungsstarken Selfie-Kamera auf das Nova 2 wechseln möchte.

Fazit: Beim Huawei Nova 2 stimmt alles

Das Huawei Nova 2 erfüllt von Leistung bis Kamera und Ausstattung alle meine Erwartungen, die ich an ein Android-Handy im mittleren Preissegment stelle. Beim Verwenden von Apps oder beim Surfen im Internet ruckelt die Software nicht, alles läuft sehr flüssig ab. Das Full-HD-Display des Huawei Nova 2 bietet eine extrem hohe Helligkeit und stellt die Bildschirminhalte sehr brillant dar. Die Kameras sind das Highlight des Huawei Nova 2. Hier macht vor allem die Selfie-Kamera mit ihrer 20-Megapixel-Auflösung extrem viel Spaß. Zu einem Preis ab 380 Euro bekommt ihr ein gewaltiges Leistungspaket aus dem Hause Huawei, das noch dazu einwandfrei verarbeitet und sehr edel designt ist.

Die technischen Details des Huawei Nova 2 in der Übersicht

  • Prozessor: HiSilicon Kirin 659 Octa-Core-Prozessor
  • Speicher intern: 64 GB (erweiterbar via MicroSD-Karte um maximal 128 GB)
  • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
  • Display: 5 Zoll LTPS-Bildschirm mit Full-HD-Auflösung (1.080 x 1.920 Pixel)
  • Betriebssystem: Android 7.0 Nougat mit EMUI 5.1
  • Kamera: Dual-Kamera mit 12 und 8 Megapixeln hinten
  • Frontkamera: 20 Megapixel-Auflösung mit Porträt-Modus
  • Akku: 2.950 mAh
  • Anschluss: USB-Typ-C
  • Besonderheiten: Dual-SIM-Slot
  • Konnektivität: WLAN mit 2,4 Ghz, Bluetooth 4.2

Images by Julia Froolyks


About Julia Froolyks
Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.