Test: Gigaset GS270 Plus überzeugt mit tollem Display und starkem Akku

Gigaset ist eine der wenigen deutschen Technikmarken, die noch selbst Telefone herstellen. Das heißt, die Gigaset-Geräte werden zwar in Asien gefertigt. Aber zentrale Entwicklungs- und Designprozesse finden in Deutschland statt. Überwiegend bekannt für Festnetztelefone, versucht sich die Firma mittlerweile verstärkt im mobilen Bereich. Anfang dieses Jahres konnten wir bereits das Gigaset GS160 unter die Lupe nehmen. Im Test schnitt es gut ab und bietet eine solide Kombination aus Software und Hardware vor allem für Smartphone-Einsteiger. Das ältere Gigaset ME war im hochpreisigen Bereich angesiedelt und begeisterte vor allem durch sein Design. Mit dem Gigaset GS270 Plus, das zu einem Preis von 229 Euro erhältlich ist, stößt das Unternehmen jetzt in die Mittelklasse vor. Wie gut ihm das glückt, lest ihr im Test.

Design und Ausstattung des Gigaset GS270 Plus

Das Design des Gigaset GS270 Plus erinnert an die Formsprache von Apple, was besonders im oberen Bereich der Front deutlich wird. Statt, wie mittlerweile bei vielen Herstellern üblich, auf ein Metallgehäuse zu setzen, entschied sich Gigaset beim GS270 Plus für ein Gehäuse aus Kunststoff. Dessen Qualität ist dem Preis des Smartphones angemessen hoch. Die äußerliche Aufmachung des Gigaset GS270 Plus ist insgesamt schlicht. Mitsamt der beigelieferten Hülle liegt es angenehm rutschfest in der Hand, das Design leidet unter dem zusätzlichen Schutz nicht.

Im Übrigen sind alle Knöpfe, also Lautstärkewippe und Powerbutton, gut erreichbar an der rechten Seite angebracht. Die Android-typischen Home-, Zurück- und Multitaskingknöpfe sind kapazitiv und machen den größten Teil des unteren Bezels aus. Bei Druck quittieren sie eine Aktion mit einer deutlichen Vibration. Das solltet ihr auch nicht deaktivieren, weil die Tasten sonst mitunter leicht zu verfehlen sind.

Akku reicht von Bett zu Bett

Vor wenigen Monaten habe ich bereits das LG X Power 2 getestet, das mit einer ähnlichen Akkukapazität wie das GS270 von Gigaset daherkommt. Die Laufzeit des LG-Smartphones ist beeindruckend, wenn auch die restlichen Features etwas aus dem Spektrum verschwanden.

Anders als bei LG, entschied man sich bei Gigaset dazu, auf etwaige Prämissen in der Namensgebung zu verzichten. So wird beim Gigaset GS270 Plus höchstens mit einem günstigen Preis geworben. Dennoch bekommen wir hier satte 5.000 mAh Stromkapazität geliefert. Das X Power 2 wartet mit 4.500 mAh auf. Wie bei Kameras gilt zwar auch bei Akkus, dass die reinen Werte nur wenig Aussagekraft besitzen, dennoch geben sie eine grobe Richtung vor, womit wir es hier zu tun haben.

Gigaset GS270 Plus im Test
Image by Mika Baumeister

Ist der Akku also besser als beim LG X Power 2? Leider nein, obwohl ja 500 mAh mehr zur Verfügung stehen. Zwei Tage bekommt ihr bei moderater Nutzung aber dennoch hin, je nachdem, wieviel ihr euer Smartphone im Alltag eben nutzt. Solange ich mit einer Ladung von Bett zu Bett komme, bin ich schon glücklich, und dieser Wunsch wird hier erfüllt.

Geladen wird der Akku im Übrigen über einen Micro-USB-Port, was inzwischen als veraltet gilt. Heutzutage kommt eher USB-Typ-C zum Einsatz. Seinen Dienst verrichtet der Veteran aber immer noch gut. Zusammen mit dem beiliegenden 10-Watt-Netzteil (5V bei 2A) ist der Akku innerhalb von rund zweieinhalb Stunden wieder voll, nach einer Stunde waren im Test rund 45 Prozent Ladung erreicht.

Display überzeugt, Kamera-Setup eher nicht

Das Mehr an Akkukapazität geht aber möglicherweise auch für eine höhere Auflösung drauf. Statt in HD wie beim LG X Power, löst das Gigaset mit Full-HD auf. Und das sieht echt gut aus. Auf den 5,2 Zoll in der Diagonalen kommen 1.080 x 1.920 Pixel zum Einsatz, was einer Pixeldichte von 423 ppi entspricht. Dadurch ist das Display sehr scharf. Zudem ist es farbtreu und hell. Auch unter Sonnenlicht macht der Bildschirm eine gute Figur.

Die Kamera des Gigaset GS270 Plus löst laut Hersteller mit 13 Megapixeln auf. Man kann durchaus Schnappschüsse machen. Bei Videotelefonie mit der Frontkamera erkennt euch euer Gegenüber sicherlich, obgleich schnell ein starkes Bildrauschen auftritt und der Autofokus einige Zeit braucht, um das Bild scharf zu stellen. Mit der frontseitigen Kamera ein nicht verwackeltes Selfie hinzubekommen, ist zudem eine Aufgabe für sich.

Abgespeckte Variante mit 2 GB Arbeitsspeicher

Neben unserem getesteten Gigaset GS270 Plus gibt es auch einen “kleinen” Bruder: Das GS270. Das spiegelt sich jedoch nicht in der Displaygröße, sondern in der des vorhandenen Speichers wider. Während das Plus-Modell nämlich mit 3 GB RAM und 32 GB internem Speicher aufwartet, besitzt die normale Variante lediglich 2 GB Arbeits- und 16 GB Datenspeicher. Ob man das eine Gigabyte mehr auch wirklich spürt, kann ich mangels eines Vergleichs nicht beurteilen.

Solltet ihr gerne viele Apps auf einmal nutzen und auf ruckelfreien, schnellen Wechsel bestehen, könnt ihr getrost zur 30 Euro teureren Plus-Version greifen. Und mehr internen Speicher braucht man seit Android 6.0 Marshmallow ja auch nicht mehr, denn MicroSD-Karte und Speicher lassen sich insbesondere mit A1-Speicherkarten einfach verschmelzen. Damit habt ihr eigentlich immer genügend Platz für Apps und Daten. Unterstützt werden Speicherkarten mit Kapazitäten von bis zu 128 GB.

Pures Stock-Android

Apropos Android-Versionen: Vorinstalliert ist beim Gigaset GS270 Plus reinstes Android 7.0 mit dem monatlichen Security-Bulletin aus August 2017. Das ist praktisch für alle, die die übergestülpten Oberflächen der Gerätehersteller nicht mögen. Außerdem erleichtert die Verwendung von Stock-Android prinzipiell den Update-Prozess auf eine neue Android-Version. Auf unsere Nachfrage nach einem Oreo-Update antwortete der Hersteller leider etwas ernüchternd: „Momentan können wir nur sagen, dass ein Update auf Android 8.0 geplant ist.”

Bloatware ist auf dem Gigaset GS270 Plus zwar kein Problem, allerdings ist eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom zu erahnen. Denn auf dem Homescreen sind Apps wie “t-online.de” oder “wetter.info” abgelegt. Sie lassen sich aber ohne Weiteres deinstallieren.

Gigaset GS270 Plus im Test
Image by Mika Baumeister

Zuverlässig per Fingerabdruck entsperren

Ich muss gestehen: Ich bin kein großer Fan von Fingerabdrucksensoren. Ich erkenne durchaus ihre Praktikabilität an, meist verwehrt aber mein Handschweiß ein schnelles Entsperren. Daher bin ich daran gewöhnt, meinen PIN einzugeben. Beim Gigaset GS270 Plus habe ich aus Testzwecken natürlich auf den Sensor geachtet. Er funktioniert zuverlässig. Mittig auf der Rückseite ist er vor allem mit angebrachter Smartphone-Hülle dank der stärkeren Vertiefung einfach zu ertasten und gibt das Gerät in Sub-Sekundenschnelle frei. Besonders praktisch: Selbst wenn ihr bei gesperrtem und ausgeschaltetem Bildschirm über den Sensor fahrt, erkennt das Smartphone euren Finger.

Test-Fazit Gigaset GS270 Plus

Wenn ihr ein Smartphone sucht, das solide funktioniert, ist das Gigaset GS270 Plus eine durchaus empfehlenswerte Wahl. Die Kapazität des Akkus ist überdurchschnittlich hoch, dafür die Kamera eher unteres Mittelmaß. Klar, ein Schnappschuss hier und da ist drin und mit dem entsprechenden Instagram-Filter sicher auch ansehnlich. Kunstwerke macht ihr damit aber nicht. Das Betriebssystem ist für Android-Puristen eine Freude und die Hardware bietet genügend Power, damit sie im Alltag auch rennt.

Für 229 Euro im Hersteller-Shop bekommt ihr mit dem GS270 Plus ein solides Gerät zu einem attraktiven Preis. Auch die günstigere Variante ohne „Plus“ ist mit 199 fair bepreist. Eine Alternative  findet ihr im neuen Motorola Moto G5s, das eine ähnliche Ausstattung zu einem Preis von 229 Euro bietet.


Images by Mika Baumeister


About Jonathan Kemper
Jonathan Kemper studiert Technikjournalismus und schreibt News und Nonsens. Testet Telefone, greift Gitarrenhälse, praktiziert Pfadfindertum. Normalerweise nachtaktiv. Achtet auf Alliterationen.