Chrome OS als Alternative: Diese Chromebooks sind ihr Geld wert

Wer sich beim Kauf eines neuen Laptops nur zwischen Windows und Mac entscheidet, hat definitiv nicht alle Optionen auf dem Schirm. Seit 2011 hat sich Chrome OS aus einer Open-Source-Community zu einem leichtgewichtigen und vielseitigen Betriebssystem avanciert. Wir checken die besten Chromebooks für euch.

Ich persönlich habe mich vor zwei Jahren für ein Chromebook entschieden, weil ich es liebe, neue Betriebssysteme auszuprobieren – immer der gleiche Trott langweilt mich einfach. Nicht ohne Grund bin ich sogar von Android zu Windows Phone gewechselt. Außerdem ist ein Chromebook im Vergleich zu dem, was man bei einem Windows-Pendant bekommen würde, technisch wesentlich besser aufgestellt. Zumindest sofern man weiß, worauf man sich einlässt.

Chrome OS besteht “nur” aus einem Browser. Als ich merkte, dass ich an meinem Rechner zuhause die meisten meiner alltäglichen Aufgaben ohnehin über Chrome erledige, wusste ich, dass ich gar nicht mehr brauche. Und vor allem auch nicht mehr will. Die Beschränkung des Systems lässt dem Nutzer gar nicht so viele Freiheiten, sich vom Wesentlichen abzulenken. Dass man nicht die ganze Zeit anderweitigen Ablenkungen wie Netflix ausgesetzt ist, muss man sich hingegen selbst abtrainieren.

MacBook-Konkurrent aus dem Hauptquartier

Wirklich viel Medienaufmerksamkeit konnte Google für das junge OS generieren, als es das erste Chromebook Pixel vorstellte. “Einen vierstelligen Betrag für einen Laptop nur mit Browser? Wucher!” lautete 2013 der Tenor der Presse. Das hat sich mit der Neuauflage zwei Jahre später auch nicht großartig geändert. Denn die beiden Chrombook-Vorzeigemodelle widersprechen der eigentlichen Produkt-Philosophie in meinen Augen vollkommen: Jedem so günstig und einfach wie möglich einen Zugang zum Internet zu verschaffen.

Da machen diese beiden Premium-Geräte der Chromebook-Pixel-Reihe als einzige Lösungen von Chrome-Erfinder Google einen schlechten Eindruck. Stattdessen mussten Hersteller wie HP, Dell, Asus und Acer einspringen, um kostengünstige Geräte mit Chrome OS an den Mann oder die Frau zu bringen.

Chrome OS - Die besten Chromebooks
Image by Asus

Chrome OS: Viele Gemeinsamkeiten bei der Hardware

Grundlegend muss man nicht auf viel achten, denn die Hardware der aktuellen Modelle unterscheidet sich nur in wenigen Punkten. In den meisten aktuellen Geräten ist als Speicher eine Solid State Disk (SSD) verbaut, die zwar meist mit nur 16 GB aufwartet, dafür jedoch wesentlich schneller als eine herkömmliche HDD oder auch Flash-Speicher arbeitet. Das klingt nach wenig Platz, jedoch sollen die Daten ja ohnehin in der Cloud liegen. In zwei Jahren hatte ich in punkto Platzbedarf mit der Begrenzung nie Probleme.

Dafür sollte man aber ein Auge auf den Arbeitsspeicher werfen. Am Rechner ist Chrome schon nicht gerade RAM-freundlich, das ändert sich auch am Chromebook nicht. Zwar habe ich das Gefühl, dass das das Browser-System im Chromebook mit vielen Tabs besser auskommt als bei einem herkömmlichen Computer. Doch unter 4 GB Arbeitsspeicher sind eine schlechte Wahl.

Die Energieversorgung ist hingegen kein Problem. Dank den oftmals rechenarmen Prozessoren wird die Akku-Kapazität hervorragend umgesetzt und liefert wesentlich mehr Laufzeit als bei Windows-Laptops in diesen Preisbereichen.

Die Maße entscheiden

Die wichtigste Frage ist daher, wie groß das Chromebook sein soll: Hierzulande gibt es Optionen von 11 bis 14 Zoll. Der kleinste Ableger ist das Acer Chromebook R 11 mit 11,6 Zoll Displaydiagonale, einem Intel Celeron N3150 und 4 GB RAM. Die Auflösung beträgt leider nur 1.366 x 768 Pixel, dafür ist der Bildschirm berührungsempfindlich und um 360 Grad umklappbar. So wird aus dem Laptop im Handumdrehen ein Tablet. Auf diese Weise kann Chrome OS nämlich auch bedient werden, nicht nur mit Maus und Tastatur. Preislich liegt das Gerät momentan bei rund 270 Euro.

Für alle Angelegenheiten gewappnet bist du mit dem Acer Chromebook 14. Auf 14 Zoll Diagonale kommen 1.920 x 1.080 Pixel zum Einsatz. Angetrieben wird es von einem Intel Celeron N3160 mit 4 GB Arbeitsspeicher und 32 GB Flash-Speicher. Der Bildschirm ist außerdem matt und macht daher auch bei Sonnenlicht eine gute Figur. Dafür lässt es sich auch rund 400 Euro kosten.

Ziemlich ähnlich ist auch das HP Chromebook 14 ausgerüstet. Es kommt mit einem matten 14-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung, einem Intel Core N2910 und 4 GB RAM. Je nach Händler kann das HP-Modell sogar etwas günstiger sein als das Acer-Pendant.

Sitzt der Geldbeutel dann doch lockerer, ist das HP Chromebook 13 G1 “the best bang for your buck”. Das 13,3-Zoll-Display löst mit ultrascharfen 3.200 x 1.800 Pixeln auf. Unter der Haube sind ein Intel Core m5-6Y57 und 8 GB RAM verbaut, der Flash-Speicher bietet für 32 GB Platz.

Die Macht von Android dank Play-Store-Support

Erst einige Zeit nach dem Start von Chrome OS sickerte in Foren durch, dass die Laptops möglicherweise sogar offizielle Unterstützung für den Play Store bekommen könnten. Zuvor war dies nur mit Aufwand durch einige Umwege einzurichten. Daher war Googles Entscheidung, den Play Store auch aufs Chromebook zu bringen, für die kleine Chromebook-Community ein willkommener Schritt.

Aber Achtung! Schließlich kann man hier auch ins Fettnäpfchen treten: Nicht jedes Notebook-Modell wird in der Liste der Auserwählten geführt. Bei den aktuellen Angeboten ist der Support für den Play Store allerdings gegeben.

Chrome-in-a-Box für Niedergelassene

Wer seinen Arbeitsplatz nicht so häufig ändert oder das Arbeiten an einem festen Ort sogar schätzt, dafür sein Budget noch niedriger ansetzen möchte, wird vielleicht mit einer Chrome Box glücklich. In kleinem Formfaktor gibt es die volle Kraft von Chrome OS, die nicht viel Platz auf dem Schreibtisch einnimmt. Eine Option wäre hier zum Beispiel die Asus Chromebox 2.

Chrome OS - Die besten Chromebooks
Image by Asus

Der Kauf von teureren Modellen von Asus, die zum Beispiel mit einem i7 ausgestattet sind, halte ich nicht für empfehlenswert. Die Möglichkeiten von Chrome OS werden sich auch mit mehr Rechenpower nicht erweitern, dafür reicht auch schon schwächere Hardware vollkommen aus. Wer jedoch soviel Geld für eine stationäre Arbeitsstation ausgeben möchte, wird sicherlich bei einem kompakten Office-PC mit Windows fündig. Bei dem Geld lohnt sich der Verzicht auf einige Funktionen schlichtweg nicht.

Am billigsten kommst du mit dem Chromebit weg. Der Asus-Stick für rund 130 Euro hat zwar lediglich eine ARM-CPU mit vier Kernen, 2 GB RAM und 16 GB SSD, dafür ist er aber auch mit Abstand die günstigste Variante. Wer nicht viel braucht, um seinen HDMI-Monitor damit zu befeuern, ist gut beraten.

Chrome OS kann fast alles – aber das hier nicht

Für die meisten Aufgaben am PC braucht es gar keine Desktop-Anwendungen, denn viele haben eine ganz passable Web-App. Meine Dokumente und meinen gesamten Office-Verkehr realisiere ich über das Angebot von Google Drive. Rechnungen schreibe ich mit Zervant, während ich dabei Musik über Spotify höre (gut, eine Offline-Funktion gibt es nicht, daher nur bei einer WLAN-Verbindung möglich). Selbst Webentwickler kommen mit CodeAnywhere auf ihre Kosten.

Doch genug davon, was alles geht – bei Bild-, Audio- oder gar Videobearbeitung fehlen die Apps im Web, daher sollte man bei diesen Aufgabenfeldern tatsächlich mehr Geld in die Hand nehmen und einen Windows-Laptop oder eben ein MacBook erwerben. Selbst einen benutzerfreundlichen FTP-Client konnte ich bislang nicht ausfindig machen. Wer aber nur rudimentäre Ansprüche hat, findet die bekannten Apps im Google Play Store. Wie ein vollwertiges Photoshop ist die Express-Variante allerdings nicht anzusehen.


Images by Asus, Acer, HP


About Jonathan Kemper
Jonathan Kemper studiert Technikjournalismus und schreibt News und Nonsens. Testet Telefone, greift Gitarrenhälse, praktiziert Pfadfindertum. Normalerweise nachtaktiv. Achtet auf Alliterationen.