Razer Phone: braucht es ein Gaming-Smartphone?

Wer erinnert sich noch an das Sony Xperia Play? Es trat 2011 an, um den Erfolg von Gaming-Handhelds wie dem Nintendo 3DS auch in den Smartphone-Markt zu verlängern. Nachhaltigen Erfolg hatte das nicht. Fast Forward zu 2017. Referenz für mobiles Gaming ist immer noch eine Konsole, die Nintendo Switch. Mal von dem Leuchtturm-Projekt des Nvidia Shield Tablet K1 abgesehen, konnte bisher kein Mobilgeräte-Hersteller das Thema besetzen. Jetzt wagt Razer, Spezialist für Gaming-Zubehör, einen weiteren Anlauf. Das Razer Phone ist ab heute erhältlich.

Noch ein Smartphone-Hersteller: Razer betritt ein neues Level

Razer, die Marke mit der grünen Schlange, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem mit Gaming-Hardware einen Namen gemacht. Insbesondere Twitch-Streamer scheinen kaum ohne die giftgrünen Kopfhörer auszukommen. Der Markt für Smartphones ist eigentlich schon übersättigt. Razer entmutigt das nicht. Anfang Januar 2017 hat Razer Nextbit gekauft, den Hersteller des Cloud-Smartphones Robin. Dementsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der amerikanische Hersteller für Gaming-Hardware auch diesem Geschäftsfeld annehmen würde.

Aber nun einmal zu ein paar klassischen W-Fragen: was kann das Teil und warum brauchen wir eigentlich ein Gaming-Smartphone, wieso nicht mit allen anderen Mobilgeräten gamen und was sind die Alternativen?

Design und Gehäuse

Ungewöhnlich ist beim Razer Phone bereits das XXL-Format mit 16:9-Seitenverhältnis, was sich ganz klar dem aktuellen Schönheitsideal von 18:9 wie bei Samsung, Huawei oder LG widersetzt. Das soll dem Zocker links und rechts genug Platz für die Hände lassen, um nicht allzu viel Fläche des Screens durch die Finger zu bedecken. Denn das Gamepad ist selbstverständlich heutzutage nicht physisch, sondern digital. Oben und unten am Rahmen befinden sich zudem zwei Lautsprecher, die für überraschend guten Sound sorgen sollen.

„Big is beautiful“ ist also die Devise beim Razer Phone – mit 157 x 77,5 x 7,8 mm und 197 Gramm gehört das Smartphone zur Schwergewichtsklasse, was in etwa vergleichbar mit dem iPhone 8 Plus ist. Der verbaute 5,7 Zoll große Igzo-Bildschirm ist zudem nicht nur groß, sondern dank QHD-Auflösung (2.560 x 1.440 Pixel) auch gestochen scharf. Das von Sharp produzierte Display unterstützt zudem eine Bildfrequenz von bis zu 120 Hertz. Dadurch erscheint die Grafikdarstellung butterweich.

Gamer werden die inneren Werte lieben

Wenn ein Smartphone wie das Razer Phone auf Gaming ausgelegt sein soll, sollte es auch allen Anforderungen entsprechen, die Gamer so haben – glasklarer Sound und viel Speicher zum Beispiel.

Atmos kennt man eher aus dem Kino, aber auch das Razer Phone ist mit filmreifer Dolby Atmos-Technologie ausgestattet. Den Sound geben die beiden Front-Lautsprecher mit Dual-Verstärkern aus. Mittels eines THX-zertifizierten USB-C Audio-Adapters mit 24-bit Digital Audio Converter garantiert der Hersteller erstklassigen Sound auch mit jedem beliebigen Kopfhörer.

Ein großer Nachteil von Smartphone-Games mit hochwertiger Grafik und Sound ist natürlich deren Dateigröße. Deswegen verfügt das Razer Phone über einen 64 GB Flashspeicher. Eigentlich viel für ein reguläres Smartphone, für ein Gaming-Spezifisches dann aber doch recht wenig. Der Flash-Speicher kann aber selbstverständlich per Micro-SD-Karte erweitert werden.

Hingegen der Arbeitsspeicher ist äußerst üppig ausgestattet. 8 Gigabyte RAM bietet derzeit kein anderes namhaftes Smartphone. Als Betriebssystem läuft auf dem Razer Phone jedoch zu Beginn noch das nicht mehr aktuelle Android 7.1.1. Immerhin soll ein Update auf Android 8 bereits Anfang 2018 folgen.

Razer Phone
Image by Razer

Was bei langen Game-Sessions als erstes zu Problemen führen wird, sind erstens die Akkulaufzeit und zweitens die Gehäusetemperatur. Der Akku des Razer Phone hat eine Kapazität von 4.000 mAh und verfügt damit über eine der größeren Speicherzellen in der Smartphone-Landschaft. Das Aufheizen soll das gute Energie-Management im Top-Prozessor Snapdragon 835 verhindern.

Fotografieren statt gamen

Smartphones müssen mehr können als nur eine Sache. Daher konzentriert sich das Razer Phone nicht nur aufs Gaming, sondern ist auch mit guter Foto-Technik ausgestattet. Auf der Rückseite des Geräts ist eine Dual-Kamera verbaut. Diese besteht aus einem Weitwinkel- und einem Teleobjektiv mit je 12 Megapixel. Allerdings fehlen der zugehörigen Kamera-App zum Verkaufsstart noch der HDR- und der Porträt-Modus, die Razer mit einem Update aber nachliefern will.

Fazit: Das Razer Phone ist gut, aber nicht alternativlos

Gaming wird ein immer größeres Thema auf dem Smartphone-Markt. Man zockt mobil. Und zwar nicht nur noch Casual-Titel, sondern auch auch Vollpreis-Titel. Der neueste Teil der Professor Layton-Reihe ist ein gutes Beispiel für dafür.

Braucht es deswegen ein Gaming-Spezifisches Smartphone? Jein, denn obwohl Razer es so vermarktet, sind die inneren Werte des Smartphone nicht nur fürs Mobile Gaming gut, sondern kann man mit der 4.000 mAh Akku-Kapazität auch großartig stundenlang Full-HD-Filme auf langweiligen Autofahrten schauen. Die Hardware macht das Razer Phone ohne Frage zu einem hervorragenden Smartphone. Aber die auf dem Markt erhältlichen High-End-Smartphones lassen in dieser Hinsicht auch nichts vermissen.

Von der hohen Bildwiederholungsrate abgesehen, sind Wettbewerber wie das Google Pixel 2 XL, das Galaxy Note 8 oder das LG V30 genauso leistungsstark. Im direkten Vergleich zwischen Razer Phone und Google Pixel 2 XL schneidet das Google-Gerät sogar besser ab. Im ganz großen Bild bringt Razer daher nichts, was den Smartphone-Markt auf den Kopf stellt. Vom Erfolg des Razer Phone wird daher abhängen, wie gut der Hersteller seine Kernzielgruppe mobilisieren kann.

Das Razer Phone ist ab heute für 750 Euro im Razer Online-Shop verfügbar.


Images by Razer


About Lisa Kneidl
hat in Erlangen ihren Bachelor in Medienwissenschaft gemacht. Der Norden hat gerufen und somit ist sie jetzt in Hamburg bei den Netzpiloten gelandet.