BQ Aquaris V im Test: Pures Android zum günstigen Preis

Der spanische Hersteller BQ hat mit dem BQ Aquaris V im September einen neuen Stier vorgestellt, der durch die Mittelklasse-Straßen getrieben wird. Vor allem mit einem günstigen Preis und schnellen Software-Updates soll das Smartphone punkten. Doch auch dem stilsicheren Android-Nutzer durch ein schickes Äußeres gefallen. Im Test zeigt sich, für wen das 200-Euro-Smartphone geeignet ist.

Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal ein BQ-Smartphone testen sollte, hatte ich noch nicht viel von dem Underdog gehört. Er hat sich gerade erst auf den Smartphone-Markt gewagt und trat mit einem kleinen Portfolio an. Inzwischen sieht das ganz anders aus. Es gibt die X-Reihe mit den „Highend“-Modellen bis zu einer UVP von 350 Euro, die U-Reihe für Einsteiger ab 180 Euro und die V-Reihe ab 220 Euro für… ja, für wen eigentlich? Ein echtes Hammer-Argument scheinen die Spanier mit dem BQ Aquaris V nicht zu liefern.

Gespaltene Gefühle beim Gehäuse

Äußerlich hebt sich das Aquaris V aus dem Angebot von BQ nicht ab: Man hat sich offenbar auf abgerundete Ecken und kapazitive Buttons am unteren Ende geeinigt. Kleiner Funfact am Rande: Das BQ-Logo stellt die fünf Fingerabdrücke einer Hand dar und fungiert hier als Homebutton. Links ist der übliche Zurück-Knopf. Mit dem rechten Punkt bedient man den Taskmanager. “Zuverlässig” ist jedoch leider nicht das Attribut, das ich den Buttons zuschreiben würde. Verfehlt man die unsichtbaren, kapazitiven Bereiche, passiert überhaupt nichts. Hin und wieder ist wohl auch ein Software-Hänger für eine fehlende Reaktion verantwortlich.

BQ Aquaris V
Image by Mika Baumeister

Die Rückseite erinnert auf den ersten Blick an die Designsprache von HTC bis zum HTC 10. Die markanten Linien fungieren jedoch nicht als Antennen für den Aluminium-Unibody. Es handelt sich dabei schlichtweg um Lücken. Und die sind nicht gerade klein, sondern stechen merklich heraus. Vor allem, wenn ihr mit dem Finger darüber streicht. Auf die Idee, dadurch sei vielleicht der Akku herausnehmbar, solltet ihr aber nicht kommen. Leider lässt sich das Gehäuse nicht öffnen. Ebenfalls haptisch unglücklich gelungen ist die hervorstehende Kamera, die etwa einen Millimeter aus dem Gehäuse herausragt. Das könnte der Grund sein, warum mir unbemerkt während des kurzen Testzeitraums das Deckglas der Kamera vollständig zersplittert ist.

Aktuelle Software und reinstes Android

BQ ist ein Vorzeigehersteller, wenn es um die Aktualität der Software geht. Dementsprechend ist beim BQ Aquaris V auch die neueste Version von Android 7 Nougat installiert, samt dem monatlichen Google-Security-Bulletin aus September 2017. In anderen Fällen ist die Android-Version ist bei niedrigpreisigen Smartphones gefühlt aus dem vorletzten Jahrhundert. Daher zählt die Aufmerksamkeit BQs an dieser Stelle doppelt. Genauso kassiert das BQ Aquaris V Pluspunkte für die originale Android-Oberfläche. Dass BQ sich keine Mühe macht, eine eigene UI zu erstellen, wirkt sich positiv auf die Performance und das Aussehen aus. Nicht zuletzt deswegen kann die Software so aktuell sein.

Ein Update auf Android 8.0 Oreo ist im Übrigen schon angekündigt, ein genaues Datum fehlt jedoch. Bis September 2019 verspricht BQ allerdings, noch aktuelle Sicherheitsupdates zu liefern.

BQ Aquaris V
Image by Mika Baumeister

Auch bei den vorinstallierten Apps, auch Bloatware genannt, hält man sich zurück. Lediglich die “BQ Plus”-Anwendung ist ab Werk auf dem Speicher zu finden, die zur fünfjährigen Garantie des Herstellers weiterleitet. Mit BQ Plus ist ein Schadensfall im Jahr außerdem gedeckelt, wozu auch ein Displayriss oder Raub gehören. Laut Website werden für das hier getestete BQ Aquaris V mit 3 GB RAM und 32 GB Speicher rund 50 Euro im Jahr fällig.

Beim Start der App wird mir jedoch erklärt, dass ich die “Anforderungen nicht mehr erfüllen” würde. Möglicherweise funktioniert das also nur innerhalb der ersten paar Tage nach Aktivierung oder ist für Testgeräte grundsätzlich gesperrt, ein Hinweis darauf ist aber weder in der ansonsten inhaltsleeren App noch auf der Webseite zu finden.

BQ Aquaris V
Image by Mika Baumeister

Schwacher Chip von Qualcomm – aber einer der Neuesten

Das BQ Aquaris V ist für seinen Preis mit ausreichend guter Hardware ausgestattet. Als Basis der Power sorgt der Qualcomm Snapdragon 435 mit acht Kernen bei bis zu 1,4 GHz für eine halbwegs runde Performance. Unterstützt wird dieser von 3 GB Arbeitsspeicher. Der interne Speicher misst 32 GB, was den anderen Spezifikationen gegenüber fair erscheint. Die um 30 Euro günstigere Variante wartet mit 2 und 16 GB auf. Allgemein funktioniert die Oberfläche recht flüssig. Bei grafisch aufwendigeren Spielen wird der kurze Atem jedoch deutlich. Asphalt 8 ist zwar spielbar, ruckelt aber spürbar. Der verbaute Snapdragon 435 ist zwar der aktuellste und leistungsstärkste Prozessor der 4xx-Familie, die für das untere Ende von Qualcomms Chip-Lineup steht. Dennoch gibt es klare Leistungseinschränkungen.

Das Display des BQ Aquaris V hat eine Diagonale von 5,2 Zoll und löst mit nur 1.280 x 720 Pixeln auf. Aufgefallen ist mir das aber im Alltagseinsatz nicht. Schon bei älteren Modellen ist mir BQ mit einer guten Bildschirmleistung in Erinnerung geblieben. Die Farben wirken lebhaft und die Helligkeit ist auch unter der Sonne noch ausreichend. Geschützt wird das Display von sogenanntem “Dinorex”-Glas, einer Alternative zu Cornings Gorilla Glass. Vor wenigen, feinen Kratzern konnte es das BQ Aquaris V trotzdem nicht bewahren.

BQ Aquaris V: Über den Tag kommen nur Gelegenheits-Nutzer

Der Akku sollte mit 3.100 mAh Kapazität in Kombination mit dem Low-End-Prozessor eigentlich locker für einen Tag ausreichen. Das hat sich bei mir im Test aber leider nicht bewahrheitet. Nach einem normalen Uni-Tag musste ich gegen Abend stets Ausschau nach einer Steckdose halten oder eine Powerbank im Gepäck führen. Immerhin ist der Akku schnell wieder voll, da Qualcomms Quick Charge in Version 3.0 unterstützt wird. Dafür wird jedoch ein entsprechender Ladestecker vorausgesetzt, der glücklicherweise mitgeliefert wird. Am Smartphone ist noch der veraltete Micro-USB-Port verbaut. 

Bei der Bewertung der Kamera des BQ Aquaris V bin ich etwas zwiegespalten. Unter guten Lichtverhältnissen schießt die 12-Megapixel-Knipse von Sony (IMX386) mit f/2.0-Blende im Freien ansehnliche Bilder. Bei Bewegungen oder innerhalb von vier Wänden konnte ich keine besonders guten Ergebnisse erzielen. Der gleiche Bildsensor kommt unter anderem auch in höherpreisigen Geräten aus China zum Einsatz. Dort werden allerdings bessere Ergebnisse erzielt. Vielleicht muss BQ noch ein wenig an der Software feilen, um die Qualität in schlecht beleuchteten Umgebungen ein wenig zu verbessern. Auf der Rückseite wie auf der Front sind jeweils ein LED-Blitz verbaut, der auch Schnappschüsse bei Nacht ermöglicht. Zumindest solange die Qualität der erzeugten Bildnisse nicht besonders hoch sein muss.  

BQ Aquaris V
Image by Mika Baumeister

Fazit: Kamera und Software bringen Pluspunkte

Ein umfassendes Fazit zu einem Smartphone zu ziehen, ist auch mit einiger Erfahrung immer wieder eine dornige Chance. Angesichts der unverbindlichen Preisempfehlung von 250 Euro, die für das 3/32-Gigabyte-Modell des BQ Aquaris V fällig werden, würde ich jedoch von dem Gerät abraten. Dafür stimmt in meinen Augen das Gesamtpaket einfach nicht. Die Leistung ist am Minimum, der Akku überzeugt mich auch nicht. Nur die Software und in Teilen die Kamera können Argumente auf der Pro-Seite sammeln. Wenn euch also Updates und gute Fotos am Tage besonders wichtig sind, und ihr mit den haptischen Auffälligkeiten zurechtkommt, könnt ihr im Deal zugreifen. Sucht ihr hingegen einen verlässlichen Begleiter im Alltag, der alle Aufgaben hervorragend beherrscht, ist es nicht das richtige Smartphone. Bei Amazon könnt ihr das BQ Aquaris V ab 249 Euro in Schwarz oder Weiß kaufen.

Als Alternative würde ich ein Huawei P10 Lite empfehlen, das günstiger angesiedelt ist und trotzdem ein besseres Display und mehr Power bietet. Allerdings müsst ihr Fan der Huawei-Oberfläche EMUI sein und euch auf längere Wartezeiten bei Android-Updates einstellen.

Wesentlich günstiger kommt ihr mit dem Motorola Moto G5 weg, bei dem ihr auf flotte Aktualisierungen vertrauen könnt. Das Display ist je nach Version ein Stück kleiner, der Preis aber auch. Wenn ihr etwas mehr Geld ausgeben wollt, könnt ihr das nächsthöhere Modell von BQ, das Aquaris X, in Betracht ziehen. Es hat der Kollegin Anne im Test gut gefallen.


Images by Mika Baumeister


About Jonathan Kemper
Jonathan Kemper studiert Technikjournalismus und schreibt News und Nonsens. Testet Telefone, greift Gitarrenhälse, praktiziert Pfadfindertum. Normalerweise nachtaktiv. Achtet auf Alliterationen.