HTC U11 life im Test: Flinkes Mittelklasse-Telefon im Premium-Gewand

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft hat der taiwanische Smartphone-Hersteller HTC mit dem HTC U11 life ein schickes Mittelklasse-Gerät vorgestellt, das vor allem designbewusste Kunden ansprechen soll. Denn das erste hierzulande verfügbare Mobiltelefon mit Android One kommt mit der DNA der Premium-U-Serie daher, kostet allerdings unter 350 Euro. Nachdem ich vor einer Weile meine ersten Eindrücke geschildert habe, verrate ich euch hier meine Erfahrungen vom ausgiebigen Test.

Geschrumpftes HTC U11 mit Acrylgehäuse

Bereits von außen zeigt sich die Ähnlichkeit zum aktuellen Boliden HTC U11. Die Rückseite besteht aus Glas. Allerdings handelt es sich dabei um preiswertes Acrylglas, das etwas billiger wirkt als beim großen Bruder. Zudem ist es deutlich kratzempfindlicher und zieht Fingerabdrücke an. Wenn man das U11 life in den Händen hält, dann klebt es förmlich an selbigen. Die Griffigkeit ist also selbst mit schwitzigen Handflächen sehr gut. Falls es doch einmal zu Boden fällt – keine Panik. Denn das Smartphone ist nach IP67 sowohl staub- als auch wasserdicht.

Mit Maßen von 149 x 73 x 81 Millimetern bewegt sich das Mittelklassegerät selbstverständlich unterhalb des U11, bietet allerdings ähnliche Dimensionen wie das Vorjahresflaggschiff HTC 10. Das Gewicht beträgt angenehme 142 Gramm – ein echter Top-Wert. Trotzdem integriert der Hersteller alle nötigen Schnittstellen. Von der Seite auf den Kopf ist der Slot für microSD- und SIM-Karte gewandert. Nebenan befindet sich ein Mikrofon.

HTC U11 life
Die Rückseite des HTC U11 life besteht aus Acrylglas. Image by Jonas Haller

Auf der Unterseite beherbergt das U11 life ein Mikrofon sowie Mono-Lautsprecher und USB-C Anschluss – wobei letztere im Vergleich zum großen Bruder die Positionen getauscht haben. Rechts befindet sich die Lautstärke-Wippe sowie der Power-Button. Beide besitzen einen guten Druckpunkt. Apropos Druck: Darunter befindet sich der drucksensitive Bereich des Rahmens. Dazu später mehr.

Energiesparendes FullHD-Display mit guter Darstellungsqualität

Auf der Front ziert das HTC U11 life ein 5,2 Zoll großes LC-Display mit FullHD-Auflösung. Es ist in Sachen Schärfe für den Alltag mehr als ausreichend und bietet eine gute Helligkeit. Selbst bei starker Lichteinstrahlung lassen sich Inhalte gut ablesen. Die Farben sind lebensecht und anders als bei AMOLED-Panels gibt es keine Farbverfremdungen.

Unter der Haube steckt mit dem Snapdragon 630 einer der neuesten Mittelklasse-Prozessoren von Qualcomm. Seine acht Kerne takten mit 2,2 GHz, für Grafikanwendungen steht die Adreno 508 Grafikeinheit zur Seite. Mithilfe der im Testgerät verbauten 4 GB Arbeitsspeicher erreichte das HTC U11 life im Geekbench 4 Multi-Core-Test einen guten Wert von 4176 Punkten und liegt damit im Bereich der letztjährigen Flaggschiffe Samsung Galaxy S7 und HTC 10.

HTC U11 life
Unterhalb des Displays befinden sich Fingerabdrucksensor und zwei kapazitive Buttons. Image by Jonas Haller

Apps und Daten können auf einem 64 GB großen internen Speicher abgelegt werden. Der Benchmark-Test mit A1 SD Bench offenbarte sehr gute Schreib- und Lesewerte (Read: 152 MB/s, Write: 127 MB/s). Per microSDXC-Karte lässt sich der Platz um bis zu 2 TB erweitern. Wie für Android-Telefone üblich gibt es zudem kostenfreien Cloud-Speicher über Google Drive.

Kamera des HTC U11 life schießt bei gutem Licht scharfe Fotos

Anders als beim großen Bruder kommt im U11 life keine Ultrapixel-Kamera zum Einsatz. Das Modul im Mittelklasse-Gerät löst mit 16 Megapixel auf und besitzt eine f/2.0-Blende. Vor allem bei guten Lichtbedingungen braucht sich die Knipse nicht vor den Mitbewerbern zu verstecken. Die Aufnahmen sind scharf und kontrastreich. Erst bei schummrigen Licht fällt die Qualität ab und deutliches Bildrauschen wird sichtbar. Da kann dann auch der vorinstallierte HDR-Boost-Modus nichts mehr ausrichten. Videos nimmt das Modul in 4K auf. Stark gecropte Zeitlupen-Clips landen mit 120 fps in HD-Auflösung auf den Speicher.

Selfie-Fans können auf eine ebenfalls 16 Megapixel auflösende Frontkamera zugreifen. Neben einem Beauty-Modus, der das Gesicht weichzeichnet und so Hautunreinheiten entfernt, bietet die Kamera-Software einen HDR-Modus. Ähnlich des Hauptmoduls gibt es bei Sonnenlicht wenig zu meckern. Bei schlechten Lichtbedingungen sackt die Qualität allerdings drastisch ab. Bewegtbilder zeichnet das HTC U11 life in FullHD-Auflösung auf.

Gestartet werden kann die App nicht nur per Fingertipp, sondern auch durch Drücken des Rahmens. HTC spendiert dem U11 life nämlich den drucksensitiven Rahmen Edge Sense. In der Standardkonfiguration öffnet sich nur einen kurzen “Händedruck” die Kamera-Anwendung. Ein längeres Drücken öffnet den Google Assistenten. Per App lassen sich Shortcuts zu allen erdenklichen Apps und Funktionen setzen. Ein echt cleveres Feature. Einziger Wermutstropfen: Durch die kompakten Abmaße verringert sich die drucksensitive Fläche. Im Test landeten die Finger auch mal auf dem Power-Button.

Mono-Lautsprecher bietet plärrigen Sound

Den Rotstift hat HTC unter anderem beim Lautsprecher angesetzt. Unter der Haube steckt nicht das aus dem U11 bekannte BoomSound-System, sondern ein einfacher Mono-Speaker. Der bietet wie auch die Mitbewerber nur eine durchschnittliche Klangqualität und überzeichnet die Höhen deutlich. Für das kurze Youtube-Video zwischendurch reicht das jedoch allemal.

HTC U11 life
Auf der Unterseite des HTC U11 life befindet sich der Monospeaker. Image by Jonas Haller

Erfreulich ist, dass der taiwanische Hersteller dem U11 life die hochwertigen In-Ear-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung beilegt. Statt per Klinkenanschluss, nimmt das Lauscherpaar per USB-C Kontakt zum Handy auf. Der digitale Übertragungsweg ermöglicht die Anpassung des Sounds auf die Ohrgeometrie. Per Ultraschall misst die Software den Gehörgang aus und variiert tiefe und hohe Frequenzen. Das funktionierte im Test tadellos und verbesserte das Hörvergnügen hörbar.

Android One glänzt durch Performance und Updatefreundlichkeit

Das HTC U11 life ist eines der ersten Telefone, das mit Googles ressourcenschonendem Android One ausgestattet ist. Es basiert auf der neuesten Distribution 8.0 Oreo und wirkt daher in Sachen Benutzeroberfläche wie das bekannte Stock-Android. Auf HTC Sense müssen Interessenten also verzichten. Dafür gibt’s ein flüssiges Nutzungserlebnis mit schicken Animationen und langer Akkulaufzeit. Das 2.600 mAh leistende Modul versorgt das Smartphone problemlos 2 Tage mit Strom.

Ein weiterer Vorteil des Google-eigenen Betriebssystem ohne Anpassungen des Hardwareherstellers: Updates landen innerhalb weniger Tage auf dem Gerät. Das gilt natürlich in erster Linie für die monatlichen Sicherheitsupdates. Im Test stand das November-Patch bereits Mitte des Monats zur Verfügung. Viel schneller wird auch das Google Pixel nicht bedient. Neben den essentiellen Sicherheitsaktualisierungen verspricht der Softwarelieferant zwei Jahre Funktionsupdates.

Screenshots Android Oreo HTC U11 life
Das HTC U11 life wird mit Android One in Version 8.0 Oreo ausgeliefert. Screenshots by Jonas Haller

Fazit HTC U11 life: Abgespecktes U11 mit solider Hardware und flüssigem Nutzungserlebnis

HTC hat mit dem U11 life ein schickes Mittelklasse-Telefon auf die Beine gestellt. Denn dank aktueller Hard- und Software erhält der Käufer ein Android-Smartphone auf der Höhe der Zeit mit cleveren Features wie Edge Sense, HTC USonic, frontseitigem Fingerabdrucksensor und RAW-Fotomodus. Zudem sorgen der flotte Snapdragon-Prozessor und das reine Android-One-Betriebssystem für eine flüssige Bedienung. Auch unter dem Sicherheitsaspekt ist das U11 life dank schneller Update-Versorgung für die Zukunft gewappnet.

Natürlich gibt es auch zu kritisierende Punkte. Beispielsweise die Bildqualität der Aufnahmen fällt bei schlechten Lichtbedingungen schnell ab. Außerdem bietet der Mono-Speaker plärrigen Sound. Und schließlich dürfte das gläserne Gehäuse mit seinem Hang zu Fingerabdrücken nicht jedermanns Geschmack sein. Zusammengefasst ist das HTC U11 life jedoch für eine unverbindliche Preisempfehlung von 349 Euro (getestete Online-Version 379 Euro) ein attraktives Mittelklasse-Gerät. Wer also auf der Suche nach einem schicken Android-Smartphone mit solider Hardware ist und dafür keine 600 Euro ausgeben will, sollte sich das Mobiltelefon einmal näher anschauen.


Images & Screenshots by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.