Alcatel Idol 5 im Test: Schnelles Design-Smartphone für unter 300 Euro

Die Nachweihnachtszeit bringt neben der alljährlichen Umtauschwelle auch den einen oder anderen Schein, der in ein neues Smartphone angelegt werden will. Wer dabei für ein ordentliches Mittelklasse-Telefon nicht zu tief in die Tasche greifen will, sollte das Alcatel Idol 5 ins Auge fassen. Der chinesische Mobilgerätehersteller TCL, der den Markennamen Alcatel weiterführt, hat hier ganze Arbeit geleistet, um für kleines Geld ein ordentliches Stück moderne Technik auf den Markt zu bringen. Das Smartphone, das bereits seit September erhältlich ist, will es mit seinem Idol 5 den High-End-Telefonen der Konkurrenz von Apple oder Samsung aufnehmen. Große Töne oder große Leistung? Wir haben es auf Herz und Nieren geprüft.

Design: Elegant und hochwertig

Das Idol 5 liegt trotz seiner Größe von immerhin 5,2 Zoll (Gehäusemaße 148 x 73 x 7,5 mm) angenehm in der Hand. Durch sein hochwertig verarbeitetes Alu-Gehäuse sieht es nicht nur sehr elegant aus, sondern dürfte auch durchaus stabil sein. Das mattsilberne Gehäuse erweist sich im Alltagstest als relativ kratzsicher. Erst nach intensiverer Nutzung zeichnen sich die ersten leichten Schleifspuren an der Rückseite ab. Mit einem Gewicht von 155 Gramm ist das Alcatel Idol 5 zudem leichter als erwartet.

Das Display wird von einer Glasfront geschützt, die an den Rändern abgerundet ist. Mit diesem simplen Kniff wirkt das Idol sogar noch hochwertiger. Am rechten Rand befindet sich sowohl der Powerknopf im schicken Rasterdesign als auch die Lautstärkewippe. Auf der linken Seite findet die SIM-Karte und eine Micro-SD-Speicherkarte beliebiger Größe im Gehäuse Platz. Wieso die Wahl für den 3,5 mm-Klinkeneingang für Kopfhörer ausgerechnet auf die obere Geräteseite gefallen ist, erschließt sich hingegen nicht ganz. Nicht jede Smartphone-Tasche ist hierfür geeignet. Der Stromanschluss (USB-C) ist an der unteren Seite angebracht, außerdem ist dort der Lautsprecher platzierrt. Die mittlerweile standardmäßig eingebaute Selfie-Kamera vorne und eine Kamera auf der Rückseite warten auf ihren Einsatz.

Weiterhin bietet das Alcatel Idol 5 die Möglichkeit, es mit einem Fingerabdruck zu entsperren. Das entsprechende Feld dazu befindet sich auf der Rückseite und ist bequem bei normaler Handhaltung und ohne Umgreifen zu erreichen. Die Fingerabdruckerkennung funktioniert absolut zuverlässig und geht allemal schneller, als mit einer zweiten Hand den PIN einzugeben.

Display: Hinschauen und genießen

Die Vorderseite des Alcatel Idol 5 wird mit dem widerstandsfähigen Dragontrail-Glass komplettiert. Das Display lässt auch sonst (fast) keine Wünsche offen: Das Display selbst ist mit einer Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln und 423 ppi angenehm scharf und hell. Außerdem bedeckt die Glasfront den Bildschirm vollständig. Durch diese Designentscheidung verzichtet Alcatel auf einen physischen Button an der Unterseite des Displays. Die entsprechenden Befehle, die normalerweise durch den Button gesteuert wurden, übernimmt nun ein Balken mit entsprechenden Pfeilen, der sich wegschieben und wieder herholen lässt. Diese Geste ist zu Beginn etwas ungewohnt. Das Display reagiert dafür sehr genau und auch bei leichten Berührungen.

Trotz der Glasfront haben die Designer bei Alcatel dem Idol 5 keinen Fullscreen-Modus spendiert, sondern auf jeder Seite einen ca 0,5 Zentimeter breiten Rand gelassen. Das Seherlebnis stört dies nicht weiter, dennoch ist es schade, dass der zunächst gute optische Eindruck hier gestört wird.

Für abendliches Surfen lässt sich der Bildschirm mit dem Nachtmodus sogar auf wärmere Farben umstellen. Auf Hochpreis-Geräten wie dem iPhone 8 Plus ist das längst Standard. Für ein Smartphone der Mittelklasse ist das keineswegs selbstverständlich – bisher kannte ich diese Funktion nur von E-Book-Readern. Allerdings funktioniert die sanfte Variante der Beleuchtung nicht bei Streamingapps wie beispielsweise Netflix. Hier läuft dann nur eine Tonspur mit Untertiteln, ohne, dass dies zuvor irgendwo angezeigt wird.

Wer sich das zeitgleich veröffentlichte Modell Idol 5s gesehen hat, dürfte zudem etwas neidisch auf das Feature der beidseitigen Lautsprecher und den bereits seit dem Idol 3 bekannten drehbaren Bildschirm sein – technisch wäre dieses Feature hier sicherlich auch möglich gewesen.

Technik, die begeistert? Das steckt unter der Haube

Das Idol 5 sorgt mit einem stabilen Vierkernprozessor (4 x 1,3 Ghz) und 16 Gigabyte internem Speicher auf den ersten Blick für eine absolut zufriedenstellende Performance. Selbst softwareintensivere Apps oder Games wuppt das Idol 5 problemlos, ohne ins Stocken zu geraten oder festzufrieren. Das freut den Heavy User.

Das Idol 5 wird mit dem nicht mehr taufrischen Android 7.1 ausgeliefert. Ob ein Update auf Android 8 kommt, ist unklar. Ein weiteres Manko: Auf dem Gerät sind auffällig viele vorinstallierte Service-Apps zu finden. Wie so oft bei Android-Smartphones kann man auch beim Idol 5 wieder nur einen Bruchteil davon deinstallieren oder deaktivieren. Schade um den Speicherplatz!

Eine weitere Innovation bietet der sogenannte Now Key. Im Prinzip handelt es sich hierbei um eine virtuelle Taste, die permanent auf der Smartphone-Oberfläche liegt und Shortcuts zu anderen Funktionen wie Telefonbuch, Kamera und Ähnlichem anbietet. Aktiviert man den Now Key, erscheint ein Auswahlrad mit den entsprechenden Funktionen. Dabei sind die Tasten frei belegbar, außerdem kann man den Now Key auch zur Seite befördern oder sogar ganz abschalten, wenn man lieber freie Sicht auf den Display genießen will.

Alcatel Idol 5 Menü Startbild (Image by Anne Jerratsch)
Drehbares Menü durch den Now Key. Image by Anne Jerratsch

So praktisch die Idee auch ist – wirklich genutzt habe ich den Now Key in meinem Test nicht. Ich kam schlicht nicht auf die Idee, die vermeintliche Abkürzung zu nutzen. Stattdessen war ich auch mit den herkömmlichen Pfaden und meiner gewohnten Homescreen-Aufteilung meist genauso schnell am Ziel.

Eine weitere Idee, die Alcatel hier erstmals anbietet, ist die sogenannte App-Klonung. Mit ihr lassen sich Social-Media-Anwendungen duplizieren, sodass man mehrere Accounts zugleich bedienen kann. Das könnte sich gerade als Zweittelefon oder für ausgesprochene Social-Media-Freunde als sinnvoll erweisen.

Kamera: Features und Tageslicht yay, Nachtbeleuchtung nay

Die beiden Kamera-Augen des Idol 5 befinden sich im soliden Mittelfeld. Die Selfie-Kamera kann mit nur 5 Megapixel nicht sonderlich beeindrucken, auch die mäßige Filterfunktion lässt den verwöhnten Nutzer nicht gerade Bauklötze staunen. Dafür macht die Frontkamera etwas mehr Spaß: Mit 13 Megapixeln liefert sie bei Tageslicht durchaus ordentliche Ergebnisse – zumindest, solange man nicht den digitalen Zoom betätigt (was man aber ohnehin besser bleiben lässt).

Sobald das Tageslicht nachlässt, produziert das Idol 5 dann leider fast nur noch matschige Bilder – hier kann weder die standardmäßige Nachteinstellung oder der endlich mal praktisch angelegte Belichtungsmesser noch etwas retten. Außerdem verwackeln eilig geschossene Aufnahmen und Selfies viel zu schnell. Dafür sind die Videofunktionen mit Zeitraffer sowie die Panorama-Einstellung und die Sofortcollage-Option recht spaßig. Hier kann man leicht und schnell kleine Kunstwerke designen, ohne sich um eine zusätzliche App bemühen zu müssen.

Alcatel Idol 5 Kamera (Image by Anne Jerratsch)
Hauptkamera des Alcatel Idol 5. Image by Anne Jerratsch

Sound: Blechbüchse aufgehübscht

Bei der Soundqualität des Idol 5 hat Alcatel ganz eindeutig den Rotstift angesetzt. Beim Test erging es mir ähnlich wie meiner Kollegin Mrzik beim Check des Archos Diamond Alpha: Erstaunt musste ich feststellen, dass die beiden angeblichen Lautsprecher-Ausgänge, die symmetrisch an der Unterseite des Idol 5 prangen, mitnichten für einen Stereosound sorgen. Vielmehr dient eines der beiden gefrästen Lochbleche als Mikrofoneingang für Telefonate, der Sound dröhnt nur aus der anderen Seite. Und hier darf man Dröhnen gerne wörtlich nehmen, denn die Soundqualität der abgespielten Medien ist alles andere als zufriedenstellend. Es scheppert und klirrt aus den Boxen, so dass auch gestreamte Videos fast nur mit Kopfhörern zu ertragen sind.

Aufladen: Gut Ding will Weile haben

Außerdem wird auch beim Akku wird etwas Wohlwollen benötigt. In Zeiten von kabelloser Sofortladung maßt sich das Idol 5 eine vergleichsweise langsame Ladezeit an. Ein voller Ladezyklus des 2.800 mAh-Akkus kann hier schonmal bis zu vier Stunden dauern. Für so manchen Nutzer wäre das bereits ein Totschlagargument, sich das Alcatel Idol 5 nicht zuzulegen. Doch dafür hält der Akku erfreulich lange durch. Bis zu zwei Tage, im Standby sogar beinahe eine ganze Arbeitswoche, tut das Idol 5 seinen Dienst. Natürlich zerren hier vor allem WLAN und betreuungsintensive Apps an den Ressourcen, was den Zyklus entsprechend verkürzen dürfte.

Test-Fazit Alcatel Idol 5

Das Idol 5 von Alcatel ist ein insgesamt hochwertiges Smartphone, das gute Leistungen vollbringt. Im Vergleich zum Vorgänger sind Hardware und Betriebssystem besser aufeinander abgestimmt und bieten eine schnellere Performance. Schick ist der fünfte Ableger der Idol-Serie wie eh und je. Der Sound hat jedoch etwas gelitten.

So manche Spielerei macht es zu etwas Besonderem, beispielsweise der Now Key oder die Foto-Features. Allerdings können diese auch recht schnell nerven, wenn man das Handling nicht gewohnt ist.

Leider ist die Kamera eher schwach auf der Brust. Dafür, dass Alcatel das Idol 5 als „Social Media-Smartphone“ beworben hat und auch viele Video- und Fotofeatures anbietet, müsste hier eigentlich mehr drin sein. Für Influencer dürfte das Idol 5 wohl kaum ausreichen. Als gutes Mittelklasse-Smartphone mit ausreichender Akkulaufzeit und schnellem Prozessor sowie einigen interessanten Extras macht das Idol 5 jedoch einen insgesamt guten Eindruck. Das Alcatel Idol 5 ist für derzeit etwa 250 Euro im Handel erhältlich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Netzpiloten.


Images by Anne Jerratsch


About Anne Jerratsch
ist freischaffende Autorin und Redakteurin bei den Netzpiloten und den Hello-Magazinen. Sie hat zeitgenössische und mittelalterliche Geschichte sowie Anglistik und Amerikanistik studiert und arbeitet, seit das erste Modem ins Elternhaus einzog, an irgendwas mit Medien. Sie bloggt und twittert als @keksmadam, mag und macht Podcasts und wirkt bei der nichtkommerziellen Hörspielvereinigung Die Neuvertonung mit.