Magenta VR: Video-App für Mobile Virtual Reality ausprobiert

Die Technik für Mobile Virtual Reality ist längst da. Doch während es an Hardware nicht mangelt, ist eine breite Auswahl an hochwertigen Inhalte immer noch Mangelware. Mit der Deutschen Telekom möchte nun ein Schwergewicht Bewegung in den Markt bringen. Unabhängig vom Mobilfunkanbieter bietet die Telekom produzierte Smartphone-App Magenta VR kostenlosen Zugriff auf eine wachsende Zahl von VR-fähigen 360-Grad-Videos. Die App bietet im Praxistest eine einwandfreie Streaming-Qualität und zum Teil überraschend fesselnde Inhalte in der virtuellen Realität.

Das bietet Magenta VR

In der zur IFA 2017 gestarteten App Magenta VR für iOS und Android präsentiert die Telekom Videoclips aus den Bereichen Sport, Musik, Bildung und Unterhaltung. Neben exklusiv für die Telekom produzierten VR-Inhalten können Nutzer ebenfalls auf Videos von Red Bull, National Geographic und Twentieth Century Fox zugreifen. Außerdem beinhaltet die Android-Version einen App-Launcher, der empfehlenswerte VR-Spiele aus dem Google Play Store listet.

Für Android-Nutzer, die Telekom-Kunde sind, bietet Magenta VR zusätzlich in regelmäßigen Aktionen ursprünglich kostenpflichtige VR-Apps gratis an. Hingegen in der iOS-App ist kein App-Launcher integriert. Daher gibt es für Apple-Nutzer auch keine solchen rabattierten Angebote.

Magenta VR Lobby
Der Videokatalog bietet Clips in den Kategorien Unterhaltung, Sport und Musik. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Generell sind alle Inhalte gratis verfügbar. In-App-Käufe sind nicht vorgesehen. Statt eines Geschäfts versteht die Telekom Magenta VR als Werbemaßnahme. Auch wenn jeder Kunde unabhängig vom Netzanbieter die App nutzen kann, möchte die Telekom als großer Player demonstrieren, wie gut sie datenintensives Online-Streaming von technisch anspruchsvollen Inhalten beherrscht.

Was ihr für das VR-Erlebnis mit Magenta VR braucht

Apple-Nutzer benötigen ein iDevice, auf dem mindestens iOS 10 läuft. Auf Smartphones mit Google-Betriebssystem läuft Magenta VR, wenn Android 7 Nougat oder Android 8 Oreo installiert sind. Die App arbeitet mit allen gängigen VR-Headsets der Cardboard-Machart zusammen. Wer Datenbrillen mit Controller vom Typ Samsung Gear VR und Daydream VR verwendet, findet im jeweiligen Store eine angepasste Variante von Magenta VR.

Weil noch längst nicht jeder Smartphone-Nutzer überhaupt eine VR-Brille besitzt, lassen sich die Videos in der Telekom-App ebenfalls via 360-Grad-Kugelperspektive betrachten, einfach, indem das Smartphone-Display mit den Händen geschwenkt wird.

Magenta VR
Die Magenta-VR-App könnt ihr auf eurem iPhone mit oder ohne VR-Brille verwenden. Schreenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Ausprobiert habe ich Magenta VR in der App-Version 1.0.9 mit einem iPhone X und einer Zeiss VR One Plus sowie unter Android mit einem Huawei Mate 9 und der VR-Brille Pop! Cardboard. Gestreamt habe ich die Videos über einen VDSL-Anschluss der Telekom.

Magenta VR im Praxiseindruck

Der Videokatalog von Magenta VR besteht aus ein paar Dutzend Einträgen, die in den Kategorien Sport, Musik und Entertainment sortiert sind. Originell ist das Design des virtuellen Heimkinos, das rund um die Vorschaufenster eingeblendet wird. Denn passend zur Kategorie befinde ich mich mal in einem schicken Loft, in einem Sportstadion oder vor einer Open-Air-Bühne. Die Navigation durch die App klappt vorzüglich. Im VR-Modus platziere ich dafür einen Punkt für zwei Sekunden auf einer Schaltfläche.

Thematisch ist der Videokatalog eine Pralinenschachtel mit einer Mischung aus vielen englischen und wenigen eingedeutschten Beiträgen. Natürlich gibt es die typischen VR-Inhalten wie Sport-Events aus der Egoperspektive und effektreiche Technik-Demos zu sehen. Trotzdem erledigt die Telekom aus meiner Sicht an einigen Stellen ihren Job besser als vergleichbare VR-Apps.

Magenta VR kann sich auch inhaltlich sehen lassen

Denn unter der Clip-Auswahl befinden sich auch einige fiktionale Perlen, die ich so noch nicht gesehen habe. Höchst vergnügsam finde ich beispielsweise den Clip „Channel Surfer“ über einen Typen, der ins Fernsehprogramm hineingezogen wird. Geradezu „köstlich“ ist auch die Horror-Satire „Memos from Hell“. Auf amüsante Weise mit der 360-Grad-Perspektive spielt zudem der Comedy-Clip „Teleportaled“. Da bleibe ich wirklich mal hängen und schaue mir den Clip zu Ende an. Schade, dass keine gezielte Suche oder eine Watchlist verfügbar sind.

Magenta VR - Teleportaled
Im Videokatalog sind einige interessante Perlen zu finden, zum Beispiel der Comedy-Clip „Teleportaled“. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Darüber hinaus überzeugt mich die App mit einer tadellosen Streaming-Qualität. Buffering-Pausen oder Abbrüche sind kein Thema, was noch keine Selbstverständlichkeit bei datenintensiven VR-Clips ist. Da stört es gar nicht, dass der Download-Button in meinem Test nicht funktioniert hat und ich Videos für die Offline-Wiedergabe nicht herunterladen konnte. Ärgerlich ist hingegen, dass ich im VR-Modus am Ende einiger Videostreams nicht automatisch ins Hauptmenü zurückgelange, ohne dafür das Headset abzunehmen und den „X“-Knopf zu drücken. Im Großen und Ganzen sind das aber Kleinigkeiten, die sich in künftigen Updates beheben lassen.

Test-Fazit Magenta VR

Das Angebot an VR-fähigen 360-Grad-Videos ist bislang mengenmäßig und qualitativ noch nicht über ein Nischendasein hinausgekommen. Doch mit Magenta VR bietet die Deutsche Telekom eine Plattform, die dazu beitragen könnte, dieses Medium aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Noch steht das Projekt am Anfang. Es bietet jedoch jetzt schon eine technisch solide Basis und Schauwerte, die aus VR-Videos mehr als einen Party-Gag machen.

Dass dafür noch nicht einmal eine VR-Brille nötig ist und die App für alle gängigen Plattformen und unabhängig vom Mobilfunkanbieter nutzbar ist, fördert die Breitenwirksamkeit. Anreize für weitere Magenta-Apps und -Dienste setzt die Telekom in der VR-App nur sehr zurückhaltend, sodass das Gratis-Angebot ein überaus fairer Deal ist.

Mit Samsung war vor zwei Jahren schon mal ein großer ITK-Player bestrebt, mittels einer VR-App die Begeisterung für neue Technik-Produkte anzukurbeln. Allerdings erzielte Samsung DiscoVR keinen nennenswerten Impact und wurde sang- und klanglos eingestellt. Nicht mal die Webpräsenz ist noch zu finden. Im Vergleich dazu geht die Deutsche Telekom mit Magenta VR spürbar ambitionierter zur Sache – und bewahrt sich hoffentlich ein längeres Durchhaltevermögen. Alle Infos zum VR-Angebot der Telekom gibt es hier.

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Images by Berti Kolbow-Lehradt

Dieser Text erschien zu erst bei Netzpiloten Apple.

About Berti Kolbow-Lehradt
Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.