HTC One M9 im Kurztest

HTC gilt als einer der Smartphone-Pioniere. Anfang der 2000er kam auf den Pocket PCs noch Windows Mobile zum Einsatz. Doch mit dem iPhone und dem Aufkommen von Googles mobilen Betriebssystems Android, verlor das taiwanische Unternehmen an Bedeutung und somit auch Marktanteile. Ein Strategiewechsel war gefragt. Dieser wurde im Jahre 2013 mit der neuen Premium-Serie One vollzogen. Das Gesamtpaket stimmte und die Verkaufszahlen verbesserten sich. Mit dem aktuellen Flaggschiff HTC One M9 will der Smartphone-Hersteller diesen Trend fortsetzen – doch gelingt das auch? Wir haben uns den Boliden im Kurztest angeschaut.

Verarbeitung

Eine der großen Stärken ist zweifelsohne das ikonische Design des HTC One M9. Auch in der dritten Generation setzen die Taiwaner auf ein hochwertiges Aluminium-Unibody, das wie aus einem Stück zu sein scheint. Sowohl optisch als auch haptisch ist das Gerät so eine echte Augenweide – wenngleich der goldene Rahmen gewöhnungsbedürftig scheint. Nimmt man das Smartphone in die Hand fühlt man jedoch direkt den Nachteil: das Gewicht. Rund 160g muss der Nutzer durch die Botanik tragen. Daran gewöhnt man sich jedoch recht schnell – schon nach ca. 2-3 Wochen sollte der Körper die nötige Muskelmasse aufgebaut haben.

Die Tasten sind insgesamt gut zu erreichen. Neu ist die Position des On/Off-Buttons – er ist auf die rechte Seite unterhalb der Lautstärketasten gewandert. Leider besitzen diese haargenau die gleiche Form und können so schnell verwechselt werden. Außerdem findet sich rechts der microSD-Karten-Slot. Auf der Oberseite versteckt sich allein der Infrarotsensor, der es ermöglicht TV und Co fernzusteuern. Links wird die nano SIM-Karte eingeschoben. Auf der Unterseite befindet sich der microUSB-Anschluss sowie ein 3,5mm Klinkenstecker. Die Verarbeitung ist HTC-typisch auf sehr hohem Niveau.

HTC-One-M9-Rückseite

Hauptbestandteil der Vorderseite ist das 5 Zoll große SLCD3-Display mit FullHD-Auflösung. Die Rahmen (Bezel) rings um das Panel sind im Vergleich zum Vorgänger One M8 minimal kleiner geworden, wobei auf der Unterseite weiterhin das HTC-Logo samt Balken existiert. Ober- und unterhalb verbaut der Smartphone-Hersteller die bewährten BoomSound Stereo-Frontlautsprecher, welche mit Dolby Audio Unterstützung daher kommen. Die Soundqualität wurde noch einmal merklich verbessert und der Theatermodus lässt nahezu 3D-Feeling aufkommen. Oben rechts findet sich die Frontkamera, die nunmehr mit der Ultrapixel-Technologie ausgestattet wurde. So sind jetzt auch am Abend lichtstarke Selfies ohne Bildrauschen möglich. Die Qualität überzeugt, mehrere Personen können aufgrund der Weitwinkel-Funktion problemlos abgelichtet werden. Daneben befinden sich Näherungs- sowie Umgebungslichtsensor.

HTC-One-M9-Kamera

Kamera

Eine Neuheit befindet sich auf der Rückseite: Erstmals seit dem HTC One X aus dem Jahre 2012 setzen die Taiwaner auf eine hochauflösende Hauptkamera, die in diesem Fall mit 20 Megapixel auflöst. Videos können in 4K-Auflösung (UHD) aufgezeichnet werden. Vor allem bei guten Lichtverhältnissen sind damit exzellente Ergebnisse möglich. Obwohl ein Sensor mit f/2.2 verbaut wurde, ist die Fotoqualität bei Low-Light deutlich schlechter. Bei schwummerigen Lichtverhältnissen fängt es schnell zu Rauschen an und die Bildschärfe nimmt ab. Für eine ordentliche Ausleuchtung sorgt ein Dual-LED-Blitz, der eine warme sowie kalte Lichtquelle besitzt. Als besonderes Schmankerl spendiert HTC einen RAW-Modus, mit dessen Hilfe Fotos unkomprimiert aufgenommen und im Nachhinein profimäßig bearbeitet werden können.

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Performance

Kommen wir zu den inneren Werten, bei denen sich HTC keinesfalls lumpen lässt. Der Octa-Core-Prozessor Snapdragon 810 von Qualcomm kommt in einer 64 Bit-Architektur daher und taktet 4 x 2,0 GHz sowie 4 x 1,5 GHz. Unterstützt wird er von 3 GB RAM. Intern bietet das HTC One M9 32 GB Speicherkapazität, die auf bis zu 2 TB erweiterbar ist. Wer bei den Vorgängermodellen bereits das Ende der Performance-Fahnenstange gesehen hat, wird hier eines besseren belehrt: Menüs und Apps werden schnell geöffnet, leistungshungrige Anwendungen laufen butterweich und die Multitasking-Geschwindigkeit beim Navigieren zwischen zuletzt geöffneten Apps ist sehr hoch. Einziges Manko bei unserem Testgerät war die hohe Wärmeentwicklung beim längeren Spielen. Trotz Update konnte man das Gerät nach ca. 20 Minuten kaum noch in den Händen halten.

Das saugt natürlich auch am Akku. Im Inneren werkelt ein 2.840 mAh starkes Modul, das für einen alltäglichen Gebrauch etwas unterdimensioniert ausfällt. Ein normaler Arbeitstag ist mit Ach und Krach möglich – zu mehr reicht es oft nicht. Das im Lieferumfang enthaltene 1,5 A Netzteil lädt die Energiespender in etwas mehr als zwei Stunden vollständig auf.

Software

Softwareseitig kommt Googles Android-Betriebssystem in Version 5.0.2 zum Einsatz. Wie bei HTC-Smartphones üblich, läuft auf dem Gerät die Nutzeroberfläche Sense in der neuen Version 7.0 inklusive dem Nachrichten-Stream Blinkfeed. Eine der größten Neuerungen sind die Themes, welche selbst erstellt oder kostenlos aus einem eigenen Store geladen werden können. Neben den Hintergründen können Farben oder auch Schriftarten und Icons bearbeitet werden. So ist das Smartphone vor allem in Sachen Personalisierung der Konkurrenz einen Schritt voraus. Für Entertainment-Freaks gibt es unter anderem den neuen Service HTC Connect. Mit einem Drei-Finger-Wisch nach oben kann der Nutzer so Ton- oder Bildmaterial auf die Heim-Anlage übertragen, wenn diese es denn unterstützt.

HTC-One-M9-Dot-View-Case

Wie auch beim One M8 bietet HTC beim 2015er Flaggschiff das Dot View Case an, um das neue Schmuckstück vor äußeren Einflüssen zu schützen. Der eigentliche Clou ist jedoch der Cover-Deckel: Informationen wie die aktuelle Uhrzeit, Temperaturen oder eingehende Benachrichtigungen kann der Nutzer durch die Loch-Matrix hindurch betrachten. Außerdem spendiert HTC mit Dot Breaker ein kultiges Spiel im 8-Bit-Stil. Doch Vorsicht: Nutzt man das Case, so erhöht sich die Helligkeit des Displays auf  das Maximum und die Akkulaufzeit verringert sich.

Test-Fazit HTC One M9

Auf den ersten Blick ist das HTC One M9 ein High-End-Smartphone der allerersten Güte: Design, Performance sowie die Usability gefallen. Hier hat das taiwanische Unternehmen Gutes noch besser gemacht. Ernüchterung gibt es beim Blick unter das Aluminiumkleid: Die Akkulaufzeit ist leider hinter der Konkurrenz und die hochauflösende Kamera besitzt bei schlechtem Licht einige Schwächen. Auch hinsichtlich des Preises hätte HTC etwas mehr bieten können: 749 Euro unverbindliche Preisempfehlung sind eine echte Hausnummer, auch wenn der Straßenpreis bei derzeit 650 Euro liegt. Im Endeffekt muss jedoch jeder selbst entscheiden wie viel ihm dieses Design-Schmuckstück mit kleinen Schwächen wert ist.


Images by Jonas Haller


 

About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.