Honor 7 offiziell vorgestellt – große Klappe, viel dahinter

Ganz neu ist es ja nicht, das Honor 7, das neue Flaggschiff der Huawei-Tochtermarke. Bereits im Juni hat das junge Unternehmen das Gerät für den asiatischen Markt vorgestellt. Nun ist das Smartphone aber auch in Europa erhältlich. Wir waren in London beim Launch-Event anwesend und haben uns das Honor 7 etwas näher angesehen.

Honor-For the Brave-Graffiti

Beim Launch-Event wird erneut deutlich, dass Honor vor allem eines ist: Vom eigenen Produkt überzeugt. Das ist an sich zwar wahrlich nicht ungewöhnlich – jedes Unternehmen sollte vom eigenen Produkt überzeugt sein – doch Honor überschlägt sich vor Superlativen förmlich und trägt ziemlich dick auf. Auf einem Schild in der Event-Location ist die Aufforderung zu lesen, dass man sich nicht von den Gurus betören lassen soll, die einen mit schillernden Logos in ihren Bann ziehen, sondern einem Unternehmen zuhören soll, dass etwas macht, was noch kein anderes Unternehmen vorher gemacht hat. Mutige Aussage, die sich mit dem Firmen-Slogan „For the Brave“ deckt. Doch wird das junge Unternehmen dieser großspurigen Ankündigung gerecht und macht wirklich etwas, was kein anderes Unternehmen zuvor gemacht hat?

Honor-For the Brave-Banner

Die kurze Antwort: Nein.

Die längere Antwort: Nein, ABER das macht aus einem sehr wichtigen Grund nichts.
Sehen wir uns das Gerät doch einmal genauer an. Ein 5,2-Zoll-Full-HD-Display, ein leistungsstarker Kirin 935-Octa-Core-Prozessor mit 2.2 GHz und zusätzlich 3 GB RAM sorgen dafür, dass sich das Honor 7 nicht vor der High-End-Konkurrenz verstecken muss. Auch die 20-Megapixel-Rückkamera mit f/2.0-Blende oder die 8-Megapixel-Frontkamera sind mehr als ordentlich. Doch wurden diese Spezifikationen von niemand anderem zuvor verbaut? Doch, na klar.

Honor 7 - Front

Wie steht es um den nicht austauschbaren 3.100 mAh-Akku, den SD-Karten-Slot um die verbauten 16 GB zu erweitern, oder den Fingerabdrucksensor? Hier haben andere Hersteller mal mehr, mal weniger zu bieten, aber als Alleinstellungsmerkmale um sich von der Konkurrenz abzuheben reichen auch diese Features nicht aus. Dabei hat der Fingerabdrucksensor aber ein paar coole Tricks auf Lager. So ist er mit 0,5 Sekunden Erkennungszeit nicht nur unheimlich schnell, sondern er lässt sich z.B. auch zum Annehmen von Anrufen nutzen.

Honor 7 - back

Ein weiteres cooles Feature ist ein Smart Button an der linken Seite, der sich frei belegen lässt. Mit kurzem, langen, oder doppelten Druck lassen sich beliebige Funktionen starten, wie etwa die Kamera, oder gewünschte Apps.

Honor 7 - Side

Insgesamt finden sich viele clevere kleine Features in der Emotion UI, die Honor über Android 5.1 drübergelegt hat. Von der Möglichkeit mit dem Fingerknöchel auf den Bildschirm zu tippen um einen Screenshot anzufertigen, der sich danach noch mit einer Wischgeste um den gewünschten Ausschnitt verkleinern lässt oder die Möglichkeit dem Telefon einen Namen zu geben (das in der Präsentation genutzte Beispiel „Honey Bear“ muss man zum Glück nicht verwenden), um das Telefon durch Zuruf wiederzufinden, wenn man es verlegt hat.

Tolle Features und Spezifikationen, keine Frage. Doch hat das Honor 7 wirklich etwas zu bieten, was andere nicht haben? Ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal? Nein, hat es nicht. Es ähnelt den Konkurrenzprodukten dann doch recht stark. Aber ist es deshalb ein schlechtes Smartphone? Absolut nicht! Ganz im Gegenteil, denn es bewegt sich ja schließlich auf einer Ebene mit den großen Vertretern der Branche, in einem Punkt unterscheidet es dann aber doch von den übrigen High-End-Boliden – und zwar im Preis. Wo die Konkurrenz von Samsung, Sony und HTC Preise jenseits der 600 Euro-Marke aufruft, wandert das Honor 7 schon für 350 Euro über den (virtuellen) Tresen. Es ist genau genommen ziemlich egal, ob Honor die großen Marketing-Versprechen einhalten kann – was ja ohnehin keinem anderen Hersteller gelingt – denn mit dem Honor 7 macht das junge Unternehmen definitiv sehr viel richtig.

Einzig ein bisschen schade: Das kürzlich in Asien vorgestellte Honor 7i, mit der rotierenden Kamera, war nur als inoffizieller Gast in London anwesend.
Honor 7i-London

Dafür gab es aber noch das etwas merkwürdige Honor Band zu sehen. Merkwürdig ist dieses Gerät, da nicht ganz klar ist, ob es sich um einen Fitnesstracker oder eine Smartwatch handelt und Honor auch geschickt diese Begriffe umschifft hat.

Honor Band

Technisch ist es wohl eine Smartwatch, da es neben den Fitness-Features, wie z.B. dem Schrittzähler, auch eingehende Anrufe und die Uhrzeit angezeigt. Aber im Vergleich zu selbst einfacheren Smartwatches sieht das schon eher mickrig aus, so dass wir eher von einem Fitnesstrecker sprechen würden, der auch die Uhrzeit anzeigt. Der UVP für das schicke Gerät soll mit 79 Euro ebenfalls ziemlich niedrig liegen. Ob das Honor Band allerdings ebenso überzeugen kann wie das Honor 7, bleibt abzuwarten.

Images: Daniel Kuhn

Teaser: „Honor 7″Image by Yann DAVID (Public Domain 1.0)

About Daniel Kuhn
Daniel Kuhn leitet seit Juni 2015 die Blogs Android4you.de und Appleunity.de. Ansonsten schreibt Wahl-Berliner mit Leib und Seele als freier Journalist für Netzpiloten.de und Androidmag.de.