Apple iPhone 6s: Ist das alles nur geklaut?

Falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte (unvorstellbar), Apple hat gestern u.a. das iPhone 6s und den großen Bruder iPhone iPhone 6s Plus vorgestellt und viele der angepriesenen neuen Funktionen dürften vielen Android- (und sogar BlackBerry- und Nokia) Nutzern ziemlich bekannt vorkommen.

Wir wollen das iPhone 6s und das 6s Plusan dieser Stelle gar nicht bashen, es handelt sich ohne Frage um tolle Smartphones (wenngleich sie mit einem anderen OS sicher noch besser sein könnten). Doch ist es interessant zu sehen, wie viele neue Features als genial und innovativ gehandelt werden, obwohl sie schon lange in anderen Geräten existieren. Wir werfen daher mal einen kurzen Blick auf einige der Technologien:

3D Touch

Anhänger des Konzerns aus Cupertino, die die Apple-Brille nicht ablegen können oder wollen sagen jetzt bestimmt, dass die Technologie nicht neu ist, da sie ja bereits unter dem Namen Force Touch im neuen MacBook zum Einsatz kam. Doch mal den Blick mal etwas weiter schweifen lässt erkennt schnell, dass es diese druckempfindliche Display-Technologie bereits bei anderen Herstellern gab.

Samsung hatte im SGS4 mit Air View eine ähnliche Technologie eingesetzt, doch der eigentliche Hammer ist, dass Android den Druck auf das Display bereits seit API Level 5 sensitiv behandelt, also seit Android 2.0 Eclair, das im November 2009 vorgestellt wurde. Aber damit noch nicht genug, sogar BlackBerry hatte dem 2008 erschienenen Storm-Smartphone bereits die sogenannte „Sure Press“ Display-Technologie spendiert.

Warum aber hat sich dies nie durchgesetzt? Im Falle BlackBerry liegt es sicher an der Tatsache, dass es sich eben um BlackBerry handelt. Im Falle Android sieht es aber etwas anders aus. Google hat das Feature nie stärker in das OS integriert, da es eine zusätzliche Ebene und somit der Benutzung mehr Komplexität hinzufügt. Dies kann mehr verwirren als nützen, denn schließlich ist weniger oft mehr. Ob Apple es nun gelingt, die Funktionalität so zu integrieren, dass sie das System sinnvoll erweitert, wird sich zeigen – ich bin jedenfalls skeptisch.

Live Photos

Schießt man mit dem iPhone 6s oder 6s Plus ein Foto nimmt die Kamera gleichzeitig unbemerkt jeweils knapp eine Sekunde vor und nach dem Foto ein Video auf. Schaut man sich das Foto nun auf dem iPhone an, kann man durch Berührung den Moment, in dem das Foto entstanden ist, noch mal in voller Pracht bestaunen.

Wer schon mal ein halbwegs aktuelles HTC-Smartphone benutzt hat, kennt diese Funktionalität vielleicht noch unter dem Namen Zoe. Und wer mal ein Nokia-Smartphone in den Händen hatte, kennt das Feature unter dem Stichwort Living Images.

Doch warum haben diese Beispiele sich nicht durchgesetzt? Vielleicht weil es nur für einen kurzen Moment beeindruckend ist, dann noch mal herhalten kann um Freunde und Familie zu beeindrucken, aber dann schnell an Reiz verliert. Ob iPhone-Nutzer dies anders sehen werden? Vielleicht hat Apple das Feature ja auch viel besser umgesetzt? Wir werden es sehen.

Motion Wallpaper

Hintergründe die sich bewegen und sogar interaktive Features bieten können. Als Android-Nutzer der ersten Stunde sind mir Live-Wallpaper bestens bekannt. Früher waren sie ein tolles Feature, mit dem man iPhone-Nutzer neidisch machen konnte, heute nutze ich sie eigentlich nicht mehr, weil sie auf Dauer etwas zu sehr nerven, wenn sie zu lebhaft gestaltet sind. Durchgesetzt haben sie sich auf Android definitiv, wenn auch nicht unbedingt in der breiten Masse, aber sie haben definitiv eine große Nische besetzt.

Hey Siri

Auf Zuruf „Hey Siri“ kann der virtuelle Assistent nun Hilfe leisten, ohne vorher aktiviert werden zu müssen. Genauso, wie Google Now auf Android-Geräten. Zunächst war der Sprachbefehl „OK Goolge“ zwar nur eingeschränkt möglich, dank dem Motorola Moto X stand dieser plötzlich systemübergreifend auch bei ausgeschaltetem Bildschirm zur Verfügung. So wie nun schon eine Weile auch generell unter Android.

iPhone-Upgrade-Programm

Apple wird zwar einerseits grün, zumindest was die Produktion angeht. Aber was Apple auf der einen Seite aufbaut, reißt es auf der anderen Seite mit dem Allerwertesten wieder um. Neben diversen Mobilfunkanbietern bietet auch HTC in den USA mit dem UH-Oh-Programm die Möglichkeit, jedes Jahr ein neues Smartphone zu erhalten. Doch bei all diesen Programmen muss gesagt werden, dass sie einen riesen Schritt in die falsche Richtung sind. Statt den inflationären Austausch neuer Geräte zu fördern, sollten die bestehenden Geräte lieber langlebiger und robuster gebaut, sowie leichter reparierbar sein.

Image „iPhone 6S“ by Andri333 (CC0)

About Daniel Kuhn
Daniel Kuhn leitet seit Juni 2015 die Blogs Android4you.de und Appleunity.de. Ansonsten schreibt Wahl-Berliner mit Leib und Seele als freier Journalist für Netzpiloten.de und Androidmag.de.