ASUS: Vom Premium-Hersteller zum Billigheimer?

Die Elektronik-Branche ist einer ständigen Veränderung ausgesetzt. Vor allem die Smartphone- und Tabletentwicklung geht so rasant von statten, dass Hersteller schnell ins Hintertreffen geraten können. Der Premiumhersteller ASUS hat sich vor allem im Mobilfunkbereich lange Zeit zurückgehalten und damit einen wichtigen Marktzweig vernachlässigt. Seit einiger Zeit hat das Unternehmen diesen Trend jedoch erkannt und ist mit der ZenFone-Serie selbst in das Geschäft eingestiegen. Dabei fällt besonders eines auf: Die Preise liegen zum Großteil unter denen der Konkurrenz. Entwickelt sich der Hersteller nun etwa zum Billigheimer?

Lange Zeit konzentrierte sich das taiwanische Unternehmen ASUS auf Computer- und Notebooksysteme. Als Erfinder des Netbooks EeePC legte es den Grundstein für eine rasante Entwicklung im Mobile Computing. Leider verzichtete der Hersteller anschließend im Pocket PC sowie Smartphone-Bereich auf eigene Entwicklungen und überließ der Konkurrenz aus Korea oder Japan das Feld. Die Konzentration lag weiterhin auf leistungsstarker Hardware und produktiven Notebooks sowie Desktop-PCs.

IFA15-ASUS-PK-Produkte

Aller Anfang ist schwer

Mit dem ZenFone 4, 5 und 6 sowie dem PadFone stieg der Konzern erst 2014 so richtig in das Smartphone-Geschäft ein. Doch was sollten Alleinstellungsmerkmale gegenüber der starken Konkurrenz sein? Die beiden ZenFones spielten hardwareseitig nur in der Mittelklasse, ein sogenanntes „Killerfeature“ suchte man vergebens. Dafür stimmte der Preis mit je nach Ausstattung 199 bis 249 Euro. So richtig neu war beim Brudergerät PadFone jedoch die Tabletfunktion: Über einen Slot konnte man das Mobiltelefon in ein Tabletgehäuse integrieren und so deutlich produktiver agieren. Leider überzeugte dieses Konzept die Nutzer kaum und der Absatz war eher kläglich.

Für Furore sorgte im September letzten Jahres allerdings die Vorstellung der ersten ZenWatch. Mit allerhand Sensoren sowie Funktionen ausgestattet und zu einem Preis von 199 Euro, eroberte sie die Herzen der Techbloggerschaft im Flug. Doch leider blieb es lange Zeit bei der Ankündigung – auf dem Markt kam die Smartwatch in größeren Mengen erst Anfang 2015 und war so schon wieder aus dem öffentlichen Blickfeld verschwunden.

Mit Zielgruppengeräten zu Marktanteilen

Auf der Heimmesse, der Computex in Taiwan, stellte das Unternehmen seine neue Smartphone-Offensive vor. Mit zwei zusätzlichen Geräten, die sich an ambitionierte Fotografen richten, will ASUS den Konkurrenten Marktanteile abknöpfen. Unter der Haube geht der Hersteller nun deutlich offensiver zu Werke. Einige Eckdaten: Intel Atom Quad-Core-Prozessor mit 1,3 GHz, 4 GB Arbeitsspeicher, 5,5 Zoll FullHD-IPS-Display, 13 Megapixel Kamera. Das Zoom-Modell bietet dabei zusätzlich einen 3-fachen optischen Zoom, die Selfie-Variante eine 13 Megapixel Frontkamera. Auch ein Laserfokus kommt ab sofort zum Einsatz. Je nach Variante setzt ASUS nun auch matte Kunststoffabdeckungen ein, die zwar deutlich wertiger wirken als die Vorgänger, jedoch nicht mit der Konkurrenz zu vergleichen ist. Dagegen ist der Preis eine ordentliche Ansage: Die Geräte sollen zwischen 300 und 400 Euro liegen und damit echte Schnäppchen darstellen.

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Richtig Dampf macht das taiwanische Unternehmen im Tabletsegment. Dort wurde unlängst die neue Serie ZenPad vorgestellt, die in Zukunft die Transformer Pads ersetzen soll. Mit 7, 8 sowie 10 Zoll großen Exemplaren will ASUS eine breite Zielgruppe erreichen. Und das dürfte durchaus gelingen: Mit potenter Hardware und absoluten Kampfpreisen – je nach Ausstattung 199 bis 349 Euro – dürften sich einige zum Kauf angesprochen fühlen. Im Rahmen der IFA hatten wir die Möglichkeit die Geräte zu testen und waren sowohl von Display als auch Performance sehr angetan. Auch die Materialanmutung war sehr hochwertig.

ZenWatch 2 hat das Zeug zum Verkaufsschlager

Auch die zweite Generation der ZenWatch lässt hoffen. Für eine unverbindliche Preisempfehlung von nur 169 Euro bekommt der Kunde eine gelungene Weiterentwicklung des ersten Modells. Die Verarbeitungsqualität ist weiterhin auf höchstem Niveau und vor allem in Sachen Anpassbarkeit braucht sich ASUS nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Hinzu kommt, dass die ZenWatch 2 in zwei verschiedenen Größen verfügbar sein wird und so auch an dünnen Armen elegant aussieht. Einzige Wermutstropfen: Die Akkulaufzeit liegt weiterhin bei nur 1-2 Tagen und auf einen Pulsmesser wird ab sofort verzichtet. Aus den Hauptfehler der Vergangenheit scheint das Unternehmen jedoch gelernt zu haben und liefert das Gadget bereits ab Anfang Oktober an Vorbesteller aus.

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Doch wie lautet nun die Antwort auf die Titel-Frage? Ganz klar: Jein. Die neuen Geräte können – untypisch für einen Premiumhersteller – mit einem niedrigen Kaufpreis überzeugen. Doch preiswert muss nicht immer billig bedeuten. Vor allem die aktuelle Produktgeneration kommt deutlich hochwertiger und mit leistungsstarker Hardware daher – auch wenn die Gehäuse der Zenfone-Serie teilweise recht speckig wirken. Für den Otto-Normalbürger sind die Geräte des taiwanischen Konzerns jedoch mehr als ausreichend und in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis ganz weit vorn dabei.

About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.