Huawei Mate S vs. Honor 7: Familienduell in der Oberklasse

Mit dem Mate S bietet Huawei ein sehr schickes High-End-Smartphone an; die Huawei Submarke Honor hat mit dem Honor 7 ebenfalls ein spannendes Gerät in der Oberklasse platziert. Wir haben beide Geräte miteinander verglichen, um zu sehen wieviel DNA die beiden Familienmitglieder tatsächlich teilen und ob der Preisunterschied gerechtfertigt ist.

Familienbande

Huawei hat seit dem Markteinstieg eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Nachdem die ersten Geräte auf Einsteiger abgestimmt waren, hat das Unternehmen längst auch Geräte für anspruchsvollere Nutzer im Angebot und mit dem Mate S nun auch ein richtiges High-End-Modell im Programm. Mit der Sub-Marke Honor bedient Huawei inzwischen eine jüngere Zielgruppe mit sehr gut ausgestatteten Smartphones zu niedrigen Preisen. Die beiden Geräte Honor 7 und Huawei Mate S spielen, was die Spezifikationen betrifft, klar in einer Liga, preislich liegen sie aber weit auseinander. Wir haben beide Geräte mal gegeneinander antreten lassen um herauszufinden, ob sich der höhere Preis für das Mate S lohnt, oder ob das Honor 7 doch die bessere Wahl ist.

Huawei Mate S vs Honor 7 - back

Äußerlichkeiten (Design und Verarbeitung)

Auf den ersten Blick wird gleich klar, die beiden Smartphones sind miteinander Verwandt. Das Huawei Mate S ist mit 5,5-Zoll-Display allerdings etwas größer und schlanker und leichter als das Honor 7 mit seinem 5,2-Zoll-Display. Das Mate S wirkt im direkten Vergleich wie ein großes, schlankes Supermodel, während das Honor 7 wie der etwas pummeligere, kleinere Cousin wirkt. Aber das klingt jetzt gemeiner als es tatsächlich ist, denn die beiden Geräte sehen mit ihren Aluminium-Unibody-Gehäusen absolut schick und elegant aus und fühlen sich dank hervorragender Verarbeitung auch sehr hochwertig an. Vom 649 Euro teuren Mate S erwartet man dies nicht anders, vom Honor 7 ist man in dieser Hinsicht angesichts des niedrigen Preises von 350 Euro sehr positiv überrascht.

Innere Werte (Hardware)

Ausstattung

Das Innenleben der beiden Smartphones macht erneut die Familienzugehörigkeit deutlich. In beiden Geräten leistet ein Octa-Core-Prozessor mit 4 Kernen die auf 2,2 GHz und 4 Kernen, die auf 1,5 GHz takten. Dabei handelt es sich um den hauseigenen Hisilicon Kirin-935-Chipsatz, der im Praxistest alle Aufgaben gut bis sehr gut bewältigen konnte. Hie und da kam es mal zu einem Ruckler, was aber auch der Software zugeschrieben werden kann und was die Gaming-Leistung anbelangt ist ein Smartphone mit Snapdragon- oder Exynos-Prozessor vielleicht die bessere Wahl, zumindest für diejenigen, die mobil ernsthaft zocken – so etwas soll es ja wohl geben. Für den Normalanwender und selbst für Poweruser ist die Prozessorleistung gepaart mit den jeweils 3 GB RAM aber mehr als ausreichend.

Huawei Mate S

Ebenfalls mehr als genug gibt es was den Speicher angeht. Zwar sind die beiden kleinsten Modelle mit 16 GB (Honor 7) und 32 GB (Mate S) eher sparsam, wenn auch nicht geizig ausgestattet, aber beide Modelle bieten jeweils die Option, den internen Speicher per microSD-Karte zu erweitern. Die Speicherkarte wird dafür auf dem Schlitten untergebracht, auf dem auch die nanoSIM-Karte Platz findet. Im Honor 7 kann wahlweise entweder eine microSD-Karte, oder eine zweite SIM untergebracht werden, das Mate S besitzt zwar den gleichen Schlitten, allerdings hierzulande nicht die Dual-SIM-Funktion.

Während einige Hersteller bei den High-End-Smartphones immer noch das Pixelrennen auf den Displays fahren, haben sich Huawei und Honor entschlossen, dass für beide Geräte Full HD (sprich 1920 x 1080 Pixel) vollkommen ausreichen. Auf dem 5,2-Zoll-Display des Honor 7 ist die Pixeldichte mit 424 ppi im Vergleich zum 5,5 Zoll-Display des Mate S mit 401 ppi ein wenig höher, allerdings fiel dies selbst im direkten Vergleich nur auf, wenn man seine Augen wirklich sehr stark angestrengt. Beide Displays wirkten insgesamt sehr ähnlich, was Farbsättigung, Helligkeit und Kontrast angeht. Beide Displays sind wirklich sehr gut und brauchen sich nicht vor der Konkurrenz verstecken.

Honor 7

Ein bisschen schade ist, dass das Mate S nur 2,4 GHz WLAN unterstützt. 5GHz und 802.11 ac sucht man leider vergebens. Hier hat das Honor 7 deutlich mehr zu bieten. Dafür besitzt das Mate S einen NFC-Chip, den man beim Honor 7 vergeblich sucht.

Kamera

Bei den Kameras sind die Pixel allerdings nicht mehr so gleichmäßig unter den Familienmitgliedern verteilt. Während die Frontkameras zwar beide mit üppigen 8 Megapixel zu Selfieorgien einladen, besitzt das Honor 7 ein paar Megapixel mehr – 7 um genau zu sein. Etwas überraschend hat das günstigere der beiden Smartphones, das Honor 7, mit 20 Megapixel die deutlich bessere Kamera, gegenüber der 13 Megapxiel des Mate S. Zumindest auf dem Papier, denn in der Realität sagt die Anzahl der Pixel alleine ja bekanntlich noch nicht viel über die eigentliche Bildqualität aus. Das Mate S besitzt einen ziemlich guten Optischen Bildstabilisator, der den Mangel an Pixeln locker wettmacht. In der Praxis sind die Unterschiede aber sehr gering und es lässt sich kein klarer Sieger ermitteln. Die Farben der Mate-S-Kamera sehen etwas lebendiger aus, während das Honor 7 etwas nüchternere Bilder produziert. Beide Kameras erzeugen jedoch sehr gute Bilder, wenngleich sie auch mit den Platzhirschen Samsung Galaxy S6 oder LG G4 nicht ganz mithalten können.

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Bei der Kamera-Software ist die Blutsverwandtschaft dann wieder deutlich zu sehen. Letztendlich verfügen beide über die gleiche Kamera-App, die vor Features nur so strotzt. Von Standards wie verschiedenen Retro-Filtern (mit Echtzeitvorschau), HDR und Panorama, über etwas ungewöhnlichere Modi wie Beauty-Shots oder Time Lapse bis hin zu beeindruckenden Funktionen wie Super Night Shot, Light Painting oder den Professional Mode, bei dem der Nutzer die Kontrolle über die einzelnen Parameter übernehmen kann. So beeindruckend die Funktionen im Einzelnen sind, so überwältigend können sie allerdings in der Gesamtheit sein.

Beide Hauptkameras sind übrigens durch Saphirglas geschützt und sollten so schnell nicht zerkratzen.

Akku

Beim Akku wird sich einer der Hauptunterschiede deutlich. Das Mate S hat lediglich einen 2700 mAh großen Stromspeicher erhalten, das Honor 7 dagegen großzügigere 3100 mAh. Der Unterschied klingt zunächst nicht so gravierend, ist er allerdings in der Praxis dann doch. Während ich mit dem Mate S bei meiner Nutzung (viele Instant Messenger, Social Networks, E-Mails, einige Telefonate, gelegentliche Fotos und immer wieder unterwegs Musik) zwar etwas weiter gekommen bin als mit meinem Nexus 5 (keine große Kunst), war der Akku am Ende des Tages oftmals dann allerdings doch eher leer als gehofft. Im Durchschnitt habe ich es aber immerhin auf 16 Stunden pro Akkuladung geschafft.

Beim Honor 7 dagegen bin ich bei der exakt gleichen Nutzung auf über 26 Stunden gekommen und hatte noch ein paar Prozent übrig. So etwas habe ich bei meiner (zugegeben starken) Nutzung schon lange nicht mehr erlebt. Hier wird klar, warum das Honor 7 nicht nur etwas dicker, sondern auch schwerer ist und in Anbetracht der gewaltigen Laufzeitverbesserung ist es fast etwas schade, dass dem Mate S nicht auch ein Millimeter mehr auf die Hüften gepackt wurde – negativ aufgefallen wäre es bei der Flunder jedenfalls nicht.

Immerhin sind die Stromspeicher aber, dank Quick Charge, bei beiden Geräten sehr schnell wieder aufgefüllt. Nicht ganz so positiv ist dagegen, dass beide Geräte nicht Wireless aufgeladen werden können. Dies ist sicherlich dem Alukleid geschuldet, sowie der Tatsache, dass die kabellosen Ladestandards derzeit deutlich länger brauchen um die Akkus wieder zu füllen. Aus dem Grund hat sogar Google bei den neuen Nexus-Smartphones auf Wireless Charging verzichtet.

Besonderheiten

Fingerabdrucksensoren spielen bei Smartphones eine immer größere Rolle und das spiegelt sich auch bei den beiden Familienmitgliedern wieder. Beide Modelle besitzen scheinbar den gleichen Sensor auf der Gehäuserückseite. Dieser arbeitet beeindruckend schnell und ist zudem noch mit praktischen Zusatzfunktionen ausgestattet – so lässt sich etwa durch ein herunterwischen die Benachrichtigungsleiste herunterziehen und durch doppeltes Tippen leeren. Auch kann man per Fingerabdruckscanner durch die Fotogalerie navigieren. Ein globales Navigieren, etwa im Browser wäre toll, ist aber bisher nicht vorhanden. Besonders praktisch ist die Position des Fingerabdruckscanners auf der Rückseite unterhalb der Kamera. Sobald man das Smartphone in die Hand nimmt, ist der Zeigefinger eigentlich automatisch in dieser Position und das Telefon entsperrt. Ich habe mich während der Nutzung sehr schnell an die Handhabung gewöhnt und auch den Lockscreen habe ich nicht vermisst. Einziger Nachteil ist, wenn das Telefon auf dem Tisch liegt, muss man es erst hoch nehmen, oder eben doch mal PIN/Passwort oder Entsperrmuster eingeben.

Huawei Mate S - Fingerprint scanner

Darüber hinaus besitzt das Honor 7 noch eine programmierbare Hardware-Taste, die sich im Alltag als sehr praktisch erweist, wenn man sie als Kamera-Taste oder aber zum Starten von bestimmten Apps verwendet. Ein weiteres Feature, das das Honor 7 dem Mate S voraus hat, ist ein IR-Blaster an der Gehäuseoberseite. Damit lassen sich allerhand Geräte vom Fernseher, über den Hifi-Receiver und vielen anderen Gerätetypen mit dem Smartphone als Universalfernbedienung steuern.

Huawei Mate S vs Honor 7 - top

Erscheinungsbild (Software)

Was die Software betrifft, gibt es einen großen Unterschied und dann doch wieder kaum einen. Grundsätzlich kommt auf dem Honor 7 Android 5.0 zum Einsatz, beim Mate S dagegen immerhin schon Android 5.1.1. Dies ist zwar eigentlich schon ein großer Unterschied, der im Alltag allerdings kaum auffällt, da die Emotion UI über die jeweilige Android-Version gelegt wurde. Und auch wenn die Software von Huawei mit derart vielen cleveren Features ausgestattet wurde, dass die bloße Aufzählung den Rahmen dieses Artikels um ein Vielfaches sprengen würde, ist sie leider trotzdem das größte Problem der Geräte. Mir persönlich gefällt die EMUI-Oberfläche nicht besonders, da sie etwas zu sehr an iOS angelehnt ist. Vor allem das Fehlen eines App-Drawers stört, besonders bei vielen installierten Apps, doch sehr. Natürlich lässt sich dies durch die Installation eines alternativen Launchers beheben, allerdings ist die EMUI-Software so dominant, dass sie sich selbst in diesem Fall immer wieder in den Vordergrund drängt.

Einen Minuspunkt erhält leider auch die zusätzliche App Phone Manager. Die Idee ist zwar nicht verkehrt – Apps, die im Hintergrund viel Speicher verbrauchen werden analysiert und können dann beendet werden. Leider führt dies in der Praxis dazu, dass die App etwas zu aggressiv eingestellt ist und man ständig Benachrichtigungen erhält und mehrmals täglich Apps schließt und den Speicher von Dateileichen befreit. Zum Glück lässt sich die Wartung durch die App aber deaktivieren.

Fazit

Das Familienduell ist wirklich nicht einfach zu bewerten. Beide Geräte bieten sehr viel und wissen auch vielen Ebenen zu überzeugen. Das Huawei Mate S versucht in der Oberklasse mitzuspielen, kann sich gegen die harte Konkurrenz in dem Bereich nur schwer behaupten und selbst aus eigenem Hause macht das Honor 7 mächtig Druck. Das Mate S bietet zwar in einigen Bereichen etwas mehr, wie etwa ein edleres Design, ob dies allerdings den deutlich höheren Anschaffungspreis rechtfertigt, muss jeder selber entscheiden, zumal das Honor 7 viele der Features, wie etwa den Fingerabdrucksensor, ebenfalls erhält, plus einen stärkeren Akku und das für einen deutlich niedrigeren Preis.


Images by Daniel Kuhn


 

About Daniel Kuhn
Daniel Kuhn leitet seit Juni 2015 die Blogs Android4you.de und Appleunity.de. Ansonsten schreibt Wahl-Berliner mit Leib und Seele als freier Journalist für Netzpiloten.de und Androidmag.de.