Analog schreiben, digital sammeln: Wacom Bamboo Spark im Alltagstest

Wer kennt es nicht: Schnell mal das notiert und jenes aufgeschrieben und nach kurzer Zeit findet man sich in einem Papier-Wirrwarr wieder. Wacom will mit seinem neuen analogen und doch digitalen Notizblock Bamboo Spark dem Problem ein Ende setzen und Geschriebenes direkt mit Tablet und Smartphone synchronisieren. Was steckt hinter dem Konzept und wie schlägt sich das Gadget im Alltag? Wir haben es für euch herausgefunden.

Hardware

Im Lieferumfang des Wacom Bamboo Spark befindet sich die Mappe mit A5-Notizblock sowie Ersatz-Tintenkartuschen für den Spark-Pen, Werkzeug zum Entfernen der Stiftspitzen, ein passendes micro-USB-Kabel sowie eine Kurzanleitung. Auf ein Netzteil verzichtet der Hersteller, was allerdings nicht weiter tragisch ist. Sowohl in Haptik als auch Verarbeitungsqualität hinterlässt das Gadget einen soliden Eindruck: Unser Smart Folio mit Zubehörtasche liegt mit seinen 535g gut in der Hand und kann durch seine kompakten Abmaße (206 x 253 x 30 mm) punkten. Damit passt es in jede Tasche und ist perfekt für den portablen Einsatz in Uni oder Besprechung.

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In der Rückseite ist der flächige Akku integriert, der wie erwähnt per microUSB-Kabel geladen werden kann. Der Anschluss dafür befindet sich auf der Oberseite. Die Mappe ist durch ein elastisches Gummiband gegen ungewolltes Aufschlagen geschützt. Im „Inneren“ findet sich wahlweise eine Tasche zum Aufbewahren von Smartphone oder Tablet (speziell iPad Air) und der eigentliche 30-seitige Notizblock im herkömmlichen A5-Format. Darunter verbirgt sich die Sensorik.

Wie auch bei den Grafik-Tablets des Herstellers kommt das elektromagnetische Resonanzverfahren zum Einsatz. Dabei erkennt das Sensor-Panel durch den Block hindurch Stifteingaben über die spezielle Mine des mitgeliefertem Kugelschreibers. 1024 Druckempfindlichkeitsstufen sollen möglich sein. Eine zweite Stromquelle im Stift selbst wird nicht benötigt. Das heißt allerdings auch, dass für die Notizen kein „normaler“ Kugelschreiber oder Bleistift genutzt werden kann. Das ist auch nicht nötig, denn das beigelegte Schreibgerät liegt gut in der Hand – auch wenn ihm die ein oder andere ergonomische Schwingung gut getan hätte.

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Image by Jonas Haller

Zum Starten der Sensoreinheit befindet sich auf der Unterseite ein On/Off-Schieber. Ist dieser aktiviert, kann das Wacom Bamboo Spark mit dem Smartphone oder Tablet per energiesparendem Bluetooth 4.0 verbunden werden. Dazu muss der entsprechende Button, der sich links neben dem Notizblock befindet, etwas länger gedrückt und natürlich die zugehörige App auf dem Mobilgerät installiert werden.

Software

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Screenshots by Jonas Haller

Wacom bietet für seinen „Digital-Block“ einige eigene Anwendungen an, die sowohl für Android als auch iOS verfügbar sind. Die wohl wichtigste ist dabei die Bamboo Spark App. Mit ihr kann erst die Verbindung zwischen Gadget und Endgerät hergestellt werden. Das geht schnell und unkompliziert von der Hand. Anschließend kann direkt mit dem Kritzeln begonnen werden. Wer will kann sich in der Wacom Cloud anmelden und all seine Dokumente direkt in der Cloud speichern. Alle Endgeräte sind dann auf einem Stand. Das mag zwar für Privatpersonen komfortabel sein, dürfte für Unternehmen jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen untragbar sein. Für Drittanwendungen wie Evernote oder Dropbox kann das Notierte als Bild oder PDF exportiert und anschließend gespeichert oder versendet werden.

Ebenfalls unterstützt wird die bereits verfügbare App Bamboo Paper, die auch mit den Grafiktablets des Herstellers zusammenarbeitet. Damit können Notizen editierbar gespeichert und anschließend von Freunden und Kollegen bearbeitet werden. Als Arbeitsplattform dient jedoch auch hier ausschließlich die Wacom Cloud.

Alltagserfahrungen

Ich persönlich hatte die Möglichkeit das Wacom Bamboo Spark vier Wochen im Studentenalltag zu nutzen und bin vom Konzept begeistert: Die Stifterkennung funktioniert prompt und auf Papier lässt es sich deutlich besser und entspannter schreiben als auf einem glatten Tabletdisplay. Die Druckstufen ließen bei Skizzen zudem gestalterischen Spielraum. Eine weitere Stärke zeigte sich im internen Speicher, der das Sammeln von bis zu 100 Seiten ohne Synchronisation möglich macht. Falls also Smartphone oder Tablet gerade nicht zur Hand sind, kann trotzdem drauf los geschrieben und notiert werden. Auch die Akkulaufzeit überzeugte: Eine „Arbeitswoche“ war drin – das variiert jedoch stark nach Anwendungsprofil.

Bei Schreiben und Kritzeln ist jedoch auch Vorsicht geboten. Papierverschiebungen quittiert die Sensorplatte mit verzogenen Notizen. Hier wäre eine Fixierung im unteren Blockbereich hilfreich gewesen. Auch das Bearbeiten von Aufzeichnungen ist nur bedingt möglich: Ist die Seite für das System „abgeschlossen“ können Änderungen nur virtuell vorgenommen werden. Bearbeitungen auf dem Papier erzeugen eine neue Seite. Wünschenswert wäre zudem eine Schrifterkennung gewesen, die das Geschriebene in Computerschrift umwandelt. Aber vielleicht gibt es dazu ja früher oder später ein App-Update.

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Image by Jonas Haller

Das Wacom Bamboo Spark ist ab sofort in drei verschiedenen Varianten im Handel verfügbar – einmal als Smart Folio mit Zubehörtasche (das hier vorgestellte Modell), mit Tablet-Sleeve und mit Snap-fit für iPad Air 2. Der Preis beträgt derzeit etwas happige 160 Euro. Dafür bekommt man dann allerdings auch ein feines Stück Produktivität, das auf dem Markt seines Gleichen sucht. Das Wacom Bamboo Spark bekommt von uns auf jeden Fall eine Kaufempfehlung.


Images und Screenshots by Jonas Haller


 

About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.