Watch up? Huawei Watch mit Android Wear im Test

Google will auch im Wearable-Bereich wegweisend sein und hat dafür Android Wear ins Leben gerufen. Zahlreiche Hersteller nutzen die mobile Plattform und auch Huawei hat mit der Watch nun ein hochwertig anmutendes Exemplar auf dem Markt gebracht. Doch wie schlägt sich die Huawei Watch im Alltag und lohnt sich die Anschaffung?

Huawei gilt als eine der am stärksten wachsenden Unternehmen im Elektronikbereich. So wundert es kaum, dass der Hersteller aus Shenzhen auch im trendigen Wearable-Bereich mitmischen will. Unlängst wurde die 399 Euro teure Huawei Watch vorstellt, die wir in den letzten Tagen einem ausführlichen Praxistest unterziehen konnten.

Hardware: Schick, schnell, smart

Dass Huawei bei seinem Wearable-Device die hochwertigen Chronographen als Vorbild genommen hat, wird bereits bei der Verpackung sichtbar: Die Smartwatch kommt in einem edlen Karton daher, der das Gadget beim Öffnen erstklassig in einer Schatulle mit Kunstleder-Optik präsentiert. Zum Lieferumfang zählt neben der Uhr selbst ein Netzteil mit USB-Kabel samt Ladestation sowie eine Kurzanleitung.

Das Design kann sich sehen lassen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Smartwatch-Träger direkt als Technik-Nerds erkannt wurden. Mit einem Durchmesser von 42 mm sowie einer Dicke von 11,3 mm bietet die Huawei Watch ähnliche Abmaße wie das Konkurrenzprodukt von Motorola, die Moto 360 (2015). Auch den besonders schmalen Bezel gilt es zu erwähnen. Die Verarbeitungsqualität sowie Materialwahl ist auf Premium-Niveau – die Chinesen setzen auf hochwertiges 316L Edelstahl. Das Armband kommt bei der vorliegenden Classic-Version in Kunstleder daher. Zur Wahl stehen auch Varianten mit Glieder- oder Netzarmband.

20151122-Huawei-Watch-Karton Huawei Watch
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Dieses Display kann sich sehen lassen

Das 1,4 Zoll große AMOLED-Display besitzt eine hohe Auflösung von 400 x 400 Pixel und kann mit einer Pixeldichte von 286 ppi glänzen. Im Alltag ist das Panel sehr hell und kann jederzeit einwandfrei abgelesen werden. Leider fehlt ein Helligkeitssensor. Huawei verbaut zum Schutz vor Kratzern edles Saphirglas. Unter der Haube arbeitet ein Snapdragon 400 Quad-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,2 GHz pro Kern. Der Arbeitsspeicher von 512 MB sorgt für einigermaßen flüssiges Arbeiten, intern können 4 GB an Daten und Apps gespeichert werden. So gibt es die Möglichkeit Musikstücke von Google Play Music mit der Uhr zu synchronisieren um diese dann auch ohne Smartphone (mit Bluetooth-Kopfhörern) wiederzugeben.

Die Verbindung mit dem Smartphone wird via Bluetooth 4.1 hergestellt. Probleme gab es im Test hier und da beim Reconnect, wenn die Uhr einmal außerhalb der Telefon-Reichweite war. Als Besonderheit kommt ein WLAN-Modul zum Einsatz, das Daten unabhängig vom Smartphone aus dem Netz laden kann. Die Empfangsstärke ist mehr als ordentlich. Für den alltäglichen Betrieb steht dem Nutzer unter anderem ein Gyroskop mit Accelerometer zur Verfügung. Damit werden die Armbewegungen detektiert und Schritte aufgezeichnet. Das funktionierte im Test ganz passabel, die Abweichung war bei einer täglichen Laufleistung von 8000 Schritten gegenüber des nativen Aktivitätstrackers Withings Activité Pop gering: Sie lag bei 100 – 300 Schritten.

20151122-Huawei-Watch-Seite Huawei Watch
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Auch ein Barometer sowie optischer Pulsmesser sind an Bord. Ersteres ist in der Lage den Luftdruck zu messen und damit grob das Höhenprofil wiederzugeben. Mittels Pulsmesser können die Herzschläge pro Minute aufgenommen werden. Im Test funktionierte das Modul ganz passabel, zeigte jedoch auch hin und wieder fehlerhafte Werte an. Als verlässliche Quelle sollte das Tool – auch aus technischen Gründen – nicht genutzt werden. Eine kontinuierliche Messung beim Training ist verfahrensbedingt nicht möglich. Über das integrierte Mikrofon könnt ihr der Huawei Watch Sprachbefehle erteilen. Die Phrase muss lediglich mit „Ok, Google“ begonnen werden. Auch ganze Nachrichten können eingesprochen werden. Das funktionierte einwandfrei, auch Satzzeichen können genutzt werden.

Akku könnte besser sein

Etwas mager ist der 300 mAh-starke Akku. Laut Hersteller sollen 1,5 Tage möglich sein, nach nicht einmal 16 Stunden musste das Testgerät im Always-On-Modus wieder an die Steckdose. Etwas bessere Werte könnt ihr mit zeitweise deaktiviertem Display erreichen: 24 Stunden sind dann durchaus drin. Die Huawei Watch bietet zudem einen Kinomodus, der das Display bis zum nächsten Drücken des Tasters deaktiviert – besonders nachts eine brauchbare Funktion. Leider klappte das nicht immer: So kam es stellenweise vor, dass die Uhr über Nacht komplett entladen wurde und deshalb morgens den Dienst als Wecker versagte. Ärgerlich, wenn man das Wearable Device als vibrierenden Muntermacher nutzt. Der komplette Ladevorgang dauert dann knapp 90 Minuten.

20151122-Huawei-Watch-Unterseite Huawei Watch
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Software: Individuell, intelligent, innovativ

Huawei setzt beim Betriebssystem auf Android Wear in Version 5.1.1. Für den Betrieb ist die Installation der passenden Android Wear App auf dem Smartphone notwendig, das Verbinden geht schnell von der Hand. Ist das System gestartet, zeigt es den eigentlichen „Home Screen“. Anders als bei den Smartphones besteht er aus einem Ziffernblatt, das ihr ähnlich eines Hintergrundbildes frei wählen und anpassen könnt. Mit einem Wisch nach unten können einige ausgewählte Einstellungen wie die Benachrichtigungs-(De-)Aktivierung, der Kinomodus sowie die erhöhte Helligkeit aufgerufen werden. Auch das Einstellungsmenü lässt sich darüber öffnen.

Mit einem Wisch nach links erscheint der App-Drawer. Dieser listet alle verfügbaren Anwendungen, die die Uhr ausführen kann. Weitere Wischgesten öffnen das Kontakte-Menü mit den zuletzt verwendeten Kontakten sowie das Google-Kontextmenü. Letzteres ermöglicht den Zugriff auf die vorhandenen Google-Dienste als auch die Spracheingabe. Zum Beispiel könnt ihr auf diese Weise die aktuellen Termine betrachten, Notizen und Google Play Music öffnen oder den Puls messen. Das funktioniert so ähnlich wie mit dem angesprochenen App-Drawer. Apropos App: Huawei installiert einige eigene Anwendungen vor. So sind Applikationen zum Schrittezählen, für die Dokumentation der Joggingrunde oder auch zum Pulsmessen vorhanden. Per Together können Nutzer unkompliziert über ihre Huawei Watch kommunizieren.

20151122-Huawei-Watch-Screenshots Huawei Watch
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Zudem ermöglicht Google eine nützliche Navigation via Maps. Wer im Ausland unterwegs ist, kann den bekannten Google Übersetzer nutzen – vorausgesetzt man nennt einen internationalen Datentarif sein Eigen. Wischt man vom Ziffernblatt nach oben erreicht man die vom Smartphone bekannten Benachrichtigungskarten aus Google Now. Dort können unkompliziert kommende Termine, Nachrichten und Mails gelesen oder Informationen zu Wetter, Fitnessfortschritten oder auch Fußballergebnissen eingeholt werden. Im Test waren die Informationen teilweise veraltet, da Google die Daten nicht per Push sondern zeitgesteuert aktualisiert. Auch in Sachen Funktionsumfang hätte ich mir gern mehr gewünscht.

Test-Fazit Huawei Watch: Traditionell, trendy, teuer

Huawei hat mit der Watch ein echt schickes Accessoire für den modebewussten Nerd auf den Markt gebracht. Das Design ist schick, die Materialwahl stimmt – auch wenn das Gadget an dünnen Armen sehr klobig wirkt. In Sachen Hardware und Sensoren bieten die Chinesen den Stand der Technik an. WLAN ist in der Klasse nicht selbstverständlich. Ich persönlich hätte mir noch ein LTE-Modul gewünscht, das Daten unabhängig vom Smartphone laden kann. Auch der Akku hätte etwas mehr Leistung vertragen können.

Die Software in Form von Android Wear arbeitet vernünftig mit den Komponenten zusammen, auch wenn hier und da Mikroruckler sichtbar sind. Der Funktionsumfang ist auch 1,5 Jahre nach der Veröffentlichung noch recht dürftig. Insgesamt kann man Huawei hier allerdings keine Vorwürfe machen. Leider bricht das jedoch dem Gerät das Genick, denn der Preis von 399 Euro in der Basisversion ist im Hinblick der rudimentären Software doch recht happig. Wer trotz allem eine modische Android-Uhr mit Stil sucht, ist hier an der richtigen Adresse.


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About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.