High-End-Tablet zum Schnäppchen-Preis? ASUS ZenPad S 8.0 im Test

Auch im Android-Bereich boomt der Tablet-Markt. In keinem Jahr zuvor wurden so viele Geräte verkauft wie in 2015. Der taiwanische Hersteller ASUS will mit dem kompakten, leistungsstarken ZenPad S 8.0 iPad-mini-Käufer abspenstig machen. Gelingt das auch? Wir haben das Tablet genauer unter die Lupe genommen.

ASUS ist seither für noble, hochwertige Elektronikgeräte bekannt. Mit der neuen ZenPad-Serie verspricht der Hersteller den „Luxus einer neuen Generation“. Bereits auf der IFA in Berlin hatten wir die Möglichkeit die Tablets auszuprobieren und waren schwer beeindruckt. Nun konnten wir die 8 Zoll High-End-Variante einem längeren Test unterziehen und verraten wo die Stärken und auch Schwächen des Gerätes liegen.

Verpackung und Lieferumfang

Das ASUS ZenPad S 8.0 (Z580CA) kommt in einer herkömmlichen Pappverpackung daher. Zum Vorschein kommt bei der Variante mit Z Stylus eine weitere Verpackung mit dem Tablet selbst sowie eine Schachtel mit Stift. Die Präsentation ist also nichts weltbewegendes, aber durchaus solide. Im Lieferumfang des Tablets befindet sich das 8 Zoll Gerät selbst, ein USB-Type-C-Kabel, ein 1,36-Ah-Netzteil sowie eine Kurzanleitung zur Inbetriebnahme. Nicht mehr und nicht weniger.

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Design und Verarbeitung

Werfen wir zuerst einen Blick auf das Äußere des ZenPad S 8.0. Mit den Abmaßen 203 x 134 x 6,6 mm und einem Gewicht von nur 298 g liegt es gut in der Hand. Das glatte Kunststoffgehäuse mit leicht strukturierten Applikationen auf der Unterseite verhindert jedoch eine bessere Bewertung: Beim Halten mit einer Hand rutschte mir das Tablet einige Male aus der Hand. Ebenfalls störend in Sachen Formfaktor ist die leicht herausstehende Kamera, die sich auf der Geräterückseite in der linken oberen Ecke befindet.

Auf der Vorderseite verwendet ASUS Gorilla Glass, das vor Kratzern schützen soll. Nutzt man das Gerät im Querformat befinden sich rechts und links die Stereo-Frontlautsprecher. Außerdem finden sich Helligkeitssensor und Frontkamera. Auf der Unterseite befindet sich der dezentral angebrachte USB-Type-C-Anschluss, oben ein 3,5 mm Klinkenanschluss, links kann eine microSD-Karte (bis 128 GB) eingesetzt werden. Auf der rechten Seite befinden sich Lautstärke-Wippe und Power-Button, die durchaus einen besseren Druckpunkt verdient hätten. Die Verarbeitung ist insgesamt jedoch auf hohem Niveau.

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Display

Eine Stärke des ASUS ZenPad S 8.0 ist zweifelsohne das 8 Zoll große IPS-Display. Es kommt wie auch beim iPad mini 3 mit einer Auflösung von 2048 x 1536 Pixel daher und bietet somit eine überdurchschnittliche Pixeldichte von 320 ppi. Die Farben sind dank VisualMaster-Technologie sehr intensiv und kontrastreich, verfälschen jedoch im Gegensatz zu AMOLED-Displays nicht. Für das Betrachten langer Texte integriert ASUS einen Blaulichtfilter, der für Entlastung der Augen sorgen und Kopfschmerzen verhindern soll. Insgesamt gestaltete sich das Konsumieren längerer Texte und Skripte sehr angenehm. Beim Arbeiten kommt zudem das 4:3 Display-Verhältnis zu Gute. Apropos Verhältnis: 74 Prozent der Geräteoberfläche besteht aus der IPS-Anzeige. Einziger Wermutstropfen ist mit 400 nits die geringe Helligkeit des Panels. Bei Sonneneinstrahlung erreicht es schnell seine Grenzen.

Performance und Speicher

Das Herzstück eines jeden Tablets ist jedoch der Chipsatz. ASUS geht hier einen anderen Weg als der Großteil der Konkurrenten und bezieht den Prozessor von Intel. Im ZenPad S 8.0 arbeitet ein Atom Z3580 Quad-Core-SoC mit 64-Bit Architektur, der mit bis zu 2,33 GHz taktet und besonders energiesparend ist. Unüblich ist auch die Größe des verbauten Arbeitsspeichers: Ganze 4 GB, die im schnellen Dual Channel angeordnet sind, sorgen für ordentlich Tempo. Im Alltag gibt sich das Gerät im Bereich Schnelligkeit und Multitasking keine Blöße.

Anders im „harten“ AnTuTu-Benchmark. Dort zeigten sich die Schwächen des bereits 2014 erschienenen Prozessors. So erreichte das Gerät in Version 6.0 des Performance-Tests rund 60.000 Punkte und liegt hinter vergleichbaren Geräten mit Qualcomm- oder gar Nvidia-Prozessor zurück. In AnTuTu 5.0 wurden 46.200 Punkte erreicht. Auch die Grafikleistung blieb hinter den Erwartungen zurück. Die PowerVR G6430 Grafikeinheit verrichtet ihren Dienst zwar ordentlich, kann aktuelle Android-Games allerdings oftmals nicht in nativer Auflösung darstellen. Eine sichtbar pixelige Spielerfahrung ist die Folge. Sichtbar wird das unter anderem beim GFX Benchmark, in dem das ZenPad S 8.0 mit 288 Frames im Bereich von Mittelklasse-Geräten der Hersteller Medion, Huawei und Xiaomi liegt.

20151212-ASUS-ZenPad-S-80-AnTuTu

Positiv sticht allerdings die Speicherkapazität hervor. 64 GB sind bei einem 350-Euro-Gerät keine Selbstverständlichkeit. Damit sollte man fürs Erste gut auskommen – zusätzlich gibt es von ASUS für ein Jahr 16 GB kostenlosen Webstorage. Wem das nicht reicht (oder zu unsicher ist), der kann via microSDXC-Karte das Speichervolumen um bis zu 128 GB vergrößern.

Stylus

Eine echte Bereicherung für das Tablet ist der in unserem Fall mitgelieferte ASUS Z Stylus. Er vereinfacht nicht nur die handschriftliche Eingabe, sondern bietet auch die ein oder andere Zusatzfunktion. So lässt sich durch zusätzliche Buttons ein Schnellzugriff öffnen oder unkompliziert ausgewählte Bildschirminhalte als Screenshot speichern. Wandert man berührungslos über das Display können auch Ordner geöffnet und abgelegte Shortcuts angezeigt werden. Mithilfe der vorinstallierten Notizen-App können schnell handschriftliche Informationen aufgenommen werden. Ein Klick auf den angesprochenen Button löscht Geschriebenes.

20151212-ASUS-ZenPad-S-80-Stylus

Auch in Verbindung mit PDF-Dokumenten funktionieren diese Features hervorragend. Digital-Künstler dürften Freude an den 1024 vorhandenen Druckstufen haben. Für allzu draufgängerische Geister legt ASUS eine zweite austauschbare, 1,2 mm starke Mine bei. Einzige Schwäche des Stiftes ist der Betrieb via AAAA-Batterie, die jedoch 150 Stunden und damit – bei moderatem Einsatz – einige Monate durchhalten soll.

Kamera

Auch im Tabletbereich wird die Qualität des Kameramoduls immer wichtiger. ASUS verbaut im ZenPad S 8.0 auf der Rückseite ein 8 Megapixel Modul, das allerdings allerhöchstens für Schnappschüsse gut ist. Die Aufnahmen sind blass und bieten nur eine geringe Schärfe. Auch auf einen LED-Blitz muss der Nutzer verzichten. Zur Digitalisierung von Dokumenten reicht das Linsensystem allerdings allemal. Auch auf der Frontseite ist ein Kameramodul integriert. Die Auflösung beträgt 5 Megapixel und bietet für Videoanrufe via Skype eine ordentliche Schärfe. Aber auch hier sollten keine Wunder erwartet werden. Beide Module zeichnen Bewegtbilder in FullHD, also 1920 x 1080 Pixel und 30 Bildern pro Sekunde auf.

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Sound

Spätestens seit der neu aufgelegten One-Serie von HTC sind Stereo-Lautsprecher zu einem wichtigen Gimmick geworden. Auch ASUS verbaut beim aktuellen ZenPad S 8.0 zwei Speaker auf der Frontseite, die dank Sonic Master Technologie und DTS HD für ordentlichen Sound sorgen sollen. Zudem spendiert der taiwanische Hersteller einen Audioassistenten, mit dessen Hilfe Höhen, Tiefen oder auch ein Equalizer konfiguriert werden können. Die Klangqualität der Speaker ist überdurchschnittlich gut, auch wenn das letzte Quäntchen im Vergleich zum Google Nexus 9 fehlt. Musik und Youtube-Videos lassen sich jedoch entspannt konsumieren, ohne gleich Ohrenschmerzen zu bekommen. Wer dennoch auf hochwertige Klänge steht, sollte das Audio-Case mit virtuellem Dolby 5.1 Sound ordern oder den Audio-Ausgang inklusive entsprechender On-Ears nutzen. Dann entfaltet auch der angesprochene Audioassistent seine komplette Funktionsbreite.

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Funk und Konnektivität

Ein wichtiges Feature moderner Tablets ist die Anbindung an das World Wide Web. Und so unterstützt auch das ZenPad S 8.0 die schnellen WLAN-Standards a/b/g/n/ac sowohl im 2,4 GHz als auch 5 GHz Frequenzband. Besonders positiv ist dabei die Reichweite aufgefallen: Während Konkurrenzprodukte bereits das virtuelle Handtuch werfen, steht die Verbindung beim ASUS-Gerät tadellos. Auch eine direkte Spiegelung des Tablet-Screens auf dem PC ist möglich. Leider verzichtet der taiwanische Hersteller bei der zweiten ZenPad-Generation auf ein optionales LTE-Modul, was die Portabilität in gewissem Maße einschränkt. Wer kabellose Geräte ansteuern will, kann auf die Bluetooth 4.1-schnittstelle zurückgreifen. Auch hier gab sich das Tablet keine Blöße und überzeugte durch eine stabile Verbindung.

Akku

Einer der schwächeren Bereiche des ASUS ZenPad S 8.0 ist definitiv die Akkuleistung: Die Taiwaner verpflanzen ein 4.000 mAh (15,2 Wh) starkes Modul unter das Kunststoffkleid. Das klingt im Vergleich zur Smartphone-Konkurrenz nicht schlecht, ist aber bei aktivierter WLAN-Verbindung und stetigem Nutzen der Internetverbindung zu wenig. ASUS selbst verspricht (nur) 8 Stunden Nutzung, die wir im Test bei intensiver Nutzung auch bestätigen konnten. Bei moderater Nutzung waren ungefähr 2 Tage drin. Auch in Sachen Ladegeschwindigkeit bekleckerte sich das ZenPad nicht gerade mit Ruhm. Obwohl die „Boost Charge“-Option aktiviert war, dauerte der Ladevorgang mit dem 1,36 Ah starkem Type-C-Netzteil mehr als 3 Stunden. Das ist in Zeiten von Quick Charge und Co nicht mehr zeitgemäß.

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Software

In Sachen Software kommt auf dem ZenPad S 8.0 Google Android 5.0 zum Einsatz. Schon auf dem ersten Blick erkennt man Unterschiede zu Stock-Android. ASUS spendiert dem Ganzen nämlich eine eigene Oberfläche namens Zen UI und verspricht umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten sowie etliche zusätzliche Features. Eines davon ist beispielsweise die Anordnung von nachträglich installierten Anwendungen in zugehörigen Ordnern. So finden sich Apps zur Kommunikation, Produktivität oder auch Musik & Audio an einem Platz. Unübersichtliche App-Drawer gehören damit der Vergangenheit an.

Zum Software-Lieferumfang zählen auch etliche vorinstallierte Anwendungen, die zum Teil nützlich, aber auch nervig sein können. Zu Ersteren zählen zweifelsfrei die Backup-Anwendung, der Dateimanager, MiniMovie, ein Kindermodus oder auch SuperNote. Auch der Cleanmaster ist ein brauchbares Tool, kann aber auch als Bloatware eingestuft werden. So bringt der Quick Charge Modus nervige Werbung auf den Lockscreen – ein absolutes NoGo. Auch der Geschwindigkeitsunterschied ist eher marginal.

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Zu den eher überflüssigen Anwendungen gehören Share Link (hierfür ist eine Mobilnetzverbindung notwendig, die mit dem Gerät gar nicht aufgebaut werden kann), Whats Next (ein Google Now Klon), eine Taschenlampe (wobei eine Foto-LED fehlt) sowie eine Spiegel-App (aka Frontkamera). Auch der Service TripAdvisor ist vorinstalliert sowie ein Shortcut zu einer Webseite mit (schlechten) Gratisspielen. Leider lassen sich nicht alle deinstallieren sondern lediglich deaktivieren. Dafür verspricht ASUS in der nächsten Zeit ein Update auf Android 6.0 Marshmallow auszurollen.

Fazit

Mit der zweiten ZenPad-Generation hat ASUS einen echten Tabletknaller an den Start gebracht. Mit 4 GB RAM, 64 GB internem Speicher, 2K-Auflösung und Stift-Support stellt es die meisten Mitbewerber in der Preisklasse zwischen 300 und 400 Euro in den Schatten. Vor allem die kompakten Abmaße und das geringe Gewicht machen das ASUS ZenPad S 8.0 zu einem waschechten Mobilgerät – auch wenn ein LTE-Modul leider fehlt. Auch ein größerer Akku sowie ein aktueller Prozessor aus dem Modelljahr 2015 wären wünschenswert gewesen.

Trotz allem empfiehlt sich das Tablet für alle, die ein hochwertiges und potentes Android-Gerät für einen verhältnismäßig kleinen Preis suchen. Derzeit kostet die Topausstattung im ASUS-Shop 349 Euro, Amazon legt gar den rund 40 Euro teuren Stylus Z gratis oben drauf. Wer auf den üppigen Arbeits- sowie internen Speicher verzichten kann, findet auch eine Variante mit 2 GB RAM und 32 GB internem Speicher zum Kurs von 269 Euro.

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About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.