Glasklarer Sound im Alukleid: BeoPlay H7 im Test

Wer ein Audio-Smartphone wie das Marshall London sein Eigen nennt, will natürlich das komplette Potential aus dem Gerät herausholen. Um glasklaren Sound genießen zu können muss folglich in ein hochwertiges Headset investiert werden. Die Audio-Experten von Bang & Olufsen haben deshalb den kabellosen Over-Ear-Kopfhörer BeoPlay H7 auf den Markt gebracht. Doch ist das Audio-Erlebnis die angesagten 450 Euro wert? Wir haben es getestet.

In den letzten Jahren haben Bluetooth-Kopfhörer dank immer ausgereifteren Übertragungsstandards an Popularität gewonnen. Viele Hersteller haben deshalb kabellose Headsets für Smartphone-Nutzer im Programm. So auch der Premium-Hersteller Bang & Olufsen, der mit dem BeoPlay H7 vor allem gut betuchte ansprechen soll.

Verpackung, Design und Verarbeitung

Die Over-Ear-Kopfhörer kommen in einer von außen unscheinbaren matten Kartonverpackung daher. Innen sieht das schon edler aus. In einer mit Samt ausgekleideten Kunststoffform wird der BeoPlay H7 standesgemäß präsentiert. Darunter befinden sich kleine Pappschachteln, die das Zubehör beherbergen. Dazu zählen ein 25mm kurzes microUSB-Kabel zum Aufladen des Akkus, ein 1,2m langes 3,5mm-Klinkenkabel sowie ein samtiger Transportbeutel. Eine Schnellstartanleitung darf natürlich auch nicht fehlen.

20160214-BeoPlay-H7-Verpackung

Die Ausmaße des BeoPlay H7 betragen laut Datenblatt 197 x 225 x 40 mm. Die Masse gibt der Hersteller mit angenehmen 280g an. Mit dem Headset liefert Bang & Olufsen zum wiederholten male ein hochwertiges Designstück ab. Das von Jakob Wagner designte H7 kommt mit edlen Materialien daher: Der Tragebogen besteht aus Leder und in der Innenseite aus gepolstertem Polyester. Die Hörmuschel besteht aus gepolstertem Leder, die Außenseite aus Aluminium. Dank variabler Bügellänge ergibt sich ein optimaler Tragekomfort. Selbst nach mehreren Stunden Musik hören drückt das Headset nicht. Allein die Belüftung könnte besser sein, denn nach einer gewissen Betriebszeit laufen die Ohren ordentlich warm. Aber das ist wohl ein generelles Phänomen bei Over-Ear-Headsets. Die Verarbeitung ist auf dem Premium-Niveau, wie man es auch erwartet hätte. Nichts knarzt und alle Nähte sind einwandfrei angefertigt.

Funktionsumfang und Bedienung

Die BeoPlay H7 sind weit mehr als nur Kopfhörer, denn aufgrund eines verbauten Mikrofons können sie als Headset zum Telefonieren genutzt werden. Dabei ist es egal, ob das Gadget kabelgebunden oder per Bluetooth 4.1 (mit aptX-Unterstützung) betrieben wird. Die Einrichtung per Funkstandard geht schnell von der Hand, die Reichweite liegt je nach Begebenheit zwischen mehr als ausreichenden 10 und 15 m. Anders als ein Großteil der Mitbewerber, verzichtet Bang & Olufsen auf eine Extra-App für Android oder iOS. Im Betrieb war das allerdings kein Nachteil, da eine große Anzahl an Smartphones bereits einen integrierten Equalizer mitliefern.

Die Steuerung der gespielten Musik kann wahlweise am Audiogerät als auch am Kopfhörer selbst vorgenommen werden. Ein touchempfindliches Panel auf der rechten Hörmuschel ermöglicht so per Drehbewegung das Variieren der Lautstärke. Ein Tap auf die Mitte des Aluminiumpanels pausiert bzw. startet die Songs. Ist ein Smartphone verbunden, können darüber auch Telefonate angenommen und beendet werden. Ein Wisch nach vorne oder hinten überspringt den aktuellen Track oder spult zurück. Leider ist die blinde Steuerung ohne fühlbare Anhaltspunkte alles andere als präzise. So kann es doch vorkommen, dass man sich besonders zu Beginn hin und wieder vertippt bzw. verwischt. Nach einigen Tagen und Wochen hat man dann allerdings den fehlerfreien Dreh raus.

20160214-BeoPlay-H7-Steuerung

Klangqualität

Der wichtigste Punkt bei einem solchen Kopfhörer ist natürlich die Klangqualität. Der dänische Hersteller verbaut einen elektro-dynamischem 40 mm Treiber, der den Frequenzbereich 20 – 22.000 Hz abdeckt. Also deutlich mehr als der Mensch überhaupt hören kann. Und was soll ich sagen. Nutzt man die richtige Audio-Hardware und vornehmlich Lossless-Audio-Dateien, ist der Sound einfach bombastisch. Anders als bei Konkurrenzprodukten von Beats oder Bose sind die Bässe nicht übersteuert und der Klang ist klar und deutlich. Das heißt natürlich nicht, dass Bass-Fans zu kurz kommen. Mit den richtigen Equalizereinstellungen lassen sich wummernde Frequenzen wortwörtlich um die Ohren hauen – die Vibrationen sind sogar außen spürbar. Insgesamt ist der große Dynamikumfang ein echter Mehrwert und Pluspunkt für den BeoPlay H7, den nur wenige Mitbewerber bieten. Da kann man auch über das fehlende Noise Cancelling hinwegsehen, das in keiner Situation wirklich von Nachteil war. (Hier geht es zum Test des verwandten Modells Beoplay H9 mit Active Noise Cancelling.)

Akku

Komponenten, die solch einen bombastischen Sound produzieren, benötigen natürlich auch Energie. Deshalb spendiert Bang & Olufsen ein 770 mAh starkes Lithium-Ionen-Modul, das sich in der linken Hörmuschel befindet. Anders als bei den Mitbewerbern lässt sich dieser sogar unkompliziert ausbauen und tauschen. Im Test konnten ungefähr 16 Stunden Musik konsumiert werden, wobei die Lautstärke fast durchgängig über 50% lag. Die Dänen selbst geben 20 Stunden Laufzeit an. Nach rund 2,5 Stunden ist das Modul anschließend wieder vollständig aufgeladen.

20160214-BeoPlay-H7-Akku

Test-Fazit: Beoplay H7

Für audiophile Menschen ist der BeoPlay H7 von Bang & Olufsen eine echte Offenbarung: Der Sitz ist für nahezu jede Kopfgröße perfekt, die Klangqualität stimmt trotz Fehlen von aktivem Noise Cancelling (die passive Variante reicht vollkommen) und die Akkulaufzeit ist überdurchschnittlich. Der große Nachteil ist der Kaufpreis. 450 Euro (UVP) sind eine ordentliche Ansage und vielen potentiellen Käufern dürfte das zu viel sein – auch im Hinblick, dass es im Bereich um 200 Euro eine Reihe sehr guter Headsets gibt, die insgesamt nur minimal schlechter sind. Wem es die Nuancen Wert sind, darf allerdings bedenkenlos zugreifen.

Hier geht es zum Test des verwandten Modells Beoplay H9 mit Active Noise Cancelling.


Images by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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