Der Trend der Kabellos-Geräte: Neue Freiheiten treffen auf neue Probleme

In den letzten Jahren hat sich die Elektronikbranche rasant entwickelt. Neben neuen Innovationen und der Leistungsfähigkeit liegt dabei oft die Mobilität im Fokus. Produkte sollen die persönliche Freiheit unterstützen und verbessern – so versprechen es die Marketingabteilungen. Doch verursachen kabellose Geräte in der Praxis nicht neue Probleme, die es im Vorhinein nicht gegeben hat? Und überwiegen für den Endkunden unterm Strich wirklich die Vorteile? Eine Analyse.

Neue Flexibilität

Der wohl größte Vorteil von kabelloser Elektronik dürfte die neu erlangte Freiheit sein. Vorbei sind die Zeiten in denen Kabel-Wirrwarr für Ärger sorgte und umher baumelnde Teile davon den letzten Nerv raubten. Besonders im Bereich der Kopfhörer ist der neue Trend ein echter Luxus. In anderen Segmenten erlauben kompakte Geräte neue Einsatzgebiete. Heutzutage muss kein „Ghettoblaster“ mehr um die Blocks getragen werden – Bluetooth-Speaker bieten bei kleinem Bauraum und damit geringem Gewicht teils unglaublich lange Akkulaufzeiten. Manche können gar als Powerbank verwendet und als Ladestation für das Smartphone verwendet werden (wodurch allerdings doch wieder Kabel ins Spiel kommen).

Stromanschluss adé

Apropos Ladestation. Im Idealfall müssen entsprechende Elektronikgeräte nur selten selbige aufsuchen. Die Technik ist mittlerweile so ausgereift, dass Lithium-Ionen-Akkus Energiedichten von über 200 Wh/kg erreichen können. Zum Vergleich: Herkömmliche Auto-Batterien aus Blei bieten maximal 40 Wh/kg, also nur rund ein Fünftel. Umgerechnet stellen Lithium-Ionen-Akkus bei einer Spannung von 5 V rund 40 Ah, also 40.000 mAh pro kg bereit. Solche Werte wären vor 10 Jahren undenkbar gewesen. Hinzukommt, dass neue Elektronikartikel immer energieeffizienter werden und so längere Laufzeiten möglich sind.

Akkuwechsel? Nein danke!

Doch mit den neuen Akku-Technologien kommen auch neue Probleme. In vielen Fällen können die Module aus Design- oder Produktionsgründen nicht getauscht werden. Zwar sind die Akkumulatoren dann oft Bestandteil des Gerätes und in der zweijährigen Gewährleistung mit enthalten, jedoch verkürzen die Hersteller damit den Produktlebenszyklus spürbar. Wer kennt es nicht: Ohne Probleme könnten Smartphones etliche Monate oder gar Jahre weiter genutzt werden, doch die miserable Akkulaufzeit lässt einen dann doch zum Neugerät greifen. Das könnte sich auch in Zukunft durch viele andere Elektronikbereiche ziehen, in denen heute Akkutechnik Einzug hält. Eine erhebliche Menge schlecht recyclebarer Elektromüll ist die Folge. Hier sollte sich die Industrie schnellstmöglich Gedanken machen.

Weniger Kabel, weniger Sicherheit

Das machen sich viele Nutzer auch um den Datenschutz und Sicherheit der Funkverbindung. Neben der Audiotechnik ist die Vernetzung unserer Elektronikgeräte im Internet Of Things eines der großen Treiber für neue kabellose Technologien. Nicht zuletzt bieten nur schlecht oder gar unverschlüsselte Datenübertragungen per Funk neue Schlupflöcher für Kriminelle. Dass die so ermittelten Informationen meist auf amerikanischen Servern lagern, verbessert die Situation nicht wirklich. Doch die berechtigten Behauptungen lassen die Unternehmen meist nicht auf sich sitzen und versprechen ausgeklügelte Verschlüsselungstechnologien bei der Übertragung sowie sichere Server. Nachprüfen kann dies kaum einer.

Qualitätsverluste trüben das Gesamtbild

Wohl nachprüfbar sind Qualitätsstörungen, die viele Menschen von einem Kauf abhalten. Hier ist besonders der Audio- und Videobereich zu nennen, wo teilweise großen Datenmengen übertragen werden müssen. Für besonders sensible Ohren sind die Unterschiede zwischen 128 kBit/s, 320 kBit/s und Loseless bestimmt hörbar, doch für die Bahnfahrt oder den Weg zur Arbeit reichen oft auch niedrigere Bitraten. (Hier findet ihr übrigens einen netten Test dazu.) Ähnlich ist es auch mit Bluetooth-Kopfhörern, die kabellos die Informationen vom Wiedergabegerät empfangen. Bei vielen Menschen setzt hier wohl der allseits bekannte Placebo-Effekt ein, der eine deutlich schlechtere Qualität vermuten lässt.

Größere Probleme stellen komplette Verbindungsabbrüche dar. Vor allem im Niedrigpreissegment und beim Nutzen mehrerer Bluetooth-Geräte tritt dieses Ärgernis noch heutzutage hin und wieder auf. Im Videobereich machen unstabile WLAN-Verbindungen zwischen Speicher- und Wiedergabegerät Schwierigkeiten. Störende Netze der Nachbarn, die etwa in ähnlichen Frequenzbändern funken, erschweren hier die einwandfreie Übertragung. Das Einrichten neuer Frequenzen – wie aktuell des 5-GHz-Netzes – verbessert die Lage allerdings deutlich.

Fazit

Wie bei den meisten technischen Trends, gibt es bei den Kabellos-Geräten sowohl Vor- als auch Nachteile. Die größten Negativpunkte existieren im Bereich der fest verbauten Akkumulatoren, eher mäßigem Datenschutz und geringeren Übertragungsgeschwindigkeiten, die Qualitätsdefizite nach sich ziehen. Auch die Masse ist aufgrund Akku- und Funktechnik etwas höher. Ihre Stärken spielen kabellose Geräte im Segment der Flexibilität und der Bewegungsfreiheit aus. Im Outdoor-Bereich eignen sich die Produkte aufgrund der Integration eines Akkumoduls. Alles in allem ist es wohl auch eine Philosophie-Frage, ob man sich auf die neue Technik einlässt und etwa Qualitätseinbußen hinnehmen kann. Hier sind auch die Hersteller gefragt, die Entwicklung voranzutreiben.

About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.