Sparfuchs-Smartphone: Wileyfox Swift setzt Maßstäbe in der Einsteiger-Klasse

Wie günstig geht eigentlich gut? Die neue englische Smartphone-Marke Wileyfox möchte in dieser Hinsicht neue Maßstäbe setzen. Mit dem Wileyfox Swift hat das 2015 gegründete Unternehmen jetzt ein Einsteiger-Smartphone für 179 Euro eingeführt. Das ist nur ein Viertel des Preises, der für Spitzen-Geräte fällig wird. Zudem unterbietet das Swift preislich auch die empfehlenswerte Mittelklasse zwischen 200 und 300 Euro. Trotzdem soll es „höchste Hardware-Qualität“ bieten. Wie gut sich der Newcomer in der Praxis schlägt, zeigt mein Test.

Solides Design, schnell genug im Alltag, gutes Display

Von außen bietet das Wileyfox Swift Hausmannskost statt Haute Couture. Das schwarze Kunststoffgehäuse mit abgerundeten Ecken entspricht dem Design-Mainstream. Für kleinere Akzente sorgen der schmale nach Metall anmutende Rahmen ums Display, das eingelassene Logo auf der Rückseite sowie ein oranger Ring um die Hauptkamera. Die mattierte Rückschale liegt gut in der Hand und knarzt nicht. Beim Verwindungstest öffnet sie sich aber schnell. Insgesamt wirkt das Swift hochwertig verarbeitet. Mit 9,37 Millimeter in der Tiefe ist es relativ dick, mit 135 Gramm aber angenehm leicht.

Unter der Haube hat Wileyfox erwartungsgemäß in eine der unteren Bauteil-Schubladen gegriffen. Der Vierkern-Prozessor Snapdragon 410 ist mit bis zu 1,2 Ghz Taktung nicht der schnellste. Zusammen mit 2 GB Arbeitsspeicher meistert er Alltagsaufgaben aber einwandfrei. Überraschung: Selbst das hardware-hungrige 3D-Rennspiel Asphalt 8 läuft flüssig bei mittlerer Qualitätsstufe. Im Internet surft das Swift mit LTE-Geschwindigkeit, was in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist.

Löblich: Bei üblicher Nutzung hält das Swift dank eines Akkus mit 2.500 mAh Kapazität bis zu zwei Tage durch, bis es wieder aufgeladen werden muss. Der Akku ist übrigens wechselbar. Weil Wileyfox bisher keine Ersatzakkus anbietet, ist das noch nicht von Wert.

Das Display hinterlässt einen gemischten Eindruck. In HD mit 1280 x 720 Pixeln aufgelöst, wirkt es auf der Bildschirmdiagonale von 5 Zoll scharf genug: Die Pixeldichte pro Zoll beträgt 294 ppi. Zudem ist es ausreichend hell, kontrastreich und farbbrillant. Geschützt durch Gorilla Glass 3 dürften so schnell auch keine Kratzer das Bild beeinträchtigen. Hingegen ein Manko ist die Blickwinkelstabilität, obwohl ein IPS-Panel dies eigentlich verhindern sollte. Seitlich betrachtet, überzieht schnell ein Grauschleier das Display.

Beim Telefonieren – also der Kernkompetenz eines Mobiltelefons – gibt es beim Swift nichts auszusetzen. Die Sprachqualität geht in Ordnung. Zudem lassen sich zwei SIM-Karten parallel nutzen. Das ist praktisch für Nutzer, die in Grenzregionen leben oder häufig im Ausland sind.

Besserer Datenschutz mit Betriebssystem Cyanogen möglich

Aus der Masse heraussticht das Wileyfox Swift, da es mit dem alternativen Betriebssystem Cyanogen OS 12.1 läuft. Dieses basiert auf Android, bietet aber prinzipiell mehr Freiheiten als die Plattform von Google. So können Nutzer im Einstellungsmenü „Datenschutz“ deutlich gezielter die Zugriffe von Apps auf die eigenen Daten und Funktionen des Smartphones einschränken. Ich bin allerdings skeptisch, ob die Einsteiger-Zielgruppe, an die sich das Swift preislich ja richtet, davon in der Masse Gebrauch machen wird.

Vielmehr dürfte Einsteiger freuen, dass sich Cyanogen auf dem Swift ohne Umgewöhnung genauso bedienen lässt wie Android. Zudem sind viele populäre Google-Dienste vorinstalliert, Play-Store inklusive. Paradoxerweise lassen sich diese nicht deinstallieren, was dem Grundprinzip des alternativen Betriebssystems widerspricht.

Immerhin verzichtet Wileyfox auf Werbe-Apps und bietet stattdessen sinnvolle Zusatz-Programme wie Audio FX. Wer mag, kann damit den Klang dem eigenen Geschmack anpassen. Das wirkt sich sowohl auf Kopfhörer als auch den integrierten Lautsprecher aus, der im Übrigen etwas blechern daherkommt.

Wenig Speicher, Kamera überbelichtet, Schmalspur-Lieferumfang

Was mir beim Test negativ auffällt: Der relativ kleine interne Festspeicher von 16 GB wird schnell ausgereizt, als ich meine Musiksammlung bei Deezer offline speichere. Zwar lässt sich das Wileyfox Swift per Micro-SD-Karte erweitern – allerdings nur bis zu 32 GB. Das ist ungewöhnlich wenig.

Zudem ist die interne Software der 13-MP-Hauptkamera von Samsung offenbar nicht optimal abgestimmt. Bei einem Fotorundgang an einem bewölkten Tag neigte die Kamera zur Überbelichtung. Das ist ärgerlich, da gerade Einsteiger erfahrungsgemäß ihre Bilder nicht groß bearbeiten, sondern so übernehmen, wie sie aus der Kamera kommen.

Wundern dürfte sich des Weiteren, wer das integrierte Radio ausprobieren möchte. Dafür sind Kopfhörer als Antenne erforderlich, die aber nicht zum Lieferumfang gehören. Ein Netzteil fehlt ebenfalls. Zum Laden liegt lediglich ein USB-Kabel im Karton. Da ich ohnehin hochwertige Bügel-Kopfhörer mit Bluetooth bevorzuge und auch genügend Netzteile in der Schublade habe, macht mir dies nichts aus.

Test-Fazit Wileyfox Swift

Wenn mich Freunde und Familie um Smartphone-Kaufempfehlungen bitten, folgt meistens die Einschränkung „Es soll aber möglichst wenig kosten!“ In dieser Hinsicht lässt sich beim Wileyfox Swift schon einmal ein Häkchen setzen. Und was erhält der Nutzer dafür? Das Einsteiger-Gerät bietet ausreichende Arbeitsleistung im Alltag, das Display eignet sich prima zum Lesen und Surfen, die Verarbeitungsqualität ist auf hohem Niveau. Kamera, Speicher, Lautsprecher und Lieferumfang genügen höchsten Ansprüchen nicht, Einsteiger werden daran aber nichts auszusetzen haben. Lediglich die zum Teil unausgewogene Belichtung der Kamera ist problematisch. Dass statt Android Cyanogen läuft, dürfte hingegen vielen Nutzern gar nicht auffallen. Für alle, die Wert auf Datenschutz legen, ist das alternative Betriebssystem jedoch ein Plus. Insgesamt stehen Leistung und Preis in einem hervorragenden Verhältnis. Für Verbraucher, die bei Technik scharf kalkulieren und ihr Smartphone für übliche Alltagsaufgaben einsetzen, ist das Wileyfox Swift ein Kauftipp. Für Smartphone-Geeks ist das Wileyfox ein empfehlenswertes Zweit- oder Ersatzgerät.

Das Wileyfox Swift ist für 179 Euro auf der Herstellerseite oder exklusiv bei Amazon erhältlich.


Image by Berti Kolbow-Lehradt


 

About Berti Kolbow-Lehradt
Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.