IFA 2016: Was kann das Hasselblad True Zoom? Lenovos neues Smartphone-Kameramodul im Test

Moto Mods nennt Lenovo die Zubehörmodule, die sich magnetisch an den Smartphones der Moto Z Reihe befestigen lassen. Bisher hat die Serie aus einem Lautsprecher, einem Akkupack und einem mobilen Projektor bestanden. Nun hat Lenovo auf der IFA in Berlin ein weiteres Moto Mod vorgestellt, das Hasselblad True Zoom Kameramodul. Dank 10-fach Zoomobjektiv und leistungsstarkem Xenon-Blitz verwandelt das True Zoom ein kompatibles Smartphone in eine echte Smart kamera, die die technischen Daten eines idealen Reisebegleiters bietet:

  • 12 Megapixel 1/2,3 Zoll CMOS Sensor mit einer Pixelgrösse von 1.55 um
  • Sensorempfindlichkeit ISO 100 – 3200
  • 10-fach Zoomobjektiv mit einer äquivalenten Brennweite von 25-250mm und Blende F3.5-6.5
  • Optische Bildstabilisierung
  • 1080p Full-HD Video
  • Auslöseknopf und Zoomhebel
  • Xenon-Blitz
  • Zwei eingebaute Mikrofone
  • Raw-Datenformat
  • Gewicht 145g
Produkt2 (Image by Lars Rehm)
Dank gummiertem Griff ist das Hasselblad True Zoom komfortabel zu halten. Image by Lars Rehm
Produkt3 (Image by Lars Rehm)
Das Hasselblad True Zoom mit Objektiv in Tele-Position. Image by Lars Rehm

Funktionsumfang und Ergonomie

Ich hatte die Gelegenheit, das Hasselblad True Zoom schon vor der offiziellen Vorstellung einige Tage auf Herz und Nieren zu testen und bin von dem neuartigen Konzept sehr angetan. Dank Magnetkraft saugt sich das Moto Mod beim „Andocken“ regelrecht an die Rückseite des Smartphones und bringt sich automatisch in die richtige Position. Ein Neustart des Telefons ist nicht notwendig, die Kamera ist sofort einsatzbereit.

Produkt4 (Image by Lars Rehm)
Kameramodul und Smartphone werden per Magnet zusammengehalten und kommunizieren über eine Reihe elektronischer Kontakte. Image by Lars Rehm

Der Kamerakörper besteht aus solide wirkendem Hartplastik und ein gummierter Griff gibt guten Halt. Zoomhebel und Auslöser funktionieren genauso wie an einer normalen Kamera. Durch einen Halbdruck des Letzteren können Belichtung und Fokus gesperrt werden, es ist aber auch möglich, alle Funktionen über die zugehörige App zu steuern. Diese ist so gut wie identisch mit der Moto Smartphone-App, bietet aber einige zusätzliche Hasselblad-Bildmodi und -filter, die in unserem Vorserienmodell leider noch nicht implementiert waren.

Ferner können fortgeschrittene Fotografen im manuellen Modus Verschlussgeschwindigkeit, ISO und andere Parameter selbst einstellen. Außerdem kann das True Zoom zusätzlich zu JPG-Dateien auch Bilder im Raw-Format speichern. Diese bieten, mit entsprechender Software, weitaus mehr Flexibilität in der Bildnachbearbeitung.

App (Image by Lars Rehm)
Die App ist einfach und übersichtlich gehalten. Screenshot by Lars Rehm

Bildqualität

Zoom1 (Image by Lars Rehm)
Weitwinkel, Kleinbild-äquivalente Brennweite 25mm. Image by Lars Rehm
Zoom2 (Image by Lars Rehm)
Tele: Kleinbild-äquivalente Brennweite 250mm. Image by Lars Rehm

Wenn man die Sensorspezifikationen des True Zoom betrachtet, sollte man in punkto Detailauflösung, Bilddynamik und Bildrauschen keine Spiegelreflex-Qualität erwarten. Schließlich hat der Bildsensor die gleiche Grösse wie in einem Oberklasse-Smartphone. Deshalb ist die Bildqualität dementsprechend niedrig. Beispielsweise werden Bildrauschen und verwischte Texturen bei Betrachtung in Originalgrösse schnell sichtbar. Insbesondere gilt dies bei Aufnahmen in schwummrigem Licht. Auf Monitorgrösse sehen aber selbst Nachtaufnahmen noch gut aus und Belichtung und Farben sind durchweg ansprechend.

Bild1 (Image by Lars Rehm)
So gut ist die Detailqualität. ISO 100, 1/400s, Bilddetail liegt auf dem Niveau guter Smartphones. Image by Lars Rehm
Bild2 (Image by Lars Rehm)
Wie ist eigentlich die Farbwiedergabe? ISO 100, 1/500s, Farben sind kräftig. Image by Lars Rehm
Bild3 (Image by Lars Rehm)
Rauschverhalten im Test. ISO 1000, 1/30s, In dunkleren Lichtverhältnissen wird Bildrauschen sichtbar, Belichtung und Farben bleiben aber gut. Image by Lars Rehm
Bild4 (Image by Lars Rehm)
ISO 2500, 1/100s, Dank manueller Belichtungsoption können auch in schlechtem Licht schnellere Belichtungszeiten genutzt werden. Image by Lars Rehm

Die wahren Vorteile des True Zoom liegen jedoch im Zoomobjektiv und dem Xenon Blitz. Ersteres erlaubt es auch weiter entfernte Subjekte ohne Auflösungsverlust abzulichten, hat aber, im Vergleich zur eingebauten Smartphone-Kamera, konstruktionsbedingt eine weniger lichtstarke Blende. Zwar variiert die Bildschärfe etwas über den Zoombereich, ist aber generell auf dem Niveau einer vergleichbaren Kompaktkamera. Die optische Bildstabilisierung arbeitet sehr effizient und hilft dabei, Verwackler bei längeren Verschlusszeiten und im Videomodus, selbst bei längeren Brennweiten, zu vermeiden.

Blitz (Image by Lars Rehm)
Der leistungsstarke Xenon Blitz leuchtet auch Gruppenaufnahmen gut aus. Image by Lars Rehm

Zudem ist der Blitz um ein Vielfaches leistungsstärker als die LED-Leuchten einer Smartphonekamera und ermöglicht es, auch einige Meter entfernte Subjekte und Gruppen perfekt auszuleuchten. Dabei kann die Sensorempfindlichkeit niedrig gehalten werden, was wiederum zu guter Detailabbildung und niedrigen Rauschwerten führt.

Test-Fazit Hasselblad True Zoom

Das Hasselblad True Zoom Moto Mod für Lenovo Smartphones der Moto Z Serie ist das beste Smartphone-Kameramodul, das ich bisher genutzt habe. Denn vor allem im Vergleich zum Kameragriff des LG G5 oder „Smart Lenses“, wie den Sony QX oder Kodak PixPro Modellen, ist die Installation und Inbetriebnahme deutlich schneller und einfacher. Angedockt bietet es alle Vorteile einer Smart Camera. Wird es nicht gebraucht, ist es ebenso schnell wieder vom Smartphone abgenommen und verschwindet in der Tasche.

Hingegen Bilddetail und -dynamik sind auf dem Niveau guter Smartphone-Kameras, aber das 10-fach Zoomobjektiv bietet weitaus mehr Flexibilität als deren Festbrennweiten und der Xenon-Blitz ist eine echte Waffe im Kampf gegen die Dunkelheit. Allerdings liegt der Hauptnachteil des True Zoom darin, dass das Modul nur mit den momentan drei Modellen der Lenovo Moto Z Serie kompatibel ist, was für die meisten potenziellen Konsumenten einen Wechsel des Smartphones bedeuten würde. Diejenigen Nutzer, die ohnehin über ein Telefon-Upgrade nachdenken, viel mit dem Smartphone fotografieren und ihre Bilder auch gerne editieren und teilen, sollten sich das Hasselblad True Zoom und die Moto Z Reihe auf jeden Fall sehr genau ansehen.


Images by Lars Rehm


About Lars Rehm
Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.