Huawei Nova im Test: Strahlender Stern in der Mittelklasse

Noch vor einigen Jahren waren Android-Phones vor allem eines: Nerdobjekte. Der Funktionsumfang war bahnbrechend, aber das Design eher mau. Den Stein des Anstoßes gab Apple mit seiner iPhone-Serie. In den folgenden Jahren mauserten sich auch die High-End-Geräte mit Android-Betriebssystem zu schicken, aber auch teuren Alltagsbegleitern. Der aufstrebende chinesische Hersteller Huawei will diesen Lifestyle-Faktor nun in die Mittelklasse transportieren und den Markt mit dem preiswerten Huawei Nova aufmischen. Inwieweit das gelingen kann, klären wir im Test.

Design und Verarbeitung

Galten die ersten Smartphones der Chinesen noch als leistungsschwache Billigheimer mit erheblichen Design-Defiziten, so hat sich Huawei mit Oberklasse-Geräten aus der Mate- und P-Serie zuletzt einen respektablen Ruf im Smartphone-Design verschafft. Diese Werte will der Hersteller aus Shenzhen nun auf das neue Mittelklasse-Gerät Nova übertragen. Das Gehäuse besteht aus griffigem, edel anmutendem Metall mit per Diamanten abgerundeten Ecken und Kanten. Auf der Vorderseite gibt’s 2,5D Gorilla Glass 4, welches das Display bei Stürzen schützen soll. Mit Abmaßen von 141,2 x 69,1 x 7,1 mm sowie einer Masse von lediglich 146g liegt es sehr schön in der Hand und passt in (fast) jede Hosentasche.

Auf der rechten Seite befinden sich eine Lautstärke-Wippe sowie der Power-Button. Die Bedienelemente sind auch blind gut zu ertasten und die Druckpunkte gut gewählt. Links befindet sich der SIM-Karten- sowie microSD-Kartenslot. Er kann wahlweise zwei (!) Nano-SIM-Karten oder eine Nano-SIM-Karte plus microSD-Karte aufnehmen. Auf der Unterseite findet sich ein USB Typ C Anschluss sowie ein Mono-Lautsprecher. Die Rückseite ziert unterhalb der Hauptkamera ein Fingerabdrucksensor, über den das Huawei Nova schnell entsperrt werden kann. Die Verarbeitung ist insgesamt auf sehr hohem Niveau, wenngleich es im Bereich der Kunststoffabdeckung der Antenne in der unteren Hälfte etwas Spalt gibt.

Die Rückseite erinnert stark an das Huawei Nexus 6P.
Die Rückseite erinnert stark an das Huawei Nexus 6P.

Display

Den Hauptbestandteil der Geräte-Vorderseite stellt das 5 Zoll große IPS-Display dar. Es löst mit gestochen scharfem FullHD, also 1920 x 1080 Pixel auf und bietet dadurch eine sehr gute Pixeldichte von 443 ppi. Auch in Sachen Farbtreue gibt es wenig auszusetzen. Einzig die Blickwinkelstabilität könnte etwas besser sein – aber wer schaut schon flach auf sein Telefon. Mit 450 nits ist die Helligkeit des Panels ganz ordentlich, wobei es sich bei direkter Sonneneinstrahlung nicht mehr ganz so gut ablesen lässt. Enttäuscht hat die automatische Helligkeitssteuerung, die das IPS-Display stets zu dunkel erscheinen ließ. Natürlich kann man hier manuell nachhelfen, allerdings geht das dann zu Lasten des Akkus. Auch die Reaktionszeit des Touch-Panels könnte etwas besser sein, reicht aber für den alltäglichen Gebrauch vollkommen aus.

Performance und Speicher

Unter der Haube des Mittelklasse-Smartphones werkelt der Snapdragon 625 Octa-Core-Prozessor von Qualcomm mit einer maximalen Taktleistung von 2.0 GHz. Für Grafikanwendungen steht die Adreno 506-GPU zur Seite. Dank einem 3 GB großen Arbeitsspeicher gehen alltägliche Aufgaben schnell von der Hand. Für Apps und Daten bietet der interne Speicher bei Auslieferung 24 GB Platz, die per microSD-Karte um bis zu 128 GB erweitert werden können.

Im AnTuTu-Benchmark erreichte das Huawei Nova 63713 Punkte und liegt damit im Bereich der anderen Mittelklasse-Smartphones wie dem LG V10 oder dem Samsung Galaxy A9 Pro. Der Geekbench lieferte einen Single-Core Score von 835 Punkten (LG Nexus 5) und einen Multi-Core Score von 3092 Punkten (Huawei Nexus 6P und Samsung Galaxy Note 4). Im Alltag ließ sich das Nova ohne Ruckler bedienen und auch Spiele wie FIFA Mobile liefen flüssig und ohne große Wartezeiten. Hinsichtlich des Mittelklasse-Status bekommt man also ein durchaus potentes Smartphone.

Auf der Rückseite des Huawei Nova befinden sich Hauptkamera und Fingerabdrucksensor.
Auf der Rückseite des Huawei Nova befinden sich Hauptkamera und Fingerabdrucksensor.

Kamera

Sowohl bei der offiziellen Präsentation auf der IFA in Berlin als auch im Pressematerial legt(e) Huawei großen Wert auf die Kamera. Das rückseitige Hauptmodul löst dabei mit 12 Megapixel aus und bietet eine lichtstarke f/2.0-Blende. Der präzise agierende Autofokus, der aus einem Phasen- sowie Kontrastfokus besteht, stellt Objekte schnell scharf. Gemeinsam mit einer Pixelgröße von 1,25 μm lassen sich so im Alltag ganz ansehnliche Fotos schießen. Eine Foto-LED sorgt bei schummrigem Licht für etwas bessere Ausleuchtung.

Für Foto-Enthusiasten steht zudem ein HDR-Modus sowie Langzeitbelichtung zur Verfügung. Der manuelle Modus eignet sich für all jene, die komplette Kontrolle über die Parameter haben wollen. Videos können in 4K aufgenommen werden. Überrascht waren wir dabei vor allem von der (im Auslieferungszustand leider deaktivierten) Bildstabilisierung. Die Clips sind mit etwas Geschick ruckelarm und können so ohne schlechtes Gewissen Freunden und Familie gezeigt werden.

Auf der Frontseite spendieren die Chinesen eine 8 Megapixel auflösende Selfie-Kamera. Mithilfe der Software-Algorithmen Beauty-Skin 3.0 und Beauty-Make-Up 2.0 können auch ohne Stunden im Bad verbracht zu haben hübsche Selfies geschossen werden. In einer Live-Ansicht passt die gemeinsam mit internationalen Make-up-Artists entwickelte Software das Gesicht entsprechend an. Anschließend kann über den Fingerabdrucksensor ausgelöst werden. Vor allem für die weibliche Zielgruppe ein interessantes Feature, auch wenn die Qualität durchaus verbesserungswürdig ist.

Sound

Eines der Schwachstellen des Huawei Nova sind zweifelsohne die oder besser der Lautsprecher. Er befindet sich wie bereits erwähnt auf der Unterseite und strahlt dementsprechend auch nach unten ab. Wie bei preiswerteren Exemplaren üblich sind die Höhen sehr präsent, die Tiefen fehlen hingegen ganz. Im Lieferumfang befinden sich zwar ein paar In-Ear-Headphones (die im übrigen stark an die Apple Earpods erinnern), sie bieten jedoch auch nicht wirklich bessere Soundqualität. Da hilft auch die vorinstallierte Optimierungs-App „Headphone:X“ von dts nicht wirklich. Hier empfiehlt sich zu einem Drittanbieter-Produkt wie dem Move Pro von Teufel zu greifen.

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Funk und Konnektivität

Ein wichtiger Punkt bei Smartphones ist natürlich die Verbindung zum mobilen Internet und damit nach Außen. Das Huawei Nova besitzt hierfür ein LTE-Modul mit Dual-SIM-Unterstützung sowie WLAN nach 802.11 b/g/n lediglich im 2.4-GHz-Frequenzbereich. Das macht sich besonders in der Reichweite bemerkbar, die nur Durchschnitt ist. Bluetooth 4.1 ist ebenso an Bord wie auch Ortungsmodule für A-GPS sowie GLONASS.

Akku

Positiv überraschte beim Huawei Nova der festverbaute Lithium-Polymer-Akku. Er besitzt eine Nennleistung von überdurchschnittlichen 3.020 mAh und bringt den Nutzer gut und gerne über zwei Tage. Dabei ist auch die ein oder andere Spielsession enthalten. Grund dafür ist neben der Mittelklasse-Hardware, die nur wenig Energie benötigt, das ressourcenschonende Android-Betriebssystem. Im PC-Mark erreichte das Mobiltelefon mit 50% Displayhelligkeit einen fast schon unglaublichen Wert von 9:45 h. Damit liegt es deutlich vor den Flaggschiffen Samsung Galaxy S7 Edge (6:06 h) oder dem Huawei Nexus 6P (5:11 h). Mithilfe des beiliegenden 2A-Netzteils ist der Akku in 2 Stunden wieder voll aufgeladen.

Software

Wie auch bei den Schwestergeräten des chinesischen Unternehmens ist Googles Betriebssystem Android in Version 6.0 Marshmallow vorinstalliert. Außerdem spendiert Huawei die eigene Nutzeroberfläche EMUI 4.1. Die Design-Anpassungen gegenüber Stock-Android sind dabei deutlich sichtbar und für Erstbenutzer eine kleine Umstellung. So fehlt der App-Drawer, in dem alle installierten Apps dargestellt werden. Stattdessen reicht ein Wisch nach rechts um alle Anwendungen anzeigen zu lassen.

Die Nutzeroberfläche EMUI 4.1 bringt einige interessante Software-Kniffe.
Die Nutzeroberfläche EMUI 4.1 bringt einige interessante Software-Kniffe.

Clever sind hingegen einige Software-Kniffe, die das Leben mit dem Nova einfacher machen. Die Benachrichtigungsleiste kann beispielsweise unkompliziert per Wisch über den Fingerabdrucksensor geöffnet werden. In der Galerie-App fungiert ein Wisch nach links oder rechts als Skip-Befehl. Der sogenannte Schnellzugriff erlaubt die Navigation und das Aufrufen der „Letzten Aufgaben“, der Bildschirmsperre sowie der Optimierung aus jeglicher App heraus. Wird auf dem Startbildschirm per Knöchel ein C, E, M oder W gezeichnet so öffnen sich entsprechend Kamera, Chrome-Browser, Musik- oder Wetter-App. Das funktionierte im Alltag allerdings nicht immer auf Anhieb.

Fazit: Das Huawei Nova bietet ein stimmiges Gesamtpaket

Mit dem Nova drängt Huawei also in den Bereich der kompakten Mittelklasse-Telefone. Und das ist gut so. Denn in Zeiten von immer größer werdenden Smartphones sind „kleine“ Geräte Mangelware. Insbesondere für den Otto Normalverbraucher, der nicht allzu viel Wert auf Hardware-Spezifikationen legt, sind Mobiltelefone wie das Huawei Nova mehr als ausreichend. Denn im Betrieb zeigten sich keine großen Macken. Außerdem sind wichtige Komponenten wie die Kamera für die alltäglichen Schnappschüsse oder die Akku-Kapazität für ausdauerndes Nutzen passend gewählt.

Natürlich könnt in der Preisklasse (UVP 399 Euro, aktuell für 379 Euro erhältlich) keine Wunder erwarten. Beispielsweise ist das Display im Automatik-Modus oft zu dunkel und der Sound aus etwa YouTube-Videos wird über den mickrigen Mono-Lautsprecher sehr leise wiedergegeben. Auch die Nutzeroberfläche EMUI sollte sich jeder Kauf-Interessent im Vorhinein angeschaut haben. Insgesamt aber schnürt Huawei mit dem Nova ein stimmiges Paket. Nicht zuletzt aufgrund des gefälligen Designs und den passend komponierten Farbvarianten Titanium Grey (unser Testgerät), Mystic Silver und Prestige Gold ist das Mobiltelefon eine Kaufempfehlung wert. Wir dürfen daher schon jetzt gespannt sein, wie der chinesische Hersteller die neue Nova-Produktlinie weiterführen wird. Denn Potential hat das Konzept allemal.

Das Huawei Nova eignet sich besonders für zierliche Frauenhände.
Das Huawei Nova eignet sich besonders für zierliche Frauenhände.

Hier geht es zum Test des Nachfolgers, Huawei Nova 2.


Images und Screenshots by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.