Verzockt sich Huawei mit dem Huawei Nova? Drei Alternativen in der Mittelklasse

Das Huawei Nova ist „nur“ ein Mittelklasse-Smartphone und war dennoch eine der Überraschungen der IFA 2016 (hier geht’s zum ausführlichen Test). Zum Erstaunen Vieler stellte das Unternehmen auf der IFA 2016 keinen neuen Überflieger aus der Mate- oder P-Reihe vor. Vielmehr will es sich mit der neuen Nova-Serie den Mittelklasse-Markt vorknüpfen. Das verkündete Huawei-CEO Richard Yu persönlich. Die Mittelklasse-Offensive wird zur Chefsache gemacht.

Dennoch halte ich es für fraglich, ob dem Unternehmen nach dem Mate 8, Mate S, P9 erneut ein Überflieger gelungen ist. Keine Frage, das Huawei Nova ist gut, eben ein „strahlender Stern in der Mittelklasse“. Doch neben ihm glänzen im gleichen Segment diverse andere Sterne. Für das, was das Huawei Nova bietet, ist es mit 399 Euro Listenpreis vergleichsweise teuer. Fast die gleiche Ausstattung gibt es woanders günstiger.

Was für das Huawei Nova spricht (oder auch nicht)

Das mit 5 Zoll recht kompakte Huawei Nova soll eine lifestyle-orientierte Zielgruppe ansprechen. Aluminium-Gehäuse, Fingerabdruckscanner, Full-HD-Display, starker 3.000-mAh-Akku, 12-MP-Rückkamera und 8-MP-Frontkamera, alltagstaugliche Rechenpower – das alles zusammen ergibt kein aufregendes, aber ein stimmiges Gesamtpaket.

Neben dem Design stellt Huawei vor allem die Selfie-Qualitäten in den Vordergrund. Die 8-MP-Frontkamera mit „Makeup“- und „Verschönern“-Modi ist tatsächlich nett. Doch neu ist dieses Feature nun nicht.

Huawei vermarktet das Nova als Selfie-Smartphone. Huawei Nova
Huawei vermarktet das Nova als Selfie-Smartphone. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Wirklich aus der Masse der Mittelklasse heraussticht das Nova durch einen 4K-Videomodus. Doch mal ehrlich: Was will die stereotype Fashion-Bloggerin von heute mit ultrahochaufgelösten 4K-Filmen? Monitore und TVs, die das darstellen können, sind immer noch wenig verbreitet. Da freut sich wohl nur der Boy-Friend, dass er einen Vorwand für den Kauf eines neuen Fernsehers erhält, um mal im Klischee zu bleiben.

Unterm Strich hebt sich das Huawei Nova durch praktisch nichts vom dicken Bauch des Mittelklasse-Wettbewerb ab. Sogar aus den eigenen Reihen kommt Gegenwind.

Konkurrenz aus den eigenen Reihen: Honor 8

Als Huawei die Submarke Honor einführte, fragte sich alle Welt, ob das Unternehmen nicht seine Mittelklasse-Smartphones durch hauseigene Konkurrenz kannibalisieren würde. Beim Huawei Nova ist jetzt der umgekehrte Fall angesagt. Wie stark das Angebot doch dem des Honor 8 ähnelt!

Honor 8
Honor 8. Image by Honor

In einigen Punkten ist die Billigtochter der Muttermarke sogar überlegen – trotz des identischen Preises von 399 Euro. Im Honor 8 steckt nämlich ein Spitzenprozesser (Kirin 950) und keiner aus der Mittelklasse (Snapdragon 625) wie beim Nova. Zudem erhalten Fotografen eine 12-MP-Dualkamera wie im Huawei P9, allerdings ohne Leica-Logo. Nur auf den 4K-Videomodus müssen Besitzer des Honor 8 im Vergleich zum Huawei Nova verzichten. Dafür bietet das Honor-Gerät 0,2 Zoll Displaydiagonale mehr. Ob man dies als vorteilhafter empfindet, ist aber eine Geschmacksfrage.

Samsung Galaxy A5 (2016): Auch der Marktführer hat ein Mittelklasse-Angebot

Wem die Spitzengeräte von Marktführer Samsung viel zu viel kosten und ohnehin nicht genutzte Features bieten, der greift zu A-Serie. Die 2016er Variante des Galaxy A5 kostet 359 Euro Listenpreis und muss sich vor dem Datenblatt des Huawei Nova nicht verstecken. (Hier geht es zum Test des Nachfolgers aus 2017.)

Samsung Galaxy A5 (2016)
Samsung Galaxy A5. Image by Samsung

Kontrast- und farbstarkes SAMOLED-Display in 5,2 Zoll Diagonale und Full-HD-Auflösung, edles Gehäuse aus Glas und Metall, Fingerabdruckscanner und 13-MP-Hauptkamera mit optischer Bildstabilisierung zählen zu den Highlights. Aufhübschungsalgorithmen im Selfie-Modus sind bei Samsung seit langem Standard. Der Prozessor des A5 ist Durchschnitt, der Akku ist mit 2.900 mAh etwas kleiner als im Huawei Nova. Mit 2 GB RAM bietet das A5 auch 1 GB Arbeitsspeicher weniger. Videos in 4K nimmt das A5 nicht auf.

Bietet das gleiche, für 100 Euro weniger: BQ Aquaris X5 Plus

Der spanische Newcomer BQ ist hierzulande nicht so bekannt wie Huawei, bietet aber dennoch respektable Geräte (zum Test des BQ Aquaris M5.5). Wie das Huawei Nova ist das BQ Aquaris X5 Plus ein 5-Zoll-Smartphone mit Metallgehäuse, Full-HD-Display, Mittelklasse-Prozessor und Fingerabdrucksensor. Die Hauptkamera von Sony löst mit 16 MP auf. Der Akku ist mit 3.200 mAh etwas größer als im Huawei Nova. Videos in 4K-Qualität kann das BQ auch. Die Maße sind aber minimal ausladender als die des Huawei-Geräts. Doch der Preis! Mit 299 Euro Listenpreis ist der Spanier gleich um ein ganzes Drittel günstiger.

BQ Aquaris X5 Plus
BQ Aquaris X5 Plus. Image by BQ

Fazit

Wer mit dem Huawei Nova liebäugelt, interessiert sich fraglos für ein gutes Smartphone. Ein Blick nach links und rechts zum Wettbewerb lohnt sich aber. Wer auf 4K-Video verzichten kann, erhält zum gleichen Preis mit dem Honor 8 ein ähnliches, je nach Standpunkt, besseres Gesamtpaket. Das Samsung Galaxy A5 (2016) ist sogar 40 Euro günstiger. Dafür bietet es kein 4K sowie marginal weniger Rechen- und Akkupower. Preislich ein echter Geheimtipp ist das BQ Aquaris X5 Plus, das auf dem Papier praktisch das gleiche kann wie das Huawei Nova.

Noch mehr zum Huawei Nova: hier geht es zum ausführlichen Test. 


Images by Berti Kolbow-Lehradt, Honor, Samsung, BQ


About Berti Kolbow-Lehradt
ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Netzpiloten Apple und Netzpiloten Android befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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