Das Honor 6X im Praxistest: Kleiner Preis, solides Auftreten

Die Huawei-Tochter Honor will den Markt für günstige Mittelklasse-Smartphones erobern und möglichst viel Qualität zum kleinen Preis anbieten. Das Honor 6X ist so ein Gerät, das zum Kampfpreis von derzeit 249 Euro zwei Kameras, Dual-SIM und ein 5,5-Zoll-Display mitbringt. Wie gut schlägt sich das Smartphone im Alltag und wo sind seine Grenzen? Ein Praxistest.

Das Honor 6X ist nach drei Monaten Erprobungszeit in China nun seit dem 4. Januar auch in Deutschland zu haben. Es ist kein mit Technik vollgepumptes Flaggschiff-Modell. Das beansprucht es aber auch gar nicht – für eine junge und preissensible Zielgruppe will es den richtigen Kompromiss zwischen Preis und Qualität treffen. Das Smartphone kommt in den Farben Grau, Silber und Gold.

Honor 6X
Das schlanke Metallgehäuse des Honor 6X wirkt hochwertig. Image by Anton Knoblach

Der optische Eindruck: edel aber nicht perfekt

Auf den ersten Eindruck überrascht das 6X. Die Oberflächen aus Metall wirken durchaus hochwertig, das Display liegt mit seinen abgerundeten Ecken schön im Gehäuse und die Buttons haben einen guten Druckpunkt. Das Smartphone ist relativ schlank und liegt gut in der Hand. Die abgerundeten Ecken des Displays erzeugen ein irgendwie „weiches“ und wieder hochwertiges Gefühl. Natürlich ist das Gehäuse nicht aus einem Guss und hat keine durchgängig perfekten Übergänge im Material – insgesamt vergisst man aber schnell, wie wenig das Gerät kostet.

Auf der Rückseite finden sich ein Fingerabdrucksensor und zwei Kameralinsen – für ein Smartphone in dieser Preisklasse eine absolute Neuheit. Anders als etwa beim iPhone 7 Plus bekommt man durch die weitere Linse keinen optischen Zoom, die zweite Kamera (2MP) unterstützt die Hauptkamera (12MP) lediglich bei der Berechnung einer DSLR-ähnlichen Tiefenunschärfe.

Dual-Cam mit Schärfentiefe-Simulation kann sich sehen lassen

Apropos: Kameras. Honor stellt die hohe Bildqualität des 6X in den Vordergrund. Im Test bringt die Kamera durchaus solide Ergebnisse, die Bilder hauen mich aber auch nicht vom Hocker. In jedem Fall hält der Hersteller sein Versprechen mit der schnellen Reaktion des Auslösers, da gibt es nichts zu meckern. Die Kamera-App bietet ein Feuerwerk an Funktionen, die sowohl für Hobbyfotografen als auch -filmer interessant sind. Neben schönen Spielereien wie dem Modus „Lichtmalerei“ gibt es auch die Möglichkeit, alle Einstellungen der Kamera manuell zu treffen und so die volle Kontrolle über die Bilder zu behalten. Auch die Selfie-Kamera bringt eine solide Leistung.

Honor 6X
So günstig gibt es nirgendwo anderes eine Dual-Cam. Image by Anton Knoblach

Die zweite Kamera-Einheit auf der Rückseite ist ein nettes Gimmick und zieht definitiv die Blicke auf sich. Honor kann mit Recht sagen, das aktuell einzige Dual-Cam-Setup in diesem Preissegment zu bieten. Hier besteht aber die Gefahr, dass die „Dual Cam“ ein Buzzword wie „Megapixel“ oder „4K“ wird. Nur weil ein Feature an Bord ist, heißt das nicht unbedingt, dass es auch wirklich etwas bringt. In diesem Fall funktioniert die Schärfentiefe-Simulation aber gut.

Genug Display- und Rechenleistung für den Alltag

Praktisch ist dagegen, dass Honor neben der zweiten Kamera auch noch Platz für eine SD- oder eine zweite SIM-Karte (nur bis 2G) bietet. „Oder“ deswegen, weil beide Karten sich denselben Slot teilen. Das heißt: Man muss sich entscheiden. Die meisten User allerdings werden mit den eingebauten 32 Gigabyte Speicherplatz auskommen.

Das Display löst mit Full-HD auf und ist hell genug. Die Bildqualität ist in Ordnung und der Preisklasse angemessen. Das Gleiche gilt für den integrierten Lautsprecher und die Sprachqualität. Der Akku fällt mit 3.340 mAh recht groß aus – der Hersteller verspricht über zwei Tage Betrieb bei „moderater“ und 1,5 Tage bei „intensiver“ Nutzung. Im Test habe ich nicht das Gefühl, dass der Akku so lange hält. Angesichts des Preises aber ist das an der Stelle eine sehr gute Leistung. Der Fingerabdrucksensor reagiert blitzschnell und zuverlässig, so wie man es von Honor- und Huawei-Geräten kennt.

Unter der Haube sitzen beim 6X sehr großzügige 3 Gigabyte RAM sowie eine achtkernige Mittelklasse-CPU, die auf den Namen Kirin 655 hört und aus Huaweis hauseigener Bauteilschmiede HiSilicon kommt. Im Test leistet diese Kombination eine gute Leistung. Nichts bleibt hängen, Animationen gehen flüssig und auch die Ladezeiten halten sich in Grenzen. Im Laufe des Jahres will Honor eine zusätzliche Variante des Geräts mit 4 Gigabyte RAM und 64 Gigabyte internem Speicher auf den Markt bringen.

Test-Fazit Honor 6X

Beim Honor 6X bekommt man sehr viel Smartphone für sehr wenig Geld. Natürlich kann man das Gerät nicht mit erstklassigen Android-Konkurrenten oder dem iPhone 7 vergleichen. Aber tut man es trotzdem, überrascht das 6X mit dem, was es kann. Für einen Bruchteil des Flaggschiff-Preises kommen alle auf ihre Kosten, die einen soliden Grundstock an Features möchten, aber keinen Wert auf die allerneuste Technik legen. Das Smartphone hat seine Schwächen, macht das meiste aber richtig.

Das Honor 6X ist für 249 Euro im herstellereigenen Shop vMall erhältlich. Bei anderen Online-Händlern gibt es das Gerät zum Teil zehn Euro günstiger.


Images by Anton Knoblach


About Anton Knoblach
ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen. Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder.