Kodak Ektra ausprobiert: Retro-Smartphone für Foto-Nostalgiker

Nur noch eine sehr kleine, enthusiastische Minderheit fotografiert mit klassischen analogen Kameras auf Kleinbild-Film. Hingegen das Retro-Design herkömmlicher Fotoapparate ist offenbar immer noch massentauglich – selbst für Menschen, die längst mit ihrem Mobiltelefon fotografieren. Für diese Zielgruppe vereint das Kodak Ektra den edlen Vintage-Look von Opas Knipse mit der Technik eines modernen Android-Smartphones. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona hatte ich Gelegenheit, mir das Resultat aus der Nähe anzuschauen.

Leder-Look aus der Ära des Kleinbild-Films

Benannt ist das Ektra nach einem gleichnamigen Modell, das der damalige Kamerahersteller Kodak 1941 auf den Markt brachte. Mit dem Traditionsunternehmen hat das Mobiltelefon aber nichts mehr zu tun. Vermarktet wird das Ektra von der Bullit Group, die die Marke Kodak für Smartphones lizenziert hat.

Kodak Ektra
Für das Kodak Ektra gibt es ein Leder-Case in Retro-Optik. Image by Lars Rehm

Die Form des Smartphone ähnelt der ursprünglichen Ektra-Kamera gar nicht, nimmt aber generelle Design-Anleihen an klassischen Kameras. So gibt es einen Auslöseknopf für die Kamera und einen kleinen Griff, der das Halten beim Fotografieren bequemer machen soll. Die Rückseite ist mit einer Lederimitation bezogen und das Kameraobjektiv wird mit Hilfe eines Plastikrings zumindest dem Anschein nach auf die Grösse einer „echten“ Kamera gebracht.

Trotz Kameradesign hat das Ektra kein Stativ-Gewinde. Aber die abgeflachten Kanten machen es zumindest einfach, das Gerät auf einer ebenen Oberfläche abzustellen, um mit dem Selbstauslöser zu fotografieren. Passend zum Retro-Stil des Ektra sind stilechte Lederaccessoires, zum Beispiel Hüllen und Halteriemen, erhältlich.

Kodak Ektra
Neben den Standardknöpfen gibt es an der Oberseite einen Kameraauslöser. Image by Lars Rehm

Vintage-Filter und haptisches Drehrad

Der Bezug zu Fotografie und Kameras reduziert sich aber nicht nur aufs Äußere. Über eine vorinstallierte App können Abzüge der aufgenommenen Bilder bestellt werden. Zudem werden über ein fortlaufend aktualisiertes Widget Apps mit Bezug zu Fotografie und Bildbearbeitung vorgestellt und empfohlen. Des Weiteren gibt es Videofilter im Stil von altem Kodak-Filmmaterial und die Kamera-App bietet manuelle Einstellungen inklusive virtuellem Drehrad mit haptischem Feedback.

Unter der Haube ein normaler Mini-Sensor

Das sieht alles sehr schön aus, fühlt sich gut an, und dürfte auf jeden Fall die Freunde von jeglicher Art von Kamera-Nostalgie ansprechen. Potenzielle Käufer sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass sich im Inneren des Gerätes nur normale Smartphone-Hausmannskost verbirgt – auch im Kameramodul.

Beim Bildsensor der Hauptkamera handelt es sich um einen IMX230-Chip von Sony, wie uns die Presseagentur der Bullit Group mitteilte. Der Sensor misst 1/2,4 Zoll in der Diagonale. Das ist typisch für aktuelle Smartphones, aber ein Vielfaches kleiner als das Kleinbild-Format. Daher sind unter schlechten Lichtbedingungen qualitativ keine Wunder zu erwarten.

Die Hauptkamera verfügt über eine Auflösung von 21 Megapixel und eine f/2.0-Blende. Die Frontkamera hat 13 Megapixel und eine Blende von f/2.2. Damit können in der Praxis, und vor allem bei gutem Licht, durchaus gute Aufnahmen gemacht werden. Aber mit den besten Smartphone-Kameras, wie zum Beispiel dem Google Pixel, Huawei Mate 9 oder Samsung Galaxy S7 kann das Ektra in punkto Bildqualität nicht ganz mithalten.

Kodak Ektra
Das 5 Zoll große Display bietet nur HD-Auflösung. Image by Lars Rehm

Auch das 5 Zoll große Display mit seiner HD-Auflösung ist nicht ganz auf Top-Niveau. Hingegen der schnelle Chipsatz Helio X20 und 3 GB Arbeitsspeicher sorgen für flotte Bedienung in den meisten Situationen. Wem die 32 GB an eingebautem Nutzerdatenspeicher nicht ausreichen, kann diesen mittels microSD-Karte erweitern.

Fazit: Außen Edel-Retro, innen aktuelle Durchschnitts-Technik

Liebhaber von Retro-Design im Stile alter Kameras bekommen mit dem Kodak Ektra Einiges geboten. Die Technik unter der Designhülle hat aber das Niveau eines typischen Mittelklasse-Smartphones. Das Gerät arbeitet sehr solide, bietet aber technisch nichts Besonderes, nicht mal im Fotobereich, der ja im Fokus der Vermarktung steht. Zum Preis von 499 Euro erhalten Käufer des Kodak Ektra viel Schein, wenig Sein.

Die Smartphone-Highlights vom Mobile World Congress 2017 haben wir hier zusammengefasst.


Images by Lars Rehm


Mit Material von Berti Kolbow-Lehradt

About Lars Rehm
Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

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