Deine eigene Cloud: So richtest du Owncloud unter Android ein

Die Festplatte ist abgeschmiert, die Daten-DVD zerkratzt und der Laptop geklaut? Es gibt viele gute Gründe, die eigenen Daten einer Cloud anzuvertrauen. Die Daten liegen jedoch meist im Ausland, wo andere Rechte und Gesetze gelten. Wer die volle Kontrolle haben will, muss es selbst machen. Eine der kostenlosen Lösungen für den eigenen Server ist Owncloud. Ich zeige euch, wie ihr Owncloud auf eurem Android-Smartphone einrichtet.

Owncloud ist modular aufgebaut und kommt standardmäßig mit Filesharing, einer Kalender- und einer Kontakte-App, die jeweils mit den gängigen mobilen Betriebssystemen synchronisiert werden können. Die grundlegende Bedienung und Konfiguration erfolgt im Browser. Erweiterungen bringen zum Beispiel einen Passwortmanager und eine eigene Verschlüsselung dazu.

Eine Warnung gleich vorweg: Alles selbst einzurichten ist nur etwas für IT-Versierte. Ein paar Tipps zum Installation des Servers findet ihr hier. Steht der Server, fehlt nur noch die Einrichtung auf dem Smartphone.

Filesharing mit Owncloud

Owncloud
Die Owncloud-App für Android. Screenshot by Anton Knoblach

Für den Filesharing-Kern der Owncloud gibt es eine eigene gleichnamige App im Play Store. Sie kostet 79 Cent und bringt Funktionen mit, die wir auch von den Apps der klassischen Anbieter kennen. Mit dem Dateibrowser können die Files geöffnet und heruntergeladen werden. In den Einstellungen kann festgelegt werden, dass Fotos und Videos automatisch in die Cloud geladen werden. Die App lässt sich mit einem vierstelligen Code schützen, der beim Öffnen eingegeben werden muss.

Die Einrichtung ist einfach: Die App im Store kaufen und installieren. Dann die Adresse eurer Cloud und die Login-Daten eingeben. Das war es auch schon. Etwas komplizierter wird es bei den nächsten beiden Modulen.

Kalender und Kontakte einrichten

Die Kalenderfunktion synchronisiert sich über die sogenannte CalDAV-Schnittstelle. In Android gibt es aktuell leider keine werkseigene Funktion dafür, deswegen muss eine externe App aushelfen. Bei meinem Android-Gerät ist die App CalDAV-Sync im Einsatz, für die ihr allerdings 2,59 Euro berappen müsst. Die Einrichtung geht wie folgt. Ihr öffnet die App und tippt auf „CalDAV“. In das Feld „Servername/Adresse“ tippt Ihr https://[eureURL]/remote.php/caldav. Den Haken bei SSL unbedingt aktiviert lassen. Benutzername und Passwort wie schon bei der Owncloud-App, das Zertifikat könnt ihr frei lassen.

Im nächsten Fenster könnt ihr die Kalender auswählen, die ihr synchronisieren wollt. Nach der Einrichtung könnt ihr bei „Kontoeinstellungen bearbeiten“ etliche weitere Einstellungen treffen. Das Synchronisationsintervall beispielsweise ist standardmäßig auf sechs Stunden gesetzt. Bei häufigem Wechsel zwischen Geräten oder vielen Benutzern, macht ein kürzeres Intervall Sinn. Beachtet aber, dass eine häufigere Synchronisation Auswirkungen auf Datenvolumen und Akku haben kann.

Owncloud
Die Einrichtung des Kalenders unter Android mit einer zusätzlichen App. Screenshot by Anton Knoblach

Auch bei den Kontakten ist Fremdsupport gefragt, das Stichwort lautet hier CardDAV. Die wichtigsten Features bekommt Ihr kostenlos mit der App CardDAV-Sync free. Für mehr Funktionen gibt es das entsprechende kostenpflichtige Upgrade (1,90 Euro). Die Einrichtung funktioniert genau wie beim Kalender mit dem folgenden Unterschied: In das Serverfeld kommt nun die URL https://[eureURL]/remote.php/carddav.

Ist alles synchronisiert, könnt ihr direkt loslegen.

Allgemeine Tipps zur Sicherheit

Wie so oft in der IT steht gerade bei einer solchen Anwendung die Sicherheit an höchster Stelle. Die Kommunikation mit der Owncloud sollte unbedingt ausschließlich via SSL betrieben werden, sonst verschenkt ihr in jedem offenen WLAN eure Daten. Habt ihr ein SSL-Zertifikat, sorgt eine Einstellung im Backend dafür, dass http-Anfragen (ohne „s“) direkt abgelehnt werden.

Im Administrationsbereich gibt es außerdem eine Reihe an Anforderungen und Tipps zur Konfiguration des Servers. Hier geht es neben der Sicherheit auch um Performance.

Habt ihr die Owncloud etwas intensiver konfiguriert, solltet ihr vor einem Update gut überlegen, wie viel graue Haare es euch wert ist. An sich lässt sich die Anwendung mit einem Klick im Backend ganz easy aktualisieren. Bei mir persönlich allerdings hat bisher jedes einzelne Update einen Teil des Systems zerschossen. Nicht nur deswegen gilt: Macht unbedingt regelmäßig Backups von Dateistruktur und Datenbank, bevor ihr irgendetwas verändert.

Und jetzt wünsche ich euch himmlisch viel Spaß in eurer eigenen Cloud!

Übrigens: Solltet ihr Owncloud auch auf einem iPhone oder iPad einrichten wollen, erkläre ich euch hier, wie das geht.


Image by Owncloud, Screenshots by Anton Knoblach


 

About Anton Knoblach
ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen. Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder.