Samsung und LG bringen kein einheitliches HDR-TV aufs Smartphone und Tablet [Update]

[Update 24.3., 13.30 Uhr, Ich habe die Hersteller um weitere HDR-Spezifikationen gebeten und den Original-Artikel vom 27.2. entsprechend aktualisiert.]

Filme und Serien in High Dynamic Range (HDR) bieten viel mehr Details in sehr hellen und sehr dunklen Bildbereichen. Damit sorgt dieses Feature für eine sichtbar bessere Bildqualität. Bisher war es teuren Oberklasse-Fernsehern vorbehalten. Bald müsst ihr nicht mehr tausende Euro für ein riesiges TV-Display ausgeben. In Kürze kommen auch mobile Geräte auf den Markt, mit denen ihr HDR-Videos erleben könnt. Auf dem Mobile World Congress wurden die ersten beiden Devices angekündigt. LGs neues Flaggschiff-Smartphone G6 und Samsungs Highend-Tablet Galaxy Tab S3 können Bildsignale in HDR darstellen. Entsprechende Inhalte stehen in kleiner aber wachsender Zahl bei Netflix und Amazon Video bereit. Allerdings kochen Samsung und LG bei den genauen technischen Gegebenheiten ihr eigenes Süppchen. Den für Mobilgeräte allgemein festgelegten HDR-Spezifikationen erfüllen die beiden Neuvorstellungen nicht.

Das steckt hinter High Dynamic Range

Displays können generell nur einen Bruchteil von dem darstellen, was das menschliche Auge sieht: Farben, Helligkeit und Kontrast sind stark eingeschränkt. In den vergangenen Jahren haben die großen Display-Hersteller aber Fortschritte in diesem Punkt erzielt. Weil das Wettrüsten um eine möglichst hohe Auflösung allein nicht viel gebracht hat, haben sie endlich richtig viel Mühe in die Bildqualität gesteckt.

Ein Ergebnis ist High Dynamic Range. HDR-Displays können viel mehr Helligkeitsstufen unterscheiden. Dieses Plus an Kontrastumfang sorgt dafür, dass ihr in den dunklen Bildstellen einer Thriller-Szene oder in den sehr hellen Lichtern eines Feuerwerks oder Sonnenuntergangs auch noch Zeichnung erkennt.

Image by Samsung

Um dies möglich zu machen, haben Hersteller wie Samsung und LG in ihre Displays eine High-Tech-Folie mit Nanokristallen eingezogen. Diese tragen dazu bei, dass Farbdetails nicht verwaschen, sondern besonders realistisch aussehen. Außerdem wurden die einzelnen Materialschichten eines Displays so angeordnet, dass von den Leuchtdioden mehr Lichtausbeute für die Zuschauer zu sehen ist. Samsung und LG sind als führende TV-Hersteller in Sachen Display-Technologie sehr erfahren. Da wundert es nicht, dass beide die ersten sind, die HDR auch in ihre Mobilgeräte integrieren.

UHD Alliance hat einheitlichen Standard formuliert

Damit ihr HDR-Bilder sehen könnt, müssen aber viele Glieder einer ganzen Technik-Kette ineinander greifen. So muss bereits das Videomaterial in einem bestimmten Standard vorliegen und auch softwareseitig von den Displays verarbeitet werden können. HDR10 und Dolby Vision sind die bisher wichtigsten HDR-Standards. Um HDR darstellen zu können, benötigen Smartphones und Tablets eine Leuchtkraft von zu 540 Nits. Eine 10-Bit-Farbtiefe und eine Abdeckung von 90 Prozent des P3-Farbraums sind ebenfalls eine Voraussetzung. Diese Anforderungen hat die der Branchenzusammenschluss UHD Alliance als „Mobile HDR Premium“-Standard definiert.

Samsungs und LG bieten kein einheitliches mobiles HDR

Beim neuen Flaggschiff-Smartphone G6 hat LG mit den Dolby Laboratories zusammengearbeitet, um den HDR-Standard Dolby Vision zu integrieren. Das sorgt dafür, dass in Dolby Vision aufgenommene und übertragene Filme und Serien zuverlässig auf dem 5,7-Zoll großen Display im 18:9-Format des G6 angezeigt werden. HDR10 unterstützt das G6 eigenen Angaben zufolge auch. Wie hoch die Spitzenhelligkeit des Displays in Nits ist, verriet LG jedoch auch auf Nachfrage nicht. Daher ist davon auszugehen, dass LG nicht den „Mobile HDR Premium“-Standard erfüllt.

LG G6. Image by LG

Als Recheneinheit kommt der Spitzenprozessor Snapdragon 821 zum Einsatz. Er kann Farben in 10 Bit decodieren und damit 64-mal mehr Farbdetails als auf einer Standard-Blu-Ray darstellen. Mit 2.880 x 1.440 Pixeln (QHD+) löst das G6 nicht ganz so hoch auf wie aktuelle 4K/UHD-Fernseher. Im Smartphone-Bereich ist diese Auflösung jedoch top und dürfte für eine sehr scharfe und klare Darstellung sorgen.

Samsung teilte auf Nachfrage mit, dass das Tab S3 HDR10 anzeigen kann, aber nicht Dolby Vision. Wie bei LG handelt es sich bei der HDR-Darstellung auf dem Tablet nicht um einen einheitlichen Standard. Die Anforderungen von „Mobile HDR Premium“ erfüllt das Tab S3 nicht, erklärte mir Samsung. Ab Werk ist das Display auf 360 Nit eingestellt, maximal kann es 500 Nit darstellen. Aber eben nicht die von der UHD Alliance geforderten 540 Nits.

Dennoch bringt das Tablet viele Voraussetzungen mit, um Filme und Serien in großartiger Bildqualität darzustellen. So löst das Display sehr scharf in QXGA (2.048 x 1.536 Pixel) auf. Da es sich um ein sAMOLED-Panel handelt, werden Farben grundsätzlich intensiv und brillant dargestellt. Zudem deckt das Tablet laut Samsung 95 Prozent des Farbraum-Standards DCI-P3 ab. Diesen nutzt die US-Filmindustrie, die die meisten Inhalte produziert, die wir so schauen. Das Tab S3 arbeitet mit dem Snapdragon 820 und kann eine Farbtiefe von 10 Bit anzeigen.

Tab S3 mit HDR Display
Samsung Galaxy Tab S3. Image by Samsung

Damit das komplexere Bildsignal auch entsprechend entschlüsselt wird, kommt der moderne HEVC-Codec H.265 zum Einsatz. Er sorgt dafür, dass doppelt so viele Bildinformationen bei gleichzeitig halbierten Datendurchsatz verarbeitet werden können. Dadurch werden eure Internetleitungen nicht überfordert.

Das könnt ihr bereits in HDR schauen

Fernsehsender strahlen noch keine HDR-Inhalte aus. Und weil der Anschluss eines UHD-Blu-Ray-Laufwerks an einem Smartphone und Tablet nicht möglich ist, bleibt nur eine Option: Videostreaming. Netflix und Amazon Video nehmen immer mehr Titel mit High Dynamic Range in ihre Kataloge auf. Häufig handelt es sich um Eigenproduktionen. Da aber auch immer mehr Hollywood-Studios auf High Dynamic Range setzen, dürften die Zahl der entsprechenden Titel bald wachsen. Amazon und Netflix packen ein kleines HDR-Logo auf das Video-Cover. Leider lassen sich diese Videos in der Suche beider Anbieter noch nicht gezielt herausfiltern. Eine kleine Auswahl bietet dieser Artikel.

Möglicherweise verbessern Netflix und Amazon die Suche bis zum Erscheinen der Mobilgeräte. Das Samsung Galaxy Tab S3 ist bereits vorbestellbar. Das LG G6 soll ebenfalls bald in den Handel kommen.

Fazit

Samsung und LG sind für ihre Expertise in Sachen Bildqualität bekannt und haben viele großartige Displays produziert. Dass beide Hersteller jetzt High Dynamic Range auf Mobilgeräte bringen, ist ein begrüßenswerter Schritt. Dies verspricht ein großes Plus in Sachen Bildqualität. Schönere Pixel sind viel wichtiger als lediglich mehr Pixel. Wie gut die neuen mobilen HDR-Displays wirklich aussehen, wenn ihr HDR-Filme schaut, wird sich in einem ausführlichen Test zeigen müssen. Obwohl Samsung und LG sonst bei Fernsehern aus Marketing-Gründen sehr viel Wert auf Prüfsiegel legen, erfüllen ausgerechnet die beiden TV-Marktführer nicht den HDR-Standard für Mobilgeräte.


Images by Dolby Laboratories, Samsung, LG


About Berti Kolbow-Lehradt
Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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